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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Abonncinentspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postansschlag.

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OransbeilasenrIllustrivtes Ssnnragsblatt" u» ^^Uuftdrk LanSmirthschaftliche Beklage".

Sr. 90.

Sinfhit Den 2. AM

1898.

Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Mustrirtes Somttagsblatt"»»» Wustrirte laildtvirthschaftl. Beilage" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbrieftrag ern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Laut Verfügung der Kaiserlichen Inspektion der Marine-Infanterie vom 26. d. Mts. können anfangs November b. Js eine größere Anzahl Dreijährig-Frei­willige bei den Seebataillonen zur Einstellung gelangen.

Die Einzustellenden müssen von kräftigem Körperbau mindestens 1,65 m groß und von guter SehleistUng sein, auch wird die Anforderung der Tropendienstfähigkeit an sie gestellt, da dieselben im Frühjahr nächsten Jahres nach Kiautschou entsandt werden sollen.

Anmeldungen haben unter Einsendung des Melde- schein» und sonstiger Zeugnisse, sowie unter Angabe der Körpergröße möglichst bald direkt an das Kom­mando des l. Seebataillons in Kiel bezw- des II. See­bataillons in Wilhelmshaven zu erfolgen. Anmeldungen ohne diese Papiere bleiben unberücksichtigt.

Königliches Bezirkskommando Hersfeld.

Nichtamtlicher Theil.

Fürst Vismarck ^.

Wie gestern früh durch Extra-Blatt bekannt gegeben, ist Fürst B i s ni a r ck a m Sonnabend, den 30. Juli, Abends 11 Uhr gestorben.

Die letzte Wendung in dem Befinden des Fürsten ist unvermutet eingetreten. Wohl hatte ein neuer Anfall seines alten Leidens Anlaß zu ernsten Besorgnissen ge­geben. Aber auch diesmal überstand die gewaltige

Die Sternwirthin.

Erzählung für das Volk von A. v. Hahn.

(Fortsetzung.)

Unten war lautes Leben. Leneis Mutter war noch im Haus, und ihr lustiges Kreischen schallte herauf. Auch Lenei schien heut besonders guter Laune zu sein. Gretei sah, daß ihr ganzes Gesicht lachte, wenn sie über den Flur in die Küche hinüberging und wieder zurückkam.

Sie hat eine Freud', weil sie bald mit dem lieben Benedikt Hochzeit macht," kalkulirte das kluge Gretei, und dabei kam's wie ein Weh über ihr kleines Herz, als wenn sie den Benedikt für sich verliren müßte, so­bald er LenelS Mann würde. Die kleine Eifersucht, die ihr Herz gegen Lenei hegte, war wohl auch die Grund­lage ihres unbesiegbaren Widerwillens gegen jene.^

Niemand kümmerte sich heut um das Kind. Selbst beim Mittagessen, zu dem sie immer, oft von der Dorf­straße weit her, gerufen wurde, war sie heut nicht ver­mißt worden. Gretei verspürte plötzlich einen argen Hunger, als Lenei mit der großen vergoldeten Kaffee­kanne, welche die Mutter nur an besonderen Festtagen in Gebrauch genommen, aus der Küche trat und in der Schankstube verschwand.

Wenn sie jetzt auch einen Augenblick hinunterging und ein Schlückle Kaffee mittränk, das war gewiß kein Unrecht gegen ihre Pflicht," dachte Gretei und stieg die Treppe hinunter.

