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Rr. 35.

AeH«- Den 22. März

UM.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 14. März 1898.

Auf Mittwoch den 30. März 1898, Vor­mittags 9 Uhr ist eine Kreistagssitzung in den Saal des hiesigen Rathhauses anberaumt worden.

Tagesordnung.

1. Prüfung der Verbandlungen über die gemäß § 64 und 65 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 im Monat November 1897 vorgenommenen Ergänzungs­wahlen zum Kreistage, Beschlußfassung über die Gültigkeit dieser Wahlen unb Einführung der neu Gewählten in ihr Amt. (§ 71 der Kreisordnung und § 2 der Geschäftsordnung).

2. Feststellung des Kreishaushalts-Etats für 1898/9. (§ 84 der Kreisordnung.)

3. Beschlußfassung über die Höhe der aus Kreismitteln etwa zu bewilligenden Beihülfe zu deu Kosten der Ausführung des in der Kreistagssitzung am 25. Sep­tember 1897 begutachteten Projekts über den Bau des Landwegs Oberufhausen (Kreis Hünfeld)Unter­weisenborn.

4. Beschlußfassung über die mi§ Kreismitteln etwa zu belvilligeude weitere UlMHWmg zu den Kosten des Ausbaues des projektirten Landweges Mauusbach- Wehrshausen (1000 M. sind in der Kreistagssitzung am 15/9 1894 bereits bewilligt).

5. Beschlußfassung über die von Seiten der Stadt Hersfeld nachgesuchte Bereitwilligkeitserklärung zur Auszahlung der Hälfte der in der Kreistagssitzung um 5. April 1893 bewilligten Unterstützung (20000 10000 M.) zu den Kosten des Aus­baues von Zufuhrwegeu nach dem Bahnhöfe und hinterm Nehmen.

6. Neuklassifieirung von Projekten über Brücken- und Landwege-Bauten uach Verhältniß deren Dringlichkeit.

7. Neuwahl eines Schiedsgerichts-Beisitzers und eines ersten und eiiles zweiten Stellvertreters desselben aus dem Arbeiterstaude au Stelle der mit dem 1. April d. Js. ausscheideudeu Persönlichkeiten für die Zeit vom 1. April 1898 bis dahin 1902. (§ 51 des Gesetzes vom 5. Mai 1886, Reichsgesetzblatt Seite 132 unb ff. von 1886.)

8. Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Alisschuß

bei den Aintsgerichteu Friedewald, Hersfeld, Nieder- aula und Schenklengsfeld zur Mitwirkung bei der in 1898 stattfindenden Auswahl der Schöffen unb Ge­schworenen für das Jahr 1899. (§ 40 des Gerichts- verfassungsgesetzes vom 27. Januar 1877, Reichsge- setz-Sammlung Seite 49 von 1877 und § 35 des Ausführungsgesetzes zum deutschen Gerichtsverfassungs- gesetz vom 24. April 1878, Gesetz-Sammlung Seite 237 von 1878.)

9. Beauftragung einer Commission aus den Mitgliedern des Kreistags mit Prüfung der demnächst aufzustellen- den Kreiskonnnunalkassen - Rechnung für 1897/98. (§ 87 der Kreisordnung.)

10. Wahl zweier Kreisausschußmitglieder au Stelle der mit dem 1. Juli b. Js. ausscheideudeu Herren Tuch­fabrikant Friedrich Braun in Hersfeld und Bürger­meister August Reinhard in Landershausen für die Zeit vom 1/7 1898 bis 1/7 1904.

11. Wahl zweier Kreisdeputirten an Stelle des mit dem 1. Juli d. Js. ausscheidenden Herrn Bürgermeisters a. D. Georg Braun und des durch seinen Verzug uach Sondershausen bereits ausgeschiedenen Amts­raths Herrn Oldenbura von Wilhelmshof für die Zeit vom 1/7 1898 bis 1/7 1904 bezw. 1/4 1898 bis 14 1904.

