Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Gratirbetlasen r „Illustrivtes Ssnnragsblatt" u. „3Uuftt?irU lanSmirthschaftUche Beilage".
Nr. 76.
Lmerstaz hn 36. Juni
1898.
jÜfioiiiiemenß-JiiilniJiiiig.
Mit denr s. Juli beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
„Jllnstrirtes Soiintagsblatt" und „Jllnstrirte landwirthschaftl. Beilage"
Das „Kreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Ereignisse in der Politif, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereignisse des täglichen Lebens zur Kenntniß ■ der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.
®|T Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigen- falls durch Extrablätter verbreiten.
Der vierteljährliche Abonnementspreis für das „Kreisblatt" beträgt s Mark 40 pfg.
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die Expedition.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 28. Juni 1898.
Durch Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten uom 31. Januar d. J. A. IV. 921 ist ein neues Formular für den gemäß § 89 der Landgemeinde-Ordnung vom 4. August 1897 über die jährlichen Einnahmen und Ausgaben aufzustellenden Voranschlag angeordnet, welches (nach Verbrauch eines etwa noch vorhandenen Vorraths an den bisher vorgeschriebenen Formularen) fortan zu benutzen ist.
Das für die größeren Gemeinden vorgeschriebene,
Its tlcintii Sachs M iiiiü Leid.
Erzählung von Karl Z a st r 0 w.
(Fortsetzung.)
Darauf zogen sich die Geschworenen znr Berathung zurück. Letztere währte indessen kaum eine Viertelstunde. Dann tönte die Glocke, welche dem Gerichtshof-meldete, daß man einig sei.
In ernster Haltung traten die Männer ein und gaben die Verdikte ab, worauf der Urtheilsspruch erfolgte. Er lautete aus mehrjährige Zuchthausstrafe. Unter 2 Jahren kam keiner davon.
Wie in einem dumpfen Traume vernahm Stahl die verschiedenen „SchuldigS der Unterschlagung, der Fälschung, der Theilnahme am Einbruch" u. s. tu. Er war an Leib und Seele gebrochen, und als er den Gerichtssaal verließ, mußte der Diener ihn unterstützen.
XII.
Ungefähr um dieselbe Zeit trat aus dem Hauptportale der Polizeipräsektur ein junger, etwas angegriffen aussehender junger Mann an der Seite einer bildhübschen jungen Dame, die aufmerksam bemüht war, ihn zu stützen. Beide begaben sich in das gegenüberliegende Restaurant, wo sie an einem Ecktische Platz nahmen und den herankommenden Kellner beauftragten, ein kleines Frühstück zu servieren.
Es waren Möller und seine verlobte Braut Lucie Stiller. Ersterer war als Haupt-Belastnngszeuge in dem gegen Specht eingeleiteten UntersuchungS-Verfahren ver
mehr ins Einzelne gehende Formular haben die Landgemeinden mit 500 Einwohnern und darüber zu benutzen (z. Z. Asbach, Friedewald, Friedlos, Heringen, Kirchheim, Meckbach, Niederaula, Obergeis, Philippsthal, Nansbach, Schenklengsfeld, Sorga, Unterhaun, Widdershausen), während von den übrigen Landgemeinden das mit der aufgedruckten Bezeichnung „für kleinere Gemeinden" versehene einfachere Formular zu verwenden ist. Es werden in diesen Tagen für die Landgemeinden je 2 Muster- Exemplare zur Absendung gelangen, welche bei den Akten aufzubewahren sind. Die fM die Benutzung wesentlichen Grundsätze sind unter Hinzufügung der für die Aufstellung künftig inne zu Haltenden Fristen zur genauen Beachtung auf dem großen Muster-Formulare zum Abdruck gebracht. Dementsprechend ist, worauf ich noch besonders aufmerksam mache, die Aufstellung der Voranschläge stets so zu beschleunigen, daß "die im Gesetze vorgeschriebene Einreichung einer Abschrift der ordnungsmäßig durch die Gemeindevertretung festgestellten Voranschläge (an mich) spätestens zum 10. März eines jeden Jahres erfolgen kann. Soweit die Umlagen-Erhebung mehr als 100 °/0 der direkten Staatssteuern beträgt, und somit die gesetzlich vorgeschriebene Genehmigung dazu eingeholt werden muß, darf dieser Termin überhaupt nicht überschritten werden. Im Terminkalender ist dieser- halb das Nöthige zu vermerken.
Den Druck der Formulare, welche nach diesseitiger Anordnung in einigen Punkten zweckmäßige und zulässige Aenderungen aufweisen, hat die L. F u n k' s ch e Druckerei dahier übernommen, und ist der Bedarf der einzelnen Gemeinden daselbst anzumelden.
A.. 422. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 18. Juni 1898.
Das diesjähnge Ober-Ersatz-Geschäft für den hiesigen Kreis findet am
Mittwoch den 6. Juli d. Js. und
Donnerstag den 7. Juli d. Js., jedes mal von Morgens präcis 7 Uhr an, im Saale des Gastwirths Herrn B. Bolender hier- selbst statt.
Die Herren Ortsvmstände der Stadt- und Landgemeinden, einschließlich der Herren GulSvorsteher, des hiesigen Kreises werden angewiesen, die ihnen demnächst
nommen worden, und Lucie hatte ihn auf diesem peinlichen Gange begleitet.
