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Tage zum Besuch der Kaiserin Elisabeth in Bad Kissingen eingetroffen.

Se. Majestät der K a i s e r hat dem Sultan einen prächtigen, vortrefflich dressirten Kriegshund zugedacht, welcher seit einigen Monaten beim Garde-Jägerbataillon zur Verwendung gelangt ist. Lieutenant Graf v. Per- poncher und Oberjäger Voigt, der den Hund abgerichtet hat, überbringen das kaiserliche Geschenk nach Kon­stantinopel.

D e r B u n d e s r a t h hat in seiner heutigen Sitz­ung die Zustimmung ertheilt: Dem Antrag Preußens, enthaltend Abänderungen des Gesetzes über die Natural­leistungen für die bewaffnete Macht im Frieden, der Vorlage, betr. die internationalen Sanitätskonventionen, dem Entwurf von Vorschriften für die Einrichtung oder den Betrieb von Anlagen zur Herstellung von elektrischen Akkumulatoren aus Blei oder Bleiverbindungen (mit einigen Abänderungen), sowie dem Gesetzentwurf für Elsaß-Lothringen, betr. die Besoldung der Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Elementarschulen; ferner den Ausschußanträgen, betr. Abänderung des Getreidelager­regulativs, betr. Abänderung der Ausführungsbestimm­ungen zum Zuckersteuergesetz, und betr. die Abänderung der Vorschriften über dite Denaturirung von Salz. Der Gesetzentwurf, betr. die Entschädigung der im Wieder­aufnahmeverfahren freigesprochenen Personen ist in der Fassung der Reichstagsbeschlüsse angenommen worden.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: DerBerl. Lokal- Anzeiger" vom 23. d. M. hat zum Ausdruck gebracht, daß man an maßgebender Stelle mit dem Verkauf der Schnelldampfer der Hamburg-Amerika-Linie nicht einver­standen gewesen sei. DerLokal-Anzeiger" hebt be­sonders hervor, daß das beobachtete Verfahren, wie er auf Grund seiner Informationen bestimmt versichern könne, mehr als Befremden erregt habe. Das genannte Blatt ist völlig unrichtig insormirt. An der für diese An­gelegenheiten allein maßgebenden Stelle hat das be­obachtete Verfahren nicht nur kein Befremden erregt, sondern ist durchaus gebilligt worden.

Nachdem das deutsche Reich in K i a u t s ch o u festen Fuß gefaßt hat, werden natürlich auch Maßnahmen ge­troffen werden müssen, um unsere neue Besitzung wirth- schaftlich und militärisch möglichst werthvoll für uns zu gestalten. Die Aussichten für die wirthschaftliche Ent­wicklung sind durchaus günstig; die Erschließung des Hinterlandes, die gute Gelegenheit für die Herstellung einer Eisenbahn, die vortreffliche Lage für die Schiffahrt und als Stapelplatz für den Küstenhandel dürften unser Schutzgebiet in Ostasien bald in Blüthe bringen. Zu­nächst wird der Hafen genau zu vermessen sein, damit die Schiffe sicher fahren, laden und löschen können. Ferner muß das Fahrwaffer festgestellt und für die er­forderlichen Signal-Einrichtungen, Ladebrücken und Krähne gesorgt werden. Auf dem Lande müssen ebenfalls Ver- messungen vorgenommen werden. Dann würde ein Be­bauungsplan zu entwerfen und das für die Anlagen der Civil- und Militär-Verwaltung erforderliche Land zu er­werben sein. Auch müssen die Besitzverhältnisse ermittelt werden, und schließlich würde die Anlage eines Grund­buches anzustreben fein. Die Verwaltung von K i a u t f ch o u ist erst zu organisieren. Ein Gouverneur ist bereits dort, ein richterlicher Beamter soll ihm beige­geben werden, der die Untersuchungen über die Besitzverhält- nisse anstellt und berufen ist, die Rechtsstreitigkeiten mit den Chinesen oder der Chinesen untereinander zu schlichten, sowie die Strasjustiz auch als Auditeur für die Garnison zu pflegen. Das Bestreben wird dahin gehen, sobald wie möglich die Selbstverwaltung in der Kolonie durchzuführen. Die nach Kiautschou entsandte Garni­son, welche bekanntlich aus einem Bataillon Marine-

füllt. Beim Fallen der tausendsten Karte erklingt ein Glockenton. Die bedienende Arbeiterin nimmt den Cylinder ab, leert ihn und befestigt ihn wieder, während eine andere das Verpacken des Fabrikats übernimmt.

