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«r. 84.
AeilstW Den 19. Mi
1898.
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Irr smisch - amerikliilische Krieg.
Der von den Spaniern durch die Kapitulation Santiagos abgetretene Theil der Insel Kuba ist der unwirth- lichste und werthloseste der ganzen Insel, der außer Santiago nur noch wenige Orte wie Caimanera, Santa Catalina und Baracoa, lauter Fiebernester, enthält. Der Uebergabe sind lange Verhandlungen vorausgegangen, die zeitweilig ernstlich zu scheitern drohten. Namentlich bot die Frage der Mitnahme der Waffen Schwierigkeiten. Wie das „Reutersche Bureau" meldet, stellte General Toral, nachdem die amerikanische Regierung es abgelehnt hatte, den gefangengenommenen Spaniern die Mitnahme ihrer Waffen zu gestatten, das Ersuchen, man möge die Waffen gleichzeitig mit den Truppen nach Spanien senden. Auch dies wurde anfangs entschieden verweigert. Um 12 Uhr ritten die Generale Miles und Shaster zum Zwecke einer persönlichen Unterredung mit dem General Toral aus, welcher ihnen mittheilte, er habe soeben die Genehmigung des Marschalls Blanco zur Kapitulation erhalten. Auf den Vorschlag Blancos wurde eine Kommission zur Festsetzung der Einzelheiten ernannt. General Toral bestimmte zu Kommissaren den britischen Vizekonsul Mason, General Tolou und seinen Stabschef, die Amerikaner ernannten die Generale Wheeler und Lawton sowie den Hauptmann Will). Diese Kommissare haben die Sache alsdann erledigt.
Was das Umsichgreifen des gelben Fiebers betrifft, so sucht man solches jetzt als unbedeutend hin- zustellen. Unter den amerikanischen Truppen sollen in den letzten 24 Stunden nur 23 neue Erkrankungen und
Die E>ternwirthin.
Erzählung für das Volk von A. v. Hahn.
(Fortsetzung.)
„Gelt, du magst die Lenei auch gern und giebst sie nicht gern her? Aber schau, mit dir theil ich schon. Kannst die Lenei alle Tage haben, komm nur fleißig hin."
Das Kind schüttelte den Kopf. „Die Lenei mag ich nicht," sagte es bestimmt.
„Du magst die Lenei nicht?" fragte Benedikt fast erschrocken.
Wieder schüttelte Gretei den Blondkopf. Dann hob sie sich auf die Fußspitzen, schlang die Arme um seinen Hals und raunte ihm ins Ohr: „Die Bas hat gesagt, die Lenei möcht gern meine Mutter werden, und das mag ich nicht 1"
Benedikt sah betroffen vor sich hin. Dann athmete er tief auf und sagte kopfschüttelnd: „Nein, Gretei, das will sie ganz gewiß nicht.
Aber seine Traurigkeit war plötzlich wieder zurückgekehrt. Trübe starrte er in die kümmerliche Flamme des qualmenden Lämpchens, das auf dem Tisch stand, und gab dem Kinde nur einsilbig Bescheid. — —
Indessen ging drüben gar Wichtiges vor sich. ,
Der Wirth hatte Leuei und ihre Mutter in die Küche geführt, und nachdem er sie verriegelt, ihnen eröffnet, daß er soeben vom Wurzelbauern komme, der ihn habe rufen lassen und ihm hundert Gulden angetragen habe, wenn's ihm gelänge, den Benedikt und die
3 Todesfälle vorgekommen sein. Auch unter den Spaniern soll die Seuche wüthen. Von 800 Kriegsgefangenen, die in Portsmouth (Neu-Hamshire) eintrafen, ist fast die Hälfte vom gelben Fieber befallen; unter diesen befinden sich 80 Schwererkrankte; 7 Mann sind unterwegs gestorben. Vermuthlich ist dieser Umstand der Grund, daß General Shaster seinen Truppen verbot, in die Vertheidigungswerke der Spanier einzudringen. Auch sollen Krankenträger vom Rothen Kreuz sogleich nach Santiago hineingehen und, während die Spanier alles zum Aufbruch vorbereiten, die Ausübung der Polizeigewalt in der Stadt übernehmen. Im übrigen werden die Forts sowie die Artillerie sofort von den Amerikanern in Besitz genommen werden; der Einmarsch nach Santiago soll jedoch erst nach der Einschiffung der spanischen Truppen vor sich gehen.
