Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis Vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. cxel. Postaufschlag.
Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
— — ■ --*
Gratisbeilagen r „Illnftrirter Konnragsblatt^^ n. „Illttstrirte lanbrvirthschaftliche Veilage".
$r. 75.
Dienstag Den 28. Hm
1898.
>fi«nutment$ Jinlniiuiig.
ZHit dem j. Juli beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
„Jllustrirtes Somitagsblatt"«"» „Wiistrirte landivirthschaftl. Beilage"
Das „Kreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Ereignisse in der Politik, Berichte aus bem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereignisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.
'SS^T Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigen- falls durch Extrablätter verbreiten.
Der vierteljährliche Abonnementspreis für das „Kreisblatt" beträgt 1 Mark 40 pfg
finden durch das „Kreisblatt" 1l jk v zweckentsprechende Verbreitung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum jO Pfg.
Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein
die Expedition.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Es hat sich das Bedürfniß herausgestellt, den im Herbst jeden Jahres zur Entlassung kommenden Reservisten, durch Errichtung von unentgeltlichen Arbeitsnachweisen, den Rücktritt in das Civilleben zu erleichtern.
Auf Aufforderung des Königlichen Kriegsministeriums und des General - Commandos haben sich zur nnentgelt- licheu Errichtung von Arbeitsnachweisen für den Kreis Hersfeld die Kriegervereine Hersfeld und Niederaula bereit
$t$ kleinen HnnsesMÄM
Erzählung von Ka r l A a st r 0 w.
(Fortsetzung.)
„Sie hatten die Absicht, sich durch die Flucht dem Arme der Gerechtigkeit zu entziehen?"
„Ja. Sobald die Geschichte sich verblutet haben würde, wollte ich mit dem erbeuteten Gelde nach New- Pork entweichen und dort wieder eine Stellung anzu- nehmen suchen. Meine Verhaftung, welche bald darauf erfolgte, vereitelte diesen Plan."
Stahl durste abtreten. Sichtlich erschöpft durch die seelische Qual, welche die Bekenntnisse ihm verursacht hatten, fiel er auf seinen Sitz zurück. Es wurde nun sein Genosse Schönfeld hereingeführt, welcher durch seine schlaue Ueberredungskuust viel zu dem Falle des unglücklichen jungen Mannes beigetragen Hitte.
Er bot ein Bild erbarmenswerthen Jammers. Matt, körperlich gebrochen, schwankte er wie ein vorn Winde geschütteltes Rohr und hielt den Blick beständig auf den Fußboden geheftet. Er beantwortete die Fragen des Präsidenten mit leiser Minime, bestätigte die Aussagen seines unglücklichen Gefährten in allen Punkten, oft mehr zugebend, als man von ihm verlangte und schien nur von dem einen Wunsche beseelt, diesen entsetzlichen Pranger sobald als möglich verlassen zu können.
Von ungleich größerem Interesse war die Persönlichkeit des Verbrechers, welcher den Einbruch geleitet hatte. Er vergegenwärtigte gewissermaßen den Fortschritt, zu
erklärt, und einen solchen zum Wohle der zur Entlassung kommenden Reservisten eröffnet.
Den Truppentheilen des 11. Armee - Korps sowie den Infanterie-Regimentern Nr. 143 und 97, dem Feldartillerie- Regiment Nr. 15 und dem Bekleidungsamt des 15. Armee- Korps werden diese Nachweise, und die Personen, welche mit der Vermittelung betraut sind, behißss Nachsuchung von Stellen bekannt gegeben.
Das Bezirks-Commando macht Vorstehendes den Herren Arbeitgebern jeden Berufszweiges mit der Bitte bekannt, das Unternehmen zu unterftii^en und sich im Falle, daß Handwerker, Arbeiter rc. z. Zt. der Reservistenentlassung benöthigt werden, an die Herren Hauptmann d. L. Anel für den Kriegerverein Hersfeld und Gerichtsseeretair L i n g e l s h e i m für den Kriegerverein Niederaula wenden zu wollen. Bezügliche Anträge können jeder Zeit bei obengenannten Herren gestellt werden.
