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Gvatirbsilasen: „)Ü«strivteO Sonnra-sbLatt" «. ,,3UuHvim Landwirthschaftliche Beilage".
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Soiinerha Ute 21 Febmr
1898.
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An Urtheil über im§ Flsttelinesetz.
Eine der interessantesten und bedeutsamsten Antworten von denen, welche die Münchner „Allgemeine Zeitung" auf ihre Umfrage erhalten hat, ist die des ehemaligen elsaß-lothringischen Unterstaatssekretärs und bekannten Rationalökonomen Dr. v. Mayr. Alle Ein- wände der Gegner finden in dieser Antwort eine wahrhaft erschöpfende Widerlegung.
Den Gedanken, im Kriege den Schutz von Häfen und Küsten ohne Flotte, gewiss.errna.hen vom Lande her auszuüben, erklärt Dr. v. Mayr für undurchführbar, namentlich deshalb, weil die im Kriegsfalle für kein Land in so hohem Maße wie für Deutschland erforderliche freie Bewegung der Landmacht nur unter der Voraussetzung möglich ist, daß die Küsten gesichert sind. Eine Blokade aber könne Deutschland deshalb nicht aushalten, weil es nicht ein in sich abgeschlossenes Wirth- schastsgebiet bilde, sondern fortgesetzt des Warenbezugs und der Warensendung über das Meer bedürfe. „N u r eine Flotte kann die ErstickungSgefab r für die deutsche VolkSwirthschaft beseitige n."
Besonders eingehend find die Ausführungen Dr. v. Mayrs über die wirthschaftliche Seite der Flotten- frage. Hier spricht der Fachmann, und daher gestaltet sich gerade nach dieser Richtung hin die Darstellung ganz besonders wirksam. Der Einwendung, daß der Handel sich auch ohne Flottensckutz kräftig zu entwickeln vermöge, wird mit bem Hinweise auf die erst jetzt recht eigentlich zur Geltung gelangenden weltwirthschaftlichen Beziehungen Deutschlands und auf die wachsende Handels
Unter der Kaperflagge.
Sce-Roman von Gonfiantiue Flood. (Fortsetzung.)
Es zeigte sich kein anderer Ausweg, selbst für ver- hältnißmäßig wohlhabende Familien des Orts, als die öffentliche Barmherzigkeit anzurufen. Aber unglücklicherweise war der ganze umliegende Landstrich fast auf gleiche Art betroffen worden, wie Eckvaag.
Man hatte längst auf die Heimkehr der Hetlands- fischer gewartet.
Sie würden jedenfalls Häringe mitbringen, die in Brot umgesetzt werden konnten. Der alte Jonasen war ein guter Mensch, überdies ein Mann, der weithin Ansehen genoß. Aber weder Jonasen noch sein Fischer- kutter zeigte sich. Und endlich erlosch auch diese Hoffnung. Eines von Jochum Brink Lunds Fischerfahrzeugen, dem es heimzukehren gelang, brächte die traurige Nachricht, daß der alte Jonasen mit seinem Kutter auf der Höhe von Leith genommen worden sei. Der alte Mann und fein „Packet" war eines schönen Tages von der Mannschaft eines englischen Kriegsschiffes geentert und sein Fahrzeug als Prise geholt worden.
Man hatte also auch von dieser Seite keine Hilfe zu erwarten, und die Aussichten wurden mit jedem Tage trostloser.
Weiber und Kinder schlichen muthloS umher — und grüßten demüthig den großen Mann, den Zollbeamten Helmer, der im ruhigen Bewußtsein seiner Würde auf den Brücken auf und ab ging.
politische Eifersucht der fremden Mächte begegnet. Wie der Handelspolitik hat die Flotte aber auch einer gesunden Auswanderungspolitik zu dienen. Diese Aufgabe wird unabweisbar durch das stetige Wachsthum der deutschen Bevölkerung. Hier bleibt schließlich nur das Ventil der Auswanderung übrig. Soll dieselbe aber dem Vaterlande nicht zum Unsegen gereichen, so muß durch eine starke Flotte Sorge getragen werden, daß die Beziehungen der nach außen Gegangenen zur Heimath aufrecht erhalten werden.