Die Kapitulation von Santiago wurde in den Vereinigten Staaten am Sonnabend Vormittag um 9 Uhr 20 Minuten vom Kriegsdepartement in Washington durch öffentlichen Anschlag des folgenden Telegramms bekannt gemacht: Vor Santiago. Die Spanier haben sich ergeben. Einzelheiten folgen. Shaster.
Ueber die Kapitulationsbedingungen ist noch nichts Bestimmtes bekannt. Es liegen folgende Meldungen vor:
New-Iork, 1S. Juli. Aus dem Lager vor Santiago wird von gestern gemeldet: Die amerikanischen und spanischen Streitkräste bleiben immer noch in ihren beiderseitigen Stellungen in den Laufgräben, weil un- vermvthet Schwierigkeiten bei den Verhandlungen über die Kapitulationsbedingungen Santiagos entstanden sind.
Inzwischen ist nach einem in Washington eingetroffenen Telegramm das Geschwader SampsonS am Freitag früh in den Hasen von Santiago eingelaufen. Des Weiteren wird der New-Iorker „Tribüne" aus Washington gemeldet, man wisse, daß Marschall Blanco die mit der Uebergabe Santiagos unzufriedenen Obersten in der Umgegend der Stadt zum Widerstände gegen General Toral ermuthige, seitdem er erfahren habe, daß das gelbe Fieber unter den amerikanischen Truppen ausgebrochen. Nach einer Meldung des „New-Iork Herald" aus Havana erklärte Marschall Blanco, es würde, falls er es verhindern könnte, kein Friede auf Grundlage der Aufgabe der spanischen Oberherrschaft über Kuba geschloffen werden. Er bedauere, nicht mehr jung genug zu sein, um sein ganzes Leben für den beständigen Kampf gegen ein Volk, dessen einziger Ge
Lenei so auseinander zu bringen, daß das Kreuz ein Ende habe. Die Lenei aber sollte dreihundert Gulden bekommen, wenn sie entsage und das Geld an dem Tage ausgezahlt erhalten, an dem sie mit einem andern getraut werde. Schmunzelnd erzählte der Wirth weiter, daß er sich's wegen des Geldes gleich schriftlich habe geben lassen, damil's ein klares Geschäft würde und der Wurzer nicht später durch eine Hinterthür entschlüpfe, wenn's zum Zahlen käme. Die Lenei sollte nur einschlagen und sich nicht erst bedenken, denn wenn der Wurzer, der ein arger Nimmersatt sei, sich's soviel kosten lasse, könnte sie wohl ermessen, wie ernst es ihm mit seinem Widerstand sei. Den Benedikt aber so zu nehmen, dazu wäre sie doch wohl zu gescheit."
„Das ist schon recht," sagte Lenei mit funkelnden Augen, „und dreihundert Gulden sind eine schöne Sach'. Aber wo nehm' ich jetzt nur gleich einen gescheiten Freier her?" lachte sie den Wirth herausfordernd an.
„Ich mein', nach dem brauchst' nicht gar weit zu schaun," sagte er mit gekränkter Würde, aber freilich, wenn ich dir zu schlecht bin —"
„Madel, plagt dich der Böse?" fiel die Alte zeternd ein, die gewiß meinte, der Freier könnte noch ab: schnappen. „Gleich schlägst' ein und in zwei Wochen giebt'S Hochzeit!"
Lenei lachte gezwungen auf: „Fahrt den Wagen nicht gleich gar zu weit ins Heu, Mutter. Ein' Weil' hat'S wohl noch Geduld. Erst muß ich doch mit dem Andern in Ordnung kommen. Ich kann ihn doch nicht
danke die Schädigung seines geliebten Vaterlandes gewesen, hinzugeben.
