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Gratisbeilagen tIllnstrirtes SonnragsbLatt" n.AUnitrirLe lanSwirthschaftliche Verlage".

«r. 79.

Ismierstaz den 7. Mi

1898.

Vestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Soimtagsblatt" und Jllnstrirte landtvirthschaftl. Beilage" für das 3. Quartal werden noch von allen Kaiser­lichen Dostanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher ®lpH.

Hersfeld, den 5. Juli 1898.

Den gemachten Wahrnehmungen zufolge werden die Bestimmungen des StraßenreinigungS-Re- gulativS vom 14. November 1828, von welchem in jeder Gemeinde-Nepositur einige Sonderabdrücke vorhan- den sind, im Kreise nicht überall gehörig beachtet. Ich sehe mich deshalb veranlaßt, den Herren Ortsvorständen der Landgemeinden die strengste Durchführung dieser Bestimmungen hiermit aufs Neue zur Pflicht zu machen. Auch die Königliche Gendarmerie des Kreises hat hierauf ein besonderes Augenmerk zu richten und mir von der etwaigen Nichtbeachtung dieser Verfügung in der einen oder anderen Gemeinde Anzeige zu erstatten.

I. I. Nr. 3671. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer NegierungS Rath.

Hersfeld, den 4. Juli 1898.

Die Schul- und Kirchendiener-Stelle in Nohrbach wird infolge Versetzung des bisherigen Inhabers vom 1. August d. Js. ab vakant. Das Einkommen derselben besteht neben freier Dienstwohnung in 1000 Mark Grund­gehalt und 150 Mark Kirchendienstvergütung. Der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mark.

MeldungSgesuche rc. von Bewerbern um dieselbe sind innerhalb 2 Wochen bei dem Königlichen Ortsschulinspek- tor Herrn Pfarrer Vater in Nohrbach oder dem Unter­zeichneten einzureichen.

Namens des Schulvorstandes:

Freiherr von Schleinitz, Königlicher Landrath und Geheimer RegierungS-Rath.

I. I. Nr. 3619.

Die E>teruwirthin.

Erzählung für das Volk von A, v. H a h n.

(Fortsetzung.)

Hier sitzt mein Zwang," seufzte Benedikt schwer und legte die Hand auf's Herz.Es sitzt zu tief, Lenei. Zu viel müßt' ich mit dir hingeben. Deine Lieb' hat mir etwas geschenkt, das ich bis dahin nicht gekannt hab und das ich jetzt nimmer fortgeben möcht. Ich kann's dir nicht sagen, was es ist. 's ist mir aber, als wär's mir erst damit zugesichelt, daß ich dieselben Rechte auf der Welt hab' wie die andern An das Glück hab' ich mich jetzt so fest geklammert und bin damit so weit hinaufgestiegen, schau, als wenn ich im Himmel droben saß, daß ich vor dem Abgrund schaudre, in den ich viederstürzen müßt', wenn ich wieder die alte Last mit mir heiumschleppen sollt': Keiner mag dich, elend bist' und veracht, und wenn dein' Mutter fort ist, dann bist' allein in der Welt."

Er hatte mit so tiefer Empfindung gesprochen, daß auch Lenei davon ergriffen wurde und mit einer Weich­heit, die ihr sonst nicht eigen war, sagte:Der liebe Herrgott laß es zum Guten ausschlagen, Benedikt. Ein braves Weib sollst' an mir haben."

Er faßte ihre Hand und hielt sie mit innigem Druck lange umschlossen, ihr tief und warm in die schwarzen, unruhigen Augen schauend. Dann zog er sie an sich und drückte sein Gesicht in ihr welliges Haar, das am

Nichtamtlicher Theil.

Her sMisch - Mrikinische Krieg.

