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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Ssililiibeiiii Den 1?. Wmber
1888.
Amtlicher Tifeil.
Hersfeld, den 14. September 1898
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 14. August 1891 I. I. Nr. 8179, Kreisblatt Nr. 99, die Eiureichung der Nach- weisung über vorhandene gewerbliche Anlagen und über die in denselben beschäftigten Arbeiter betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 22. d. M t s. hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr van Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 16. September 1898.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 15. April 1886 Nr. 4578, Kreisblatt Nr. 46, die Körung der Zuchtbullen betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 24. d. M t s. hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Nath.
Die Abhaltung des Viehmarktes in der Stadt Fulda am 22. d. Mls. ist unter nachstehenden Bestimmungen genehmigt worden.
Außer den in der landespolizeilichen Anordnung vom 21. Juni 1897 — vergl. Nr. 74 des Kreisblatts — getroffenen Bestimmungen sind zur Durchführung der veterinärpolizeilichen Aufsicht des Marktes folgende weitere Bestimmungen getroffen worden, deren Nichtbeachtung mit einer Strafe von nicht unter 10 Mk event, entspr. Haft geahndet wird.
1. Vieh aus verseuchten Nachbargebieten, und zwar: 1. Preußen; Regierungs-Bezüke: Marienwerder, Berlin, Potsdam, Frankfurt a. O., Stettin, Posen, Bromberg, Breslau, Liegnitz, Magdeburg, Merseburg, Erfurt, Schleswig, Hildesheim, Lüneburg, Münster, Arnsberg, Wiesbaden, Koblenz, Düsseldorf, Köln, Trier und Aachen. 2. Bayern: Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern, Pfalz, Oberpfalz, Obersranken, Mittelfranken, Unter- franken und Schwaben. 3. Königreich Sachsen. 4. Württemberg: Neckarkreis, Schmarzwaldkreis, Jagstkreis und Donaukreis. 5 Baden: Laudeskommiffariate Konstanz. Freiburg, Karlsruhe und Mannheim. 6. Heffen: Provinz Rheinhessen. 7. Oldenburg 8. Braunschweig. 9. Sachsen-Meiningen und Kobnrg-Golha. 10. Anhalt. 11. Waldeck. 12. Bremen. 13. Elsaß-Lothringen, welches mit der Eisenbahn in den hiesigen Kreis eingesührt ist, darf nur dann auf den Markt aufgetrieben werden, wenn der Besitzer nachweist, daß es der ungeordneten Quarantäne von 5 Tagen unterworfen gewesen ist.
2. Am Tage vor dem Markte werden die Gastställe, Höfe der Gastwirthschaften u. f. w. thierärztlich beaufsichtigt werden.
3. Mit dem Austrieb darf nicht vor 6 Uhr früh begonnen werden.
Der Austrieb ist statthaft: a) durch die Schloßstraße, b) durch die Sturmiusstraße von der Rhabanusstraße aus, c) durch die Lindenstraße und d) durch die von Ziehers her durch den Eisenbahnviadukt führende Straße.
Hiernach bleibt von den auf den Viehmarkt mündenden Straßen nur die Heinrichstrabe für den Austrieb geschlossen.
4. Das Ausbringen von Vieh auf den Markt ist nur dann gestattet, wenn den an den unter 3 genannten Austriebswegen ausgestellten Polizei-Beamten eine von der Ortspolizeibehörde der Ursprungsgemeinde ausgestellte Bescheinigung vorgelegt wird, daß dort seit 4 Wochen iiidjt die Maul- und Klauenseuche herrscht und daß die Ursprungsgemeinde in den letzten 4 Wochen nicht zu einem Beobachtungsgebiet im Sinne des § 59 a der Bundesrathsinstruktion gehört.
Diese Bescheinigung hat eine fünftägige Gültigkeit, den Ausstellungstag eingerechnet.
Thiere, für welche eine solche Bescheinigung nicht
vorgezeigt werden kann, werden nur dann auf den Marktplatz zugelassen werden, wenn sie dem die Aussicht führenden beamteten Thierarzt zur besonderen Untersuchung vorgeführt worden sind.
5. Die Musterung von Vieh rc. in den Zugangsstellen oder dicht davor ist verboten.
6. Am Markttage ist der Viehhandel in Gehöften, Gastställen rc. innerhalb der Stadt Fulda verboten.
Fulda, den 8. September 1898.
