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Kreisblatt.

Gratirbrilagen rIllusteirter Soitttta^Watt^ «.Illustrivtr landwirthschaftliche VeUage".

Rr. 99.

Dienstag Kn 23. AM

1898.

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Jllustrirtes Sonntagsblatt" «>» Mnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat September werden von allen kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Bill militkisches Urtheil.

Ein offenbar sehr kenutnißreicher französischer Marine­offizier schließt seine Ausführungen über die Vorgänge des spanisch-nordamerikanischen Krieges in derRevue de Paris" mit Betrachtungen über die Lehren ab, welche der Kampf uns hinterlassen habe.

Diese Betrachtungen verdienen es, auch in Deutsch­land eingehend gewürdigt zu werden. Vor allen Dingen ist nach dem Urtheil des französischen Offiziers eine Flotte von Holzschiffen zu nichts mehr gut, als um Feuer da­mit zu machen. Den Vertheidigern bedingter Brauch» barfeit von Holzschiffen, namentlich in Friedenszeiten, erwidere er, daß der Krieg für Kriegsschiffe die Norm sein müsse, der Friede hingegen ein Ausnahmezustand. Der Friede ist hier gleichsam ein Wunder, und er hört auch wie ein Wunder auf, nämlich mit einem Schlage. Wer hätte um Weihnachten prophezeien mögen, daß die Amerikaner und Spanier sich schon zu Ostern schlagen würden?"

Ferner ist heute eine schnellfeuernde Artillerie vor­läufig die Herrscherin der Schlachten; sie regiert alle Taktik. Geschütze mittlern Kalibers, geschickt bedient, können die Wirkung der riesigsten Kanonen schon in der ersten Stunde des Gefechts völlig aufheben. Und wie die Schuß-Geschwindigkeit die Taktik beherrscht, so be­herrscht überhaupt Schnelligkeit die moderne Strategie.

Drei Jahrhunderte festen Besitzes zu zerstören, hat ein unbedeutender Kampf hingereicht," so ruft der Ver­fasser weiterhin aus. Das will er allen denjenigen Leuten in Frankreich als warnendes Beispiel vorgehalten wissen, die der Marine keine bedeutsame Rolle zuschreiben zu dürfen glauben. In Wirklichkeit wachse die Bedeu­tung der Seemacht für den Krieg von Tag zu Tage.

Die Nation muß sowohl zu Lande wie zur See stark sein und darf weder die Marine der Armee, noch

Die Sternwirthin.

Erzählung für das Volk von A. v. H a h n.

(Fortsetzung.)

Am Spätnachmittag dieses bedeutungsvollen Tages pochte ein Gast an die Thür, der zu keiner passenderen Stimbe hätte kommen können.

Es war der Heirathssranzl, der Freiwerber des Dorfes, der dem Wurzer einige gelinde Vorwürfe zu machen fam, daß er bei seinem heutigen Unternehmen nicht seinen Beistand angerufen und das aus diesem Grunde allein nur ein verfehltes geworden. Seiner Redekunst und Ueberzeugungskraft wäre es sicher gelungen, ihm die Huberin geneigt zu machen, und er stände jetzt incht als ein Gegenstand der Schadenfreude und des Gelächters vor der Gemeinde da.

Um den Spott aber rasch todt zu machen, rreth er ihn, dringlich, recht schnell zu einem anderen Verspruch zu schreiten. Er, der Franzl, wolle ihm schon aus be­sonderer Zuneigung dabei behilflich sein. Er wüßte auch schon was Paffendes für den Wurzer, was junges und schönes. Das mußt's ja doch schon der Huberin zum Trotz sein, meinte er schmunzelnd.

Da der Wurzer wirklich Interesse für das Anerbieten zeigte, der Franzl hatte im stillen gemeint, seine heutige Mission dürfte, bei der wahrscheinlich wenig angenehmen GemüthSverfassung des WurzerS, mit einem solennen RauSwurf ihren Abschluß erreichen, rückte

die Armee der Marine zum Opfer bringen. Bei dem Eifer, mit welchem Europa nach allen Punkten des Erdballs blickt, wird ein Krieg zugleich auf allen Meeren ausgefochten werden. Gewaltige Gebiete, große Kolo- nieen werden dann aus einer in die andere Hand gehen, theils infolge großer Schlachten auf europäischem Boden, theils durch die unaufhörlichen Seegefechte, die eine größere Marine einer kleinern zu liefern weiß."