Die frischen, jugendlichen Mädchengestalten bewegen sich zwischen den rollenden Rädern, den stoßenden und schlagenden Maschinentheilen und den schlangenähnlichen Lederriemen wie gefangene Vögel, die in ihren Netzen flattern. Alle sind eifrig beschäftigt. Die rastlos ar­beitenden eisernen Ungeheuer gestatten keine Pause. So haben die Mädchen auch nicht acht, daß zwei elegant gekleidete Herren eingetreten sind, von denen der ältere, ein Mann in mittleren Jahren mit einem vornehm ge­schnittenen Gesichte, sinnend das großartige Bild reicher und kraftvoller Thätigkeit betrachtet.

Unwillkürlich bleibt sein Auge an einer jungen, sehr hübschen Arbeiterin hängen.

Welch' ein schönes Mädchen," sagte er mehr zu sich selbst als zu seinem Begleiter, dem Fabrikherrn.

Das ist die Ansicht eines jeden von uns," er­widerte der letztere.

Wer ist sie denn?" forschte der Fremde.

Ihr Name ist Lucie Stiller. Bei ihren Kolleginnen, die ihr mit großer Achtung begegnen denn sie ist ebenso brav als fleißig und geschickt ist sie unter der BezeichnungBäckermeisters Töchterlein" bekannt."

Eines Bäckermeisters Tochter und Fabrikarbeiterin?" Der Fabrikherr zuckte die Schultern.

Ueber derartige Verschiebungen gesellschaftlicher Ver­hältnisse darf man sich in unserer Zeit nicht wundern. Der Vater des jungen Mädchens ist ein tüchtiger Hand­werker und braver Mensch. Er besorgte eine gut gehende Bäckerei. Schicksalsschläge stürzten ihn, und nun kommt er nicht mehr auf. In einer größeren Brotfabrik ist er

Infanterie und einer Compagnie Matrosen-Artillerie mit einigen leichten Feldgeschützen besteht, wird daselbst zu­nächst nicht zu entbehren sein. Unsere Besitzung ist mit einer verwilderten Bevölkerung dicht besetzt, deren Zahl auf etwa 60 000 geschätzt wird. Bis sich diese an die neuen Verhältnisse gewöhnt hat, ist mit der Möglichkeit von Unruhen zu rechnen. Die Anwesenheit unserer Sol­daten wird auch nothwendig sein, wenn sich beim Bahn­bau im Binnenlands Schwierigkeiten ergeben sollten. Man muß abwarten, welchen Eindruck der Bau der Bahn und die Erschließung des Innern, sowie die Aus­nutzung der Kohlen-Minen auf die chinesische Bevölke­rung machen; das Neue hat bei den Chinesen bisher zunächst stets Unruhe erzeugt. Unter solchen Umständen ist es unerläßlich, daß für die Garnison Wohnungen, ein Lazarett u. s. w. gebaut werden. Die bisherige Unterbringung in den Chinesenforts war nur Nothbehelf. Die neuen Gebäude werden voraussichtlich nicht billig sein. Das Klima erfordert eine solide Bauart; die meisten Materialien werden zunächst von außerhalb her­angeschafft werden müssen. Die große Entfernung aber verursacht bedeutende Transportkosten. Die Anlage von dauernden B e f e st i g u n g e n ist zunächst nicht in Aus­sicht genommen. Diese werden erst dann nothwendig, wenn durch die wirthschaftliche Entwicklung, des Platzes daselbst Werthe geschaffen sind, welche im Kriege einen feindlichen Angriff von außen her befürchten lassen. Es ist klar, daß selbst, wenn nur das Nothwendige durchge­führt wird, ein gewisses Anlage-Kapital ä fonds perdu in den Platz gesteckt werden muß. Allerdings besteht die begründete Hoffnung, daß dieses Anlage-Kapital sich bald verzinsen und die Kolonie sich in Bezug auf ihre wesent­lichsten Bedürfnisse in nicht zu ferner Zukunft selbst er­halten wird. Man wird daher in Kiautschou ebenso, wie bei den übrigen Schutzgebieten zunächst mit einem Pauschquantum zu arbeiten haben. Ein solches wird, wie bekannt, im Nachtrags-Etat in Höhe von 5 Millio­nen Mark gefordert.

