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tr^tllitr Kreisblatt.
GeatssbrUsgen: „Illustmetes SeitsuagsblaH" n. „Zlln^vtrLe landwirthschafiltchr Beklage".
Rr. H.Iienstag 7. ^mi 1888.
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Amtlicher Tlsell.
Zum Schutz der Reichs - Telegraphenaulage» sind durch das Gesetz vom 13. Mai 1891, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich, nachstehende Bestimmungen erlassen: § 317. Wer vorsätzlich und rechtswidrig den Be- hieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage dadurch verhindert oder gefährdet, daß er Theile oder Zubehörungen derselben beschädigt oder Veränderungen daran vornimmt, wird mit Gefängniß von einem Monat bis zu drei Jahren bestraft.
§ 318. Wer fahrlässiger Weise durch eine der vor- bezeichneten Handlungen den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage verhindert oder gefährdet, wird mit Gefängniß bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu neunhundert Mark bestraft.
Unter Telegraphenanlagen im Sinne der §§317 und 318 sind Fernsprechanlagen mitbegriffen.
Da die Reichs-Telegraphenanlagen in letzter Zeit häufig theils vorsätzlich (Zertrümmern der Isolatoren durch Steinwürfe rc.), theils fahrlässig (namentlich beim Füllen von Bäumen) beschädigt worden sind, so werden die vorstehenden Bestimmungen hiermit warnend zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Zugleich wird Demjenigen, welcher vorsätzliche oder fahrlässige Beschädigungen der Reichs Telegraphenanlagen so zur Anzeige bringt, daß gegen den Thäter mit Erfolg eingeschritten werden kann, in jedem einzelnen Falle eine Belohnung bis zur Höhe von 15 Mark hiermit zngesichert. (C 3850)
Cassel am 9. Mai 1898.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. Frank.
M kleinen Swifts Gliiek nnd Seid.
E> zählung von Karl Z a st r o w.
(Fortsetzung.)
Mit einer energischen Bewegung raffte Lucie sich auf, trocknete hastig die Thränen, und gewaltsam gegen Zhre trübe Stimmung ankämpsend, sagte sie: „Rudolf! Sage mir eins: Glaubst du, daß du genesen wirst? Tu bist ein Mann! Und weil ich dies weiß, richte ich diese Frage an dich."
„Ich glaube es nicht, Lucie! Ein Wunder Gottes wär's, wenn ich durchkäme. Es war ein zu jäher Sturz, und ich fühle im allgemeinen nicht, daß ich besser werde. Vielmehr scheint das Gegentheil der Fall. Wenn es fern muß, sterbe ich ruhig. Mein kleines Haus rft bestellt und baun — der gütige Kommerzienrath hat mir versprochen, für die Mutter zu sorgen. Schon jetzt ist ihr eine ‘Leute Rente ausgesetzt, die sie der größten Sorge» enthebt. Im übrigen ist alles höherer Macht anheimgegeben.
„Ich möchte dich etwas fragen, Rudolf. Und wenn du dich stark genug fühlen solltest, mir zu antworten, so schweige nicht." . c ’
Er nickte leicht, und sie fuhr tiesaufathmend fort. „Mein Verlobter ist — ich muß es beim rechten Worte nennen — ein Schurke. Ein Zufall hat mir offenbart, daß er im Bunde mit den Einbrechern steht und im Einverständnisse mit ihnen gehandelt hat. Unter falschem Namen unb auf gefälschten Paß wollte er über das Meer und ich —- ich —" .
Sie stockte. Es war ihr unmöglich, den Satz zu vol
Nichtamtlicher Theil.
An die deutschen Beamten.
Die Wahlen stehen vor der Thür. Da erwächst ganz besonders den Beamten die Pflicht, von ihrem Wahlrechte auch Gebrauch zu machen. Nicht — wie das jetzt üblich geworden ist — an das materielle Interesse der Beamten appelliren wir. Im Gegentheil; wir warnen die Beamten, sich durch unhaltbare Versprechungen oder gar durch Aufreizungen gegen Vorgesetzte oder Kollegen umgarnen zu lassen. Die Standesehre der Beamten gebietet festes Zusammenhalten gegen derartige Einbrüche in die Autorität. Jeder einzelne Beamte, der höchste wie der niedrigste hat darunter zu leiden, wenn die Autorität untergraben wird.