Die Spanier geben die Vernichtung ihrer Flotte bei Kuba nicht zu. Von Madrid aus wird amtlich die Nachricht verbreitet, daß das Geschwader Cerveras Santiago verlassen und den Kanal, der in den Hafen führt, ohne jeden Zwischenfall passiert habe. Als­dann begann der Kampf mit Sampsons Flotte, worauf nach einer Stunde heftigen Feuerns das Geschwader in westlicher Richtung verschwand, verfolgt von 5 amerika­nischen Panzern und mehreren Jachten. Nach weiteren Nachrichten soll es Cervera gelungen sein, die Richtung nach der Nordküste Kubas einzuschlagen. Dieser Dar­stellung stehen die amerikanischen Berichte entschieden entgegen. Admiral Sampson sandte am 3. Juli die nachstehende Depesche nach Washington:Die unter meinem Befehl stehende Flotte hat der amerikanischen Nation als Geschenk zur Feier des Unabhängigkeitsfestes die Zerstörung der ganzen Flotte Cerveras bescheert. Niemand ist entkommen. Die spanische Flotte machte heute früh 9*/.2 Uhr den Versuch, zu entkommen. Um 2 Uhr Nachmittags war auch das letzte spanische Schiff, derCristobal Colon", sechzig Meilen westlich von San­tiago ausgelaufen und strich die Flagge. DieMaria Theresa", derAlmirante Oquendo", und dieVizcaya" wurden gezwungen, auf den Strand zu laufen, in Brand gesteckt und in die Luft gesprengt, weniger als 20 Meilen von Santiago DerFuror" und derPluton" wurden schon vier Meilen vom Hafen zerstört. Auf unserer Seite wurde einer getödtet und zwei verwundet. Die Verluste auf feiten des Feindes betragen wahrscheinlich einige Hundert, welche durch Schüsse, durch das Feuer, die Explosionen und durch Ertrinken umgekommen sind. Wir haben ungefähr 1300 Gefangene gemacht, unter denen sich auch Cervera befindet." DemEvening Tele­gramm" wird ferner in einem Telegramm aus Santiago folgende Darstellung der Ausfahrt der Flotte Cerveras gemeldet: Das Flaggschiff Cerveras eröffnete die Reihe der spanischen Schiffe. Die amerikanischen Schiffe gingen sofort in Stellung, eröffneten aber das Feuer erst, als die Spanier die Hafenausfahrt bereits überwunden hatten. Cervera richtete den Kurs gegen Westen und fuhr so dicht als möglich an der Küste entlang. Die Viscaya" und dieOquendo" folgten dem Admiral­schiff, dann kamen die Torpedoboote. Jetzt begannen

Hinter köpf zu einem vollen Flechtenkranz aufgesteckt war.

Bet' ein Vaterunser," sagte er leise und dann ging er mit beschleunigten Schritten in der Richtung des Wurzerhofes fort.

Lenei sah ihm eine Weile gedankenverloren nach, bis er hinter den Bäumen verschwunden war. Dann wandle auch sie sich zum Gehen.Schau, jetzt könnt' ich ihm wirklich beinah gut sein," sprach sie halblaut vor sich hin, langsam fortschlendernd und sinnend auf den Weg blickend.Wenn der Alte nachgiebt und ich Bäuerin aus dem schönen Hof werde, dann follsts nimmer be- reu'n, Benedikt, daß d' dein Herz so fest an mich ge­hängt hast."

Lenei war nicht gerade schlecht von Gemüth, aber die Sucht nach Geld und Ansehen, die von frühauf in ihr genährt worden, erstickte alle guten Regungen, wenn sie diesem Trieb im Wege iparen.

Sie war das einzige Kind einer verarmten Witwe, die einst bessere Tage gekannt und durch ihren trunk­süchtigen Mann ins Elend gerathen war. Lenei war noch ganz klein, als das bittere Verhängniß die Mutter in Noth und Dienstbarkeit herabzog, und hatte keine Erinnerung mehr für die guten Zeiten, von denen die Mutter jammernd erzählte, ihr täglich vorhaltend, wie sie ihr Augenmerk allein auf eine gute Heirath richten müsse. Das sei der einzige Weg, der zu guten Tagen zurückführe.

