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HeON.

GkatisbeiLassn:Illnstrirtes Sonyr«srbl«tt" u.^UuftrerU landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 40. TümiabtiiS den 2. April 1838.

Zweites Blatt.

Unter der Kaperflagge.

See-Roman von ConstamiuS Food.

(Fortsetzung)

Der befreite Wächter und die beiden Kapergasten blieben allein auf der Straße.

Der Kapitän näherte sich der jungen Frau, die ihr Haar unter der Mütze zu ordnen suchte, während sie mit einem ängstlichen Blick ihre Befreier betrachtete.

Wie steht es, Frau Wirthin?" fragte der Kapitän lachend.Hoffe, daß Sie keinen Schaden genommen haben!"

Die Frau fuhr bei dieser Anrede zusammen, erkannte aber sogleich den jungen Mann wieder, der ihren Gatten mit Porter traklirt hatte. Sie schlang plötzlich die Arme um Knuds Hals und küßte ihn auf beide Waugen.

Tomstad stieß ein schwaches Brummen aus wahr­scheinlich in dem Gefühl, daß diese überströmende Dank­barkeit gegen seinen Kapitän ein Uebersehen seiner eigenen Verdienste wäre. Aber die Reihe schien auch an ihn kommen zu sollen, denn schon im nächsten Augenblick wandle sich die junge Frau auch an den Steuermann.

Aus dem einen oder anderen Grunde begnügte sie sich indessen damit, die Hände des grimmigen Gastes zu ergreifen und in sehr warmen Worten ihre Dankbarkeit auszuspreche».

Die geäugstigte Frau war in sehr starker Gemüths­bewegung

Ich hoffe, daß mich keiner von euch bei einem der Sergeanten anzeigen wird," sagte sie, indem ihr die Thränen über die Wangen herabrannen.Ich will Ihnen alles erzählen. Sir," fuhr sie fort, indem sie sich wieder an den jungen Kapitän wandte, den sie, wie es schien, trotz allem, was vonseiten des streitbaren Steuer­manns zu ihrer Befreiung gethan war, als ihren eigent­lichen Beschützer betrachtete.

Ich werde Ihnen alles erzählen!" Aber sie war noch zu aufgeregt, und der Bericht kam keineswegs in geordneter Form.

Was Knud und sein Genosse aus der Erklärung ersahen, war genügend, um beide zu der Versicherung zu bewegen, daß sie gegen jedermann schweigen würden, gleichwie Knud seine Bewunderung für die mu'-hige Aufopferung aussprach, die sie gegenüber ihrem Mann bewiesen hatte.

Der Mann warNachtpatrouille." Als sie sich vor einigen Jahren verheirathete, hatten sie mit dem Wirths­haus drunten am Strande soviel zu verdienen gehofft, um die Abzahlungen darauf leisten zu können. Allein die schlechten Zeiten für die Schifffahrt hatten den Ver­kehr verringert, und es war bergab gegangen. Dann war der Mann an der Gicht erkrankt, hatte aber doch das Amt behalten, da ihr Bruder, der Matrose war, heimkehrte und an Stelle ihres Mannes die Runde ge­macht hatte. Vor zwei Tagen jedoch war der Bruder gepreßt und an Bord des KuttersClaudia" gesandt worden, der nach Norwegen gehen sollte, und nun hatte sie die Stelle ihres Mannes vertreten. Er halte seine Runde droben in Church Street zu machen, wo nur vornehme Bürger wohnten und keine Gefahr war. Aber als sie in die Stadt hinein kam, hatte sie das Miß­geschick gehabt, einen Stadtsergeanten zu treffen, der sie hinab nach der Gasse beordert hatte, wo sie von ihnen gesunden worden war und sollte sich der Uebersall wiederholen, dann durste sie nicht mehr wagen, ihren Mann zu vertreten. Das war in Kürze be'r Inhalt ihrer Geschichte.

Die eingeschüchterte Frau wagte nicht mehr, den Dienst die Nacht hindurch fortzusetzen, sondern begab sich in Begleitung der beiden Kapergasten nach der Schenke zurück.

