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Geatirbettasen rIlluftkirtes SonnragsbLatt" «.3UuftrirU i«ndwivthschaftlrche VrUage".

Hr. 82. I-UtrstW K« 14. Kli 1898.

Vestellnngen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Somitagsblatt" u»d Jllnstrirte lairdwirthschaftl. Beilage" für das 3. Quartal werden noch von allen kaiser­lichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 11. Juli 1898.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 8. April 1879 Nr. 4257, Kreisblatt Nr. 29, Reinigen und Weißen der Schulräume betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 1 8. d. M t s. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei nitz,

Geheimer NegierungS-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Her sWisch-amerikanische Krieg.

Die Vorgänge in Kuba lassen es den Spaniern kaum zweifelhaft sein, welchen Verlauf der Krieg nehmen wird. So ist es natürlich, daß die Stimmung in Madrid nicht mehr mit der früheren Bestimmtheit für die Fortführung des Krieges ist, sondern daß man sehr viel vom bevorstehenden Friedensschluß redet. Wie ver­lautet, sollen die Amerikaner folgende Friedensbedingungen stellen : Abtretung von Kuba, Puerto Riko, einem Hafen aus den Kanarischen Inseln und Zahlung von 1200 Millionen Franks. Die Philippinen sollen als Unter­pfand für Zahlung dieser Summe dienen. Diese Be­dingungen werden indes vorläufig als unannehmbar angesehen.' In militärischen Kreisen will man aller­dings den Widerstand gegen Amerika noch nicht aufgeben.

Die E>ternwirthin.

Erzählung für das Volk von A. v. H a h n. (Fortsetzung.)

Und du meinst wirklich, daß du mich damit herum- kriegen könnt'st?" fragte der Wurzer heiser vor Zorn und beugte sich in dem Stuhl weit vor, wie ein ge­reiztes Thier, das zum Sprunge ansetzt.Hinaus!" donnerte er dann aufbrausend los und sprang auf. Hinaus, noch in dieser Stund', und es soll ein böser Tag sein, an dem ich dich zurückruf! So, jetzt ist die Thür für dich offen und sie wird sich erst wieder aufthun für dich, wenn du reuig zurückkommst, wo's noch Zeit ist."

Mag's geschehen, wie du's willst," sagte Benedikt mit einem tiefen Athemzug.Ich will gehen. Der liebe Herrgott weiß, daß ich nicht anders kann und darum wird er mich nicht verlassen. Vielleicht giebt er dir aber noch ein Einsehen, dann ruf mich, Vater, ~ ich will kommen. So jetzt will ich der Mutter noch einb'hüt Gott" sagen.

Er wollte in die Nebenstube gehen, der Bauer aber vertrat ihm den Weg und gebot finster:Nichts da, unter meinem Dach hast' nichts mehr zu suchen. Geh' zu deiner Dirn, Vater und Mutter hast' nicht mehr."

«Ferdinand!" kreischte die Wurzerin außer sich. Laß mein Kind zu mir! Ich will meinen Benedikt haben, mein Kind! Geh nicht von mir, mein Sohn!" ächzte sie verzweifelt.

Willst' mir auch den Muttersegen vorenthalten?"

weil das spanische Heer angeblich vollkommen wider­standsfähig ist. Daß sich aber in Regierungskreisen ge­wichtige Stimmen geltend machen, welche den Wider­stand für nutzlos erklären, das ergiebt sich aus den früheren Berichten, nach welchen im Kabinett Meinungs­verschiedenheiten herrschen. Df.ese Meinungsverschieden­heiten scheinen jetzt zu einem Zerwürfniß geführt zu haben. Bereits gestern verlautete in vorgerückter Stunde, es habe Sagasta der Königin die Vertrauensfrage ge­stellt. DieTimes" ist in der Lage, zu berichten, daß das Kabinett seine Entlaffung genommen hat. Darnach dürften die inneren Schwierigkeiten in Spanien aufs neue beginnen. Bestätigt sich diese Meldung derTimes" und ist Sagasta zurückgetreten, so kann das Folgen nach sich ziehen, die sich einstweilen noch nicht übersehen lassen.

