dürfte wahrscheinlich den ganzen Tag in Anspruch nehmen, doch glaubt man, daß diese Vorhut in wenigen Stunden von den Booten der Flotte und der Transportschiffe an Land geschafft sein wird. Wie es heißt, werden die Truppen sich zwei Tage von Santiago entfernt halten.
Die Lage der S p a n i e r in Santiago wird von den Amerikanern vielfach übertrieben dargestellt. Darnach sollte es dort an Mehl mangeln, was die Spanier veranlaßt hätte, Brot aus Reis und Mais zu backen, welche ebenfalls bedeutend theurer geworden sind. Der Gouverneur von Santiago tritt dieser Meldung mit Entschiedenheit entgegen und befreitet, daß an Lebensmitteln Mangel herrsche. Ueber die Vorbereitungen der Spanier auf Kuba wird berichtet, daß General Blanco dem General Castellano die Vertheidigung des wichtigen Latrochaplatzes übertragen und den Generalen Parrado, Aguirre, Salcedo und Linares ausreichende Truppen- maffen zugetheilt habe, damit sie gemeinschaftlich im Osten und Westen von Santiago die Verbindung der Amerikaner mit den Aufständischen hindern. Das bisherige System, aus sicherer Gestrüppdeckung die eine Landung versuchenden amerikanischen Schaluppen auf 400 Meter zu beschießen, wird aufgegeben werden müssen, da diese Taktik gegen das Massenaufgebot der Amerikaner unter dem Schutze eines zielbewußten Bombardements nicht ausreicht.
Palermo, 23. Juni. „Stefani Giornals di Sicilia" erhielt am 22. d. M. von der Insel Pantellaria eine Depesche, berichtend, daß das vom 21. d. Mts. signalisirte Geschwader „CamarraS", bestehend aus drei Torpedobooten, vier Kreuzern und fünf Transportschiffen, in südöstlicher Richtung nach Suez fuhr.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 23. Juni.
Se. Majestät d e r K a i s e r ist heute früh 3 Uhr, nachdem Allerhöchstderselbe gestern Nachmittag 4’/4 Uhr an Bord der „Hohenzollern" in Brunsbüttelkoog eingetroffen war, an Bord der genannten Jacht nach Kiel weiter gefahren.
Ihre Majestät die Kaiserin ist heute Vormittag um 10^.2 Uhr von Grünholz über Eckernförde nach Kiel abgereist.
Se. Majestät der Kaiser ließ, nach der „Germania", aus seiner Privatschatulle der katholischen Kirchengemeinde in Flensburg zum Bau ihrer neuen Kirche ein Geldgeschenk in Höhe von 10 000 Mk. überweisen.
Am Mittsommertage dieses Jahres, am 24. Juni, begeht derGroßherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach das schöne Fest seines achtzigsten Geburtstages. Genz Deutschland, vorab das durch so nahe verwandtschaftliche Bande mit dem hohen Jubilar verknüpfte kaiserliche Haus, feiert diesen Ehrentag des Nestors der deutschen Bundesfürsten in aufrichtiger Verehrung mit. Eine fast 45jährige segensreiche Regierung während einer stets denkwürdigen Entwickelungsperiode Deutschlands liegt hinter dem Enkel Karl Augusts, dem Bruder der ersten deutschen Kaiserin, und er darf sich freudig sagen, daß sein und seines Landes besonderer Antheil an den geschichtlichen Ereignissen der großen Zeit ebenfalls ein rühmliches Blatt füllt.
In englischen Blättern war kürzlich von einem „langen Bries" die Rede, den Se. Majestät der Kaiser von Sr. königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich über die angebliche Werthlosigkeit Kiautschous erhalten haben sollte. Da diese „Nachricht" auch in deutschen Blättern bemerkt worden ist, so mag festgestellt sein, daß es sich um eine freie Erfindung handelt.
Die Nachricht von einer dreimonatigen Beurlaubung des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes T i r p i tz scheint manchem unerwartet gekommen zu sein und giebt Anlaß zu allerlei haltlosen Vermuthungen. Die Beurlaubung für drei Monate ist zwar kein gewöhnlicher Sommer-Urlaub, man wird aber bedenken, daß der Staatssekretär sich keineswegs einer besonders festen Gesundheit erfreut. Es ist bekannt, daß er im vorigen Jahre sich wegen seines Halsleidens einer mehrwöchigen Kur in Ems unterzogen hat. Die überaus rege Thätigkeit, welche er seit seinem Amtsantritt zu entwickeln gezwungen war, konnte natürlich nicht ohne Rückwirkung auf sein körperliches Befinden bleiben, und es bedarf daher keiner gesuchten Gründe für den über das gewöhnliche Maß hinausgehenden Urlaub.