Zu ihrer großen Befriedigung versahen ihre Freunde sich auf dem Weg mit Proviant: Fleisch, Gemüse nebst

einigen Flaschen Rum. In der Schenke angelangt er­zählte die junge Frau ihrem Manne ihr Mißgeschick, und wie der Kapitän und sein Begleiter ihr beigestanden hätten. Der Wirth dankte den beiden mit einigen herz­lichen Worten. Seine Frau tröstete er damit, daß er selbst sich soviel wohler fühle und in der folgenden Nacht sein Amt wohl selbst wieder verwalten könnte.

Die junge Frau hatte den überstandenen Schreck bald vergeffen. Sie machte sich an die Zubereitung der mitgebrachten Lebensmittel, die sie sich alle zusammen prächtig schmecken ließen. Dann wurden die beiden Gäste dringend eingeladen, doch im Hause zu über­nachten.

Während man wacker dem Rum zusprach, erzählte der Wirth alles Mögliche von den Verhältniffen an Bord der Flotte, namentlich was er von seinem Schwager hinsichtlich des Winlerzugs derClaudia" vernommen hatte. Das Fahrzeug sollte nach der norwegischen Küste gehen, um, als Kausfahrer maskiert, der Kaperei ein Ende zu machen. Es sollte so früh auslaufen, daß es Lindesnaes erreichen konnte, bevor das große englische Geschwader, das aus der Ostsee erwartet wurde, die norwegische Küste erreichte, und vor diesem das Fahr- masser säubern. An Bord der Flotte hegte man große Erwartungen hinsichtlich dieses Unternehmens.Claudia" war ein wahrer Schnellläufer.

Während so der brave Wirth und seine Frau, die keinerlei Verdacht hegten, daß die beiden Kapergasten nicht gute englische Seeleute wären, ihrem Mund freien Laus ließen, stellte sich bei dem Kaperkapitän nach und nach eine gewisse Geistesabwesenheit ein. Tomstad glaubte sie schon früher an ihm bemerkt zu haben, wenn der eine oder andere kühne Plan in seinem Kopse ent­stand. Einmal sprang Knud sogar plötzlich während des Gespräches auf und begann, mit den Händen in den Jackentaschen, im Zimmer hin und her zu schlendern. Das war ein untrügliches Zeichen. Aber was mochte er im Schilde führen?

Drinnen im Schlafraum, der den beiden Gästen an­gewiesen wurde, sprach Knud Ellingsen sich auch nicht näher darüber nus, was seine Gedanken so stark be­schäftigte. Aber während der Tomstadlöwe schon fest schlief, ging er noch lange im Zimmer auf und ab, ganz in die kühnsten Pläne vertieft.--

Die Zeit rückte heran, in der die Pforten des botanischen Gartens geschloffen werden sollten

Drunten in dem großen Abzugsgraben, der gerade einer Reinigung unterworfen war, stand ein stämmiger junger Bursche, eifrig mit dem Spaten arbeitend. Es war der unglückliche junge Chef desführenden Pakets" Knud Ellingsens geschworener Freund und Waffen­bruder.

Andreas sah ziemlich herabgekommen aus. Einen Monat schon stand er hier in Arbeit, und die Kost war ziemlich schmal gewesen. Daß er aber noch her starke Bursche war, das sah man an der Wucht, mit der er zuweilen den Spaten in die Erde stieß, während zornige Gluth seine Wangen färbte.

Es war, als wenn mancherlei bittere Gedanken Ge­walt über seine gutmüthige Natur erlangt hätten, während er in dem Graben arbeitete und von Zeit zu Zeit auf den Waid von Masten hinaus sah, der drunten im Hafen von Leith aus dem Nebel aufstieg.

Warum hatte er nicht lieber den Kaper in den Grund schießen lassen und war mit der Flagge untergegangen?

Hatte das einen Sinn, sich zu ergeben, weil die Leute nicht Muth genug besaßen, um mit Ehren unterzugehen statt mit Schande zu streichen?

An Bord des Feindes hatten sie ihm allerdings Ruhm nnd Ehre zu theil werden laffen, weil er so lange gesümpft halte. Aber er hätte lieber etwas anderes mit ihnen gesprochen. Doch er hatte sich benommen, wie es einem Seemann geziemte. Was nützte es, sich da weitere Gedanken zu machen?

