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Gratisbeilagen:)llnftrirtes Sonntagsblatt" n.)llnrtrirte lanöwirthschaftliche Beilage".

«r. 26.

IieHiz Den 1. März

1898.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Somitagsblatt" und JÜustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat März werden von allen kaiser­lichen Poftanftalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Auf da» nebst drei Anlagen wieder ange- schlossene k. H- Schreiben vom 23 v M.

Caffel, den 28. Januar 1898.

Die Grundstückötaxen der Ortstaxatoren im Regie­rungsbezirk Caffel sind, soweit sie nicht ausnahmsweise unter Aussicht einer öffentlichen Behörde ausgenommen werden, der Stempelabgabe der Position 64 des Tarifs zu dem Stempelgesetze- vom 31. Juli 1895 nicht unter­worfen.

Dem Königlichen Hauptsteueramt zu Caffel ist hiervon Kenntniß gegeben.

Der Provinzial-Steuer-Direktor für Hessen-Nassau, (gez.) Schmidt.

An den Herrn Regierungs-Präsidenten hier. Nr. 934.

* * *

Caffel, den 1. Februar 1898.

Vorstehende Abschrift theile ich zur Kenntnisnahme unb weiteren Veranlassung mit.

Der NegierungS-Präsident. I. V.: von Bremer.

An sämmtliche Herren Landräthe des Regierungsbezirks mit Ausnahme von Messungen. A. I. 853.

* * * HerSseld, den 25. Februar 1898.

Wird veröffentlicht.

I. 790. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Gesunden: eine Pferdedecke. Meldung des Eigen- thümerS bei dem Ortsvorstand zu Oberhaun.

Unter der Kaperflagge.

Sre-Roman von Constanliu« F I o o d.

(Fortsetzung.)

Der junge Kapitän befand sich in der gleichen Lage, wie der Entdecker der westlichen Welt, ehe er das Sar- gaffa-Meer erreichte. Er hatte versprechen müssen, nach Ablauf von 24 Stunden den Kurs auf Norwegen nehmen zu wollen. Dieses Verlangen hatte die ganze Besatzung mit Ausnahme seines guten Freundes Andreas und des Drittkommandirenden, eines gewissen Tönnes Tomstad, an ihn gestellt.

Der erwähnte Tönnes Tomstad war ein Berserker, der es unter seiner Würde fand, sich vor Hunger, Durst, Kälte und Hitze zu ergeben.

Tönnes Tomstads Eigenheit war das Heldenfach.

Seine Vorfahren waren drei Generationen hindurch tüchtige Raufbolde gewesen. Der stärkste von ihnen war sein Vater, der einmal vier Kallebergsbauern bei einem Grenzübertritt durchgeprügelt hatte, eine Thut, die ihm den NamenListerheld" verschaffte. Tönne« selbst war auch nicht ohne Berühmtheit als Raufbold. In der Familientradition aufgezogen, hatte der junge Nach­komme streitbarer Väter nach besten Kräften in deren Fußstapfen zu treten gesucht, bis es ihm gelungen war, den Beinamen «Tomstadlöwe" zu erhalten.

Die Natur hatte diese lobenSwerthe Bestrebungen durch breite Schultern und lange Arme, wenn auch nicht durch besondere Größe unterstützt. Tönnes war jeden­

Nichtamtlicher Theil.

18481898.

