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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

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HerWer Orci^fatt

G ratisbeilagenrIlluftrirtes Sonntagsblatt" u.Illuttvirte lanvwirthschastliche Beilage".

«r. N.

Sonntrüio Den 10. März

1898.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Mustrirtes Sonntagsblatt" -"» Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat März werden von allen Kaiser; lieben Poftanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 8. März 1898.

Gemäß der diesseitigen Verfügung vom 9. Mai 1894 I. I. Nr. 2686, im Kreisblatt Nr. 56, soll bei Einreich- ung von Bauanträgen in allen Fällen seitens der Herren Ortsvorstände in dem betreffenden Begleitberichte stets angegeben werden, bis zu welchem Zeitpunkt der beabsichtigte Neubau fei­lt g g e st e l l t w e r d e n w i r d. Diese Vorschrift ist jedoch bis jetzt in den meisten Fällen unbeachtet geblieben und sehe ich mich deshalb veranlaßt, dieselbe hiermit in Erinnerung zu bringen.

Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, daß nach § 2 Absatz 2 der Baupolizeiordnung alle Zeich­nungen auf dauerhaften: Zeichenpapier oder Zeichenleinwand angefertigt wer­den muffen und somit die Verwendung von Paus­papier unzulässig ist. Indem ich auch dieses zur Beachtung empfehle, bemerke ich noch, daß in Zukunft alle Baugesuche, welche den gegebenen Vorschriften nicht entsprechen, ohne weiteres zurückgesandt werden.

II. 756. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Ae erste Lesung -er Nsttcii-Vsckze in der Budget-Kommission des Reichstages ist am Sonn­abend beendet worden. Nach dem Verlauf der Verhand-

Unter der Kaperflagge.

See-Roman von ConstamiuS F I o o d.

(Fortsetzung.)

Es war ein herbstlicher Abend mit jener eigenthüm­lichen Spätsommersärbung des Horizontes: blanke, sinkende Wolken und glänzende Dünungen, die in sanftem Fall über die Scheren hereinkamen. Der Wind hatte bei Sonnenuntergang abgenommen, und die Abendschatten hüllten das Meer in ihren grauen Schleier.

In weiter Entfernung etwas zu entdecken, davon war keine Rede mehr!

Plötzlich vernahm man zwischen dem Fall der Meer­wellen das Geräusch von Ruderschlägen.

Alma sprang weiter vorwärts aus den Felsen und strengte ihre Augen an. Eine schwache Hoffnung, daß die Kapergasten sich in die Boote gerettet haben könnten, tauchte in ihr auf. Auch Elifa war aufgesprungen.

Die Ruderschläge ließen sich nun deutlich hören, taktniäßig; sie näherten sich immer mehr, und nach einige» Minuten unterschied man zwei große dunkle Boote vor dem Eingang nach dem Hafen, deren Ruder hell glänzten.

Almaü Seekenntnisse ließen sie augenblicklich ver­stehen, was für Fahrzeuge von diesen Rudern vorwärts bewegt wurden.

Sie ergriff plötzlich ihre Freundin hart am Arm.

Es ist der Feind! Es sind englische Barkaffen!

lungert dürfte es ausgeschloffen sein, daß die Vorlage noch scheitert; nur die DeckungSfrage ist noch nicht gelöst. Von großer Bedeutung ist der mit überwiegender Mehr­heit gefaßte Beschluß, den in der Vorlage festgesetzten Mindestbestand der Flotte nicht in 7, sondern schon in 6 Jahren herzustellen. Die Mehrheit der Kommission erkennt also an, daß die Vorlage der verbündeten Re­gierungen sich in durchaus mäßigen Grenzen bewegt. Was die Regierung in sieben Jahren hergestellt wissen wollte, soll schon in sechs Jahren vollendet wer­den. Die Kommissions-Mehrheit hat durch ihren Beschluß weiter anerkannt, daß die Schiffs-Forderungen unabweis­bar sind, daß sie das Mindestmaß dessen umfassen, was zur Verstärkung der deutschen Seemacht un­umgänglich ist, da nach Ansicht der Kommission die Bauten in kürzerer Frist zu bewerkstelligen sind, als die verbündeten Regierungen dies vorgesehen hatten.

Nicht nur im Inlands, sondern auch im Auslande wird diese Abstimmung Beachtung finden als ein Beweis, daß die deutsche Volksvertretung bereit ist, mit Nachdruck für die Reorganisation der deutschen Flotte einzutreten. Daß Deutschland einer ausreichenden Flotte bedarf, er­hellt mit gleich zwingender Beweiskraft aus politischen, VertheidiqungS- und wirthschaftlichen Gründen. Es liegt auf der Hand, daß die Werthschätznng Deutschlands sei­tens seiner Freunde, die Achtung seitens seiner Feinde und Nebenbuhler in demselben Grade sich steigern wird, wie der Ausbau unserer Wehrkraft zur See entsprechend den fortschreitenden Bedürfnissen betrieben wird. Ein gutes Theil unserer nationalen Zukunft hängt davon ab, daß wir zur See mit Ehren neben andern vorwärtsstre­benden Völkern bestehen können.

Nächst den politischen fordern strategische Erwägungen dazu auf, unsere Flotte so leistungsfähig zu machen, als sie ohne Verkürzung anderweitiger nationaler Aufgaben und bei ausreichender Pflege der Erwerbs- und Steuer­fähigkeit des Volkes nur immer gemacht werden kann. Deutschlands Lage im Herzen Europas erfordert zur Ver­vollständigung der Sicherheit unserer Grenzen die Er­gänzung der Landes-Vertheidigung seitens des Heeres durch eine leistungsfähige Kriegsflotte. Mit Minen, Torpedobooten, schwimmenden Batterien und dergleichen ist die Sache nicht abgemacht. Die Regel, daß die beste Abwehr der Hieb ist, gilt nicht nur für das Heer, son­dern auch für die Flotte. Wir müssen deshalb eine Schlachtflotte in hinlänglicher Stärke haben, daß sie einer unsere Gewässer aufsuchenden, unsere Häfen mit Erobe­rung und Brandschatzung, unsere Küstengebiete mit Ein-

Jn einer halben Stunde werden sie im Hafen sein."

Die beiden heranfahrenden Barkassen waren bereits innerhalb der nackten Holme vor der Einfahrt. In Eck- vaag war der Feind von niemandem als nur den beiden jungen Mädchen entdeckt worden.

Aber was sollten sie thun?

Elisa war ganz gewiß keine feige Natur; aber es fehlten ihr körperliche Kräfte. Zitternd vor Erregung stand sie an der Seite ihrer Freundin.

Der Gedanke an all die Unthaten, welche die eng­lischenRäuber" in Dänemark und theilweise auch an den norwegischen Küsten verübt hatten, ließen sie eine Heimsuchung des Hafens durch Mord und Brand er­warten.

Almas muthigere, energischere Natur veranlaßte sie. daran zu denken, wie diese Heimsuchung abgewendet werden könnte.

Es war nicht das erste Mal, daß man während des Krieges von feindlichen Landungstruppen auf Listerland angegriffen worden war.

Schon früher hatte der Feind zweimal versucht, Schiffe aus den kleinen Häfen weiter im Westen an der Halbinsel auszubringen; aber beide Male war der Strandraub von der Küstenwehr verhindert worden.

Das erste Mal war es bei Jölle das zweite bei Braekneholmen, wo die Küstenwehr mit großer Geschick- lichkeit zum Angriff geführt worden war und den Feind in seine Boote zurückgetrieben hatte.

fall bedrohenden feindlichen Flotte angriffsweise entgegen­gehen und sie zum Abzüge zwingen kann.