12. Wahl von Mitgliedern und Stellvertretern der Pferde- Musterungs-Commissionen für die 4 Amtsgerichtsbe­zirke des hiesigen Kreises gemäß § 13 und 14 des Pserde-Anshebungs-Reglements vom 22. Juni 1886 für die Zeit vom 1. April 1898 bis dahin 1904.

13. Wahl von Taxatoren und Stellvertretern für die Pferde-Aushebungs-Commission des Kreises Hersfeld geinäß § 24 des Pferde-Aushebungs-Reglements vom 22. Juni 1886 für die Zeit vom 1. April 1898 bis dahin 1904.

14. Beschlußfassung über den Bau einer Kleinbahn Nie- deraula-Alsfeld von Niederaula bis zur Kreisgreuze bei Niederjossa im Falle, daß staatlicherseits die Nebenbahn Hersfeld-Treysa gebaut werden sollte.

I. A. Nr. 730. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersseld, den 18. März 1898.

Diejenigen Herren Bürgermeister, in deren Bezirk im zweiten Halbjahr 1897/98 Einkommen- und Er­

gänzungssteuer-Zu- bezw. Abgänge vorgekommen sind, erhalten die hier aufgestellten Steuer-Zu- bezw. Ab­gangslisten für das II. Halbjahr 1897/98 mit der Weisung, dieselben mit ihrer Controls zu vergleichen, etwaige Ab­weichungen in einem besonderen Schreiben sofort hierher anzuzeigen, nur die Abgangslisten auf der Titelseite unterschriftlich zu vollziehen und beide Listen umgehend wieder zurückzureichen.

Der Vorsitzende der Veranlagungs-Kommission: Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath. J. III. Nr. 916

Hersfeld, den 19. März 1898.

Die Schulstelle in Malkomes, mit welcher neben freier Wohnung ein jährliches Einkommen von 1000 Mk. und eine Vergütung für den Kirchendienst in Höhe von 150 M. verbunden ist, wird infolge Versetzung des bisherigen Inhabers vom 16. April d. Js. ab vakant und wollen etwaige Bewerber um dieselbe ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen innerhalb 1 0 Tagen bei dem König­lichen Orts- und Kreisschulinspektor Herrn Pfarrer Barchfeld in Schenklengsfeld oder dem Unterzeichneten einreichen. Der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mark.

Namens des Schulvorstandes von Malkomes:

Freiherr von Schleinitz,

Königlicher Landrath, Geheimer Regierungs-Rath. J. I. Nr. 1458.

Hersfeld, den 15. März 1898.

Zur möglichsten Verhütung der Weiterverbreitung der Tuberkulose durch Ansteckung haben die Herren Ortsvor­stände die nachstehenden Verhaltungsmaßregeln auf orts­übliche Weise wiederholt in den Gemeinden bekannt machen zu lassen und deren Durchführung nach Möglichkeit zu überwachen.

1. In allen öffentlichen Lokalen sind mit Wasser gefüllte Spucknäpfe auszustellen; am geeignetsten sind solche von Glas nach dem sogenannten Militairmodell. Der Inhalt derselben wird von Zeit zu Zeit, am besten durch Siedehitze, unschädlich gemacht.

2. Die Straßen der Ortschaften sind vor dem Kehren namentlich während des Sommers bei trockener Witterung, gründlich mit Wasser zu besprengen.

3. Krankenzimmer für Schwindsüchtige sind öfters zu desinfiziren.

Unter der Kaperflagge.

See-Roman von Constalmiu« Food. (Fortsetzung.)

IX.

Acht Tage nach der Eroberung derMary of Ports- mouth" befand sich das Schiff in der Windstille quer vor Neu-Hellesund.

Man hatte es nicht gewagt, die kostbare Prise in dem unbeschützten Eckvaag liegen zu lassen, wo man ohnehin kürzlich den Besuch des Feindes gehabt hatte. Der Kapitän mit der Hälfte der Besatzung des Kapers war deshalb nach Berathung mit dem allen Jonasen an Bord derMary of Portsmouth" gegangen, um das Schiff nach Christianssand zu führen.

