Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnenicntspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg, exel. Postaufschlag, k ------- .
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
..... . r,7=*
GratisbeiLagen: „Illustrirtes SonntassbLaLL" u. „Zllrtitripts lanKVtVLHschaftltchr Beilage".
Rr. 58.
Iieilstiz Den 17. Mai
1888.
Bestellungen
auf das
mit den Gratisbeilagen
„Jllustrirtes Somltagsblatt" ™» „Jllnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Die unter dem Rindvieh des Unterzeichneten ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.
Heenes, den 12. Mai 1898.
Der Bürgermeister Becker.
Nichtamtlicher Theil.
3tr Misch - mmkMsche Mtfl.
Während die Spanier der Welt das Vexierbild zu rathen aufgeben: Wo ist die spanische Flotte?, haben die Amerikaner eine Reihe kleiner Erfolge in den westindischen Gewässern errungen. Zwar mißlangen die ersten Landungsversuche bei Cardenas an der Nordküste von Kuba östlich von Havannah, die Amerikaner verloren dabei sogar ein kleineres Schiff, andere kehrten beschädigt nach Key-West, der Flottenstation auf einer Insel vor der Spitze von Florida gegenüber Havannah, zurück. Der Versuch wurde aber am 12. Mai mit besserm Erfolge wiederholt; es gelang nach Zerstörung der Forts von Cardenas, mehrere Kompagnien an Land zu setzen, zu denen sich sogleich ein Trupp von Insurgenten schlug. Damit ist allerdings noch nicht viel erreicht ; zu Lande auf Kuba bleiben die Spanier die Stärkeren, so lange sie nicht ausgehungert werden, und abgesehen von dem bösen Klima, das manchen amerikanischen Freiwilligen dahinraffen wird, bleibt die Ausschiffung größerer Truppenmassen auf Kuba ein gefähr-
Its kleine« Änses Gliilk 1111Ö 8dh.
Erzählung von Karl Zastrow. (Fortsetzung.)
Eine Thräne blitzte in ihrem Auge, und bte Stricknadeln klapperten unter den nervös zitternden Fingern.
Frau Stiller warf ihrem Lieblinge einen bedeutsamen Blick zu, den jener sehr wohl verstand, denn er zog sofort einen Stuhl neben Lucie, setzte sich und begann im Tone freundlicher Milde:
„Gieb, das Verhältniß auf, Lucie! Möller ist kein Mann für dich! Er gehört nicht zu uns. Wer so wenig Herz zeigt für seine Kameraden, so fest in verrotteten Ansichten beharrt und sich so wenig den Zeit- verhältnissen angemessen zeigt, wie er, der ist meines Erachtens eines Mädchens, wie du bist, nicht würdig.
„Vielleicht ändert er sich," meinte sie und dachte dabei im stillen, daß es ihrem Einflüsse gelingen könne, ihn zu bekehren.
„Sieh! welchen prachtvollen Strauß dir heute Herr Stahl geschickt hat," nahm die Mutter das Wort, die reiche Blumenspende aus den Tisch legend.
Lucie blickte gleichgiltig auf, allein ihr Auge wurde unwillkürlich gefesselt durch den Glanz und die Frische der Blüten und die sinnige Zusammenstellung der Farben. Gleichzeitig trat das Bild des feinen und hübschen, jungen Mannes, der sich stets so aufmerksam gegen sie benommen hatte, vor ihre Seele. S'.e hatte ihn seit ihrer Verlobung nicht mehr gesehen. Unwillkürlich gewann er durch diese Entfernung in ihrer Einbildung.
liches Unternehmen, so lange noch eine spanische Schlachtflotte auf der hohen See schwimmt.
