stimmt nach Spanien zurück. Es hat deshalb auch die Erlaubniß erhalten, Kohlen einzunehmen. Damit haben die Spanier ihre Unfähigkeit zum Kriegführen bewiesen.
Auf den Philippinen hat die Mehrzahl der Aufständischen die dort eingetroffenen amerikanischen Verstärkungen feindselig empfangen, und zwar deshalb, weil zahlreiche Neger sich unter denselben befanden. Der Bericht fügt außerdem hinzu, daß die Aufständischen in Kavite sich gegen die Amerikaner erhoben hätten, die ein lebhaftes Kanonen- und Gewehrfeuer unterhalten hätten. Das Ergebniß desselben sei indes noch unbekannt.
In Spanien beginnen wieder die Kundgebungen, die nach der Seeschlacht von Kavite einen äußerst beunruhigenden Charakter annahmen. In der Ortschaft San Martin bei Barcelona protestirten Frauen gegen die Verabreichung von Lebensmitteln als Almosen, weil sie dieselben für erniedrigt halten, verunstalteten Kundgebungen und verursachten einige Beschädigungen. Polizei und Gendarmerie stellten die Ordnung wieder her. Der Ministerrath- hält täglich Berathungen ab und trifft verschiedene militärische Maßnahmen, weil man annimmt, daß die Amerikaner die spanische Küste angreifen wollen.
Aus Madrid kommen vom Sonnabend folgende Mittheilungen: Hier geht das Gerücht, Marschall Blanco habe gemeldet, daß Admiral Sampson ihm ein Telegramm sandte mit der Aufforderung, die spanische Armee solle binnen 48 Stunden Kuba räumen, anderenfalls würde das amerikanische Geschwader sämmtliche Häfen der Insel beschießen. Blanco habe die Aufforderung in ablehnendem Sinne beantwortet. — Wie die Blätter mittheilen, erklärte der Minister des Auswärtigen, Herzog Almodovar del Rio, keine Macht zeige die Absicht, in der spanisch-amerikanischen Frage zu interveniren, wenn die Vermittelung nicht durch die kriegführenden Staaten selbst beantragt würde.
Washington, 9. Juli. Das Geschwader Wat- son's erhielt den Auftrag, nach dem Mittelmeer abzu- gehen, nicht, um die spanische Küste zu beschießen, sondern das vom Suez-Kanal zurückkommende Geschwader Camara's abzufangen und zu vernichten. Wenn Admiral Sampson seine Aufgabe vor Santiago und Havannah gelöst haben wird, will er zu Watson stoßen, den Oberbefehl übernehmen und die spanischen Häfen beschießen. — General Shaster telegraphirte an die Regierung, er habe nunmehr die von den Amerikanern in den Kämpfen am 1. und 2. Juli erlittenen Verluste vollständig festgestellt. Es seien 22 Offiziere und 208 Mann gefallen, 81 Offiziere und 1203 Mann verwundet, und 79 Mann werden vermißt.
Albi.
Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Versuche der Sozialdemokraten, ihre Lehren in die Praxis zu übersetzen, bisher immer gescheitert sind. In Aldi in Frankreich war von sozialdemokratischen Arbeitern eine eigene Glashütte gegründet worden, um der „Tyrannei" eines Herrn Reffeguier in Carmaux zu entgehen. Das Geld dazu wurde von hilfsbereiten Leuten zur Verfügung gestellt. Die Hütte sollte allen gemeinsam gehören, und Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sollte die Losung sein. Eine Zeitlang ging auch alles gut; bald überkam es zu Streitigkeiten. Die Leiter der Hütte wollten mehr Geld für ihre Arbeit haben, als die gewöhnlichen Arbeiter, und einige von diesen wurden sogar ohne weiteres ihrer Eigenthums-Rechte auf die Glashütte für verlustig er
gesprochen. Und wo du das weißt," schloß er mit zitternder Stimme, „darfst' mir nicht länger zuwider fein, — wenn' dich nicht versündigen willst!"
„Und das wagst' mir zu sagen?" brach's aus dem Wurzer in schmerzlichem Zorn hervor. „Du ehrloser Schlagian!" schrie er verzweifelt, „das sagst' deinem Vater ins Gesicht, daß d' kein' Funken Ehr' im Leib hast?"
Er trat vor ihn hin, als wolle er ihn mit den geballten Fäusten niederschlagen, und sah mit rollenden Augen, aus denen eine schier rasende Entrüstung flammte, auf ihn nieder.
Die Wurzerin, die im Dämmerschein sah, was da drinnen vorging, zeterte laut: „Benedikt, Benedikt, gieb nach!" Aber es war zu spät. Des Vaters Faust sauste auf des Sohnes Haupt nieder, daß er taumelnd zurück- wankte.