Da die Besetzung von K i a u t s ch o u in ihrer gegenwärtigen Stärke erhalten werden soll, stellt sich die Nothwendigkeit der Ablösung des ältesten Jahrgangs des 3. Seebataillons heraus. Hierzu ist der Uebertritt von 40 Unteroffizieren und 270 Mann aus der Armee beantragt worden, und zur Zeit finden Umfragen nach fich freiwillig Meldenden bei sämmtlichen Armeekorps statt. Wie dieses bisher gleichfalls gehandhabt worden ist, scheiden die Uebertretenden aus der Armee aus, die Unteroffiziere kapitulieren neu mit dem Seebataillon, die Mannschaften (vom sJahrgang 1897) verpflichten sich zu dreijähriger Dienstzeit. Die Ablösung dieses Kommandos soll im Juli 1900 erfolgen, sodaß die Mannschaften im Herbst desselben Jahres zur Entlaffung gelangen würden. Das Eintreffen der Unteroffiziere in Wilhelmshaven ist für den 1. Juli, das der Mannschaften für den 5. Juli, die Abreise nach Kiautschou für den 14. Juli in Aussicht genommen. Jeder der Uebertretenden, die nicht unter 1,65 Meter groß sein sollen, muß tropendienstsähig sein,
und dieselben haben eine Verhandlung über ihr freiwilliges Ausscheiden zu unterschreiben.
«uslanv.
Herzliche Freundschafts-Bezeugungen sind zwischen bayerischen und italienischen Offizieren in Rom ausgetauscht worden. Die dort anwesenden bayerischen Offiziere wohnten den Uebungen mehrerer Infanterie-Regimenter auf dem Exerzierplätze bei und besuchten dann die Kaserne des 69. Infanterie-Regiments. Hier brächte der bayerische Oberst ein Hoch auf den König Humbert und das italienische Heer aus, das der italienische Re- gimentS-Kommandeur mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm und das deutsche Heer erwiderte.
Aus Petersburg wird gemeldet: Der Londoner Korrespondent der „Nowosti" berichtet, die Vorgänge im Orient begännen wiederum, bei den Freunden des Friedens Befürchtungen zu erwecken. Es mangele nicht an Anzeichen für neue Umwälzungen auf der Balkanhalbinsel ; doch sei noch unklar, wo sich der Mittelpunkt der Bewegung befinde. Kompetente Personen versicherten, es sei eine Krisis zu gewärtigen.
Aus Prellinz unD MtaitkitL
* (Personal-Chronik.) Ernannt: der Rechtskandidat Sattler zum Referendar, die Forstaufseher Günther, Mühlhausen und Dannewitz zu Förstern zu Oberrode bezw. Jstergiesel und Mosborn-Nord vom 1. Juli d. J. ab. — Uebernommen: der Referendar von Apell aus dem Bezirke des Oberlandesgerichts zu Königsberg in den zu Caffel. — Versetzt: der Gerichtsschreiber, Sekretär Schröder zu Amöneburg an das Amtsgericht zu Fritzlar, der Förster Sucker von Jstergiesel nach Rottebreite vom 1. k. M. ab. — Pensionirt: der Königliche Kreisbauinspektor, Baurath Gibelius zu Frankenberg, der Postverwalter Knigge zu Haste, die Förster Walter zu Altenlotheim und Kalb zu Oberrode vom 1. k. Mts. ab.
* Der Saatenstand berechtigte um die Mitte des Monats Juni in Preußen zu folgenden Erwartungen (1 entspricht einer sehr guten, 2 einer guten, 3 einer mittleren, 4 einer geringen, 5 einer sehr geringen Ernte): Winterweizen 2,2, Sommerweizen 2,6, Winterspelz 1,9, Winterroggen 2,3, Sommerroggen 2,8, Sommergerste 2,7, Hafer 2,7, Erbsen 2,8, Kartoffeln 2,8, Klee (auch Luzerne) 2,1, Wiesen 2,4.