Der Königliche Landrath Steffens.
Gefunden: ein Regenschirm. Meldung des Eigen- thümers bei dein Ortsvorstand zu Frielingen.
Nichtamtlicher Theil.
Die Kaiserfthrt nach dem heiligt« Lande.
6. Haifa.
Zum Empfange des Deutschen Kaisers auf seiner Palastinafahrt hat der Sultan in Haifa eine besondere Landungsbrücke bauen lassen, welche von dem Mufti von Haifa durch eine religiöse ^V - ung eingeweiht, und für welche ein Opferschaf, am Rande des Grundsteins geschlachtet, den göttlichen Segen verbürgen soll. Die Landungsbrücke ist aus Stein gebaut, in einer Gesamtlänge von 75 Metern, bei einer Breite von 6 Metern. An der 10 Dieter breiten Landungstreppe beträgt die Meeresliefe 2,5 Meter, also ein stattliches Bauwerk, welches der Sultan hat aufführen lassen, um seine Freundschaft für den Deutschen Kaiser zu zeigen.
Von Bord der „Hohenzollern" wird der Blick des Kaisers zur Linken aus Akka (Ptolemais) fallen, das heutige St. Jean d'Acre, wo das Königreich Jerusalem sein Ende erreichte. Diese alte Phönizierstadt, die unter der Herrschaft des Königreiches Jerusalem eine fränkische Festung geworden war, hat drei weltberühmte Belagerungen ausgehalten, am Ende des 12., des 13. und des 18. Jahrhunderts. Als Zeugen der ersten Belagerung sind nur noch bie" umliegenden Hügel vorhanden, auf welchen einst Königszelte gestanden und Banner geweht, welche die berühmtesten heraldischen Embleme des Abendlandes zur Schau trugen: fränkische Lilien, englische Lwparden, deutsche Reichsadler und Löwen von Sankt Markus. Bei Akka ging 1291 der Traum eines Erd- theils, das Königreich Jerusalem, zu Grunde; dort hat der Islam endgültig triumphiert.
500 Jahre später wurde wieder ein Zeltlager vor St. Jean d'Acre aufgeschlagen, welches Franken beherbergte. Ihre Gesänge hatten aber nicht den weichen Tonfall der Troubadours, deren Lieder hier einst in den Zeiten von Philipp August und Richard Löwenherz zur Laute gesungen wurden. Die Marseillaise und das <;a ira klangen drohend in die Stadt hinein, in welcher der grausame Türke Tschesar (der Schlächter) Pascha den Befehl führte, unterstützt von dem englischen Admirale, Sir Sydney Smith, und dem französischen Emigrierten Phelippeaux. Der junge General Bonaparte war, um Syrien zu erobern, mit 10 000 Mann von Egypten aus vor die Stadt gerückt, seine Begleiter hießen Kleber, Juvot, Murat, Caraffalli. Vierzehn wüthende, mörderische Stürme blieben erfolglos. Die Kräfte der Belagerer, namentlich ihrer Artillerie, waren ungenügend, und die aus Egypten mitgebrachte Pest decimierte sie. Am Berge Tabor pflückte der junge General einige Lorbeeren im Kampfe gegen den von Damaskus zum Einsätze Herau- rüdenbeu Feind, und dann mußte er die Belagerung im Mai 1799 aufheben und zog über Egypten nach Frank reich zurück. Die Geschichte erzählt nicht, daß Bonaparte und seine Begleiter auh nur den Versuch gemacht hätten, Jerusalem einzunehmen oder zu besuchen. Die Stadt Davids berührte weder geistig noch strategisch die damaligen Linien der europäischen Politik. Heute landet die „Hohen- zollern" in demselben Meerbusen, das Ziel des Hoheu- zollernsürsteu ist Jerusalem, nicht um staatlicher Politik
willen, sondern um der wahrhaft christlichen Ueberzeugung willen.