Fünfzig Jahre sind verflossen, seit die durch die französische Februar-Revolution angefachte revolutionäre Bewegung durch Europa ging und auch Deutschland er­schütterte. Die Demokratie hofft, durch die Erinnerung an jene Zeiten für sich und ihre Ziele werben zu können. Die von den deutschen Regierungen und der obersten Leitung in dem Fühlen und Denken des Volkes er­rungene Vertrauens-Stellung bietet die beste Gewähr, daß die Bemühungen, die Gedenktage des Revolulions- JahreS 1848 zu einem neuen Vorstoß gegen das Be­stehende zu benutzen, erfolglos bleiben. Wenn heute einer der Vorkämpfer der Erneuerung Deutschlands, der die Zeit der Erhebung nicht mehr erschaut hat, wieder­kehren könnte, er würde zugeben müssen, daß die Hoff­nungen, die die Besten der Ration an den Staat Fried­richs des Großen geknüpft, in reichem Maße sich erfüllt haben, ja, in weit höherem, als man in jener Zeit er­warten konnte. Wir sehen die kleinern Staaten, die da­mals ihre Kräfte zum Theil nutzlos zersplitterten, in der Gegenwurt um das K a i s e r l h u m geschart als Pfleger des Reichsgedankens, als Förderer der geistigen und wirthschaftlichen Entwicklung der deutschen Nation.

Die Nachfolger der alten Demokratie, die heute be­reits durch die Wortführer der Sozialdemokratie in den Hintergrund gedrängt werden, behaupten freilich auch jetzt noch, daß die alten Ideale der Freiheit, wie man sie 1848 meinte, im neuen Deutschen Reiche nicht er­füllt seien. Von einem höhern Standpunkte aus kann man darauf antworten: es ist ein Glück, daß in dieser Hinsicht nicht alle Blüthenträume reiften. Die deutsche Nation, von einer Welt von Feinden umklammert, in kleine, einander mit alter deutscher Fehdesucht bekämpfende Parteien zersplittert und vor große sociale Aufgaben gestellt, würde mit dem nach der Schablone von 1848 gewünschten FreiheitSstaate, in dem die monarchische Ge­walt zur Null werden sollte, unzweifelhaft Schiffbruch erlitten haben.

Ohne ein starkes, von der Monarchie fest und sicher geleitetes Heer, ohne die ausgleichende Macht des über den Parteien stehenden Herrschers, wären auch bei uns die Grundlagen des Staates unterwühlt, wäre Deutsch­

falls bedeutend kleiner als sein berühmter Vater, sah aber wohl ebenso finster aus

Bärtig wie ein Wiking mit einer langen gekrümmten Nase und ein paar kleinen schielenden Augen, von denen das linke meist seine Aufmerksamkeit der nicht ganz un- witzigen Nase zuwandte, hatte sein Gesicht unter ge­wöhnlichen Umständen keinen besonders liebenswürdigen Ausdruck. Wenn aber Tomstad in Harnisch gerieth, wenn sein rechtes kleines Äuge zu blinzeln begann und das andere gleichsam nach der Nasenspitze hinaus zielte, dann war es am besten, sich ihm fern zu halten.

Seine Berühmtheit unter seinen Heimathgenossen hatte Tomstad noch vermehrt, indem er in holländische Kriegsdienste getreten war. Mit einem Hieb über die Nase war er dann zurückgekommen. Sie hatte hiervon, möglicherweise auch infolge des Genevers, den er in größeren Mengen genossen, einen röthlichen Anstrich er­halten, der den Besitzer nicht eben verschönerte.

Ferner hatte Tomstad aus der Fremde eine wunder­bare Sprache mitgebracht. Ihr Hauptbestandtheil schien aus englisch-holländischen KrastauSdrücken zu bestehen. In Verbindung mit mächtigen Stimmmitteln war sie aber ganz dazu angethan, jeden Gegner schon im voraus einzuschüchtern.

Dieser Mann also war der zweite Steuermann des Kapers. Ein nicht sehr angenehmer Kamerad an Bord eines Schiffes sollte man meinen ; aber in Wirklichkeit verhielt es sich nicht so. Er war immer bereit seine Pflicht und bisweilen diejenige anderer zu erfüllen, wenn es nöthig war.

land aufs neue zu einem Spielball für die Willkür des Auslandes gemacht worden. Aber auch die persönliche Freiheit des Einzelnen ist in der starken Monarchie in deutschen Landen besser gewahrt, als in vielen andern, den demokratischen Idealen näher stehenden Staaten. Die meisten bieten wahrlich kein verlockendes Bild. Mit dem aus patriotisch und sittlich geschulten Elementen der Nation bestehenden Beamtenthum, mit ihrem starken, in unermüdlicher Selbstzucht arbeitenden Heere würde die Monarchie, wie sie bei uns besteht, allein schon ein erhebendes Bild, ein nachzuahmendes Beispiel für andere Völker bieten.

Aber sie hat mehr gethan. Unter der Führung des deutschen Kaiserthums hat sie zuerst, und zwar zu einer Zeit, wo die demokratisch und rein parlamentarisch regierten Reiche sich durchweg in den Dienst einer be­güterten Minderst stellten, den Muth gehabt, an die Lösung der sozialen Frage heranzutreten. Mit ihren durch die soziale Gesetzgebung der siebziger und achtziger Jahre ins Leben geführten Veranstaltungen zu Gunsten der Armen und N^thleidenden ist die deutsche Monarchie allen Staaten vorangegangen. Schon jetzt läßt sich ab­sehen, daß die soziale Entwickelung Deutschlands inner­halb des festen monarchischen Rahmens sich vollziehen wird, also aller Wahrscheinlichst nach ohne die Stürme, die den demokratisch oder rein parlamentarisch regierten Staaten beschieden sein dürften.

Mit besonderer Genugthuung aber dürfen die deut­schen Regierungen jetzt den Gedenktagen von 1848 ent­gegensehen, wo es ihnen gelungen ist, der Demokratie den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die vom Finanz­minister v. Miguel verkündete Politik der Sammlung der produktiven Stände, der Eifer, mit dem der Staats­sekretär Graf Posadowsky sich an die Vorbereitung neuer Handelsverträge gemacht hat, die Erwerbung von Kiaolschau und endlich die ebenso maßvolle wie über­zeugend begründete Flottenvorlage, welche Admiral Tirpitz dem Reichstage vorgelegt hat das alles sind Dinge, die jeden patriotischen Deutschen froh in die Zukunft blicken lassen. Nie hätte die von den Träumern von 1848 ersehnte Kantönli-Republik unter österreichischer Spitze auch nur annähernd ähnliche Erfolge errungen. Das schwarz-weiß-rothe Reichsbanner hat die schwarz­roth-goldene Fahne von 1848 vergessen gemacht. **

Gegenüber dem Kapitän war er die Dienstfertigkeit I selber und benahm sich als ein Muster von Disziplin, wenn er auch zuweilen ein wenig brummte; aber dies geschah nie in Gegenwart der Leute.

Er hatte offenbar Respekt vor dem jungen Chef, ein Respekt, der theils von einer gewissen geistigen Ueber: legenheit herrührte, die Knud besaß, theils in der An­erkennung seiner Seemannstüchligkeit, seines unverwüst­lichen Humors begründet war, mit dem er die ver­schiedenartigen Elemente der Besatzung behandelte, sie gehorchen machte.

Gegenüber dem Steuermann war das Verhältniß ein wenig anders und es geschah zuweilen, daß Tomstad im geheimen nach dem jungen Helden blinzelte, während er darüber nachgrübelte, was es wohl für ein Bursche wäre.

Stark ungeheuer stark war er!

Tomstad hatte einmal gesehen, wie er zum Galgen ging, den Piek loswarf, sich ein wenig zurückbeugte und ihn mit der einen Hand heranholte, während er mit der andern anhielt und das Segel flach streckte. Das war sonst ein ganz tüchtiger Zug für drei Mann.

Und Andreas hatte es allein gethan.

Tomstad bewunderte in aller Stille den Steuermann; und seit er auf einer Nachtwache im Finstern selbst drüben am Piek gewesen war und sich versucht hatte, konnte er oft lange auf Deck hin und her gehen und bewundernd nach der breiten Gestalt des Steuermanns hinüberblinzeln.

Wenn der Bursche gewußt hätte, wie stark er war!