Se. königl. Hoheit der Prinz Heinrich wird im Verlauf seiner ostasiatischen Reise Sr. Majestät dem Kaiser von China in Peking einen Besuch abstatten. Ueber das bei dieser Gelegenheit zu beobachtende Zere­moniell sind zwischen dem kaiserl. Gesandten in Peking und der chinesischen Regierung genaue Vereinbarungen getroffen worden, die nach telegraphischen Nachrichten die Genehmigung des Kaisers von China erhalten haben. Prinz Heinrich wird danach bei der Ankunft auf dem Pekinger Bahnhof vom Tsungli-Pamen und den kaiser­lichen Prinzen empfangen und zur kaiserlichen Gesandt­schaft geleitet werden. Am Tage darauf wird er in Wan-schau-schan, der Sommerresidenz des Kaisers, dem­selben einen Besuch machen; der Kaiser wird sich er­heben, und Prinz Heinrich wird sich auf den Ehrenplatz neben ihn setzen. Gleich nach dem Besuch wird der Kaiser dem Prinzen Heinrich seinen Gegenbesuch machen, den dieser in einem Gebäude innerhalb der Gärten von Wan-schau-schan empfangen wird, das dem Prinzen als temporaire Wohnung angewiesen werden soll. Die Kaiserin-Exregentin hat von sich aus ebenfalls den Wunsch geäußert, den Prinzen Heinrich zu empfangen, und Be­fehl gegeben, dem Prinzen alle Palastanlagen zu zeigen, deren Betreten Europäern bis dahin verboten war.

Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin hat im Auftrag seiner Regierung mitgetheilt, daß sie in dem Kriege mit Spanien nicht beabsichtige, Kaperei auszuüben und sich auch die folgenden anerkennenden Grundsätze des internationalen Rechtes aneigne: 1. die neutrale Flagge decke feindliches Gut mit Ausnahme von Kriegskontrebande; 2. neutrales Gut, mit Ausnahme von Kriegskontrebande, unterliegt

als Arbeiter beschäftigt. Vom Meister zum Tagelöhner ist heutzutage nur ein Schritt."

Noch immer blickte der Fremde auf die interessante Arbeiterin.

Da ertönte der schrille Klang der Mittagsglocke und machte der Thätigkeit auf anderthalb Stunden ein Ende. Alles rüstete sich zum Weggehen.

Als Lucie die Wohnung ihrer Eltern erreicht hatte, betrat sie das einfache Wohnzimmer. Hier saß auf dem alten Kattun-Sopha ein Mann in den Fünfzigern mit vollständig ergrautem Haare, müde blickenden Augen und blaffen eingefallenen Wangen.

Das war der ehemalige Bäckermeister, Hausbesitzer, Stadtverordnete und Jnnungsvorsteher Engelbrecht Stiller, jetzt in einer größeren Bäckerei als Gehilfe thätig, ein Mann, der den Wahrspruch des griechischen Weisen: Niemand ist vor seinem Tode glücklich zu preisen!" in reichem Maße an sich selbst hatte erfahren müssen, wie er es nie erwartet hätte.

In einem kleinen Provinzialstädtchen hatte er sein Geschäft betrieben, fleißig, redlich und sachkundig, ge­liebt von seinen Mitbürgern und Genossen, an der Seite einer braven wirthschaftliche» Frau, die ihn liebte und ihm reizende, gesunde Kinder schenkte. Er war ein wohlhabender Mann, im Besitze von Ehrenämtern, eine Persönlichkeit, die dabei sein mußte, wenn im Städtchen irgend eine Festlichkeit veranstaltet wurde.

Und doch gab es Augenblicke, wo der Meister nach­denklich vor sich hinsiarrte. Oft hielt er mitten im fröhlichen Gedankenaustausche mit den Seinen oder mit guten Freunden inne und blickte an ihnen vorbei ins Leere.

Was hast du, Männchen?" fragte ihn dann wohl seine Gattin besorgt.

Ach, Mutter!" klang es dann im heitersten Tone

der Beschlagnahme unter feindlicher Flagge nicht; 3. Blockaden müssen, um verpflichtend zu sein, wirklich bestehen.

Vom Schicksal der Arbeitergroschen spricht folgende Notiz, die man einem Berliner Blatt entnimmt: Wegen Veruntreuung von Verbandsgeldern aus dem Deutschen Metallarbeiter - Verbände (Zahlstelle Berlin) ausgeschlossen wurde auf Antrag des Ortsvorstandes der Klempner Moritz Becker, derbeharrlich die Rechnungs­legung über ihm anvertraute Beiträge verweigerte". Gleichzeitig sind der Hilfsarbeiter Przyslutzki und der Former Voigt unter Mitnahme von dem Verbände ge­hörigen Geldern und Marken flüchtig geworden.

In der Gemeinde New bei Großwardein in Ungarn war ein Bauern-Aufruhr ausgebrochen, wobei 80 Bauern verhaftet wurden. Als die Menge am nächsten Tage er­fuhr, einer der Verhafteten fei im Gefängniß erhängt aufgefunden worden, nahm die Bewegung einen gefähr­lichen Charakter an und konnte nur durch herbeigerufenes Militär bewältigt werden.

Aus Provinz und AlWrBiel.