- p- Hersfeld, 24. Juni. (Die Erdbeere.) Abgesehen von den wenigen Menschen, die nach dem Genuß von Erdbeeren die Neffelsucht zu bekommen pflegen, giebt es wohl niemand, der den Genuß der Erdbeere verschmäht. Sie erfreut sich bei allen Völkern derselben Anerkennung, die bescheiden am Boden wachsende Beere, die im Laufe der Jahrhunderte als eine so dankbare Frucht für die Gartenkultur sich gestaltete, wie schwerlich eine andere. Denn sie ließ sich in jeder Beziehung „züchten". Jede Farbennuance, vom schneeigen Weiß bis zum purpurnen Roth oder goldigen Gelb, nahm sie an, die seltsamsten Formen: Kugeln, Kegel und Vielecke züchteten ihr die Gärtner an, und ihre Größe geht vielfach ins Riesenhafte, sodaß man Erdbeeren sieht, die sich an Umfang leicht mit einem mittelgroßen Apfel oder einer Birne vergleichen lassen. Jetzt ist in Europa von Norwegen und Rußland bis nach Spanien die Erdbeere geschätzt und weit verbreitet, und in Amerika und Asien war sie anscheinend von jeher bekannt, aber die alten Griechen wußten nichts von ihr. Die Römer jedoch, die gewiegten Feinschmecker, lernten sie kennen, wie Vergil, Ovid und Plinius berichten. Im vorigen Jahrhundert schrieb man der Erdbeere allerlei Heilwirkungen zu. Das Fieber sollte sie dämpfen, Wunden heilen, und Erdbeer- Kompressen wurden bei erfrorenen Gliedmaßen empfohlen. Ja, ein besonders weiser Mann schreibt sogar, daß der Genuß von Erdbeeren — berausche. Aber dieser Schlauberger hat sicherlich Zucker und Moselwein an die Früchte gesetzt und sie in diesem Zustande genossen, so daß man in ihm den Erfinder der Erdbeerbowle begrüßen dürfte. Allerdings kann man zu diesem prachtvollen Getränk, das mit Recht von vielen noch weit über die Maibowle geschätzt wird, nicht jene großen Gartenfrüchte verwenden; nur die zarte Frucht des Waldes, die würzige Walderdbeere, entfaltet ihre duftigen Reize in der Bowlenschale. Und ein Hohn sonder Gleichen ist es, daß der Botaniker ihr, der schlanken Königin unter dem dicken Volk der Erdbeeren, ein so abscheuliches technisches Beiwort gegeben hat, indem er sie die — „gemeine Walderdbeere" nennt.
Hersfeld, 24. Juni. (Berliner Getreidemarkt-Bericht.) Die Getreidepreise stehen j^tzt, wie das kaum anders fein kann, unter dem Einfluß der Ernte- Aussichten in allen Gegenden der Windrose. Die Vereinigten Stauten Nordamerikas melden übereinstimmend glänzende Aussichten für Weizen, die nicht nur einen Preisdruck ausübten, sondern wahrscheinlich auch den äußern Anstoß zum Zusammenbruch des Großspekulanten Leiter und einiger seiner Genossen in Chicago gaben. Durch den Rückgang, der an einigen Hauptplätzen des Weltmarktes durch dieses Ereigniß sich vollzog, wurden naturgemäß in stärkerem Maße die nahen Lieferungen betroffen. Was die europäischen Ernte-Aussichten betiifft, so mehren sich in Frankreich Klagen über Rostansatz, — in England wirkt vielfach regnerische und kühle Witterung wenig günstig — in Norditalien haben starke Regen- fälle und niedrige Temperaturen Schaden angerichtet, und in Oesterreich Ungarn erneute Niederschläge Befürchtungen erweckt. Aus den Balkanstaaten liegen ziemlich befriedigende Berichte vor, und auch aus Rußland treffen zufriedenstellende Nachrichten ein. In Deutschland klagt
man über mangelhaften Körner-Ansatz des Roggens. Der Berliner Lieferungshandel zeigte anfänglich wegen der kühlern und unbeständigen Witterung eine festere Haltung, stand indes später unter dem Einfluß des Auslandes. Dieser blieb jedoch verhältnißmäßig gering und führte nur für Weizen aus Juli-Lieferung zu einem größern Rückgang von etwa 8 Mk; — dagegen verlor September-Lieferung nur knapp 4 Mk. Roggen zeigte sich widerstandsfähiger und büßte für Juli nur etwa 3 Mk., für September nur etwa 1 Mk. ein. Hafer und Mais zeigten eine geringe Erholung. Alles in allem genommen kosteten nach jüngsten Privat-Ermittelungen 20 Ctr. Weizen 201,00 Mk ; Roggen 142,00 Mk.; Gerste —,—; Hafer 174,00 Mk.; Mais —,—.
Hersfeld, 24. Juni. Bei der zum Zweck der Einführung einer Kirchenheizung vorgenommenen Ausgrabung in hiesiger Stadtkirche wurde vorgestern, inmitten des Kirchenraumes, einige Fuß tief unter der Erde, ein Sarg entdeckt, der bei der Bloßlegung alsbald zerbröckelte. In demselben lag ein in einen Reiter- mantel gehülltes Skelett, mit einem Schlapphut auf dem Kopfe und langen Lederstiefeln an den Beinen. Der mit Schnüren und Troddeln reich geschmückte Hut, die an der Rückseite mit Riemen zugeschnürten Stiefel und die Messingknöpfe am Mantel waren noch ziemlich gut erhalten. Die Kleidung und der Fundort scheinen darauf hinzudeuten, daß der Gefundene ein dem dreißigjährigen Kriege angehörender Reitersmann, wohl ein höherer Befehlshaber, gewesen ist.