Hersfeld, im Juni 1898.
Königliches Bezirks-Commando Hersfeld.
Nichtamtlicher Theil.
Str s-lliiisch-Meriksilische Kriez.
Die letzten Ereignisse haben die hoffnungslose Lage der Spanier nur zu deutlich gezeigt. Die glücklich vollzogene Landung der Amerikaner auf Kuba überliefert die Insel zwar noch nicht der Union, dürste aber das Schicksal der Spanier besiegelt haben. Im Grunde ist deren Widerstand völlig nutzlos. Wenn die Landung der Amerikaner auch später erfolgte, als man ursprünglich glaubte und die Versuche, Santiago durch Geschützfeuer zu bezwingen, sich erfolglos erwiesen, so kann über den schließlichen Ausgang des Krieges, wie die Ver- hältnisse jetzt liegen, ein Zweifel nicht bestehen. Man gelangte im Kiiegsrathe zu Washington allmählich zur Erkenntniß, daß die Eroberung Santiagos und die Vernichtung der Flotte des Admirals Cervera nur möglich sei, wenn es gelingt, die Befestigungswerke durch einen Angriff vom Lande zu zerstören. Diese Erwägungen haben den Ausschlag gegeben, daß der Landungsversuch, der bekanntlich erst im Herbste fta'tfhiben sollte, sofort begonnen und mit vollem Erfolge durchgeführt wurde. Es muß anerkannt werden, daß die Landung der Amerikaner mit großer Entschloffenheit bewerkstelligt wurde.
welchem auch die im geheimen arbeitende Zunft der Diebe genöthigt ist.
Niemand hätte in ihm den kühnen, verschlagenen und kaltblütigen Führer einer berüchtigten Einbrecher- Bande vermuthet.
Ein schmächtiger Mann mittlerer Größe mit schwarzem in der Mitte gescheiteltem Haar und einem dünnen Schnurrbart, kaum 30 Jahre zählend, von höflichen Manieren und weltmännisch-geschmeidigem Wesen, verbindlich lächelnd und sich gewählt ausdrückend, die Hände auf den Rücken gekreuzt und von Zeit zu Zeit wie in stiller Selbstzufriedenheit in sich hinein lächelnd, glich er vielmehr einem vor dem Examen stehenden und seiner Sache sicheren Kandidaten, als einem Verbrecher.
Anfangs hatte er sich mit ebensoviel Geschick wie Seelenruhe auf das Leugnen gelegt. Da hatte aber der Herr Untersuchungsrichter bei seinem eindringlichen Fragen ganz unwillkürlich einige dunkle Punkte aus früherer Zeit berührt, und um ihn davon abzubringen, hatte der Meister vom Stegreif sich entschlossen, das Terrain vom Falle Hammerstein preiszugeben. Er kam dabei besser fort.
Und so gab er denn die nachstehende Geschichte zum besten:
„Bereits am Nachmittage vor der Einbruchsnacht hatte sich unser gewandter unb vielfach erprobter Fourir, der Gelbgießer-Dietrich, in das Portal des Hammer- steinschen Hauses geschlichen und den Augenblick abge- paht, in welchem der Portier seine Loge verlassen mußte. Dieser Augenblick wurde dazu benutzt, um noch weitere
Jetzt aber haben die Spanier allen vorliegenden Berichten zufolge umfassende Vorkehrungen getroffen, um dem Eindringen der Amerikaner Widerstand entgegensetzen zu können. Der Ober-Kommandant von Ost-Kuba, General Pando, soll über eine Truppenmacht von 31,000 Mann verfügen, die sich in 36 Bataillone Infanterie, 12 Eskadronen und 4 Gebirgsbatterien sormiren. Mit 14,000 Mann befindet sich der Oberbefehlshaber im Anmärsche gegen Santiago. Den 30,000 Spaniern, welche binnen wenigen Tagen nordöstlich von Santiago vereinigt sein dürften, werden die Amerikaner unter General Shafter 16 reguläre und 11 freiwillige Infanterie-Regimenter, 5 Eskadronen und 4 leichte und 2 schwere Batterien, zusammen 21,600 Mann und 80 Schnellfeuer- geschütze, und endlich 5000 Aufständische unter Kalixto Garcia entgegenstellen können. Das Schicksal von Santiago wird nun in erster Linie von dem Ausgang der Kämpfe abhängen, die sich nun zwischen den Truppen Pandas und Shafters östlich und nordöstlich dieser Stadt entspinnen werden. Wenn die Amerikaner in diesen Kämpfen siegreich sind, werden sie den zweiten Theil ihrer Aufgabe, die Beschießung und Belagerung von Santiago und seiner BefestigungSwerke beginnen können. Man nimmt aber an, daß der Fall Santiagos, wenn er nicht durch besonde^Umstände beschleunigt wird, immerhin einige Wochen beanspruchen dürfte.