Die Nachrichten aus Santiago lauten wider­sprechend. Der Hauptkampf hat offenbar noch nicht stattgefunden, wenngleich am Sonntag mehrere Stunden gefochten worden ist. Amtlich wird aus Habana nach Madrid gemeldet:Da der Feind unseren Vorschlag, Santiago zu räumen, abwies und bedingungslose Kapi­tulation forderte, wurden die Feindseligkeiten am 10. d., Nachmittags 4 Uhr 45 Min., wieder ausgenommen. Der Feind griff mit lebhaftem Gewehr- und Geschütz­feuer an. General Blanco hat befohlen, den Platz bis aufs äußerste zu vertheidigen. Der Feind hat die vor­geschobenen Laufgräben auf den Hügeln bei San Juan verlassen. Das Geschwader beschoß gleichzeitig die Stadt. Um 7 Uhr Abends hörte das Feuer auf. Unsere Truppen haben ihre Stellungen behauptet. Unsere Verluste sind wenig bedeutend." Eine Erneuerung des Kampfes war für Montag in Aussicht genommen, sodaß das Frühere wohl nur als Vorgefecht zu betrachten ist. Inzwischen werden in Santiago die letzten Vorbereitungen getroffen, um die Stadt gegen den Feind bis zum äußersten zu vertheidigen. Die Garnison verstärkt in Santiago die Schanzen und baut Barrikaden in den Straßen.

Von den Philippinen wird gemeldet, daß sieben aufständische Führer und 2000 Mann auf Jlo-Jlo sich unterworfen haben. Aguinaldo soll auf einem aus Kauffahrteischiffen gebildeten Aufständischen-Geschwader an den Küsten entlangfahren. Zwei aufständische Ab­theilungen sind auf der Insel Cebu geschlagen worden, drei Aufständische wurden erschossen.

fragte Benedikt in zorniger Erregung und wollte an dem Vater gewaltsam vorbeidrängen.

Brauchst ihn nicht!" stieß ihn der Wurzer zurück und schob ihn zur andern Thür hin.Geh nur so deiner Wege, kommst dann vielleicht eher zurück.

Stoß mir den Sohn nicht zum Haus hinaus!" schrie die Kranke.Benedikt, Benedikt, geh nicht so von mir!"

Laß nur, Mutterle, deinen Segen hol ich mir schon noch," rief Benedikt thränenerstickt über des Vaters Schulter, der ihn gewaltsam hinausdrängte.Von deinem Herzen bin ich ja nicht verstoßen und so lang ein Athemzug in mir noch lebt, will ich den Weg zu dir schon finden: den soll mir weder der Vater noch sonst jemand abschneiden, und wenn ich, wie ein Dieb, nachts bei dir einsteigen soll. Lebe wohl, Mutterle, bleib gesund und denk, daß du einen Sohn hast, der den lieben Gott täglich für dein Leben und deine Ge­sundheit anfleht. Darum bleib tapfer, Mutterle, und halt dich munter, denn ich brauch mein' Mutter jetzt doppelt, wo mich der Vater verstoßen hat. Hörst Mutterle? Und wenn d'hörst, daß ich mit der Lenei zur Kirche geh' dann bet' ein Vaterunser für unser Glück. B'hüt dich Gott, Mutterle 1*

Mit diesen schluchzend hervorgestobenen Worten war Benedikt hinaus. Krachend schlug der Wurzer die Thür hinter ihm zu. Die Bäuerin aber stieß einen gellenden Schrei aus und streckte die Arme verzweifelt hinter dem Scheidenden her, als könne sie ihn durch die Mauer an ihr Herz zurückreißen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 12. Juli.

Von der Nordlandsreise Sr. Majestät des Kaisers meldet ein Telegramm aus Florö vom 11. Juli Nachmittags : Se. Majestät der Kaiser ist heute früh kurz nach 8 Uhr in See gegangen. Klares, kühles Wetter. Ein weiteres Telegramm aus M o l d e von heute berichtet: Heute früh 6/4 Uhr traf Se. Majestät der Kaiser im besten Wohlsein und nach guter Fahrt auf Allerhöchstseiner MachtHohenzollern" hier ein, von sämmtlichen im hiesigen Hafen befindlichen englischen Kriegsschiffen salutirt. Es herrscht Regenwetter. An Bord Alles wohl.