Keuchend war der Wurzer in den Stuhl zurückgesunken, während die Kranke nebenan in ein wimmerndes Wehegeschrei ausbrach und Benedikt, den Kopf in die Hände gepreßt, wie betäubt vor sich hinstarrte,
„Es ist zu viel, Vater, wie du mit mir umgehst," sagte er nach einer Weile mit gebrochener, zitternder Stimme kopfschüttelnd. „Immer bist' so mit mir um- gegangen, immer hab' ich für Lieb' und Achtung Spott und Haß bei dir eingeerndtet. Wie ich noch ein ganz kleiner Bub war, hab' ich's schon gefühlt, wenn dein Blick so über mein armes Gesicht hingestreift ist, daß ich dir nicht gut genug bin, wie mich der liebe Herrgott in die Welt gesetzt hat. Aber ich konnt' mich doch nicht anders machen. Ich wollt' ja gern ebenso stark und von Ansehen sein, wie die andern, die hinter mir herlachen ! Hier drinnen sitzt's und frißt das bittere Gift, das mir jeder neue Tag zu kosten giebt! Seit ich's mit dem Verstand trage, daß ich auch von dir verspottet bin, ist mein Elend doppelt groß. Darum könnt' mir doch das eine Glück gegönnt sein, das ich mir selbst
klärt. Das Ende vom Liede war, daß die Glashütte, da auch die Leiter ihre Sache nicht verstanden, immer mehr zurückging und die Arbeiter in großes Elend gestürzt wurden.
In sozialdemokratischen Blättern wurde bisher das Gegentheil behauptet; stets hieß es, wenn ckuf die Glashütte in Aldi die Sprache kam, sie befinde sich in großartigem Aufschwünge. Diese wahrheitswidrigen Angaben dürften jedoch jetzt durch den Bericht eines Herrn Maurice Talmeyr endgültig widerlegt sein. Der Genannte hat sich nach Albi begeben, um sich persönlich von der Sachlage zu überzeugen. Sein Bericht enthüllt geradezu haarsträubende Zustände. Es heißt darin unter anderm:
„Ich habe in meinem Leben kein herzzerreißenderes, kein verzweiflungsvolleres Bild des Elends gesehen. Die unglücklichen Glasarbeiter hatten geträumt, sie würden Eigenthümer ihrer Fabrik sein, auf einer Stätte arbeiten, die ihnen zugehörte, mit Werkzeugen, die sie ihr eigen nennen würden, und sie erwachten aus ihrem Traume im Reiche eines Arbeitgebers, der noch viel hartherziger als alle andern ist. Nicht ein Nagel, nicht ein Ziegelstein gehört ihnen; sie dürfen sich keine Bemerkung, keine Meinuugs-Aeußerung erlauben, wohl aber können sie stündlich davongejagt werden, ohne auch nur nach dem „Warum" fragen zu dürfen. Dabei gewährte man ihnen nur halbe Arbeitstage, man zog ihnen 20 Prozent vom Arbeitslohn ab, um davon die Schulden der Hütte zu tilgen, und der so verstümmelte Rest wurde den Arbeitern obendrein mit sechswöchiger Verspätung ausgezahlt. Ein Arbeiter, der mit Anspannung aller Kräfte täglich etwa 1 Mark verdient, muß noch etwa sechs Wochen warten, ehe er sie erhält. Die Folge davon waren hochgradigste Noth, Hunger und Bettel."
Ein bezeichnendes Seitenstück zu diesem Jammerbilde liefern die in einem französischen Sozialistenblatte kürzlich veröffentlichten Beschimpfungen des von den Sozialdemokraten wegen seiner angeblichen Arbeiter-Bedrückung bestgehaßten Glashütten-Besitzers Reffeguier: „Eine Arbeiter-Gruppe von Blois, die gern wissen möchte, ob sich bei kunstgerechter Behandlung aus dem Fell ReffeguierS ein Paar Stiefel machen lassen würden . . . Vier, die Reffeguier mitten auseinander gerissen sehen möchten . . . Drei, welche den Strick Hochziehen möchten, an dem Reffeguier bei den Beinen aufgehängt ist . . . Drei in der Wolle Gefärbte, die den Strick dazu liefern möchten . . ." In dieser Tonart geht es spaltenlang fort.