Der alte Jonasen selbst war mit der andern Hälfte der Kapergasten und Andreas Christophersen als Kapitän an Bord desführenden Pakets" gegangen, um das Geschwader zu verfolgen, zu dem dieMary of Ports­mouth" gehörte.

Der böse Geist der Habsucht war in die Bewohner des Kapernestes gefahren. Und der alle Jonasen, der bisher ein braver und genügsamer Mann gewesen war, wie die meisten Listerleute, machte keine Ausnahme.

Die große Beute, die man erobert hatte, war nicht genug. Man wollte mehr haben.

Man hatte mit ber Verfolgung des Geschwaders noch in der gleichen Nacht begonnen, in der dieMary of Portsmouth" genommen worden war.

Knud EUingsen blieb unterdessen in Eckvaag liegen und wartete auf Wind

Seine Zeit verbrachte er meist in Elisas Gesellschaft. Ja, eines Tags machte er mit ihr und seinem Schwieger­vater einen Abstecher nach dem Pfarrhof in Vanse, um beim Pastor das Aufgebot von der Kanzel zu bestellen, das für die Hochzeit des Kaperkapitäns Knud Ellingsen und der Jungfrau Elisa Reimer nöthig war.

Sobald Knud von Christiansand zurückkehrte, sollte dieses feierliche Ereigniß stattfinden.

Mit einem leichten Lüftchen aus Westen war er end­lich unter Segel gegangen, das die Prise noch am gleichen Nachmittag an der Landspitze vorüber brächte. Allein die schwache Prise erstarb nach und nach, und das Schiff blieb in der Windstille liegen.

Dies war just kein angenehmer Umstand, um so weniger, als das Schiff schon LindeSnaes gegenüber eine Brigg in Sicht bekommen hatte. Diese befand sich zwar noch ziemlich weit draußen in See; aber sie hatte den Vortheil des Windes.

Es war kein Zweifel, was es mit dieser Brigg für eine Bewandtniß hatte.

Es war dieRingdome" ; und diesmal waren die Aussichten zum Entkommen nicht groß.

Das mächtige, schwerbeladene FahrzeugMary of Portsmouth" war nicht sonderlich vorwärts zu bringen, weder mit Bugsierboot noch mit Rudern, und den Kaper­gasten stiegen unheimliche Ahnungen auf hinsichtlich des Schicksals der reichen Prise.

Man konnte sich selber zwar zur Noth retten, indem

man in die Boote ging und verschwand; aber hundert­tausend Reichsthaler im Stich zu lassen so hoch be- lief sich der Werth der Prise, das war doch auch keine angenehme Sache.

An Bord der Brigg hatte man natürlich die größte Lust von der Welt, sich diese hunderttausend Reichs­thaler anzueignen.

Nun war indessen keine Rede von Segeln. Die Brigg konnte aber ihre Boote über die glatte, ruhige See senden. Das that sie auch.

Knud Ellingsen hatte dies nicht anders erwartet. Jedoch ohne weiteres die Prise aufzugeben, das hatte keinen Sinn. Die Leute wurden nach hinten gerufen.

Wir müssen die Leutchen über die Rüsten hinaus- werfen, wenn sie an Bord kommen wollen," sagte Knud. Es wird doch keiner von euch Lust haben, sich seinen ehrlichen Verdienst wir wollen sagen, zwei- bis drei­tausend Reichsthaler auf jeden rauben zu lassen!"

Dann wurde die Mannschaft kurz und gut zu den Waffen kommandirt:Flinten und Hieber, JungenS!" und diesmal kam das Kommando in jenem kurzen Ton, der keine Wahl läßt.

Man ließ die Boote herankommen.

Unglücklicherweise hatten aber die kleinen Segel der Brigg wieder Wind gefangen. Sie begann den zwei Barkassen nachzurücken, während der schwere Lastträgers liegen blieb, wo er lag.

Der Kaperkapitän begann die Möglichkeit in Be­tracht zu ziehen, ob er das Schiff im Stich lassen müsse.

Er vermißte Andreas. Ihm selber fehlte es ja nicht