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Melder Aeisblatt.

Gratisbeilagen rIllnstrirtes Ssnnragsblatt" n.IUnftrirte LanSwirthschaftliche Beilage".

Nr. 81. Iieistlir üti 12. Juli 1888.

Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Somitagsblatt" »ud Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das 3. Quartal werden noch von allen Kaiser­lichen Poftanftalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Auszug aus deu Bestimmungen für diejenigen jungen Leute, welche in die Unteroffizier- Schulen- bezw. Vorschulen einzutreten wünschen.

1) Die Unteroffizierschulen haben die Bestimmungen, junge Leute, welche sich dem Militair- stande widmen wollen, zu Unteroffizieren heranzubilden.

Der Aufenthalt in der Unteroffizierschule dauert in der Regel drei, bei besonderer Brauchbarkeit zwei Jahre, in welcher Zeit die jungen Leute gründliche militärische Ausbildung und solchen Unterricht erhalten, welcher sie befähigt, bei sonstiger Tüchtigkeit auch die bevorzugteren Stellen des Unteroffizierstandes (Feldwebel 2C.), des Militär-Verwaltungsdienstes (Zahlmeister rc.) und des Civilstandes zu erlangen.

Der in die Unteroffizierschule Einzustellende muß mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.

Der Einzustellende soll mindestens 154 cm groß, vollkommen gesund, frei von körperlichen Gebrechen so­wie wahrnehmbaren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein und die Brauchbarkeit für den Friedensdienst der Infanterie besitzen.

Wer in eine Unteroffizierschule ausgenommen zu wer­den wünscht, hat sich bei dem Bezirkskommandeur seines Aufenthaltsortes oder bei einem der Kommandeure der Unterossizierschulen in Potsdam, Jülich, Viebrich, Weißen­fels, Ettlingen und Marienwerder unter Vorzeigung eines von dem Civil-Vorsitzenden der Ersatz-Kommission feines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldescheines und

Die EUernwirthin.

Erzählung für das Volk von A. v. Hahn.

(Fortsetzung.)

Benedikt trat gleich links in die Stube, wo er den Vater um diese Stunde anwesend wußte, als wolle er den künstlich entfachten Muth nur schnell an den Mann bringen, daß er ihm nicht unter den Händen verging.

Ich hab' mit Euch zu reden, Vater," brach er auch gleich mit der Thür ins Haus und näherte sich dem Wurzer, der in seinem Sorgenstuhl neben dem Ofen saß und über dem Beschauen der Ereignisse des ver­gangenen Tages und dem Bedenken des nächsten, was wohl da am wichtigsten zu schaffen war in Haus und Hof, eingenickt war.

Was hast' denn so Wichtiges, daß du wie's jüngste Gericht hereingeblasen kommst?" fuhr er unwirsch auf und sah den Sohn ärgerlich an.

Was giebt's denn?" rief gleichzeitig eine matte Weiberstimme aus der Nebenstube, wo die Wurzerin in ihrem Rollstuhl saß.

Ihr sollt's gleich auch mit anhören, Mutter," sagte Benedikt gepreßt. Es legte sich ihm plötzlich schwer aufs Herz, daß die kranke Mutter mit darunter leiden sollte unter dem, was unzweifelhaft hereinbrach, sobald er den Mund zum Sprechen austhat. Aber es half nun kein Ueberlegen mehr. Es mußte geschehen, was er Lenei versprochen hatte. Jetzt durste er vor nichts mehr zurück­schrecken, selbst vor dem Aeußersten nicht.

einer amtlichen Bescheinigung über die bisherige Be- schäftigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung, persönlich zu melden.

Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizier- schulen findet alljährlich zweimal statt und zwar bei den Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder im Monat Oktober, bei der Unteroffizierschule in Ettlingen im Monat April.