Die Alte hatte nicht tauben Ohren gepredigt. Seit­

plötzlich die amerikanischen Panzer zu feuern, die Spanier mußten einen wahren Hagel von Kugeln und Granaten aushalten. Nichtsdestoweniger erwiderte dieCristobal Colon" ununterbrochen das Feuer; als sie 10 Meilen vom Morro-Kastell entfernt war, mußte sie jedoch gegen die Küste abschwenken. DieViscaya" und dieOquendo" hatten kaum die Lücke ausgefüllt, welche durch das Ab­schwenken desCristobal Colon" in der Reihe entstanden war, als anch sie schon gezwungen waren, noch unter dem Feuer sich gegen die Küste zurückzuziehen. Die Schiffsbesatzungen vollführten Thaten größter Tapferkeit. Die amerikanischen Schiffe litten weniger unter dem Feuer der Schiffe Cerveras DieGloucester" ist das einzige Schiff, das beschädigt wurde. Ein Torpedoboot, welches der Küste zu nahe kam, ist in die Luft geflogen."

Man wird bei einer Gegenüberstellung der beiden Berichte der amerikanischen Darstellung den Vorzug geben. Den Hafen von Santiago hat das Geschwader Cerveras ebenfalls verlassen, und dieser Umstand mag den spa­nischen Befehlshaber zum Glauben verleitet haben, die Schiffe seien in Sicherheit. Aber die Vernichtung ist späterhin erfolgt. Man muß daher annehmen, daß die Flotte Cerveras vernichtet ist und der Admiral sich selbst in amerikanischerGe- f a n g e n s ch a f t befindet.

Vor Santiago herrscht, wie bereits gemeldet, vorläufig Ruhe, um den Nichtkombaltanten die Möglichkeit zu bieten, die Stadt zu verlassen. General Miles soll noch im Laufe dieser Woche mit bedeutenden Verstärkungen vor Santiago eintreffen. General Shafter hat Santiago eine Frist bewilligt, innerhalb welcher die endgültige Antwort ertheilt werden soll, ob die Uebergabe der Stadt stattfinden wird. Wird sie verweigert, so soll das Bombardement alsbald beginnen.

Vom Geschwader Samaras, dessentwegen man sich in Spanien aufzuregen begann, wird jetzt bekannt, daß die letzten Schiffe auf der Fahrt durch den Suezkanal be­griffen sind.

Der Ausbruchsversuch Cerveras war ein Wagniß, das nur durch einen tragischen Irrthum bezüglich des Standes der Dinge auf dem Lande zu erklären ist. Admiral Cervera scheint die üble Lage des Shafter'schen Heeres nach den Kämpfen am Freitag und Sonnabend nicht gekannt und nichts von dem Entschlüsse ShafterS, sich an die Küste zurückzuziehen, geahnt zu haben. Nach den taktischen Erfolgen der Amerikaner, deren numerische Stärke er wohl auch überschätzt, mag er einen neuer­lichen, diesmal unwiderstehlichen Angriff auf Santiago

dem Lenei selbständig zu denken vermochte, war sie um die Gestaltung ihres Schicksals eifrig bemüht gewesen. Sie hielt sich brav in allen Stücken, war klug genug, als sie reifer geworden, sich nicht in erfolglose Lieb­schaften einzulaffen, und war immer darauf bedacht, überall durch Sauberkeit, unauffälligen Putz und ein schönes Gethu angenehm hervorzutreten. So genoß sie in der Gemeinde einen guten Leumund, denn keiner konnte ihr etwas Böses nachsagen, wenn ihr auch die Frauen nicht gerade gut gesinnt waren, weil'S ihnen unbewußt im Gefühl lag, die Lenei sei nur gut und brav aus Gescheitheit, nicht aus dem Dränge eines gottgefälligen Herzens. Zudem war sie noch die hübscheste Dirn im weiten Umkreis, was ihr auch der Neid nicht absprechen konnte, und das machte den Andern erst recht ein schiefes Gesicht. So war's kein Wunder, daß Lenei nur von den Mannsleuten gern angesehen wurde und die Frauen ihr nur darum nichts anhaben konnten, weil ihnen Lenei keine passende Veranlassung dazu bot.

Seitdem sie aber beim Sternwirth diente, der ein Witmann war, und dort den Mannsleuten die Köpfe verdrehte, hatten die Klatschliesen im Dorf genug Stoff für ihre heimliche Gehässigkeit.

Lenei war eine gescheite Dirn. Es war nach kein halbes Jahr um, seitdem sie im Stern die Krüge schenkte, da wußte sie schon, daß alles Augenverdrehen und das Blitzen ihrer schönen Zähne, die sie beim Lachen zwei­reihig bloslegte, daß es wie Perlmutter über den rothen