Man steht vor einem Räthsel, wenn man die wirkliche Welt der Thatsachen mit der Welt vergleicht, wie sie sich in den Köpfen von Leuten widerspiegelt, deren Denkfähigkeit durch die sozialdemokratische Wühlerei aus Rand und Band gebracht worden ist. Auf der einen Seite sieht man die Arbeiter-Glashütte, diesen socialdemokratischen Musterbetrieb, wo Schundlöhne mit wochen- langer Verspätung gezahlt, wo die Arbeiter wie Sklaven behandelt werden, wo Frau und Kind betteln gehen müssen, mit einem Wort die Arbeitsstätte des „Zu- kunftsstaates", die aber von der Sozialdemokratie als der Himmel auf Erden besungen wird, weil sie i h r Werk ist. Auf der andern Seite steht der „kapitalistische Betrieb", wo der Arbeiter seines Lohnes werth ist und ihn auch regelmäßig nach Ablauf der Woche zu einkömmlichen Sätzen ausbezahlt erhält; dieser Betrieb aber und sein Leiter werden als Vorbilder kapitalistischer Ausbeutung verdächtigt und haben es nur der Macht des Staates zu danken, daß sie noch nicht den Leidenschaften der sozialdemokratischen Arbeiter zum Opfer gefallen sind.
gesucht hab!" kam's wie ein Aufschrei aus seiner Brust.
Die Bäuerin schluchzte nebenan herzbrechend, aber der Wurzer blieb ungerührt.
„Laß mich mit dem Komödiespielen aus," rief er rauh, „und mach' ein End'. Mein Wort kennst'. Die da drüben kommt mir nicht unters Dach. Mußt' aber jetzt schon ein Weib haben, dann will ich Umschau für dich halten. Wenn eine in den Wurzerhof heirathet, soll sie die Ehr' auch bezahlen. So ist's immer gewesen unter diesem Dach und so soll's bleiben."
„Wir haben soviel schon," sagte Benedikt bitter. „Immer ist's dir noch nicht genug. Schau, wenn du eine Tochter hätt'st und du müßt'st sie ausgeben, — kannst' nicht denken, die Lenei braucht das nicht einzu- bringen, was du an der Stell' hingeben müßtest?"
„Grad' das hast schlecht gemacht, daß d' mich so an mein Unglück erinnerst," stöhnte der Wurzer, von neuem Zorn geschüttelt. „Meinst', ich hab's nicht täglich bitter runtergeschluckt, daß mir's grad' da fehlt, wo's mich am härt'sten trifft ? Daß ich anstatt einer Slub' voll Kinder so ein' einzigen Schwächling hab? Ja, wenn's noch ein gesunder starker Bub gewesen wär'," fuhr er anklagend fort und trat in die offene Thür, zu seinem Weibe sprechend, „aber so ein Waschlappen hast' mir in die Wiegen gelegt," schloß er mit bitterem Hohnlachen, „daß ich mich zur Stund noch frag' — kann das dein Sohn sein?"
Todtenbleich im Gesicht blickte Benedikt stumm auf den Vater, der sich wieder herumgewandt hatte und schwer athmend zu seinem Stuhle zurückging, während die Wurzerin stöhnte: „Das vergelt dir Gott! Die Schand' soll dir der liebe Herrgott heimzahlen!"
In Benedikt war aber etwas Merkwürdiges vorgegangen. Es war ihm, als habe sich plötzlich etwas in ihm losgelöst, nach dem er wie nach einem Theil seines Besten zurückschaute und das er doch gern hingab. Wie einer, der am Ertrinken ist, den Strick durchschneidet,
Rachrichtm.
Inland.
Von der N o r d l a n d s r e i s e Sr. Majestät des Kaisers meldet ein Telegramm aus O d d e vom 7. Juli Mittags: Wenn auch Se. Majestät der Kaiser gestern noch einen Spaziergang bei Regen unternehmen konnte, nahm doch das schlechte Wetter so zu, daß die Enthüllungsfeier der Tafel für den verstorbenen Lieutenant z. S. von Hahuke, welche heute um 11 Uhr statt- finden sollte, bis zum Eintritt besserer Witterung verschoben werden mußte. — Die Einwohner von Odde, welche im verflossenen Jahre den Sarg des Lieutenants v. Hahnke mit Blumen schmückten, sind von den Eltern des verunglückten Offiziers mit Photographiern desselben beschenkt worden. — An Bord Alles wohl.
Die „Berliner Pol. Nachr." schreiben: „In verschiedenen Blättern wird eine Mittheilung wiedergegeben, wonach in den Berichten der preußischen Fabrikaufsichtsbeamten für 1897 eine Reihe von Gewerbszweigen vorgeschlagen sein soll, für welche der gesundheitliche Maximalarbeitstag eingeführt werden soll. Jeder Unbefangene muß aus der Mittheilung entnehmen, daß die gesammte Fabrikaufsicht Preußens einen dahingehenden Wunsch ausgesprochen hat. Wir machen deshalb besonders darauf aufmerksam, daß es sich bei dieser Mittheilung lediglich um die Wiedergabe eines Vorschlags handelt, den ein einzelner Beamter, und zwar der Aufsichtsbeamte für den Regierungsbezirk Potsdam gemacht hat."