Die Nothwendigkeit, über eine See-Streitkraft zu verfügen, ergiebt sich für unsern Autor aus dem An­wachsen des nationalen Reichthums. Der Krieg zu Wasser sei der eigentliche große Kampf, den reiche Völker mit einander führen, um entscheidende Schläge zu thun. Nur durch seine Flotte habe England Napoleon die Spitze zu bieten vermocht, dem zwanzig Armeen und ganz Eu» ropa nichts anhabeu konnten. Als Rom die Weltherr­schaft erstrebte, habe es das Meer in Besitz genommen. Englands Größe stehe außer allem Verhältniß zu seinen eigenen Hilfsquellen und, was man auch dagegen sage, zu dem Genie der britischen Nation; sein politisches Gewicht knüpse sich eben seit 200 Jahren ganz genau verfolgbar an die Größe seiner Seemacht an.So behaupte ich denn, daß die Frage nach der politischen Macht als eine Marine-Frage zu betrachten ist."

In der That hat kaum je ein zweiter Krieg die Be­deutsamkeit einer kriegstüchtigen Flottemit so machtvoller Deutlichkeit dargethan wie gerade der letztverflossene spanisch-amerikanische. Wer auch jetzt noch, angesichts der überzeugenden Sprache, die aus Spaniens jähem Zusammenbruche zu uns redet, in der Marine nichts anders als einenSport" zu erblicken vermag, der be­weist damit aufs schlagendste, daß ihm jegliches Organ für die realpolitische Auffassung des geschichtlichen Lebens der Gegenwart mangelt. Ein gesundes, unbefangenes Urtheil wird und muß aus Spaniens Schicksal den Schluß ziehen, daß für jeden modernen Staat zur Be­hauptung seiner Stellung unter den übrigen Mächten der Besitz einer ausreichenden Flotte unerläßlich sei.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 22. August.

Se. Majestät der Kaiser ist am Sonnabend Morgen in Mainz eingetroffen und von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt worden. Die Rede, mit welcher der Ober- Bürgermeister Dr. Gaßner am Schloßthor Se. Majestät

er gleich mit der Sprache heraus und erzählte dem Wurzer geheimnißvoll viel Verlockendes von einer schönen, jungen Dirn, erst neunzehn Jahr alt, in Sturzbach drüben, von deren Vater er beauftragt sei, sich nach einem passenden Freier umzuschauen. Dreitausend Gulden habe die Dirn obendrein zu all den andern guten Eigenschaften gleich als Muttertheil bar in der Hand.

Auf des Wurzers Befragen, wie's denn käme, daß ein solcher Schatz nicht von selbst einen Käufer fände und nach einem solchen erst umgeschaut werden müßte, meinte der Franzl, der Vater suche nach einem ganz reichen Freier für die Dirn, und mit solchen wären die Wege doch Nicht gepflastert. Im Haus wäre auch eine Stiefmutter, mit der sich die Dirn schlecht vertrage und darum sollte sie schnell an den Mann gebracht werden.

Der Wurzer zeigte sich geneigt, der Sache näher zu treten.

Franzl rannte die ganze Woche wie eine Maus in sechs Wochen zwischen den beiden Ortschaften hin und her, und biö zum nächsten Sonntag hatte er's wirklich soweit zu stande gebracht, daß er den Bauer in dessen Wägelchen hinüberbegleiten konnte.

Wurzer sah seine Erwartungen noch übertroffen. Eine bildsaubere, blühende Dirn mit frommen guten Augen und einem Gethu wie ein Engel, wurde ihm zu- geführt, daß ihm schon beim ersten Anblick ganz warm um6 Herz wurde.

