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Amtlicher Tlzeil.
Hersfeld, den 31. August 1898.
Anläßlich eines Specialfalles wird hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß zur Ausführung von Schorn- steinanlagen die Verwendung von Schlotsteinen von nur 10 cm Breite unzulässig ist. Es muß vielmehr nach den Bestimmungen in § 53 der Baupolizei-Ordnung II bezw. § 19 der Baupolizei-Ordnung III für die Wangen der Schornsteine eine Stärke von mindestens 12 cm gefordert werden, wie überhaupt alle bei Bauten zur Verwendung kommenden Mauerziegeln (Steine) dem seitens des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten vorgeschriebenen Normalformat entsprechen müssen. Nach demselben sollen die Mauersteine in gebranntem Zustande 25 cm lang, 12 cm breit und 61/2 cm dick sein.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden hierdurch angewiesen, den Baulustigen so weit wie möglich von Vorstehendem Kenntniß zu geben.
I. II. Nr. 2918. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Rath.
Hersfeld, den 30. August 1898.
Der Schöffe Peter Jacob zu Untermann ist heute als Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Unterhaun eidlich verpflichtet worden.
I. A. Nr. 3617. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Hersfeld, den 3. September 1898.
U m z n vermeiden, daß die rechtzeitige Einzahlung des Betrages für das den Gemeinden im laufenden Jahre staatsseitig überwiesene Loosholz an die Königliche Kreiskasse dahier unterbleibt, wodurch die be-
Die Sternwirthin.
Erzählung für das Volk von A. v. Hahn.
(Fortsetzung.)
Als der Wurzer, halb besinnungslos vor Angst und Schreck, in seinem Wägelchen angejagt kam, von dem die grünen Reiser, mit welchen die Mägde es ausgeputzt, welk nnd geknickt Herunterhingen, war das Feuer bereits gelöscht.
Er war ganz verzweifelt und fassungslos, als er den Schaden übersah und stellte sich mit gerungenen Händen vor eine Vertiefung in der Mauer und jammerte unaufhörlich: „Leer — leer — der Schränk ausgebrannt!"
Die Leute stießen sich kopfschüttelnd an. Sie konnten'S nicht begreifen und hielten's für eine arge Versündigung, daß der Wurzer um leblose Dinge, die doch gewiß mit Geld wieder zu beschaffen waren, ein solches Gebühren zur Schau trug, noch ehe er ein Wort des Bedauerns für die arme Verunglückte gesunden.
„Habt Ihr denn gar so etwas Besonderes drin gehabt ?" fragte ihn einer, als er mit seinem Stöhnen und Kopsschütteln gar kein Ende finden konnte. „Ihr seid doch in der Feuerkasse und bekommt alles ersetzt. Ihr braucht doch nicht gar so sehr zu verzweifeln."
Der Wurzer sah ihn darauf erschrocken an und fuhr sich über die Stirn. „Freilich, Ihr habt recht," sagte er verstört. „Nichts war drin, was mir nicht ersetzt werden
treffende Gemeinde des Rechtes zum Bezüge von Loosholz im nächsten Jahre verlustig gehen würde, will ich nicht unterlassen, die Herren Bürgermeister schon jetzt auf den Inhalt der diesseitigen Verfügung vom 28. Februar 1880, Nr. 2182, im Kreisblatt Nr. 18, aufmerksam zu machen.
J. I. Nr. 4932. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 2. September 1898.
Die Herren Ortsvorstände erhalten in den nächsten Tagen die Nekrutirungsstammrollen von den Jahrgängen 1876, 1877 und 1878 zurück, um dieselben nebst den Anlagen in der Gemeinde-Repositur g^näß § 46 Abs. 12 der W. O. sorgfältigst aufzubewahren.
I. II. Nr. 2347, Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
In Kaltennordheim ist in einer größeren Anzahl von Gehöften der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.
Um einer weiteren Verbreitung der Seuche thunlichst vorzubeugen, wird die Abhaltung der auf den 7. und 22 September d. Js. fallenden Rindvieh- und Schweinemärkte in Kaltensundheim, sowie die Abhaltung des auf I den 27. September d. J. fallenden Viehmarktes (Schweinemarkt) in Kaltennordheim hiermit verboten.
Dermbach, den 2. September 1898.
Der Großherzoglich Sächs. Bezirksdirektoc.
♦ *
* Hersfeld, den 3. September 1898.
Wird veröffentlicht.
I. 4933. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Die Kaiserfahrt nach htm heiligen Fände.
1. Benedig.
„Stangenfahrt bleibt Stangenfahrt, auch wenn sie „offizielle Festfahrt" heißt", sagte mein Begleiter, als ich in Venedig den Dampfer bestieg, der mich zunächst nach Athen bringen sollte auf meiner Reise ins heilige Land. „Sie scheinen auch nach Palästina zu wollen,"
kann," und aufathmend setzte er hinzu: „Der Schreck macht mich nur so elend und bringt mich rein um den Verstand, daß mir das grad' heut passiren mußt'."
Die Nachbarn standen dem Wurzer die ganze Nacht hindurch redlich bei. Der Morgen kam heran, bis die ärgste Unordnung beseitigt war. Als die müden Helfer mit Sonnenaufgang fortgingen, fanden sich andere gefällige Hände, so daß er bis Mittag mit allem soweit war, um sein junges Weib herüberholen lassen zu können. Es war ja alles in seinem großen Hauswesen doppelt und dreifach vorhanden, sodaß die Wirthschaft ihren ruhigen Gang weitergehen konnte und es am Nothwendigen nicht mangelte.