2) Die Unteroffiziervorschulen haben die Bestimmung, geeignete junge Leute von ausgesproche­ner Neigung für den Unteroffizierstand in der Zeit zwischen dem Verlassen der Schule nach beendeter Schul­pflicht und dem Eintritt in das militärpflichtige Alter derart fortzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden.

Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegen­heit finden, ihre Schulkenntnisse soweit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick auf den militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Militär- Verwaltungs- bezw. Civildienst wünschenswerth ist.

Daneben wird der körperlichen Entwickelung und Aus­bildung unter vorzugsweiser Berücksichtigung der An­forderungen des Militärdienstes besondere Aufmerksamkeit zugewendet.

Wer in eine Unterosfiziet Vorschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich, nachdem er mindestens 14/2 Jahre und nicht über 16 Jahre alt geworden ist, be­gleitet von seinem Vater oder Vormund, persönlich bei dem für seinen Aufenthaltsort zuständigen Bezirkskommando oder bei dem Kommando einer Unterossizier-Vorschule vorzustellen und hierbei folgende Papiere vorzulegen:

a) ein Geburtszeugniß.

b) den Confirmationsschein bezw. einen Ausweis über den Empfang der ersten Communion.

c) ein Unbescholtenheitszeugniß der Polizei-Obrigkeit,

d) etwa vorhandene Schulzeugnisse.

6) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Be- schäftigungsweise, über früher überstandene Krank­heiten und etwaige erbliche Belastung.

Die ausführlichen Bestimmungen können bei dem Bezirksfeldwebel und dem Königlichen Landrathsamte eingesehen werden.

Hersfeld, den 9. Juli 1898.

Königliches Bezirkskommando.

Nun red' nur, mach's geschwind," begehrte der Wurzer zornig auf, als ahne er das Kommende.

Der Benedikt that einen tiefen Athemzug, mit dem er den bebenden Muth, der scheu zurückweichen wollte, wieder heraufholte, einen Muth, vor dem er selbst er­schrocken zitterte, weil er in der Vorstellung gipfelte: Mußt dir die Lenei jetzt erringen, selbst wenn dich der Vater darum verstößt."

Ich wollt' Euch noch einmal bitten, Vater," sagte er mit künstlicher Ruhe,mir und der Lenei Euren Segen nicht länger zu versagen. Wir sind heut über- eingekommen, uns vor aller Welt anzugehören, auch so, Vater, wenn Ihr nicht gutwillig mit uns wollt," schloß er mit versagender Stimme.

Der Muth war ihm nun doch vor der Ungeheuerlich­keit seiner Absichten ausgegangen. Gehorsam in den Willen der Eltern war ihm bisher die heiligste Pflicht gewesen. Run wollte er damit so schroff brechen. Wie eine schwere Sündenschuld legte es sich ihm aufs Herz.

Als der Benedikt seine stockende Rede beendet, war's eine Weile still in der Stube, nur nebenan hörte man ein unterdrücktes:Helf mir Gott, der Bub ist nicht gescheit!"

Dann aber brach das zurückgehaltene Gewitter beim Wurzer mit Macht los.

Hinaus, elendiger Lump!" donnerte er mit einer Stimme, daß die Wände zitterten, und wies nach der Thür.Meinst', ich laß mich von dir hanswursteln? Noch bin ich der Bauer auf dem Hof, und meine Stimme gilt. Wenn dn meinst, 'kannst mir was abtrntzen, dann

Nichtamtlicher Theil.

Ier smifch-ümikmscht Kriez.