Die Beantwortung der Frage, ob die Kosten der Vorlage sich mit den deutschen Finanzen vertragen, schickt Dr. v. Mayr den bedeutungsvollen Satz voraus: „Die Sorge für wirksame Land- und Seewehr ist für ein unabhängiges nationales Gemeinwesen, das sich in einer politischen und geographischen Lage wie Deutschland befindet, eine so fundamentale, daß die Befriedigung der auf diesem Gebiete bestehenden Bedürfnisse von dem jeweiligen Stand der Finanzen grundsätzlich nicht abhängig gemacht werden darf." Deutschlands Finanzlage aber ist nach der Ansicht Dr. v Mayrs eine derartige, daß ein gesteigerter Kostena rfwand für die Flotte sich ohne Steuern und ohne Inanspruchnahme neuen Kredits ermöglichen läßt. An den wachsenden Erträgnissen der Steuern insbesondere wird, überzeugend dargethan, wie alles darauf Hindeute, daß unter der Voraussetzung einer geschickten, durch eine starke Flotte wesentlich wirkungsvoller gestalteten Wirthschaftspolitik mit dem weiter steigenden Bevölkerungsstrom Deutschlands die Finanzen des Reiches einer wettern günstigen Gestaltung entgegengehen.
Die Antwort schließt mit einem düstern Zukunsts- gemälde für den Fall, daß Deutschland entscheidenden Niederlagen zur See ausgesetzt wäre. Gewaltige Be- völkerungsnoth, ungesunde Massen-Auswanderung und Verarmung großer Schichten der Zurückgebliebenen müßten die unausbleiblichen Folgen sein. Der wirth- schaftlichen Zersetzung aber würde wahrscheinlich auch die politische folgen; denn ein derartig getroffenes deutsches Reich würde alsbald weiter« feindlicheil Angriffen von außen preisgegeben werden, denen es nur schwer zu widerstehen vermöchte.
Er begann beinahe Mitleid mit den armen Menschen zu empfinden.
Es gab keine Katze, die hier in Eckvaag gegen ihn zu mucksen wagte — hier war keine Rede davon, daß man sich erlaubt hätte, ihm einen Possen zu spiele».
Hier erkühnte sich niemand, eine Dolle aus seinem Boot zu nehmen, geschweige denn seine Segel und Ruder.
Eines Morgens, als der Zollbeamte hinab auf feine Brücke kam, sah er, daß nicht allein seine Segel, seine Ruder, seine Dollen fort waren, sondern das ganze Boot verschwunden war.
Das war nun an sich ärgerlich genug. Aber was die Sache doppelt schlimm machte, war der llmftanb, daß an diesem Morgen eine Schaluppe unter Eckerö lag.
Der Zollbeamte halte sich von der Demuth ringsum offenbar täuschen lassen.
Wenn man es genau überlegte, so war die Bevölkerung in Eckvaag wahrscheinlich nicht besser als in Braekkestö.
Es war natürlich ein Kniff, um die Gelegenheit zum Schmuggeln benutzen zu können; das war leider allzu klar. Denn eben ging ein Boot von der Schaluppe anS Land, und die Leute strömten auf einer der Brücken weiter östlich im Hafen zusammen.
Der Zollbeamte hatte sich überrumpeln lassen, und nun ging die Schmuggelei gerade unter seinen Augen vor sich.
Er pfiff einigemale auf seiner Pfeife. Im Augenblick kamen seine beiden Ruderknechte zur Brücke gelaufen.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 22. Februar.
Gestern Morgen von 9 Uhr ab hörte Se. Majestät der Kaiser den Vertrag des^Chefs des ZivilkabinetS, Wirklichen Geh. Raths Dr. v. Lucanus,? und die Ma- rinevorlräge.