Es handelt sich bei den bevorstehenden Wahlen mehr als früher barunt, die Staatsordnung z u schützen. Wir wollen nicht das „rothe Gespenst" an die Wand malen. Die Sozialdemokraten sind viel zu schlau, als daß sie sich heute schon an einer Revolution die Finger verbrennen möchten. Aber die Sozialdemokraten vernichten Schritt vor Schritt die Achtung vor den Gesetzen, vor der Autorität und den Gehorsam gegen die Obrigkeit. Dadurch untergraben sie zielbewußt unsere Staats und Gesellschafts-Ordnung und arbeiten an der Auflösung von Monarchie und Vaterland. Kein Beamter darf fehlen, wenn es gilt, gegen solche gemeingefährliche Unternehmungen Front zu machen. Es ist unter allen Umständen die Pflicht jedes Beamten, die Sozialdemokratie ebenso wie alle andern gegen den Staatsbestand gerichteten Bestrebungen mit allen Mitteln und allen Kräften zu bekämpfen.
Es ist nicht wahr, daß die Sozialdemokratie eine Partei wie jede andere sei. Es ist nicht wahr, daß die sozialdemokratische Agitation in unserm monarchischen Lande eine Berechtigung habe. Bei jeder Gelegenheit zeigen die S o z i a l d e in o k r a t e n , daß sie F e i n d e der Monarchie sind. Sie verweigern dem Kaiser und den andern deutschen Bundesfürsten die Ehrfurcht, sie verlangen die Errichtung von Revolutions-Denkmälern und lehnen die Bewilligung eines Kaiser Wilhelm- und Kaiser Friedrich-Denkmals ab. Kurz sie machen kein Hehl aus ihrer antimonarchischen demokratischen Gesinnung. Eine solchePartei ist in monarch
lenden. Aber die glühende Nöthe des Unwillens auf ihrer Wange sagte mehr, als Worte es vermögen.
In dem Antlitze des Zuhörers aber hatte keine Muskel gezuckt. Nur hatte er langsam die Zeitung vom Fensterbrette genommen und mit dem Zeigefinger auf einen Tages-Artikel gedeutet. Als Lucie flüchtig hineinblickte, erkannte sie eine genaue Beschreibung des bei dem Banquier Hammerstein verübten Einbruchs. Auch war andeutungsweise die Vermuthung ausgesprochen, daß Bedienstete aus dem Geschäfte im Spiele seien.
„Nun wohl, so bist du bereits unterrichtet," fuhr sie fort, „und es kann dir die Entscheidung nicht schwer fallen. Stahl hat nun in herzerschütternder Weise erklärt, daß leidenschaftliche Liebe zu mir die Hauptveran- lassung zu seiner Handlungsweise gewesen sei. Diese Liebe habe ihn seines Haltes, seiner Ueberlegung beraubt. Wäre es unmöglich, daß ein geheimer Wunsch, mir eine glänzende, den Reinigen eine sorgenlose Lage zu verschaffe», hierbei mitgesprochen hätte?"
„Ich halte es für mehr als wahrscheinlich!"
„Nun wohl! Bin ich dann nicht, wenn auch ohne meinen Willen, seine Mitschuldige? Darf ich ihn verlassen, nun, wo die Wellen über sein Lebensschiff herein- brechen und es in den Abgrund zu stürzen drohen? Muß ich meinem Herzen folgen, das mich treibt, ihm zu verzeihen, da er aus Liebe zu mir gehandelt?"
„Laß ihn selbst die Entscheidung treffen. Wenn seine Leidenschaft für dich eine so gewaltige und tiefe ist, daß sie seine Vernunft und seinen Sinn in ihren Bann zieht, dann muß sie sich schließlich auch als siegender Stern in
ischen Landen nicht berechtigt. Eine solche Partei aber auf das entschiedenste zu bekämpfen, ist besonders bei den bevorstehenden Wahlen die Pflicht der Beamten; es ist eine Pflicht, die ihnen durch den Diensteid vorgeschrieben ist.