Wichtiger wäre ein zweiter Erfolg; die Beschießung von San Juan durch das Geschwader des Admirals Sampson und die Kapitulation dieses Haupthafens der spanischen Insel Portorico. Der große Schade, den das Bombardement angerichtet hat, fiele wenig ins Gewicht gegenüber dem Verluste der besten Kohlen-Station für die spanischen Schiffe. Dieser Erfolg ist jedoch von den Amerikanern voreilig gemeldet worden; nach neuern Nachrichten ist der Angriff auf San Juan abgeschlagen worden, und das amerikanische Geschwader hat sich mit einigen stark beschädigten Schiffen zurückgezogen. Das spanische Geschwader, das sich bei den Kap Verdischen Inseln gesammelt hatte, ist endlich in den westindischen Gewässern angekommen. Am 12. Mai wurde es vor Martinique, einer französischen Insel der kleinen Antillen, gesehen. Demnächst wird es wahrscheinlich dem Geschwader Sampsons eine Seeschlacht zu liefern haben.
Wo das zweite spanische Geschwader geblieben ist, weiß man noch nicht. Nach einer Meldung vom Sonnabend lag ein Theil noch in Cadiz. Zur selben Zeit lief das fliegende Geschwader unter Schley von New- Aork aus, sei es, um dem Geschwader von Sampson zu Hilfe zu kommen, sei es,-um spanische Schiffe auf- zusuchen, die sich an der amerikanischen Küste gezeigt haben sollen. Das Geschick des Krieges hängt wesentlich von der bevorstehenden Seeschlacht ab. Gelingt es den Spaniern nicht, einen vollen Erfolg zu erringen und verlieren sie ihre Schlachtflotte ganz oder zum Theil, so könnte sich ja der Kampf auf Kuba noch immer eine lange Zeit hinziehen; der Krieg bliebe aber für Spanien verloren, zumal unter dem moralischen Eindruck der fortgesetzten Niederlagen in Spanien selbst bald alle Kraft erlahmen und eine allgemeine Zerfahrenheit einreißen würde.
Vor Manila hat sich in der letzten Zeit nichts geändert. Die Stadt selbst ist noch von Spaniern besetzt, wird jedoch von dem Admiral Dewey fest blockirt. Ein Bombardement wäre zwecklos, so lange Dewey aus Mangel an Landungstruppen den spanischen Truppen bei Manila nicht beikommen kann. Diese werden von Insurgenten bedrängt, und es herrscht schon Hunger in der Stadt. Die deutsche Kolonie befindet sich wohl unter dem Schutze S. M. S. „Irene" und „Cormoran".
„Er war nur auf eine Minute mit heran gekommen," fuhr die Mutter fort, „wollte nur hören, wie es dir geht, und hat sich darnach sogleich wieder entfernt. Du weißt ja, wie taktvoll er ist und wie ergeben gegen dich."
„Dieser Stahl ist ein braver Mensch durch und durch," fügte Robert hinzu, „gar nicht stolz, stellt sich mit uns auf gleiche Linie. Außerdem hat er eine lebhafte Freundschaft für mich gefaßt. Denke dir, er nennt sich Arbeiter und so steht er auch im Adreß-Kalender verzeichnet."
„Es ist gut," machte Lucie endlich dem Gespräche ein Ende. „Laßt ihn wiederkommen, wenn euch soviel an ihm liegt. Ich habe genug."
Während sie sich wieder in ihre Arbeit vertiefte, nahm Frau Stiller ihren Sohn beiseite und flüsterte ihm folgende inhaltschwere Worte zu:
„Möller darf nicht wiederkommen. Du mußt alles ausbieten, es zu verhindern. Ich kann dir nicht sagen, wie verhaßt dieser Mensch mir ist. Meine ganze Hoffnung beruhte darauf, daß Lucie einmal eine gute Partie machen würde, sodaß der Vater und ich in unsern alten Tagen einigermaßen gesichert wären. Diese Hoffnung wird uns nun durch den armseligen Zimmergesellen zerstört."
Die Singen der sonst so gutmüthigen Frau blickten trübe. Die Aussicht, im Alter darbeu zu müssen, machte sie roh und hartherzig. Robert beruhigte sie:
„Es ist noch nicht aller Tage Abend, Butter. Wer weiß, was geschieht. Die Kameraden sind ihm auf dem i Hals, weck er seinen Weg allein geht, sich über sie er- ! haben dünkt und weder in guten nach schlechten Zeiten
Neueste Nachrichten.
