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Gratisbeilagen:Illustrirtes Konnragsbiatt" n.IUnitriree landwirthschaftliche Verlage".

Nr. 68. Lümbelld 6t» 11. Juni

1898.

Erstes Blatt.

Vestellungen auf das Hersselder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Soiintagsblatt" «^ Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat Juni werden non allen kaiser­lichen (?oftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 9. Juni 1898.

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 16. v. Mts. I. 2820 (Kreisblatt Nr. 59) bestimme ich hierdurch

für den Wahlbezirk Lengers an Stelle des verhinderten Bürgermeisters Deifenroth

den Schöffen Reinhard Weuk zum Stellvertreter des Wahlvorstehers, sowie das Schulzi mmer in Lengers zum Lokal für die Vor- nahme der Wahl.

I. 3250. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh in GehauS ist völlig erloschen, wovon ich dem Königlichen Landrathsamt zu Hersfeld andurch ergebend Mittheilung mache.

Dernibach, den 6. Juni 1898.

Der Großherzogl. S. Bezirksdireklor.

* * *

Hersfeld, den 9. Juni 1898.

Wird veröffentlicht.

I, 3248 Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Auf zur Wahl!

Am 16. Juni schreitet das deutsche Volk an die Wahlurne.Wie wird die Entscheidung ausfallen ?" Das ist die Frage, die auf allen Lippen liegt. Eine günstige Antwort darauf kann das Ergebniß der Wahlen nur dann ertheilen, wenn die gesummte treu zu Kaiser und Reich stehende Wählerschaft sich von dem Gefühl der Wichtigkeit dieses Wahlaktes durchdringen nnd leiten läßt. Nur keine Lauheit, die sich einhidt in den Trost der bequemen Schlasrock-Politiker:Auf eine Stimme wird es ja nicht ankommen; die Sache der Ordnung siegt ja auch ohne mich!" Diese laxe Anschauungsweise ist bisher nur der Sozialdemokratie zu Gute gekommen, die dank ihrer Disziplin ihren letzten Mann an die Urne führt. Bei den Wahlen im Jahre 1893 würde von den 46 Sozialdemokraten kaum d e r zehnte Theil in den Reichstag gekommen sein, wenn dre reichstreuen Elemente sämmtlich am Platze gewesen wären!

Von den sozialdemokratischen Abgeordneten wurden damals nur Arier in Glauchau und Geyer in Leipzig- Land von der absoluten Mehrheit aller Wahlberechtigten gewählt. Auch sie haben es nur auf 51,1 und 53 2 Proz. gebracht, da in dem einen Kreise von 29,806 Wühlern 15,234, in dein andern von 62,730 Wählern 33,349 für sie eintraten. In allen andern Kreisen

dagegen würde, sobald die Lässigen an der Urne er­schienen wären, die Mehrheit der Sozialdemokraten zu einer oft recht bedeutenden Minderheit zusammenge­schmolzen sein.

In München II beispielsweise erhielt Vollmar von 38,735 abgegebenen Stimmen 21,876; da es jedoch 76,697 Wähler dort giebt und demgemäß 47,4 Proz. der Gesammtzahl von dem Wahlrecht keinen Gebrauch machten, so wurde Vollmar der Vertreter des Kreises, obwohl er nur 29,6 Proz. der Stimmen erhielt. Bei einem genügend ausgeprägten Pflicht-Bewußtsein der staatserhaltenden Parteien hätten ihm 71,4 Proz. gegen- übertreten können. In Breslau - West wählten von 36,104 eingeschriebenen Wählern nur 26,392, es ent­hielten sich also 26,9 Proz. der Stimm-Abgabe. Auf Schönlank fielen jedoch nur 13,645 Stimmen, die 37,4 Prozent der Gesammtzahl bildeten; auch hier wäre daher ein ordnungsparteilicher Sieg durch Znsammenfafsen aller Kräfte leicht möglich gewesen. Weiter wurde ge­wählt Blos in Braunschweig mit 38,8 Proz., Bock in Gotha mit 37,7 Proz., Bueb in Mühlhausen mit 38,7 Prozent, Grillenberger in Nürnberg mit 42,8 Proz., Hofmann in Auerbach mit 41,8 Proz., Legien in Kiel mit 39 Proz., Reißhaus in Erfurt mit 37,6 Prozent, Schmidt in Rochlitz mit 42,7 ^^., Tutzauer in Bres­lau Osi mit 36,9 Proz. aller Stimmen. Selbst in den ganz sichern Burgen", wie Reuß ält. L., Altona, Berlin 4 und 6, Stollberg, Chemnitz und Zwickau erhielt die Sozialdemokratie bei der letzten Wahl nicht die Mehr­heit der Stimmen aller Wahlberechtigten.