§ Rotenburg, 24. Juni. Wenige Tage trennen uns noch von dem im Juli (2., 3. und 4.) in unsern Mauern stattfindenden Gauturnfest deS Ober - s u l d a g a u e s. Der Festausschuß hat unter dem Ehrenvorsitz des Herrn Bürgermeisters Wetzell in einer Anzahl Sitzungen eine rührige Thätigkeit entwickelt. Das Festprogramm wie die Vorbereitungen für das Fest, insbesondere für die Dekoration der Stadt und des Festplatzes lassen darauf schließen, daß das Fest den in den 60er Jahren hier gefeierten großen Turnfesten an Bedeutung nicht viel nachgeben wird. Insbesondere spricht der Theil des Programms sehr au, welcher besagt, daß der Vormittag des 4. Juli dazu bestimmt ist, die Festtheilnehmer zu einem Ausflug auf den Alheimer zu vereinigen. Dem Vernehmen noch sind schon eine ganz stattliche Anzahl auswärtiger Turngenossen angemeldet. Die Lage und Umgebung unseres Städtchens ist ja auch eine derartig schöne, daß es sich wohl verlohnt, unseren Ort zu besuchen, zumal im Festschmuck und bei einer derartig passenden Gelegenheit. Hoffen wollen wir, daß ein schönes Wetter den günstigen Verlauf des Festes sichern wird.
Caffel, 22. Juni. Das heutige Gewitter hat leider einen bedauerlichen Unfall im Gefolge gehabt. Ein Mann aus dem benachbarten Hohenkirchen wurde nebst seiner Tochter durch einen Blitzschlag schwer verletzt. Dieselben sind im Felde mit der Heuernte beschäftigt gewesen. Zwei Kühe wurden sofort getödtet. An dem Aufkommen der Tochter zweifelt man. (T.)
Caffel, 23. Juni. Wieder hat eine Periode heftiger Gewitter begonnen, welche leider vielfach auch mit Hagelschlag vermischt auftreten. Von zwei aus Westen kommenden Gewittern, welche gestern gegen Abend über dem Habichtswalde standen, nahm das eine seinen Weg über unsere Stadt, während das andere nordwärts sich wendend mit Hagelschauern niederging und in der Gegend von Marburg und Volkmarsen große Verheerungen an- richtete. Auch heute Mittag gegen 2 Uhr zogen zwei von Hagelschauern begleitete Gewitter, aus Süden kommend, über unsere Stadt. Wie man dem „Tageblatt" miltheilt, sollen die Schlossen in den Gemarkungen Waldau und Niederzwehren dem Getreide großen Schaden zugefügt und auch in den Gärten am Weinberge den ganzen herrlichen, eben erblühten Rosenstar vernichtet haben. Ein am Saume des Söhrewaldes stehender einzelner Baum ist vom Blitz getroffen und in Flammen aufgegangen.
Eschwege, 22. Juni. Bei Gelegenheit der in den Tagen vom 8. bis 10. Juli er. Hierselbst stattfindenden landwirthschaftlichen Ausstellung wird am dritten Festtage, einem Sonntag, auf dem Festplatz ein Ochse am Spieß gebraten werden. Die Anmeldungen von land- wirthschaftlichen Maschinen und Geräthen, sowie von Vieh sind bereits in so großer Zahl eingegangen, daß die Ausstellung einen ziemlich bedeutenden Umfang an- zunehmen verspricht.
Marburg, 20. Juni. Arg geprellt wurde ei» hiesiger Hotelkellner, der sich dieser Tage von einem fremden Reisenden für 85 Mk. ein Zweirad kaufte und auch gleich bezahlte. Der Verkäufer machte nun noch vor den Augen des Käufers eine Probefahrt, von der er bis heute noch nicht zurückkehrte. 6 Mk. Hotelrechnung sind auch noch zu bezahlen.
Hanau, 21. Juni. Die hiesigen Zimmergesellen sind heute in den Ausstand getreten. Sie verlangen 40 Pfennige Stundenlohn bei 10 ständiger Arbeitszeit, sowie mögliche Beseitigung der Ueberstunden.
Eifettach, 21. Juni. Der hier tagende 13. deutsche Schlossertag bewilligte 1000 M. für die deutsche Schlosser- schule und erklärte sich für Förderung und Erstrebung von Zwangsinnungen.
P e r in i f di 11 §.
— Berlin, 22. Juni. Abends 11 Uhr ging in Berlin ein Molkenbruch mit Gewitter und Hagel nieder. In wenigen Minuten waren die Straßen überschwemmt