Ihre Majestät dieKaiserin ist Sonnabend Abend mit der Frau Prinzessin Heinrich von Preußen und den Prinzen-Söhnen von dem am Donnerstag unter­nommenen Ausflug auf der SegelyachtJduna" nach Kiel zurückgekehrt. Am Donnerstag Abend war die Jduna" vor Hövap Haff bei Sonderburg vor Anker gegangen. Am Freitag Morgen unternahm Ihre Maje­stät mit der Frau Prinzessin Heinrich und den Prinzen- Söhnen einen Ausflug nach An ^ustenburg. Am Nachmittag segelte dieJouna" nacy Glücksburg, wo Ihre Majestät dem Prinzen Julius von Holstein-Glücksburg einen Be­such abstattete. Am Sonnabend Vormittag wurde bei günstigem Segelwetter die Rückfahrt nach Kiel angetreten.

Vom preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten sind neuerdings, derD. Versicherungsztg." zufolge, die im preußischen Staatsbahnbereiche gültigen Vorschriften über Gewährung von P r ä m i e n für Entdeckung betriebs- gefährlicher Schäden und für Abwendung drohender Be­triebsgefahren umgearbeitet worden. Bei der Herausgabe der Vorschriften ist eine möglichst ausgiebige Gewährung von Prämien bei der Entdeckung solcher Schäden im Interesse der Betriebssicherheit empfohlen worden. Für die Bemessung der Prämien sollen die Besonderheiten des Falles, namentlich die Schwere der drohenden Gefahr, der Grad der bewiesenen Umsicht und die Zweckmäßigkeit der ergriffenen Maßnahmen berücksichtigt werden. Außer­dem kann auch für hervorragend verdienstvolle Leistungen zur Abwendung einer Betriebsgefahr ohne Rücksicht auf die Stellung der Betheiligten die Erwirkung einer be­sonderen Auszeichnung in Frage kommen.

Bei der Militairvorlage, welche den neuen Reichstag

Was hast dich denn wie eine Verdrehte?" grollte der Bauer finster.Meinst', er wird den Weg nicht zurückfinden? Denkst', die Dir» wird ihn annehmen, wenn er mit leeren Händen kommt?"

Mein Sohn! Mein Sohn! Hast mir meinen «Lohn genommen!" wimmerte die Wurzerin gebrochen und sank in dem Stuhl zusammen, wie ein Halm, den der Sturm geknickt.

Wirst ihn gar bald wieder haben," hohnlachte der Bauer.Der Hunger wird ihn schon zurückführen. Und die Dirn wird ihm jetzt auch Heimleuchte», denn was soll sie mit einem Mann, der nicht einmal zur Knechtsarbeit taugt. Da thut sie besser, sie nimmt den ersten besten ßumpaci von der Landstraß', der wenigstens Mark in den Knochen hat und zugreifen kann."

Daß ihn der Hunger nicht hertreibt, dafür will ich schon sorgen," fuhr die Wurzerin erbittert auf.Ein Gottesgedanke war's, der mich geleitet hat, des Ohms Erbtheil nicht in deine Hände zu legen. Das Geld soll jetzt dek Benedikt haben. Ich will's ihm zuführen, wo ich noch leb', denn wenn ich die Augen erst zugemacht hab', könut's kommen, daß er keinen Gulden davon be­sieht. Meinst', ich weiß nicht, was du im Sinn hast, wie du nur Tag und Nacht simulirst, ob ich auch zeitig genug in die Erd' gehen will, damit du noch bei der Huberin zureät kommst? Hätt'st sie dir nur damals schon nehmen sollen ! Aber da war sie eine arme Dirn, und du hast die Mirzl vorgezogen, weil sie dir ein Heirathsgut zugebracht hat. Unglücklich hast mich ge­macht !" schluchzte sie herzbrechend.Niemals hast mich