Es war aber doch ein trauriger Anfang für das junge Ehepaar, und manche Prophezeiung wurde unter vier Augen laut, das Glück trüge die junge Frau nicht an den Sohlen, und es könnt' nur einen bösen Fortgang haben, was so sichtbar mit der Ungnade Gottes begonnen. —
Der Verlust der Papiere war dem Wurzer ein so harter Schlag, daß er ihn nimmer überwinden zu können meinte und auch der schüchterne Zuspruch seines Weibes eindruckslos an ihm abglitt. Sie ahnte es ja ebensowenig wie die andern, was ihm verloren gegangen, daß in dem Wandschrank ein beträchtlicher Theil seines Vermögens untergebracht war. Denn wenn die Gläubiger dahinter kamen, daß die Belege für ihre Schuld ver
erwiderte ich, und mein bis dahin unbekannter Reisegefährte stellte sich mir als der Berichterstatter einer Berliner Zeitung vor. „Wir haben", sagte er, „in unserer Redaktion uns die Sache lange überlegt, wie wir denn am besten Berichte von der Kaiserreise bringen können. , Eine Berichterstattung von den Stangenschen Dampfern ! „Bohemia" oder „Thalia" aus, die mit ihren Reise- Gesellschaften gerade immer oa find, wo der Kaiser nicht ist, und die sich entgegenreisen, könnte dem Zwecke kaum genügen. Auf dem Kaiserschiffe selbst dürften Berichterstatter, außer dem offiziellen Hof-Berichterstatter, kaum zugelassen werden, und wenn dies auch der Fall wäre, so wäre es doch kaum möglich, so schnell eine Berichterstattung in die Heimath zu senden, als es das Publikum erwartet. Ein Brief von Jerusalem nach Berlin braucht acht Tage, und eine Depesche kostet jedes Wort 45 Pfg., von Alexandrien aus sogar 1,45 Mk. So wird denn für die eigentliche Festsahrt das Publikum auf Wolffs Telegraphisches Bureau angewiesen sein und hernach acht Tage auf die Berichte warten müssen, die von den Berichterstattern aus Jerusalem kommen, also erst Mitte November über die eigentliche Kaiserfahrt orientiert werden. Darum wollen wir schon jetzt den Berichterstatter die Route, welche der Kaiser einschlägt, bereisen lassen und durch seine Verirre über die verschiedenen Orte dem Publikum die Möglichkeit geben, sich in den geschichtlichen und geographischen Rahmen hineinzuversetzen, welchen der Kaiser an Ort und Stelle vorfindet." Derselbe Zweck hatte auch mich zu meiner Reise veranlaßt, und so waren wir denn fortan die besten Freunde.
Am 13. Oktober wird sich unser Kaiserpaar in Venedig einschiffen. Die alte Lagunenstadt hat schon einmal unsern Kaiser mit Begeisterung begrüßt, als er 1894 von Abazzia dort Hinkam zur Zusammenkunft mit dem König Humbert von Italien. Venedig ist von alter Zeit her von den Deutschen mit einer gewissen Schwärmerei be. sucht worden. Mit Entzücken fahren die Reisenden aus der Eisenbahn bis ins Meer hinein, auf der ca. '/„ Stunde langen Brücke von 122 Bogen, jeder zu 11 Meter Oeffnung, welche Venedig mit dem Festlande verbindet, und mit Entzücken sehen sie sich plötzlich vom Bahnhof in den Canale grande nach dem Markusplatz versetzt und erfreuen sich an den Blicke auf die Markuskirche und an der Aussicht über die Piazetta auf das Meer. Die Markuskirche, welche, wie Lübke sagte, den Eindruck eines meerentstiegenen Wunders macht, ist Venedigs größte Sehenswürdigkeit. Die Mosaike, mit denen die Gewölbe und Bogen so ganz bedeckt sind, daß man von der Architektur eigentlich nichts sieht, gehören zu den
nichtet waren und unehrlich an ihm handeln wollten, konnten sie die Schuld leugnen. Zeugen hatte er nicht, denn an die große Glocke hing es niemand, wenn er sich bei dem Wurzer etwas borgen ging.
Bezüglich der Entstehung des Brandes blieb man bei dem einen Gesichtspunkte stehen, daß die verunglückte Magd die Urheberin gewesen, wenn'« auch fast den Anschein hatte, als sei das Feuer in der Stube auSge- tommen und diese viel mehr Spuren der Zerstörung auf; wies. Weil aber niemand außer ihr im Hause gewesen und einer es vor dem andern beschwören wollte, daß keiner den Stern verlassen und den Hof betreten, blieb'S auf der todten Vroni sitzen. Wenn's nicht in der Küche geschehen war, dann hatte sie vielleicht in der Stube ein brennendes Streichholz fallen lassen, und das Feuer war dort ausgekommen. Anders konnt'S doch nicht geschehen sein, darüber waren sich alle einig.
In dem Tumult hatte man ganz vergessen, dem Winzer von dem Hiersein des Benedikl zu sprechen, das doch alle Gemüther in solche Aufregung versetzt hatte. Er wußte noch nichts davon und sollte so erst am dritten Tage davon erfahren.
Gleich den andern war auch weder Lenei noch deren Mann dazu gekommen, sich in der aufregenden Nacht niederznlegen.
Der Tag war schon heraufgekommen, da kam der Wirth berußt und naß von der Brandstätte zurück, wo