Zu ihrem Erstaunen fand sie den großen Mitteltisch

Lebenskraft des greisen Kanzlers die Krise anscheinend leicht und gut. Als die ersten Alarmnachrichten in Um­lauf gesetzt wurden, war bereits eine so erhebliche Besserung eingetreten, daß vorläufig jede unmittelbare Sorge ausgeschlossen schien. Diese günstige Wendung hielt mit kleinen Schwankungen einige Tage hindurch an, sodaß man die bestimmte Hoffnung hegte, daß die Krise wieder überstanden sei. Man glaubte ja, der Fürst werde den bayerischen Ministerpräsidenten von Crails- heim empfangen können; Professor Schweninger, der bis­her stets so sicher den physischen Zustand seines Herrn beurtheilt hatte, hielt so bestimmt jede augenblickliche Gefahr für ausgeschlossen, daß er am Freitag von Friedrichsruh ab reifte. Am Freitag Abend nahm der Fürst zwar nicht an der Abendtafel theil, befand sich aber ziemlich gut. Am Sonnabend gegen 3 Uhr trat dann plötzlich eine bedeutende Verschlimmerung ein. Es schien, als könne das Schlimmste jeden Augenblick erwartet werden. Der Fürst litt große Schmerzen und war sehr erschöpft. Bald trat Bewußtlosigkeit ein, die nicht wieder völlig gewichen ist. Sofort wurde Professor Schweninger tele­graphisch herbeigerufen. Erst um halb elf Uhr traf derselbe in Friedrichsruh ein. In fliegender Hast bestieg er mit den beiden Rantzaus, die ihn erwartet hatten, den bereitstehenden Wagen und jaAc dem Schlosse zu. Eine Minute später betrat er das Krankenzimmer, aber nur um zu sehen, daß ärztliche Kunst hier nichts mehr ver­mochte. Der Fürst erkannte auch seinen langjährigen Arzt nicht mehr. Die Familie sowie die Dienerschaft blieben im Nebenzimmer versammelt. Rasch ging das Leben des Fürsten zu Ende. Wiederholt trat Luftmangel ein. Der Fürst griff mit den Händen nach den Augen, um sie zu pressen. Gegen 11 Uhr trat der Tod ein.

Eine uns gestern Nachmittag zugegangene Depesche meldet über die letzten Stunden des Fürsten noch folgendes : Am Sonnabend Vormittag las der Fürst noch die Zeitung, sprach über Politik, und trank. Plötzlich trat Verschlimmerung durch akutes Lungenödem ein. Nachmittags verlor der Fürst häufig das Bewußtsein. Abends nahmen die bedenklichen Erscheinungen zu. Der Tod trat leicht und schmerzlos gegen 11 Uhr Abends ein. Das Sterbelager umstand die gesammte Familie, kurz vorher waren Schweninger, Chrysander, Baron und Baronin Merck eingetroffen. Die letzten Worte richtete Bismarck an die Gräfin Rantzau, als sie ihm die Stirn trockneteDanke mein Kind". Der Fürst

in der Schankstube fein weiß gedeckt und sah einen mächtigen Napfkuchen darauf stehen.

Der Vater saß mit der schwatzenden Alten davor und Lenei füllte die bunten Tassen.

Komm her, Gretei," rief er, als das Kind eintrat. Hab' dich ja heut noch gar nicht zu Gesicht bekommen. Geh daher, kannst mitmachen. Gelt, das soll dir schon passen, einen Kuchen mitzuessen?"

Hol dir eine Tasse und setz' dich her," sagte Lenei.

Dem Dirndl aber war so beklommen ums Herz, es wußl'S selbst nicht warum, daß ihm der Hunger ganz verging, und es wünschte, es wär' auf der Treppe ge­blieben. Zugleich stieg ein Groll gegen Lenei in dem Kinderherzen auf. Die hatte dem Gretei bisher immer den Essennapf oder den Trinkbecher hereingebracht und jetzt that sie, als wenn Gretei die Magd im Haus und nicht sie es wäre. Das kam dem Dirndl schwer an. Sie hatte sich seit der Mutter Tod gewöhnt, sich neben dem Vater als Hauptperson im Hause zu sehen.

Der Vater sah sein Gretei eine Weile an, das da so verschüchtert an der Thür stand, den Finger in den Mund klemmte und bekümmert herübersah.

Am Ende merkte er, was in dem Kinde vorging. Denn gerade kam die Küchenmagd herein, und da befahl er ihr, eine Tasse für Gretei hereinzubringen.

Gretei sah's recht gut, daß es dabei wie ein böser Schatten über Leneis Gesicht huschte, und daß es mit . einer Gebärde des Widerwillens geschah, als sie ihr ein

Stück von dem Kuchen hinschob.

In dem Augenblick klopfte eine Hand anS Fenster, rechtzeitig in Benedikts Hände. So sicher aber war er

liegt schlafähnlich, der Ausdruck seines Gesichts ist mild und friedlich. Die Beisetzung erfolgt nach Bismarcks Wünschen auf der Anhöhe gegenüber dem Schlosse, nahe der Hirschgruppe.