In Santiago arbeiten sowohl die Spanier als die Amerikaner eifrig daran, um die Batterie» und die Verschanzungen zu vollenden. Aus dem Hauptquartier Shafters wird gemeldet, daß die Amerikaner ihre Stellungen in den letzten 48 Stunden erheblich ver­stärkten. Ihre Batterien auf dem Abhang beherrschen die Stadt. Mittwoch Abend ist die Division Lawton um 600 Meter vorgerückt. Die Dynamitkanone der Roughriders" ist vortheilhaft aufgestellt. Brücken sind über die Flüsie geschlagen, welche die Ueberführung von Kanonen schweren Kalibers gestatten. Sollten die Feind­seligkeiten erneuert werden, so soll der Operationsplan folgender sein: Admiral Sampson wird die Spanier aus den Forts am Hafeneingang vertreiben und nach Aus­schiffung von 1000 Mann die Forts besetzen. Boote mit Enterhaken sollen die Minen auffischen. Alsdann will die Flotte in den Hafen einfahren, die Stadt bom- bardiren und den Sturm der Landtruppen auf die Stadt unterstützen. Die Bemühungen der Amerikaner Santiago zur Uebergabe gu -veranlassen, sind gescheitert. General Toral hat ablehnend geantwortet, er sei entschlossen, die Stadt bis aufs äußerste zu vertheidigen; Marschall Blanco billigte seine Festigkeit. Trotz dieser Ablehnung und der Annahme, daß das Bombardement Santiagos nicht lange mehr auf sich warten lassen wird, ist viel davon die Rede, daß Friedensverhandlungen im Gange sind oder doch nächstens eröffnet werden. In Washing­ton erklärte Staatssekretär Day, nach seiner Ansicht sei die Lage derart, daß einige Anhaltspunkte für friedliche Aussichten vorhanden seien; er würde sich nicht wundern, wenn Eröffnungen direkt von Spanien oder durch Ver­mittlung einer anderen Macht gemacht würden.

Von anderer Seite wird solches bestritten. So meldet namentlich das Reutersche Büreau, Mac Kinley und seine Berather seien der Ansicht, nichts rechtfertige den Glauben, daß Spanien nunmehr auf dem Punkte angelangt sei, wo es bereit sei, Frieden nachzusuchen. Man glaubt, die Frage hänge wesentlich von der Hal­tung der Mächte ab. Einer Meldung derPol. Korr." zufolge sind die Mächte zur Vermittelung nicht abgeneigt.

Das Geschwader Camaras kehrt jetzt be­

irrst'! Und jetzt weißt', daß alles mit dieser Stund' aus ist. Geh, sag's der Dirn, die Magd aus dem Stern gehört nicht in den Wurzerhof. Ich glaub's schon, daß es der elendigen Betteldiru passen könnt', ihre Fuß' unter meinen Tisch zu setzen!" schloß er hohn­lachend.

Vater, schmäh' mir die Dirn nicht!" flehte Bene­dikt mit versagender Stimme.

Halt's Maul!" fuhr ihn der Wurzer zornbebend an.Ein Narr bist, daß du dich von der schlauen Dirn nasführen läßt. Meinst', die hat einen Funken Gefühl für dich übrig? Der Hof sticht ihr in die Augen! Freilich muß sie dich dabei mit in den Kauf nehmen, du Trottel 1"

Vater!" schrie Benedikt qualvoll auf, als das Schmähwort gefallen war, und preßte die Hand auf die Brust, als wenn er da drinnen einen körperlichen Schmerz spürte, und die Wurzerin stieß einen Ruf der Ent­rüstung aus.

Aber der Wurzer beachtete beides nicht, sondern tobte weiter:Hansnarr, der du bist! Glaubst eine Dirn wie die da, der die Augen wie Kohlen im Kopfe glüh'n, wird ihr Herz an dich hängen, der herumgeht wie einer, der noch nicht ausgeträumt hat, wenn ihm die Sonn' mittags auf den Kopf scheint?"

Was du da sagst, mag schon so sein," entgegnete Benedikt schmerzerstickt, als der Bauer, nach neuen Worten ringend, Athem schöpfte.Aber schau, so ist meine Lieb'beschaffen, daß ich auch an ihr festhalten müßt', wenn sie'ü mir selber ins Gesicht sagte, was du eben Bitteres