Der B u n d e s r a t h^hat^in^seiner'gestrigen Sitzung der Vorlage, betreffend Allgemeine Ausführungsbestimmungen zu § 7 Ziffer 1 und 3 des Zolltarifgesetzes, die Zustimmung ertheilt und die Berichtigung des § 138a Absatz 5 der Gewerbeordnung beschlossen.
Der Reichstag hat heule die Berathung des M i l i t ä r e t a t s fortgesetzt. Beim Kapitel „Militärjustiz" kommt der Abg. Kunert (sozdem.) nochmals auf die Sonntagsarbeit in dem sächsischen Militärgefängniß zurück, fragt an, welche Strafen die betreffenden Militärs erhalten hätten, und bringt außerdem noch einen Straffall zur Sprache. Der sächsische Bevollmächtigte Graf Vitzthum erwidert, der letztere Fall fei militärge- richtlich abgeurtheilt und erledigt worden, eine höhere Instanz könne hier im Reichstage nicht etablirt werden. Ueber die Bestrafung der betreffenden Militärs in der Angelegenheit der Svi-^ngsarlösit töm.e er nichts jagen. Beim Kapitel „Militärärzte" bemängelt der Abg. Kopfch (freis. Volksp.) die jetzige Art der Untersuchung der neueingestellten Rekruten, welche es nicht ermögliche, über ihre geistige Beschaffenheit ein sicheres Urtheil zu gewinnen Der preußische Kriegsminister v. Goßler erklärt, er werde der Frage näher treten. Der Vorwurf gegen die Militärärzte sei aber unbegründet. Die Zahl der Schwachsinnigen sei in der Armee sehr gering. Abg. Bebel (sozdem.) stimmt dem Abg. Kopsch zu. Es gebe Lente unter den Rekruten, die den an sie gestellten Anforderungen nicht nachkommen könnten. Es scheine Mangel an Militärärzten zu fein, was wohl daran liege, daß keine jüdischen Aerzte angenommen würden. Kriegsminister v. Goßler entgegnet, die Rekruten würden eingehend körperlich und geistig untersucht. Dem Mangel an Aerzten werde abgeholfen werden. ES gebe keine Bestimmung, wonach jüdische Aerzte aus der Armee ausgeschlossen würden. Thatsächlich gebe es zahlreiche höhere Militärärzte jüdischer Konfession. Abg. Bebel (sozdem.) sagt, er glaube schon, daß es keine Bestimmung über den
Sie waren noch bestürzter als der Zollbeamte selber über die Kühnheit, mit der die Schmuggler zu Werk gegangen waren.
Das Boot war nirgends zu entdecken.
Es mußte ein außerordentlich klug angelegtes Komplott sein ; nicht das geringste Ungewöhnliche war einem Menschen im Hafen anzumerken gewesen.
Und nun war fast die ganze Bevölkerung auf den Beinen.
Sie hatten das Boot umringt, das von der Schaluppe ans Land kam, und wenn es mit Schmugglerwaaren vollbeladen gewesen wäre, so würden diese mit Hülfe der vielen Hände augenblicklich verschwunden sein.
Durch sein Fernrohr betrachtete der Zöllner mit erbitterter Miene zuerst das Volksgewimmel, dann die Schaluppe und endlich die Strandlinie, um, wenn möglich, sein Boot zu entdecken.
Einer der Ruderknechte wurde zu letzterem Zweck hinaus auf die Landspitze gesandt, wo der Zollbeamte seinen Auslug hatte, und wo man eine weitere Aussicht auf die Scheren genoß.
Unterdessen hörte man Freudenrufe, lautes Stimmengewirr droben auf der Brücke.
Die Schmuggelei war also gelungen und dies gerade vor den Augen des Zollbeamten.
Aber in Wirklichkeit enthielt das Boot, das ans Land gekommen war, nur einen einzigen Mann und zwei Säcke Brot.
Um diesen Mann und das Brot, das vertheilt wurde, hatte sich die Bevölkerung geschart. Dieses Brot war