Don Bismarcks Sterbelager.

Das Slerbezimmer ist im Erdgeschoß des Schlosses gelegen. Der Fürst verschied in der großen eichenen Bettstelle, die er sich nach eigenen Angaben aus dem Holz des Sachsenwaldes hatte zimmern lassen. Obwohl der Fürst seit 10 Uhr bewußtlos war, rang, wie dem Lokalanzeiger" gemeldet wird, der gewaltige Körper schwer mit dem Tode; einigemal verrieth ein tiefes Stöhnen, daß das starke Leben nicht- ohne Kamps erlosch. Als die Schatten des Todes sich niederzusenken begannen, klärten sich die Züge des mächtigen Antlitzes.

Friedrichsruh zeigte heute Nacht, nachdem die Trauer­botschaft bekannt geworden war, kaum ein verändertes Gepräge. Nur die Insassen des Schlosses, die sich in der letzten Zeit gleichsam auf Verabredung kaum auf der Straße hatten sehen lassen, um nicht theilnahm»- vollen Freunden über das Befinden des Fürsten Rede stehen zu müssen, kamen, um ein wenig frische Lust zu schönen und ihr Herr zu erleichtern, vor das Schloß­thor. Sonst feine Bewegung im stillen Walddorfe. Kein äußeres Anzeichen für das weltgeschichtliche Ereigniß. Bald nachdem wenige begünstigte Personen die Leiche gesehen hatten, erklärte Graf Herbert, daß der Eintritt bis auf weiteres für niemanden gestattet sei.

Am Sonntag Morgen meldet ein Berichterstatter des Lok.-Anz." noch Folgendes: Die Familie des Fürsten hat sich erst in der dritten Morgenstunde zur Ruhe be- geben. Herbert Bismarck schloß die von seinem Vater bewohnten Gemächer persönlich ab. Der Zutritt in das Schloß wird von der Gendarmerie verwehrt. Das Kaiserliche Postamt hat als erstes Gebäude in Friedrichs- ruh die Flagge Halbmast gehißt. Namhafte Verstärkungen des Postpersonals sind in der Nacht herangeholt worden. Still liegt noch der Ort, aber schon trifft die Bahnver- wallung umfassende Vorbereitungen. Tausende werden für Nachmittag erwartet. Alle Zimmer in Friedrichsruh sind vergriffen. Die Miethöpreise beginnen schon jetzt eine schwindelnde Höhe zu erreichen. Gegen 11 Uhr langte bereits eine große Anzahl Beileidstelegramme an.

und des Wurzers finsteres Gesicht sah herein. Er winkte dem Wirth, herauszukommen. Die andern schien er ge­flissentlich nicht zu sehen.

Der Sternwirth folgte dem Ruf behende.

Wie steht's mit euch?" fragte ihn der Bauer ge­spannt, als er herauskam.Seid ihr jetzt einig?"

Freilich," schmunzelte der Wirth.Eben feiern wir Verspruch."

Da kannst' gleich das Aufgebot bestellen. Komm nur gleich auf der Stell mit."

Brennl'S denn?" rief der Wirth überrascht und sah ihn kopfschüttelnd an.Das hat doch alleweil Zeit bis morgen."

Warum kann's nicht gleich geschehen? Grad' hab ich Zeit mitzugehen und ich möcht' dabei sein, damit ich auch gewiß bin, daß die Dirn mir vom Halse kommt."

Da brauchst' keine Angst mehr zu haben," meinte der Wirth gekränkt.Aber mir ist'S schon recht, wenn'» der Lenei paßt."

Geh nur hinein und mach'« mit ihr ab," mahnte der Bauer ungeduldig.Eh' ich die Geschicht' noch ein« mal mit meinem Weib bered', muß daran nichts mehr zu ändern sein."

Ich hab' gemeint, sie soll erst darum erfahren, wenn alles vorüber ist?" stutzte der Wirth. Die Sache mit dem Buch war ihm plötzlich eingefallen. Wenn die Wurzerin von seinem Verrath erfuhr, vertraute sie

I daS Geld vielleicht einem andern an, und es kam noch