Der Name Haifa, die erste Stadt in Palästina, wo der Kaiser mit der Kaiserin das heilige Land betritt, ist in der Bibel nicht zu finden Haifa ist ein Fleckchen neueren Ursprunges, ein aufstrebender Ort, der aus einer Altstadt besteht, an die sich eine deutsche Kolonie in Form eines Villenviertels angeschloffen. Hier tritt der Kaiser, so zu sagen, auf deutschen Boden. Die Kolonie wurde durch die von Pfarrer Hoffmann hergeführte schwäbische Tempelgemeinde gegründet, welche letztere sich jedoch nicht in der ursprünglichen Form und Zahl erhalten hat, aber die Tempelfreuude, bestehend aus Landwirthen und Handwerkern, haben sich gut durchgebracht und nicht wenig zur Entwicklung Haifa's beigetragen. Die deutsche Kolonie ist ein Stück nach Palästina getragenes Schwaben. Die Häuser tragen deutsche Bauart zur Schau; zwischen den Häuserreihen laufen reinliche, ebene Straßen, die mit Schattenbäumen bepflanzt sind, in den Gärtchen und Gärten aber herrscht morgenländische Blumenpracht. Dort stehen meterhohe, rothleuchtende Geranienhecken, und gelbblühende Mimosen mit rothen Staubfäden blühen in verschwenderischer Fülle. Auch das Stück Ackerland zwischen Haifa, dem Karmel und dem Meere, auf dem einst Sykamium gestanden, ; erräth deutschen Fleiß. Rechteckige, steinfreie tiefer, bereu Getreide mit der Sense gemäht und — o Wunder — auf Leiterwagen heimgeführt wird.
Ueberragt wird Haifa von dem Kloster auf dem Berge Karmel, welches im Jahre 1799 Bonaparte als Lazarett gedient hat. Wie in Jaffa, so mußte er auch hier seine Verwundeten und Kranken zurücklassen, die dann von den Türken ermordet wurden. Im Klostergarten bezeichnet eine Pyramide das Grab der republikanischen Franken. Auf dem Berge Karmel, in einer der vielen Höhlen, hatten einst nach dem alten Testament die Propheten Gottes in schwerer Zeit sich verborgen gehalten; ein Elias und Elisa flohen hierhin vor dem Zorn der Könige von Israel. Hier wurde auch der Gebetskampf des Elias mit den Baalspriestern ausgefochten; diese Vertreter eines blutigen Gottesdienstes wurden vom Volke hinweggethan im eigenen Blute.
In den engen und unreinen Gaffen von Haifa, das etwa 12 000 Einwohner zählt, wohnen alle Religonsge- meinschafteu bei einander. An finsterm und schmutzigem Aussehen der Wohnungen thun sie es, einer dem andern, gleich, ebenso an niedrigem, schmutzigen Sinne und glühendem Glaubenshaffe. Auch die 700jährige Wirksamkeit der Karmelitermönche an diesem Orte, welche vom Ordens- sitz in Europa aus hin und wieder wegbeordert werden und sich aus allen katholischen Ländern ergänzen, hat hier keine merkliche Befferung hervorgebracht, weil durch die reichliche Vertheilung von Almosen von Seiten derselben der natürliche Hang zur Trägheit und Heuchelei unter den Eingeborenen nur genährt worden ist.
Der Jerusalemsverein in Berlin unterhält in dem aufstrebenden Hafenort Haifa am Fuße des Karmel einen Pastor und Lehrer und hat die am 2. Juli 1893 eingeweihte Kirche gebaut. Nicht nur das Geläut des Eliasklosters auf dem 600 Fuß über dem Meer sich erhebenden Vorsprunge des altberühmten Berges, sondern auch das vom Thurme der deutschen evangelischen Kirche klingt hier über den Meeresstrand und die von der Tempelgemeinde an der Königsstraße bebauten schmucken Häuser unb wohlgepflegten Felder hin. Hier hält sich von der Tempelkolonie der größte Theil zur Landeskirche und mit den Angehörigen hat sie vom 8. bis 13. September 1897 auch in Haifa das erste evangelische Missions- fest im heiligen Lande gefeiert.
Haifa ist die Seestadt für Galiläa und Samarien, die auch durch die englische Kirchenmission etliche Kirchen und Schulen, Krankenhäuser und ärztliche Stationen erhalten haben. In Nazareth ragt auch ein evangelisches Kirchlein als Mittelpunkt einer Gemeinde von etwa 500 Protestanten empor. 2 Missionare, ein deutscher und ein arabischer, versorgen sie, und 9 Lehrer sind an zwei Schulen mit über 300 Kindern beschäftigt, und überdies