Also Mann für Mann heran an die Urne! Das sei am 16. Juni die Parole.Die königlichste Handlung freier Männer" nennt der Amerikaner den Wahlakt. Das ist er in der That. Die Stimm-Abgabe ist aber nicht nur ein Recht, sie ist, zumal unter den heutigen Verhältnissen, eine ernste Pflicht, die nicht scharf genug aufgefaßt werden kann. Wohlan denn, deutsches Volk, denke daran, daß am Tage der Wahl die Augen der ganzen Welt auf dich gerichtet sind! Ihr vaterlands­liebenden Wähler, schließt eure Reihen und beherzigt am 16. Juni die Mahnung des tiefpatriotischen geistigen Vorkämpfers der deutschen Freiheitskriege, Gottlieb Fichtes:Jeder Deutsche hat zu thun, als ob er allein sei und als ob lediglich von ihm allein das Schicksal des Vaterlandes abhänge!"

Jer smisch - mrikmsche Krieg.

Die größere Aufmerksamkeit gilt heule der Lage auf den Philippinen.

Denn dorther kommen für Spanien ernste Nachrichten, die zugleich von amtlichen Stellen in Madrid bestätigt werden. Gestern hatte dieserhalb der spanische Kriegs­minister und der Marineminister Audienz bei der Königin- Regentin, nachdem vom Gouverneur der Philippinen gemeldet worden war, der ganze Archipel sei im Aufruhr mit Ausnahme der Visayas-Jnsel; der Gouverneur habe sich in den befestigten Theil der Stadt Manila zurück­gezogen, um Agninaldo von dort aus Widerstand leisten zn können. Diese Botschaft erhält ihre Bestätigung in folgendem Madrider Telegramm von Donnerstag:

Eine amtliche Depesche aus Manila, welche der Kriegsminister gestern dem Ministerpräsidenten vorgelegt hat und die zuerst nicht veröffentlicht werden sollte, lautet nach derAgencia Fabra":Die Lage ist sehr ernst. Aguinaldo ist es gelungen, das Land an einem bestimmten Tag zum Aufstande zu bringen Da die Eisenbahn- unb die Telegraphcnlinien abgeschnitten sind, bin ich mit allen Provinzen außer Verbindung. Die Einwohner der Provinz Cavite haben sich in Masse erhoben. Städte und Dörfer werden beschossen und von zahlreichen be­waffneten Banden besetzt. Eine Truppenabtheilung ver­theidigt die Linie von Zapote, um das Eindringen des Feindes in die Provinz Manila zn verhindern; da der Feind aber auch über Bulaean, Laguna und Moron vor- dringt, wird die Hauptstadt von der See- und Landseite her eingeschlossen und angegriffen werden. Ich snche den

Geist der Bevölkerung zu heben und werde alle Mittel des Widerstandes erschöpfen, mißtraue aber den Einge­borenen und den Freiwilligen, denn zahlreiche Desertionen sind bereits vorgekommen. Bacolor und Jmus sind schon in der Gewalt des Feindes. Der Aufstand ist mächtig, und wenn ich nicht mit der Unterstützung des Landes rechnen kann, werden die zu meiner Verfügung stehenden Streilkräfte nicht genügen, zwei Feinden die Stirn zu bieten." Das Telegramm ist vom 3. Juni datirt.