Jeder Beamte schwört freiwillig, wenn er seinen Diensteid leistet, daß er dem Monarchen die Treue halten wolle. Damit ist er gebunden, sich nicht nur von revolutionären Bewegungen fernzuhalten, sondern sie auch mit allen Kräften zu bekämpfen. Bei den Wahlen können die Beamten ihre Treue für König und Vaterland durch die That beweisen, indem sie Mann für Mann an die Wahlurne gehen und alles aufbieten, um der Sozialdemokratie und deren Helfershelfern eine Niederlage zu bereiten.
Politische Nachrichten.
Berlin, 5. Juni.
S e. Majestät d e r K a i s e r hat am Donnerstag Abend einen auf wenige Tage berechneten Ausflug nach dem Osten der Monarchie angetreten. Als nächstes Reiseziel war Marienburg in Aussicht genommen, wo der Kaiser den Fortgang der Erneuerungs-Arbeilen an der Marienburg besichtigte. Von dort ging die Reise nach Danzig, wo verschiedene Besichtigungen erfolgten. Auf dem Rückwege nach Berlin war ein Aufenthalt in Stettin geplant, der benutzt werden sollte, um den Werken des „Vulkan" einen Besuch abzustatten. Dem Wiedereintreffen des Kaisers in Berlin wurde am Montage entgegengesehen.
Verschiedenen Blättern wird über die bevorstehende ReiseSr. Majestät des Kaisers nachPalästina gleichlautend Folgendes geschrieben: Für die Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem waren ursprünglich drei velschiedene Tage in Betracht gezogen, nämlich der 18. Oktober, als Geburtstag des Kaisers Friedrich, der 31. Oktober, als Reformationsfest und als Einweihungstag der erneuerten Schloßkirche in Wittenberg, und endlich der 6. November, als der Tag, an dem Kaiser Friedrich 1869 in Jerusalem einzog. Nach neueren Entschlüffen scheint es nicht mehr zweifelhaft, daß die Einweihung ant 18. Oktober erfolgen wird. Die Einladung der Evangelischen Jerusalems-Stiftung an die anderen pro-
diesem dunklen Labyrinth behaupten, sobald du die Richtung angiebst. Thue das, liebe Lucie, bestimme ihn, das Rechte zu thun, und sühne damit zugleich deine eigene Schuld, die, obwohl au unb für sich nicht groß, doch als die Hauptursache zu allem, was geschehen, betrachtet werden muß. Ich meine deinen Haß gegen deine begüterten Mitmenschen und gegen das Kapital. Dieser unselige Haß, der aus irrthümlichen Ansichten entsprungen ist und nur durch das Unglück deines Vaters einigermaßen erklärt wird und der dich mir entfremdet hat."
„Also er soll?" begann sie zögernd. „Fahre fort, Rudolf! Es wird buchstäblich ausgeführt, was du bestimmst !"
Ihr Auge bohrte sich in angstvoller Erwartung in seine Züge. So ernst und feierlich hatte sie ihn nie gesehen. Gewiß sprach jene geheimnisvolle gewaltige Macht aus ihm, die alle Wirrnisse klärt und selbst das Böse zum Guten lenkt.
„Zu seinem Prinzipale soll er gehen und ihm das entwendete Geld bei Heller und Pfennig zurückerstatten, hernach zur Obrigkeit und dort gewissenhaft berichten, wie alles gekommen, was ihn bewogen und verleitet hat!"
„Aber er wird mich als Preis für dieses Opfer begehren ! Er wird wiederkommen, wenn er seine Strafe verbüßt hat und mich an mein Versprechen gemahnen. Muß ich dem Zuchthäusler halten, was ich dem unbescholtenen Manne gelobt?"
„Dazwischen tritt zunächst die Zeit, Lucie, und diese hat eine gewaltigere Stimme, als wir beide. Wen» er aber dereinst geläutert wiederkehrt, wenn seine Liebe nach