Der Kapitän der Brigg hatte ihn damit getröstet, daß er bald ausgewechselt und seine Freiheit eihalten

würde. Aber als ein Mann heimzukehren, der durch die Gnade des Feindes frei geworden war!

Wenn er dieses überlegte, dann mußte er immer an Alma Ellingsen denken.

Er sah ihr spöttisches Lächeln und ihren Gruß sein Spaten fuhr zornig in die steinige Erde, während seine Wangen glühten.

Plötzlich ließ sich eine Stimme hören, die von einem jungen Mädchen kam, das am Grabenrand über ihm stand.

Glück zu der Arbeit, Andreas!"

Der Angeredete wandle sich betroffen um.

Das Gesicht des Mädchens war halb von dem her­vorstehenden Hut verborgen, aber die Stimme

Knud!"

Wahrhaftig, Andreas!" war die Antwortund da drüben sitzt Tönnes und erzählt dem Schotten eine dicke Lügengeschichte aus der Schlacht bei Trafalgar."

Du bist ja wieder gut bei Laune, Knud!"

O ja, habe was vor, worüber ich mit dir sprechen muß. Vorerst aber mußt du aus diesem Loch heraus! Wie viele sind hier?"

Sieben von der Mannschaft."

Und alle werden über Nacht in dem Schuppen dort eingeschloffen?"

Ja!"

Nun gut. In ein paar Stunden kommen wir und laffen euch heraus haltet euch bereit."

Das junge Mädchen ging wieder langsam nach dem Eingänge zum Garten zurück, wo sie sich neben ihren gebrechlichen Vater, den Tomstadlöwen, setzte.

Er war gerade mitten in seiner Geschichte von der Trafalgarschlacht, von welcher der Schotte nicht be­sonders viel verstand. Umsomehr interessirte er sich aber sichtlich für die schöne Tochter des braven Veteranen.

Es konnte auch kein Zweifel darüber herrschen, daß dieses Interesse ein gegenseitiges war.

Während der arme verstümmelte Krieger aus der Trafalgarschlacht sich mit Mühe erhob und weiter schritt, war seine Tochter zurückgeblieben und führte mit dem Schotten ein flüsterndes Gespräch.

Der brave Veteran hörte nichts, nicht einmal, daß das junge Mädchen sich zu einem Stelldichein vor dem Schuppen überreden ließ und bis zu der festgesetzten Zeit im Garten zu spazieren versprach; er humpelte in aller Unschuld voraus, bis er außer Sicht gekommen war und sich im Garten verirrte.

(Fortsetzung folgt.)

S t r in i f di 11 §.

Ein Selbstmord, der sich am 25. März zu Nizza im Hotel Windsor abspielte, hat die ganze Stadt mit Entsetzen erfüllt. Ein Mr. Stuart, der sich mit seinem Bruder und einer Krankenwärterin aus Gesundheitsrück­sichten in Nizza aushielt, wurde während des Essens von einem Magenkrampf befallen. Der Bruder wollte einen Arzt herbeiholen und ließ den Kranken mit der Wärterin allein. Mr. Stuart eilte zum Fenster, um sich auf die Straße hinabzustürzen. Die Wärterin hielt ihn fest und schrie um Hülfe, wurde aber von dem Kranken überwältigt. In dem Augenblick, da er zum Fenster hinausspringen wollte, kam der Besitzer des Hotels herbei und faßte den Selbstmörder am Arme. Mr. Stuart sprang trotzdem ab und hing nun, drei Stockwerke hoch, an der Hand des Hotelbesitzers. Zwischen Beiden entspann sich ein grausiger Kampf. Dir. Stuart hatte eine Gabel in der Hand, mit der er seinem Retter Stich über Stich in den Arm ver­setzte. Vom Zimmer aus bemühten sich andere Personen vergeblich, dem Hotelbesitzer zu Hülfe zu kommen. Auf der Straße -sammelte sich eine schreiende Menge. Auch der Bruder des Selbstmörders mußte das entsetzliche Schauspiel von unten aus mit ansehen. Schließlich er­schöpfte sich die Kraft des Hotelbesitzers. Mr. Stuart stürzte auf das Straßenpflaster und zerschmetterte sich Schädel und Rückgrat. Er war auf der Stelle todt.