Selbstverständlich beginnen die Ausfichten auf den Frieden erheblich zu wachsen. Wie es heißt, soll Mac Kinley bei Gelegenheit eines Gespräches über Den Fall von Santiago sich dahin geäußert haben, er hoffe, daß nunmehr der Abschluß des Friedens nahe bevorstehe. Auch in Spanien beschäftigt man sich in RegierungS- kreisen ernstlich mit der Friedensfrage. Der Kriegsminister erklärte in einer Unterredung mit einem Berichterstatter, der Friede sei unter folgenden Bedingungen möglich: Den Kubanern wird auf dem Wege der Volksabstimmung die Entscheidung darüber gelassen, ob sie Unabhängigkeit oder Autonomie unter spanischer Oberherrschaft wollen. Einer Abtretung Puerto RikoS widersetzt sich der Kriegsminister. Betreffs der Philippinen hat die Regierung einen Plan, der nicht nur Spanien den Besitz derselben sichert, sondern auch die in normalen Zeiten herrschende Ruhe wiederherstellen wird. Hierauf dürfte Amerika schwerlich eingehen.
In Spanien ist die Einführung des Ausnahmezustandes jedenfalls die Folge der Erkenntniß der Regierung, daß man recht bald genöthigt sein wird, auf die eine oder andere Art den Frieden zu schließen. Und wie sich die Bevölkerung dazu stellen wird, vermag niemand zu sagen. Vorläufig allerdings soll Ruhe herrschen. Doch wird eine Proklamation des Don Carlos erwartet, und dann dürfte in Spanien der Ausbruch einer Katastrophe unmittelbar bevorstehen.
Politische Nachrichten.
Berlin, 18. Juli.
Von der Nordlandsreise Sr. Majestät des Kaisers meldet ein Telegramm aus M o l d e vom 15. d. M. Vormittags: Se. Majestät der Kaiser gedenkt auch heute noch hier zu bleiben. — Das Wetter hat sich gebessert. — Der Kurier ist heute früh abgereist. — Ein Telegramm aus Molde vom 16. d. berichtet: Heute früh 7 Uhr trat Se. Majestät der Kaiser an Bord der „Hohenzollern", in deren Begleitung sich der Aviso „Hela" befindet, die Reise nach Dronth eim an; auf halbem Wege wurde der fällige Kurier an Bord genommen. — Das Wetter scheint sich zu bessern. — An Bord Alles wohl.
bloß wie ein Hund fortstoßen, — dazu gilt er mir doch zu viel."
„Braucht's ja nicht, braucht's ja nicht," eiferte die Alte. „Er wird schon selbander seinen Weg finden und heimgehen und dem Vater einen schönen Katzbuckel machen, bald du mit dem Wirth im Verspruch stehst."
„Seid still, Mutter, ich will Euch so nicht reden hören," sagte Lenei unwillig und fuhr, zum Wirth sprechend, fort: „Da hast, meine Hand, Sternwirth, richt' die Hochzeit ein, bald 's mit dem Benedikt in Ordnung kommt. Das aber merk dir nur recht," setzte sie gepreßt hinzu, während die Mutter in ein krähendes Frohlocken ausbrach und bald dem Wirth, bald der Lenei die Hände schüttelte, „der Benedikt ist nicht einer, der's leicht nimmt. Darum sieh zu, wenn du willst, daß wir von Anfang gut auskominen, daß es zwischen ihm und mir zu einem guten Ausgleich kommt. Glaub nicht, daß' dir eine Freud daraus mache» sollst, den Benedikt zu kränke». Das sönnt’ ein Unglück geben, und ich will mir kein Herzleid heraufschaffen. Er hat mich ja gar so lieb," schloß sie aufschluchzend und drückte das Gesicht, bitterlich weinend, in die Schürze.
„Nu, schau mir einer die Dirn 1" schalt die Alte keifend. „Lachen und tanzen sollt' sie*vor Freud', daß sie für den Gigack ein' ganzen Mann kriegt und in eine Wirthschaft kommt, in der auch kein Nägli in der Wand fehlt, und stellt sich gleich an, als sollt's eine Leich' und keine Hochzeit geben."
Der Sternmirth ahnte besser, was in der Lenei vor- ging. Er nahm ihre Hand und sagte gar freundlich: