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Nr. y.
Iomierstaz iti 1?. März
Die Berliner Märztage, den 18. und 19. März 1848.
Wo ein Volk sich erhebt gegen fremde Gewaltherrschaft, da ist Gott mit ihm, wie mit unsern Vätern 1813; aber wo der Unterthan sich empört gegen seine von Gott verordnete Obrigkeit, zumal gegen ein Herrscherhaus, das über vier Jahrhunderte lang nur für des Vaterlandes Wohlfahrt gelebt und gestritten hatte, da sind die Empörer im Bunde mit allem, was unheisig und böse ist.
Wieder einmal war es Frankreich, der Herd der Revolutionen, wo die Empörung ihren Anfang nahm und fast alle Staaten Europas in ihre Strudel zog. Am 24. Februar 1848 brach in Paris ein Aufstand aus, der zur Vertreibung des Königs Louis Philipp und zur Ausrufung der Republik führte; am 28. Februar gelangte die erste Kunde hiervon nach Berlin und versetzte die aufgeregten Gemüther in fieberhafte Spannung. In den Zelten, im Thiergarten, fanden Volks-Vecsammlungen statt, wo die Rädelsführer sich bemühten, das Volk über seine Rechte und Bedürfnisse „auszuklären." Allmählich begannen auch Zusammenrottungen in den Straßen. Hier und da begann man auch quer über die Straßen Barrikaden zu errichten.
König g,Luhtiifc.^ü IV., dem Gewalt-Maßregeln gegen sein Volk widerstrebten, suchte die erregten Gemüther zufriedenzustellen. Am Morgen des 18. März erschien ein königliches Patent, das die Presse freigab, den Vereinigten Landtag einberief und eine Neugestaltung Deutschlands verhieß. Mit Jubel wurden diese königlichen Gaben begrüßt, und in Masse strömte das Volk nach dem Schlosse, dem Könige zu danken für seine Huld. So aber hatten es die Wühler und Rädelsführer, unter ihnen viele Franzosen und Polen, nicht gemeint: Empörung und Aufruhr war ihre Losung. „Weg mit dem Militär!" fangen sie an zu rufen, der Schloßplatz füllt sich mehr und mehr mit dem verworfensten Gesindel. Die Garde-Dragoner rücken aus dem Schloß im Schritt vor, um den Platz zu säubern. Ihnen folgen mit Gewehr über zwei Compagnien des Franz-Regiments. Da — unversehens — fallen zwei Schüsse, die niemand verletzen. Wüthendes Geschrei des Pöbels antwortet den beiden Schüssen: „Wir sind verrathen — sie schießen auf die Bürger — unsere Brüder werden ermordet!"
Im Nu ist der Schloßplatz leer, aber durch die Straßen stürzen die Rotten mit dem Rufe: „Zu den
Unter der Kaperflagge.
Ece-Roman von Constalmius Food.
(Fortsetzung.)
„Mary of Portsmouth" entfernte sich mit jedem Augenblick mehr von dem Geschwader. Die Brise war im Zunehmen, und das Fahrzeug begann unter seinen Bramsegeln zu krengen.
Die Gefahr des Ueberholtwerdens nahm im gleichen Maß ab, und die Mannschaft auf der Vorderschanze verhielt sich nach dem mißlungenen Versuch des Kapitäns, hervorzubrechen, ganz ruhig.
Diese Stille war indessen nur der Vorläufer eines Angriffs ernsterer Art, als selbst ein Versuch, zum Handgemenge hervorzustürmen.
Im Schutz des Roofs, der sich zwischen dem Groß- und Fockmast befand, dessen Wurzel durch das Roosdach selbst ging, war es den englischen Offizieren gelungen, die beiden Kanonen zu wenden, die das Schiff auf Bug führte, sodaß die Mündungen nach hinten gerichtet waren; beide Stücke sah man auf einmal zu jeder Seite des Roofs hervorragen.
John Atleö scharfer Blick hatte im gleichen Augenblick die Kanone entdeckt; aber die Hand, welche die Lunte führte, befand sich hinter dem Roof. Man sah nur den rothen Schein der glühenden Eisenstange, die das Zündkraut entzünden sollte; aber das war genug.
Johns Kugel hatte im gleichen Augenblick das glühende Eisen getroffen und die Lunte aus der Hand geschleudert,
Waffen, unsern Brüdern zu Hilfe!" Ueberall wachsen die Barrikaden aus der Erde, zusammengehäuft aus Droschken und Wagen, aus Bohlen, Fässern und Pflastersteinen. Alle Zugänge zum Schloßplatz werden verbaut; man hat in der Stadt 921 solcher Barrikaden gezählt, von deren Spitze die rothe Fahne, das Zeichen der Republik und die deutsche schwarz-roth-goldene Fahne weht. In buntem Gewühl wogen die Aufrührer durch die Straßen; die Schuldgefangenen und die Insassen des Arbeitshauses, die man befreit hatte, vermischen sich mit den Schützengilden, und durch allerlei Auszüge sucht mau die Massen mehr und mehr zu erhitzen. Aus den Fenstern und von den Barrikaden fliegen Kugeln und Steine auf die Truppen.
Endlich, 2 Uhr mittags, erhält General v. Prittwitz mit dem Kommando über die Truppen den königlichen Befehl, die Ordnung herzustellen. Er vereinigt zunächst die Garnison am königlichen Schloß. Im Laufe des Tages treffen dann noch das 1. Garde-Regiment, das Leib-Negiment und Bataillone des 2., 12. und 31. Regiments zur Verstärkung ein.
Nun geht es vorwärts, vorwärts mit all der Todesverachtung und Selbstverleugnung, die von je deß preußischen Soldaten Stolz war: Herrlich bewährt sich in den Tagen des Abfalls und ärs Verrathes die Treue des Heeres.
Vom Schloß her dringt bataillons- und compagnie- weise die Garde-Infanterie in den Straßen vor, voran die Schützenzüge, Augen und Gewehre auf die Fenster der gegenüberliegenden Häuser gerichtet, ihnen folgen die Abtheilungen, die zum Sturm auf die nächste Barrikade bestimmt sind. Ueberall siegt die Tapferkeit der Truppen, ob auch mancher Soldat sein Blut und sein Leben hin- giebt für König und Gesetz. Barrikade nach Barrikade, Straße nach Straße wird erobert.
Von den Linden her geht das 2. Regiment vor, vom Königsthor herauf das Leib-Regiment, die Kavallerie säubert die Plätze und Straßen in Stadt und Vorstädten; lief in die Nacht hinein währt der Kamps. Endlich tritt eine kurze Ruhepause ein, Todtenstille herrscht in den eroberten Theilen der Stadt; dort lagen im Scheine des Vollmonds die ermüdeten Soldaten. Aber von fernher schallt noch wüster Lärm, Sturmläuten von den Thürmen und das Knattern des Gewehrfeuers. Der Kampf erneut sich, und 3 Uhr morgens ist der größte Theil der Stadt in der Gewalt der Truppen. Bald kann der
die im Begriff gewesen war, sie an das Zündloch zu setzen.
Die Kanone an Steuerbord war für den Augenblick unschädlich; aber was man nicht berechnet hatte, war der Umstand, daß sich noch eine Kanone auf Backbordseite des Roofs befand, und von dieser kam als Antwort auf den Meisterschuß der beiden Bärenjäger ein Dröhnen, das die Kapergasten zurücktaumeln machte.
Die Kanone war mit Schrot geladen gewesen.
Glücklicherweise war die Entfernung, aus welcher der mörderische Schuß abgefeuert worden war, zu kurz, als daß die glühenden Eisenstücke, aus denen die Ladung bestand, Zeit gehabt hätten, sich zu zerstreuen. Der Schrotsack fuhr als ganze Masse nach hinten, ohne jemanden zu treffen.
Da der Feind jetzt diese beiden gefährlichen Waffen besaß, so war das Verhältniß zwischen ihm und den Kapergasten ein umgekehrtes geworden.
Während die letzteren bisher den Angriff hatten abwarten und sich selbst vollkommen ruhig verhalten können, war es nun klar, daß sie nichts anderes zu thun hatten, als selbst auf den Feind loszugehen. Mit den Kanonen, welche die englische Mannschaft besaß, beherrschten sie das Deck vollständig.
Man hatte nur zwei Auswege vor sich: entweder das Deck zu verlassen und sich nach der Kajüte zurück- zuziehen, oder die Vorderschanze zu stürmen und sich in den Besitz der Kanonen zu setzen — wenn man nicht alles im Stich lassen wollte.
Das Fahrzeug aufzugeben, war indessen ein Ge
Aufstand niedergeworfen, der König wieder unumschränkter Gebieter sein.