Nach einer ferneren Depesche aus Madrid von gestern geht dort bereits das Gerücht, die Garnison von Manila habe kapitulirt; sie habe sich lieber den Amerikanern er­geben, als sich von den Aufständischen hinmorden zu lassen. Da die obigen Meldungen schon vom 3. Juni datirt sind, also fast eine Woche seitdem vergangen ist, so wäre es allerdings möglich, daß die Ereigniffe in­zwischen eine das letztere Gerücht bestätigende Wendung genommen hätten.

In Betreff der Kubanischen Situation wird aus H a v a n a unter dem 8. Juni gemeldet: Hier eingelaufene Telegramme aus Santiago de Cuba besagen, daß bei dem letzten Bombardement die Angriffe der Amerikaner wiederum zurückgewiesen wurden. Die in den Batterieen angerichteten Beschädigungen sind uner­heblich und bereits uneben cuSgebeffert. Die Batterieen stellten das Feuer nicht ein und sind auch jetzt in der Lage, das feindliche Feuer kräftig zu erwidern. Nach einem amtlichen Telegramm hatten die spanischen Land­truppen einen Todten. Fünf Offiziere, unter ihnen Oberst Ocdonez, wurden verwundet. Bei den Seestreit- kräflen betrugen die Verluste 27 Todte, darunter der zweite Kommandant derReina Mercedes", und 12 Verwundete, darunter ein Lieutenant zur See. Der Zustand der meisten Verwundeten ist nicht bedenklich. Der DampferBenito" durchbrach die Blokade und kam ohne Zwischenfall in Jamaika an.

Politische Nachrichten.

Berlin, 7. Juni.

Se. Majestät der Kaiser stieg gestern früh 73/4 Uhr, wie aus Potsdam gemeldet wird, im Hofe des Stadtschlosses zu Pferde und ritt nach dem Born- stedter Felde, wo eine Besichtigung der Gardes du Corps und der Leib-Gardehnsaren stattfand. An die Besichtig­ung schloß sich ein Exerzieren im Feuer, zu dem auch das Füsilierbataillon des 1. Garderegiments, die Unler- offizierschule unb das Lehr-Jufanteriebataillon herange­zogen wurden. Hierauf fand Parademarsch statt, bei dem die Kavallerie im Trabe desilirte. Se. Majestät war von einer glänzenden Suite und vielen fremdherr- lichen Offizieren umgeben. Die Prinzessin Friedrich Leopold wohnte der Parade im Wagen bei. Se. Maje­stät begab Sich an der Spitze des Regiments Gardes du Corps nach Potsdam zurück und ließ es vor dem Ossizierkasino des Regiments nochmals vorbeimarschieren. Alsdann nahm AUerhöchstderselbe an einem Frühstück in dem Kasino des Regiments Theil.

Ihre M a j e st ä t e n der Kaiser und die Kaiserin begaben Sich heute früh vom Stadtschloß zu Potsdam aus nach dem Marmorpalais und nahmen daselbst gemeinsam das Frühstück ein. Von 9 Uhr ab hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militairkabinets, Generaladjutanten und Generals der Infanterie v. Hahnke, und von 11 Uhr ab den Vor­trag des Chefs des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. v. Lucanus. Hierbei empfing Se. Majestät den Buchdruckereibesitzer Georg Büxenstein und den Ver­leger Richard Bong, Herausgeber und Verleger des PrachtwerksUnser Kaiser, zehn Jahre der Regierung Kaiser Wilhelms II ", behufs Ueberreichung dieses Werkes.

Der Vize-Präsident des preußischen Staats-Ministe- riumS, Finanz-Minister Dr. v Miguel, ist bereits wieder in seinem Büreau thätig. Von seiner Krankheit ist ihm nur eine lästige Affektion der Bronchien znrück- geblieben, welche ihn veranlassen wird, nach der am