Drei amerikanische Kriegsschiffe haben am Sonnabend auf Kuba neue Landungsversuche gemacht. Cardenas wurde auf's neue beschossen. Ein Geschoß traf das englische Konsulatsgebäude und zerstörte dasselbe vollständig. Während der Beschießung machten mehrere Boote den Versuch, Munition und Truppen zu landen, der aber vereitelt wurde. Die an der Küste verteilten spanischen Truppen eröffneten ein lebhaftes Feuer und verursachten dadurch dem Feind zahlreiche Verluste. Die Boote zogen sich zurück. Sieben Spanier sind verwundet.
Madrid, 15. Mai. Die spanischen Kreuzer Condevenatis und Nuovo espanna griffen fünf für den Krieg armirte amerikanische Schiffe an, die an der Blockade Havannahs theilnehmen. Eines der amerikanischen Schiffe wurde schwer beschädigt. Die anderen vier ergriffen die Flucht.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 15. Mai.
S e. Mass M<-k orKaiser nahm vorgestern Nachmittag im Schlosse Urville den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amts, Grafen Wolff-Metternich, entgegen. — Gestern Morgen um 9 Uhr empfing Se. Majestät den Chef des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath Dr. von Lucanus, zum Vortrage.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin wohnten heute dem Gottesdienst in der Kaiserkirche in Kürzel bei. Um 2 Uhr reiste das Kaiserpaar mittels Sonderzuges nach Straßburg ab. Auf dem Wege zum Bahnhof brächte das zahlreich versammelte Publikum AUerhöchftdemselben lebhafte Huldigungen dar; weißgekleidete Mädchen, mit Bändern in den deutschen Farben geschmückt, warfen dem kaiserlichen Wagen Maiglöckchensträuße zu. Auf dem Bahnhof hatten sich die Spitzen der Behörden eingefunden, von denen sich Ihre Majestäten auf das Huldvollste verabschiedeten, von brausenden Hochrufen der Menge geleitet. Prinz Joachim und Prinzeß Victoria Luise verbleiben noch einige Tage in Urville.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen ö1^ Uhr Nachmittags in Straßburg ein. Zum Empfange
zu ihnen hält. Gieb acht," fügte er mit vielsagendem Lächeln hinzu, „wundern soll's mich nicht, wenn sie ihn einmal traktieren, daß er's Wiederaufstehen vergißt."
Als Möller einige Tage darauf seinen gewohnten Besuch machte, wurde er von Robert und Frau Stiller garnicht, von Lucie aber mit eisiger Kälte empfangen. Das junge Mädchen kritisirte in ironischer Weise sein Verhalten in der Streikangelegenheit, und als er in maßvoller Weise sie zu belehren suchte, wurde sie heftig. Was ihn abhalle, Kameradschaft zu pflegen mit denjenigen, mit denen er sowohl durch seine Lebensstellung wie seinen Beruf verbrüdert sei. „Du bist ein Arbeiter, wie jene," fuhr sie fort, „und hast das Deine zur Verbesserung der Lage des Arbeiterstandes beizutragen. Aber es scheint, du bist zu dünkelhaft, um theilzuuehmen an den Bestrebungen deiner Brüder, Du dünkst dich erhaben darüber."
„Das ist durchaus nicht der Fall!" versetzte er entschieden.
„Nun wohl, so beweise mir das," erwiderte sie, „kehre um, schließe dich her Arbeitseinstellung deiner Kameraden an. Kannst du es nicht aus Ueberzeugung, so thu es aus Liebe zu mir. Und kannst du es nicht deiner Braut zu Liebe thun, so thue es deiner Kameradin in der Lebensstellung zu Gefallen."
Nun regte sich der Stolz im Herzen des Jünglings. „Nein!" rief er entschieden. „Meiner Ueberzeugung i bleibe ich treu. Hierin kann nichts auf der Welt mich wankend machen. Nie wird meine Liebe Grundsätze erschüttern können, die mit meinem Charakter verwachsen