Daß wirthschaftliche Gründe gebieterisch die Entfal­tung der deutschen Seemacht fordern, so daß ein wirksamer Schutz unsers überseeischen Handels und der auf ihm beruhenden Zweige des nationalen Erwerbslebens mög­lich ist, bedarf keiner nähern Darlegung, ebenso wenig wie die Thatsache, daß unsere Flotte in ihrer dermaligen Verfassung schlechterdings außer stande ist, unsern Lands­leuten draußen den nöthigen Schutz und Rückhalt so rasch und so nachdrucksvoll zu gewährleisten, als es das Ansehen des deutschen Namens fordert. An Beispielen hierfür haben es namentlich die letzten Jahre nicht feh­len lassen. **

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 9. März.

Se. Majestät der Kaiser empfing vorgestern Nachmittag um 2 Uhr den Bildhauer Uphues, machte um 3 Uhr eine Spazierfahrt und einen Spaziergang und stattete darauf dem Staatssekretair des Auswärtigen Amts, StaatsminiN'er von Bülow, einen Besuch ab. Um 7 Uhr empfing Allerhöchstderselbe den Chef des Marine- Kabinets, Admiral ä la suite, Kontre-Admiral Frhn. v. Senden-Bibran, zum Vortrag und wohnte alsdann der Vorstellung desFliegenden Holländers" im könig­lichen Opernhause bei.

Gestern Morgen unternahm Seine Majestät eine Aus­fahrt und hörte danach den Vortrag des Chefs des Mili- tairkabinets, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke.

Zehn Jahre sind heute verflossen, seit Wilhelm der Große das milde Herrscherauge schloß. Mit ihm ging ein Kaiser und König dahin, dessen Thaten und Charaktereigenschaften ihm in allen Herzen seines Volkes ein Denkmal errichtet haben, welches jene herrlichen Kunstwerke weit überstrahlt, mit denen so manche Stadt, um das Gedächtniß des Neubegründers des Reichs zu ehren, sich geschmückt haj. Zehn Jahre sind eine kurze Spanne im Leben eines Volkes. Wenn sich jedoch der Vaterlandsfreund heute die Frage vorlegt, ob wir dem ruhmreichen Vorbilds nachstreben, das Wilhelm I. uns Allen in treuerer Erfüllung schwerer Pflicht gegeben, ob der innere und der äußere Frieden unserem Lande und unserm Volke bewahrt blieben, so dürfen wir mit stolzer

Wenn es möglich wäre, die Küstenwehr zu warnen," war Almas erster Gedanke, nachdem die erste durch die Erscheinung der feindlichen Boote hervorgerufene Be­stürzung überwunden war.

Unglücklicherweise waren die Boote dem Hafen schon so nahe, daß sie höchstens eine halbe Stunde brauchten, um hinein zu rudern.

Bis Skeimegaarden, wo der Divisionschef der Küsten­wehr wohnte, war wenigstens eine Stunde Weges, selbst für den besten Fußgänger.

Hätte man nur in Eckvaag ein Pferd gehabt. Aber es gab keine Pferde in dem kleinen Hasen.

Alma wußte, daß das einzige, das ihr zur Verfügung stand, ihre eigenen Kräfte waren. Aber was konnte das nützen!

Die beiden Fahrzeuge würden drinnen im Hafen sein, ehe sie über die Berge und nach den nächsten Höfen auf der Halbinsel gelangt war.

Hinab lausen und im Hafen Lärm machen?

Was half das?

Es waren einige alte Fischer daheim; die übrige Mannschaft des Hafens war an Bord des unglücklichen Pakets" und auf den Kanonenbooten im Osten der Landspitze. Der Zollbeamte war am gleichen Morgen hinüber nach dem Städtchen Farsund auf Lister gerudert.

Das alles war Alma blitzschnell durch den Sinn ge­fahren, während sie unverwandt die zwei langen dunklen