Sie war auch ganz willig und freundlich mit ihm,

empfing lautete wie folgt:Eure Majestät begrüße ich unterthänigst an der Schwelle des alt-ehrwürdigen Mainz. Aus der Stadt redet zweitausendjährige Geschichte. Hier, wo der Rhein die Ufer netzt, zog der römische Feldherr mit seinen Legionen hinüber, Germaniens trotzige Söhne zu bekämpfen, hier schiffte sich der Apostel der Deutschen, der erste Erzbischof von Mainz ein, das Licht des Evan­geliums hinauszutragen in die deutschen Wälder, von hier aus gebot Karls des Großen starke Hand der Welt, hier beriethen die deutschen Kaiser über das Wohl der Nation, hier war es, wo Barbarossa die Großen, Fürsten und Edelsten des Reiches um sich schaarte in feierlich- glänzender Versammlung, deutsches Recht zu hüten und zu wahren. Und an Seiten Eurer Majestät erhebt sich der Kurfürsten von Mainz Palast, in welchem die Fäden der alten Reichspolitik gesponnen und die Kaiserwahlen gelenkt wurden, gegenüber jener Bau, von wo aus Eurer Majestät hochseliger Großvater seinen Zug antrat gen Westen, der den Hohenzollern die Deutsche Kaiser­krone, dem deutschen Volke die lang ersehnte Einheit brächte. An diesem Platze, Majestät, begegnet sich das alte römische Reich deutscher Ration und das neue deutsche Reich! Heute hat Mainz, das durch seine Geschichte geweihte Maiuz, oas Glück, den Enkel jenes großen Wilhelm, den Sohn Friedrichs in seiner Mitte zu sehen, den Deutschen Kaiser Wilhelm II, unseren Kaiser, der mit energischer Hand und im Vollbewußtsein seines heiligen Berufs das Szepter führt zu des Reiches Wohl und Kraft, zur Erhaltung des völkerbeglückenden Friedens. Heil Eurer Majestät und innigen Dank! Auch den Mainzer beseelt deutsche Treue und Liebe zum Vaterland, auch ihn beseelt die Liebe zu seinem Kaiser. Und in der vaterstädtischen Geschichte wird mit Lettern, unvergänglicher den Erz, der heutige Tag eingeschrieben bleiben, an dem wir zum ersten Mal vor Eure Majestät treten durften, vor Eure Majestät als Gast des altehr­würdigen Mainz!" Auf die Ansprache des Ober- Bürgermeisters erwiderte Se. Majestät der Kaiser etwa wie folgt:Ich danke Ihnen, verehrter Herr Ober- Bürgermeister, für die herzlichen Worte, die Sie soeben an Mich gerichtet haben. Ihre Stadt ist Mir nicht neu; schon in jungen Jahren, als Knabe, war ich hier und habe damals ähnliche Betrachtungen angestellt, wie Sie Mir solche soeben in gedrängter und zutreffender Form vorgetragen haben. Das römische Reich deutscher Nation ist zu Grunde gegangen, weil es nicht auf nationaler Grundlage aufgebaut war; sein Zerfall hatte seinen Grund in dem Mangel patriotischen Empfindens und

daß ihm kein Zweifel blieb, sie mochte ihn gern und war einverstanden.

Aber die Vorsicht mahnte ihn, noch keine bestimmte Erklärung abzugeben. Er ließ die Augen fleißig herum­gehen, erwog dies und das, und besprach mit dem Vater alles in Ruhe und mit Ueberlegung. Auch die Ver- schreibung wegen der dreitausend Gulden Muttertheil ließ er sich zeigen. Auch das stimmte. Es war alles glatt und klar und der Vater sagte die Uebergabe des Geldes für den Hochzeitstag zu.

Der Wurzer gab sich noch sehr zurückhaltend und ge­messen würdevoll, seine heimliche Befriedigung verbergend, damit die freudige Aufregung des Vaters, die ihm nicht wenig schmeichelte, noch bis zu seiner Entscheidung vor- hielt Es war ihm ein rechter Trost und eine hohe Ge­nugthuung, nach seiner Niederlage vor acht Tagen sich jetzt so begehrt und umschmeichelt zu sehen.

Mit der Zusage sich bis zum nächsten Sonntag zu entscheide», reiste er mit dem Franzl wieder ab. Der machte ihm unterwegs arge Vorwürfe über sein Zögern und Ueberlege», wo's doch nichts zu überlegen gab. Es könnte ihm aber die Braut noch weggeschnappt werb n, meinte er, daß dem Wurzer schon ganz bange und leid wurde, den Verspruch nicht gleich zu stande gebracht zu haben.

Aber bei einer so ernsten Sache durste er doch nicht gradeSwegS drauf los handeln. Grade weil ihm alles so sehr gefiel und nach allen Seiten zusagte, glaubte