Nach den ersten am Sonnabend stattgefundenen Kämpfen erreichten die Amerikaner schließlich den Rand des Platos, welches den Hafen von Santiago umgiebt und pflanzten die amerikanische Flagge in Jncagua auf. Nur einige Flintenschüsse wurden gewechselt, die Spanier zogen sich zurück. Man erwartet jetzt erst in einigen Tagen ein entscheidendes Treffen. Auch auf den Bergen hinter Baiquiri und im Nordwesten von Santiago haben ferner Kämpfe zwischen den Spaniern und Kubanern stattgefunden, deren endgiltiger Verlauf aber nicht bekannt geworden ist.
Seit einigen Tagen interessirt die Frage, welchen Kurs Camaras Flotte genommen habe. Nachdem in der Donnerstagssitzung des spanischen Senats der Marine- minister erklärt hatte, daß das Geschwader nach den Philippinen gehe, wird jetzt aus Washington gemeldet, dem dortigen Staatsdepartement werde die bisher als Gerücht ausgetretene Nachricht bestätigt, daß das von Cadiz ausgelaufene Geschwader Camaras den Kurs nach Osten genommen habe. Und dann fügt eine weitere
Abwesenheiten zu erzielen. Das heißt, es wurde das Fläschchen des Hausmajors mit einem besonders narkotischen und dabei doch würzig lieblichen Tränklein versehen, das dann später auch seine nervenberuhigende Wirkung nicht versagt hat. Des Weiteren wurden die Kramme, in welche Nachts der schmiedeiserne Schieber in der Absicht gejagt wird, jedes unbefugte Oeffnen der Thür unmöglich zu machen, mit einer scharfen Kneip- zange abgezwickt und die Eisentheile sorgfältig beiseite geschafft. Gemerkt hat's niemand. Wir Spitzbuben haben unsere Glückstage unb unsere Schutzgeister. Als nun die Mitternacht gekommen war, schloffen ich unb der Gelbgießer-Dietrich die Hausthür auf und schlichen über den Flur in der Richtung nach dem Hofraume."
„Halt!" unterbrach ihn der Präsident, die Rechte erhebend, „woher hatten Sie den Hausschlüssel?"
Der Erzähler lachte frech dem Präsidenten ins Gesicht und meinte im Tone überlegenen Wohlwollens, daß man nach etwas so durchaus Nebensächlichem einen einigermaßen koursähigen Meister vom Mausehandwerke heutzutage nicht mehr fragen solle. Der Gelbgießer- Dietrich habe ihm — dem Berichterstatter — ein für allemal erklärt, daß er Schlüssel zu allen denjenigen Häusern der Großstadt besitze, in welchen Leute mit mehr als 10,000 Mk. Jahres-Einkommen hausten, was auch nothwendig sei, sintemalen das Leben auch an die Nimmiten große Anforderungen stelle.
„Ich glaube, Sie überschätzen Ihre Kunst, aber fahren Sie fort," mahnte der Vorsitzende.
„Als wir an der Portierloge vorüber kamen, blieb