* Für den Saaten stand im Deutschen Reiche Mitte April sind nach der Zusammenstellung des Kaiser­lichen statistischen Amtes, die für die einzelnen Staaten und Landestheile im Reichsanzeiger veröffentlicht wird, die Noten folgende (Nr. 1 bedeutet sehr gut, 2 gut, 3 Mittel, 4 gering, 5 sehr gering): Winterweizen 2,3 (gegen 2,4 im April 1897), Winlerspelz 2,3 (2,3), Win­terroggen 2,3 (2,4), Klee und Luzerne 2,2 (2,2), Wiesen 2,4 (2,2).

* Die VII. Hauptversammlung des LandeSver- e i n S preußischer, für höhere Lehranstalten geprüfter Zeichenlehrer fand in Elberfeld während der Osterferien statt. Zeichenlehrer Baumgardt-Hannover sprach über die Erziehung der Jugend zum Kunstver­ständniß und Kunstgenuß. Seine Ausführungen gipfelten in dem Satze, daß Kunst und Wissenschaft als gleich- werthige Faktoren für die Entwicklung der Kultur zu betrachten seien. Unser Schulunterricht, der die Jugend zum Verständniß aller Zweige des Kulturlebens führen solle, müsse ebenso die Erweckung künstlerischen Sinnes wie diejenige wissenschaftlichen Interesses anstreben. Erst wenn nach beiden Richtungen hin das Interesse geweckt und die Keime des Verständnisses gelegt seien, würde man von einer allseitigen Vorbereitung, von der Fähig­keit, unsere Kultur nach allen Seiten hin zu verstehen und an deren Weiterbau selbst mitarbeiten zu können, sprechen dürfen. Eine lebhafte Diskussion knüpfte sich an den Vortrag, dessen Grundgedanken allgemeine Zu­stimmung fanden. Sodann sprach Oberlehrer Friese- Hannover über das Zeichnen nach der Natur. Er stellte für den Unterricht den Grundsatz äuflvay die Schüler zunächst die mathematischen Grundformen erkennen und darstellen müßten, ehe ihnen komplizirte Gebilde der Na­tur zum Zeichnen gegeben würden. Redner betonte damit die Bedeutung des Körperzeichnens, legte aber auf die Darstellung weniger Körper in voller Licht- und Schat­tenwirkung das Hauptgewicht. Er will bei diesen Kör­perzeichnungen eine malerische Stimmung erzielen, so daß auch bei solchen trockenen nüchternen Formen die künstlerische Seite des Zeichenunterrichts nicht zu kurz komme. Dann werde der Schüler auch beim Körper­zeichnen die Lust nicht verlieren; die malerische Stim­mung sei der Reiz, der ihm auch die nüchternen stereo- metrischen Formen interessant mache. Schülerzeichnungen des Realgymnasiums I in Hannover zeigten, in welcher Weise Redner das Körperzeichnen ausführen läßt. Auch beim Zeichnen nach dem Gipsmodell müsse die malerische

ich bin so glücklich, so über alle Maßen glücklich. Ich fürchte, es bleibt nicht so."

Warum sollte es nicht so bleiben? Wir sind ge­sund und leben rechtschaffen und einfach, erziehen unsere Kinder zu braven Menschen und geben jedem das Seine."

Es bleibt nicht so, es bleibt nicht so! Aber ich will die Schatten nicht vor der Zeit heraufbeschwören. Freuen wir uns der schönen Gegenwart. Was kommen soll, kommt doch."

Und es kam.

In einer stürmischen Herbstnacht gellte der Feuerruf durch das Städtchen, zum grausigen Konzert sich mischend mit dem Wirbeln der Trommeln und dem Geläute der Glocken. Die Feuerflocken fausten myriadenweise durch die Luft und senkten sich verderbenbringend auf die Dächer, die sich zum größten Theile über Fachwerkbauten breiteten. Die halbe Stadt wurde ein Opfer der Flammen.

Meister Stiller war in der Brandkasse; nachdem er die Seinen in Sicherheit gebracht hatte, war es sein ^Erstes, sich an den RettungSarbeiten zu betheiligen. Er war wohl von der allgemeinen Verwirrung mit fort­gerissen, sonst hätte sein erster Gedanke sich darauf richten müssen, seine Werthpapiere zu retten. Sie wurden Feuersraub. Zwar hatte er als sorgsamer Hausvater sich die Nummern der Papiere notirt. Allein sein Notizbuch steckte in einem andern Rocke als dem, in welchen er gerade hineingefahren war, und so ver­brannte es mitsammt dem Rocke.

(Fortsetzung folgt.)

(I m Zweifel.) Gast (der zum erstenmale in seinem Leben vom Hausknecht aus einem Wirthshaus hinausgeworfen wurde):Wie ist das eigentlich giebt man da dem Manne ein Trinkgeld?!"