Nach der „Post" wird in der nächsten Tagung dem preußischen Landtage wieder ein reiches gesetzgeberisches Material zugehen; aus dem Justiz-Ministerium zunächst die Vorlagen, welche nothwendig sind, um privatrechtliche Bestimmungen der preußischen Landes-Gesetz- gebung mit dem bürgerlichen Gesetzbuch in Einklang zu bringen; aus dem Landwirthschafts - Ministerium der Gesetzentwurf wegen Regulierung und Unterhaltung der Hochwasser gefährlichen Flüsse in Schlesien und Brandenburg; aus dem Ministerium des Innern Vorlagen wegen Neuordnung des Communal-WahlrechtS und Schaffung eines polizeilichen Groß-Berlin; aus dem Kultus-Ministerium ein Gesetzentwurf wegen besserer Ordnung der Wittwen- und Waisen-Versorgung der Volksschullehrer.
Der Botschaft der Vereinigten Staaten in Berlin ist ein besonderer wissenschaftlicher Attachee zugetheilt worden, der von seiner Regierung nach Deutschland entsandt worden ist, um über die in Fleischwaren amerikanische« Ursprungs gemachten Trichinenfunde an Ort und Stelle Erhebungen anzustellen.
Im Reichs-Gesundheitsamt haben die Kommissions- • Verhandlungen von Sachverständigen begonnen über die Frage, ob und inwieweit eine Revision oder Ergänzung der Vollzugs-Vorschristen zumReichs-Jmpfgesetze angezeigt erscheint.
Am Sonnabend Nachmittag fand in A l t o n a bei herrlichstem Wetter die feierliche Enthüllung des Denkmals des Fürsten Bismarck in den Anlagen der Heiligengeistkirche in der Königstraße statt. Außer den Spitzen der Zivilbehörden waren der kom- mandirende General des 9. Armeekorps, Generallieutenant v. Massow, der Generalstab und viele Offiziere erschienen. Ober-Bürgermeister Giese hielt die Festrede, worauf Bürgermeister Rosenhagen das Denkmal namens der Stadt Altona übernahm. Vom Festplatz aus wurde ein Huldigungstelegramm an den Fürsten Bismarck gesandt.
Das Urtheil in dem Landesverrathsprozeß
um seine Habe abzuwerfen, damit er sich bester über Master hält, so war dem Benedikt plötzlich die blinde Achtung vor seinem Vater abhanden gekommen. Er fühlte es wie einen grausamen Schmerz und athmete doch erleichtert auf, weil's ihm mit einemmal jetzt ganz leicht schien, so zu handeln, wie sein Herz es verlangte.
Mit einer Ruhe, über die er selbst erstaunte, sagte er jetzt: „Das Wort, Vater, mag dir der liebe Herrgott verzeihen, das Herz hat's mir umgedreht, aber jetzt ist's überwunden. Ich bin dein Kind und darf nicht mit dir richten. Eins aber kannst' wissen, ausgelöscht hast' damit, was ich dir an kindlicher Unterwürfigkeit schuldig war. Wenn du kein Freud' an mir haben und mir kein bissel Lieb' schenken kannst, wo ich doch nichts verbrochen und dir immer ein gehorsamer Sohn gewesen bin, hast' auch kein Recht mir vorzuschreiben, wie ich mein Glück zu finden hab. Nun frag' ich dich zum letztenmal, willst' mir die Gerechtigkeit anthun und mir die Dirn lassen, daß ich ihr mit deinem Willen morgen den Verspruch bringen kann? Sprich nicht zu früh, Vater, denn beim lieben Heiland schwör ich's, daß ich von der Dirn nicht laß, und wenn ich darum nackt und bloß aus deinem Hause gehen müßt! Also überleg, Vater, eh' du sprichst!" schloß er mit versagender Stimme.
(Fortsetzung folgt.)
— (Elektrische Prügel) In der Elementarschule zu Denwer (Colorado) hat man einen elektrischen Prügelstuhl aufgestellt, in welchem die kleinen Sträflinge festgeschnallt und nach einem Druck auf einen Knopf von vier fliegenklatschenähnlichen Instrumenten vorschriftsmäßig bearbeitet werden.
— (S ch l a u). Fremder: „Verzeihung, können Sie mir wohl sagen, wo hier das Rathhaus ist?" — Studiosus: „Das Rathhaus? Ja, das — das wird sich sehr wahrscheinlich überm Rathskeller befinden!"