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Gratisbeilagen rIlltistriktes Sonnragsblatt" u.Illnitrirte landwirthsehaftliche Veilage^^.

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IomierstW den 1. SchtmKr

1898.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" ^ Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat September werden von allen kaiserlichen Poftanftalteu, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Caffel, den 24. August 1898.

Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf Grund des Preußischen Gesetzes vom 13. März 1878, 23. Juni 1884 zur Zwangserziehung überwiesene und von mir in I der Rettungsanstalt zu Hof-Reith bei Schlächtern in ' Pflege und Erziehung untergebrachte Georg Zittlau aus Homberg, geboren am 12. November 1884, ist vorige Woche aus seiner Pflegestelle durchgebrannt.

Königliches Landrathsamt ersuche ich ganz ergebenst, nach dem Zögling umgehend Nachforschungen gefälligst anstellen, im Betretungsfalle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civilperson, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachlung ein solches von 4 Mark gewähren werde, in die genannte Rettungsanstalt zurückführen lassen zu wollen.

Von dem Geschehenen bezw. dem Ergebniß der Nach­forschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst zu benach- richtigen.

Der Landes-Direktor in Hessen. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.

* * *

Hersfeld, den 29. August 1898.

Vorstehendes wird den Ortspolizeibehörden und der Gendarmerie des Kreises behufs Nachforschung nach dem Entlaufenen mitgetheilt.

Im Betretungsfalle ist derselbe in die Rettungsan- stalt zu Hof-Reith zurückbringen zu lasten und über das Geschehene hierher zu berichten.

I. 4823. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Weltfrieden.

Die Einladung Sr. Majestät des Kaisers von Ruß­land zu einem allgemeinen Abrüstungskongreß findet in Deutschland die warme und aufrichtige Zustimmung, deren sie als ein die Welt überstrahlendes Evangelium echter Friedensliebe bei unserem Kaiser und dem deutschen Volke von vornherein gewiß sein konnte. An dem Tage, wo Nikolaus der Zweite das Denkmal des allen Rüsten unvergeßlichen Zar-Befreiers enthüllte, hat er das eigene Haupt mit dem Lorbeer des Friedens-Zars umflochten und sich selbst ein unvergängliches Denkmal gesetzt.

Nirgends kann diese That edler Menschenliebe freudiger gewürdigt werden, als in unserem Vaterlands, das, nach ruhmvollen Kriegen geeint, die Bewahrung des Friedens stets allen anderen Zielen vorangestellt und große militärische Machtmittel niemals anders als zur Verhütung gewaltsamer Entwicklungen aufgeboten hat.

Wenn jetzt aus dem Munde eines befreundeten Herrschers der Ruf an die Welt ergeht, diesen fast ein Menschenalter hindurch behaupteten Zustand der Waffen­ruhe auf neue mehr Sicher^' verbürgende und weniger Opfer fordernde Grundlagen zu stellen, so wird das so starke wie friedliebende Deutsche Reich die dargebotene Hand gern ergreifen. Schwierigkeiten, wie sie jeder große Kulturgedanke auf dem Wege von seiner Ent­stehung bis zur Verwirklichung durchlaufen muß, sollen uns nur um so eifriger bemüht finden, das hochherzige Programm des Kaisers Nikolaus soweit es an uns liegt, durchführen zu helfen. Aus dem redlichen Bestreben, Widerstände gemeinsam zu überwinden, werden die beiden Kaisermächte für ihre wechselseitigen Beziehungen neuen Gewinn schöpfen, märe es auch nur eine unzweifelhafte Bekräftigung der werthvollen Einsicht, daß weder Ruß­land für Deutschland, noch umgekehrt Deutschland für Rußland ein Hinderniß auf dem Wege bildet, der zum Weldfrieden führen könnte.

*

DerHamburgische Correspondent" bringt folgendes Original-Telegramm aus St. Petersburg: Der Gedanken­austausch zwischen den Kaisern Wilhelm und Nikolaus über die Herstellung eines dauernden Friedenszustandes hat die Identität der Wünsche beider Monarchen festgestellt.

Heute steht die Kundgebung des Kaisers von Ruß­land im Mittelpunkt der Erörterung der gesammten in­ländischen und ausländischen Preffe. Wir erwähnen zunächst einige Auslastungen aus deutschen Zeitungen; es schreiben:

Kreuzzeitung" :Der hochherzige Plan des Zaren läßt uns einen Einblick thun v; den edlen Sinn, in das menschliche Empfinden dieses p gendlichen Herrschers, der die unumschränkte, die gewaaige Machtvollkommenheit, die in seiner Hand vereinigt liegt, dem Werke des Friedens dienstbar machen möchte. So wird denn auch die kaiserliche Kundgebung bei allen Friedensfreunden mit ungeteilter, mit warmer Freude begrüßt werden."

Hannoverscher Courier":Diese großartige, vom Geiste wahrer Friedfertigkeit und edelster Menschenliebe getragene Kundgebung eines der mächtigsten Herrscher der Erde bedarf eigentlich keiner Erläuterung. Sie steht auf der Höhe des Jahrhunderts und giebt dem Friedensbedürfniß aller Kulturvölker beredten Ausdruck. Man kann nur wünschen, daß das hohe ideale Ziel, das in dieser Friedensbotschaft gesteckt ist, in möglichst voll­kommener Weise erreicht wird. Durchaus zutreffend ist das Wort, das Sir John Lubbock dieser Tage bei der Eröffnung einer internationalen naturwissenschaftlichen Versammlung gefurocken hat: Um wie viel bester würde sich die Welt stehen, wenn nur ein Tausendstel des für die Vernichtung von Menschen aufgewendeten Geldes der Förderung der Wissenschaft zu Gute käme. Aus diesem idealen Gedanken heraus ist auch die Kundgebung Kaiser Nikolaus' II. geboren."

Magdeburgische Zeitung":Je offener der junge russische Kaiser hier sich über die Ursachen des gegen­wärtigen Druckes, der auf den Völkern ruht, ausspricht, um so mehr wird ihm für dieses erlösende Wort der Dank der ganzen Welt gebühren."

Dresdner Journal" :Die Kundgebung des russtschen Monarchen ist überaus werthvoll als ein beredtes Zeug­niß der großen Friedensliebe dieses Herrschers. Sie wird in diesem Sinne auf dem ganzen Erdenrund mit Freuden ausgenommen werden und dem Zaren allezeit als eine edle That anzurechnen sein."

Nicht minder eifrig bespricht die Presse des Auslandes den kaiserlichen Vorschlag.

Paris, 30. Aug. DerTemps" schreibt: Frank­reich begrüßt die Initiative seines Verbündeten sym­pathisch. Aber es darf sein moralisches Erbe nicht auf- geben, wenn es nicht auf seine Existenzberechtigung

Die ^ternwirthin.

Erzählung für das Volk von A. v. H a h n.

(Fortsetzung.)

Taumelnd hielt sich der Wirth am Schanktisch fest, der Branntwein war ihm ganz arg in den Kopf gestiegen, aber als die Lenei sich jetzt umdrehte, die Mutter kam grade, den Mund voll Neuigkeiten, zur Thür herein, k- machte er ein gaaz vernünftiges Gesicht und ließ sich aushorchend in einen Stuhl nieder.

Hast's schon gehört, was Neues herumgehtr kam sie herein, geschäftig Tuch und Haube abnehmend. Sie war gar eifrig in der Wirthschaft überall voran und hielt zusammen, was zusammenzuhalten war, kam doch ihr Wohlleben mit ins Spiel, wenn die Wirthschaft zurückging. Jetzt aber trieb sie's in die Küche, wo sie mit der Magd für den AbendschmauS sorgen wollte.