Auch die Sache gegen den Maurergesellen Specht wegen beabsichtigter Tödtung war heut zur Verhandlung gekommen. Es war erwiesen, daß Specht auf dem Hängegerüst eine Vorrichtung getroffen hatte, infolge deren sein jüngerer Kamerad herabstürzen mußte. Letzterer hatte wohl eine Ahnung von diesem Schurkenstreiche gehabt. Zur Gewißheit wurde es ihm erst nach Spechts Geständnisse. Haß und Eifersucht waren es übrigens nicht allein gewesen, was den gekränkten Freiwerber zn dem abscheulichen Verbrechen getrieben hatte. Er war vornehmlich auch von Möllers erbitterten Parteigegnern aufgehetzt worden. Im Hinblick auf sein offenes Ge- ständniß kam er mit einem milden Urtheile davon.
Nun besprachen die Verlobten während des kleinen Frühmahles die Vergangenheit und malten sich die Zukunft in den rosigsten Bildern, deren ihre Phantasie fähig war.
Möller war, bis auf ein geringes Schwächegefühl im Kreuz, wieder hergestellt. Binnen kurzem würde er wieder anfangen zu arbeiten. Es galt, selbständig den Bau einer neuen Brotfabrik zu leiten, welche wichtige Mission Kommerzienrath Münchow ihm im Vertrauen auf seine Kenntnisse und Fähigkeiten übertragen hatte.
Vollständig vertieft in ihr Gespräch war es den Liebenden entgangen, daß ein dritter Gast sich dem Tische genähert hatte und nun im Begriffe stand, ihnen gegenüber Platz zu nehmen. Erst als jener unter lautem Lachen in die Worte ausbrach: „Aber, Kinder! Ihr
zugehenden Vorladungen den betreffenden Militärpflichtigen alsbald auszuhändigen.
Gleichzeitig erhalten Sie den Auftrag, mit den Militärpflichtigen in den besagten Terminen pünktlich zu erscheinen, den Letzteren auch zu eröffnen, daß diejenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu 3 Tagen, die im § 26 bezwse. 66 der Wehrordnung bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heerespflichtig? zu gewärtigen haben.
Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden sämmtliche in Betracht kommende Reklamationen der Ober-Ersatz-Kommission zur Entscheidung vorgelegt, weshalb alle Familienglieder, auf deren ArbeitS - oder Nichtarbeitsfähigkeit es bei Beurtheilung der Reklamation ankommt (also auch die etwaige« jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) imTeriniN mit zu erscheinen haben, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffenden Reklamation nicht stattfinden kann. Besonders wird noch darauf aufmertia^ gemacht, daß bei den zur Vorstellung kommenden Leuten, welche behaupten an Epilepsie zu leiden, die in § 656 der Wehrordnung vorgeschriebenen 3 Zeugen zur Stelle sein müssen, wenn der Nachweis nicht in anderer glaubwürdiger Weise geführt werden kann. Die von den Zeugen zu machenden Angaben müssen sich auf die in letzter Zeit vorgekommenen Anfälle beziehen und ebenso müssen auch die etwa zur Vorlage kommenden ärztlichen Atteste, welche von einem beamteten Arzt ausgestellt sein müssen, sich vorzugsweise über neuere Anfälle aussp rechen.
Die Herren Ortsvorstände haben das Vorstehende in ihren Gemeinden wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militärpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben Sie den Militärpflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.
Sodann sind dieselben noch anzuweisen, dre i n ihren Händen befindlichen Loosungsscheine mit zur Stelle zu bringen, da andernfalls
thut ja gerade, als wäre der heutige Tag der erste und zugleich auch der letzte eures Beisammenseins in dieser Welt," schreckten sie auf, und Rudolf sagte, dem zukünftigen Schwager die Rechte hinüberreichend:
„Ah, da bist du, Robert. Nun?" Und mit einem Blick auf Lucie, die sichtlich erblaßt war, neigte er sich über den Tisch und fügte im Flüsterton hinzu:
„Sag's mir ins Ohr. Du weißt, sie will nicht mehr an ihn erinnert sein."
Aber Lucie, welche errieth, wovon die Rede war, sagte laut :
„Ohne Rückhalt, Robert! Nur frei heraus mit der Sprache. Wieviel Jahre haben sie dem charakterlosen Menschen zuerkannt? Denk' nicht, daß ich'S nicht hören könnte," raunte sie dem Geliebten mit einem leichten Händedrucke zu. „Ich brauche nicht zu erröthen, denn ich habe mir nichts vergeben. Tief auf dem Grunde meiner Seele, mir selbst kaum bewußt, lebte meine Liebe zu dir, und sie hätte doch stets eine unübersteigliche Schranke zwischen ihm und mir gebildet."
Robert hatte der Gerichtsverhandlung gegen Stahl und Genossen im Zuschauerraum beigewohnt. Es war ihm keine Scene der peinlichen Gerichtsverhandlung entgangen und so konnte er seiner Schwester und Möller ausführlichen Bericht erstatten.
„Es thut mir leid um ihn," schloß er seine Erzählung, „er war sonst ein guter Kerl, aber bodenlos leichtsinnig."
„Und du?" fragte die Schwester lächelnd, „was für ein Zeugniß stellst du selber dir aus?"
»Ich?" sagte Robert, indem er sich in die Brust