Aber noch schwerere Prüfungen find dem Preußenheere vorbehalten: 5 Uhr morgens wird den Truppen halt geboten: kalt und lautlos mit Gewehr bei Fuß stehen die tapfern Kämpfer am Morgen des 19. März den wilden Rotten gegenüber, deren Uebermuth steigt, da die Truppen nicht mehr kämpfen.
An den Straßenecken erscheint ein Aufruf des Königs, der die Berliner auffordert, die Barrikaden wegzuräumen und zur Ordnung zurückzukehren, die Truppen sollen von den Straßen und Plätzen zurückgezogen werden.
Für den Augenblick gewinnen die Bessergesinnten die Oberhand, man beginnt mit dem Wegräumen der Barrikaden. Nun kommt der Befehl zum Rückzug für die unbesiegten Soldaten; unter dem Hohngeschrei des Pöbels, unter den rahmen und gemeinsten Ausbrüchen des Gesindels treten sie den Rückzug an; gehorsam sind sie für ihren König in den Tod gegangen, gehorsam seinem Gebot dulden sie Schmach und Schande. Das ist alt preußischer Gehorsam, preußische Treue.
Am 20. März verließen die letzten Truppen Berlin und bezogen Quartiere in der Umgegend. An ihrer Stelle sollten die bewaffneten Bürger Berlins, die Büc- gerwehr, die Ordnung aufrecht erhalten. Aber ihr fehlte zur Truppe fast alles, vor allem Ausbildung und Manneszucht, sodaß sie selbst bei gutem Willen nichts aus- i richtete. So vermochte der König, obschon er freigebig alle Wünsche des Volkes befriedigt hatte, sich und die Seinen nicht vor dem immer übermüthiger und frecher auftretenden Pöbel zu schützen.
Was etwa von berechtigten Wünschen aus dem wüsten Geschrei jener Tage Herausklung, Wohlfahrt des Volkes, Einigkeit und Größe des deutschen Vaterlandes, das war auch des edeln Königs ernstes und heiliges Streben; aber jene entfesselten Pöbelhaufen waren wahrlich nicht berufen, Preußen Heil und Deutschland die Einheit zu bringen.
Um den gröbsten Unordnungen zu steuern, wurden Ende März wieder Truppen nach Berlin beordnet, das Regiment 24, zwei Bataillone vom Kolbergschen Regiment und das 3. Ulanen-Regiment. Freilich, noch hatte die Stunde der Befreiung von der Pöbelherrschaft nicht geschlagen. Nichts ließen die Empörer unversucht, sogar die Treue der Soldaten suchten sie zu untergraben, und in Schriften, mit denen die Truppen überschüttet wurden,
danke, der jedenfalls nicht nach dem Geschmack des jungen Kaperkapitäns war.
Was die Mannschaften anbetrifft, so hatte es den Anschein, als wenn sie an allerlei Möglichkeiten dächten. Die Lage, in der sie sich befanden, war gewiß auch zum guten Theil bedenklich ; es galt deshalb, den Leuten nicht zu viel Zeit zu lassen, über Möglichkeiten nachzudenken.
Die Kanonen auf der Vorderschanze mußten genommen werden.
Das war der Entschluß des Kapitäns.
„Ich denke, wir behelfen uns mit den Hiebern, — was meint Ihr, TönneS?" sagte Knud in seinem gewöhnlichen, gemüthlichen Ton, der nicht verfehlte, Eindruck auf die Leute zu machen.
Der starke Kapergast war zu jeder beliebigen Angriffsweise bereit und antwortete für die ganze Mannschaft.
„Gut! Dann nehmen wir ihnen die Kanonen!" rief Knud. „Zieht vom Leder, Jungens, und dann vorwärts!"
Es zeigte sich indessen, daß der Feind auf der Vorderschanze sich für die gleiche Angriffsweise entschieden hatte.
Der englische Kapitän hatte seine Mannschaft aufgestachelt, die ihrer Uebermacht vertrauend, sich entschloß, die Schanze zu stürmen, um das Schiff zurückzuerobern.
Im gleichen Augenblick, als der Kaperkapitän seinen Leuten Befehl gegeben halte, auf den Feind loszugehen, stürmte die ganze Mannschaft der Barke nach hinten, mit ihren ziemlich gefährlichen Waffen, Pistolen und Handspeichen.