Als sie Leneis Gesicht sah, schien die Neuigkeit ihr aber doch nicht so pressirlich.Hat's doch seine Richtig­keit mit dem, was er geschrieben hat," meinte sie gelassen, gemächlich ihre Haubenbänder lösend.Wie ein Graf kam er daher, daß ich ihn schier nicht wieder erkannt hätt', wenn's nicht dasselbe Gesicht war. Uebel schaut er aus, aber noch ebenso verträumt, bloß ein biffel schmaler noch. Jetzt kann ich mir's auch denken," fuhr sie fort, ihre seidene Schürze ausstäubend und zusammen­legend,warum die Pfarrersmagd so geschäftig nach der Gretei fragte. Als ich zur Kirche ging, kam sie wie ein Sturmwind dahergerannt und meinte, zwei Stadt-

leut' wären im Pfarrhof, sie ist neu und kennt den Benedikt nicht, und weil sie den Pfarrherrn nicht sprechen könnten, weil er ins Bad gereist ist, sind sie auf den Friedhof hinuntergegangen. Einen großen Kranz haben sie mitgehabt. Als sie zurückkamen, hat ihr der eine ein blankes Zweiguldenstück in die Hand gedrückt und gesagt, sie möcht' rasch nach dem Stern laufen und das Gretei, des Wirths Tochter, herholen. Ich hab' nicht gewußt, was ich aus dem Gewäsch machen sollt', und hab sie mit dem Bescheid zurückgeschickt, die Gretei wär nicht im Haus, sie wär über Land. Jetzt hör ich, daß der Benedikt da ist und kann mir die Sach' deuten."

Bis hierher hatte Lenei mit unterdrückter Aufregung zugehört. Jetzt fuhr sie in Hellem Zorn auf die Mutter los:Und Ihr seid nicht gleich hergekommen? Habt nichts gesagt? Und jetzt ist er vielleicht fort und kommt nimmer zurück!"

Dann sank sie in einen Stuhl und barg das Gesicht in den Händen, während ihr ganzer Körper wie im Fieber zitterte.

Der Wirth tauschte einen Blick mit der Alten aus. Wie Mitleid lag's in den Augen des Weibes, als sie den Schwiegersohn anblickte.

Bist' denn nimmer gescheit, Lenei?" rief sie der Tochter entrüstet zu.Was willst' denn von dem Bene­dikt noch, der jetzt grad' noch nach dir fragen wird und sich gewiß längst nach einem Stadtfräulein umschaut!"

Lenei aber schüttelte sich, als wenn sie von einer Krankheit befallen wär, und stöhnte:Nicht wahr ist's!

| Der Benedikt wird nimmer einem Weibe gut feiif und wenn ich jetzt vor ihn hintret':Da nimm mich, behalt' mich 1" er schickt mich nicht fort."

Nicht gescheit bist'," schrie die Alte erbost.Das Gute ist dir in den Kopf gestiegen. Weißt nicht, was d' noch verlangen sollst, weil d' schon drin sitzt, wie die Made im Speck. Was willst' denn noch beffres in der Welt? Legt dir jemand was in den Weg? Kannst' nicht thun und laffen, was d' willst? Wirst' nicht satt und hast' nichts anzuzieh'n? Hast' nicht genug gute Biffen zu schlucken? Möchst' noch mehr, du Gierschlung? Was hast' denn noch für Wünsch' ?" Wie eine Stadt­frau liegst' früh, bis die Sonn dir ins Gesicht scheint, im Bett und läßt dir die Suppen schmecken, die andre Händ dir gekocht haben. Gelt, der Hafer sticht dich? Hast's vergessen, wie wir zwei noch drüben in unsrer Käthe geseffen, über der bald kein Dach war, und von früh bis abends spät ums Stückle liebes Brot gerackert haben, 's ist dir noch nicht genug, daß d' die Händ' in den Schooß legen kannst und grad' nur soviel zu thun brauchst, daß d' dem lieben Herrgott nicht die Tage stiehlst, möchst' auch noch Kutsche fahren und dir ein' Schlumper hinten anbinden und ein' Thurm auf den Kopf setzen, wie die verrückten Weibsbilder aus der Stadt, die im Sommer dem Vieh die Almen abtreten."

Sie holte tief Athem, um neue Kraft zur Fortsetzung ihrer geharnischten Ansprache zu schöpfen.

Der Wirth aber, bemö leid that, daß die Mutter