über, der dem hohen Ernste der Weltpolitik sogar ein Stückchen guten Humors abzugewinnen weiß."
Nach einem aus Peking einlaufenden Telegramm hat sich Deutschland das Recht zum Bau einer Eisenbahn nach Jtschau gesichert. Jtschau ist eine Distriktshauptstadt, in südwestlicher Richtung von Kiaotschau, in der Provinz Schantung gelegen.
Zu dem Falle der Mißhandlung des deutschen Lehrers Roth in Palhoya in Südbrasilien ist in der Sitzung der Petitionskommission des Reichstages vom 4. d. Mts. mitgetheilt worden, daß drei von den fünf an der That Betheiligten zur Haft gebracht worden sein. Wie die „N. A. Ztg." erfährt, ist es den Bemühungen der brasilianischen Behörden inzwischen gelungen, auch die übrigen zwei Angeschuldigten dingfest zu machen. Es steht nunmehr zu hoffen, daß die Angelegenheit ihren baldigen und befriedigenden Abschluß finden wird.
Wie der „Köln. Volksztg." berichtet wird, stellt sich nachträglich heraus, daß es sich bei dem Raubanfall auf den evangelischen Missionar H o m e y e r in China um einen Vorgang aus dem vorigen Frühjahr handelt. Das Gerücht des neuerlichen Raubanfalles scheine dadurch entstanden zu sein, daß Homeyer erst später Schritte beim deutschen, Konsul that zur Wiedererlangung seiner Sachen.
Der B u n d e s r a t h hat die Vorlage über die Einfuhr von Rindern aus Dänemark und Schweden-Norwegen, sowie den Gesetzentwurf für Elsaß-Lothringen wegen Ergänzung des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Beamten und Lehrer vom 23. Dezember 1873 an die zuständigen Ausschüsse überwiesen.
Im preußischen Abgeordnetenhaus« hat Minister Thielen für den Herbst eine große Kanal-Vorlage angekündigt.
Ausland.
Nunmehr ist auch der Lloyddampfer „Crefeld" mit dem Marinetransport in Kiaotschau angekommen. Damit sind sämmtliche nach unserer neuesten Besitzung beordneten Mannschaften wie auch alle Munitionen, Geschütze rc. an ihrem Bestimmungsort eingetroffen.
Wie aus Brü nn unterm 13. d. gemeldet wird, ist der ehemalige Minister des Aeußern, Graf Kalnocky, gestorben.
Die agrar - sozialistische Bewegung in Ungarn nimmt einen größern Umfang an, ist aber immerhin ßuf sehr wenige Komitate beschränkt. Die Bauern fordern einzelne Grundbesitzer auf, sich freundschaftlich mit ihnen auseinanderzusetzen und ihren Grundbesitz aufzutheilen. Da es überall, wo das Volk von diesem Unsinn ergriffen wird, genügend Soldaten und Gendarmen giebt, sind größere Ruhestörungen nicht zu befürchten. Gleichwohl ist die Besorgniß nicht abzuw^sen, daß das irregeleitete Volk sich stellenweise doch zu Ausschreitungen hinreißen läßt.
Nach einer Meldung der „Köln. Ztg." wird die Nachricht, daß die Mächte bei dem Sultan die Räumung Thessaliens beantragt hätten, als unrichtig bezeichnet. Dasselbe Blatt wendet sich an leitender Stelle gegen die aus verschiedenen Städten Deutschlands Zola zugehenden Kundgebungen und sagt, Zola könne kein schlimmerer Dienst erwiesen werden, als die Uebermittelung derartiger öffentlicher deutscher Zustimmungen. Soweit Deutschland bei dieser Angelegenheit in Frage komme, seien von amtlicher deutscher Stelle aus vollständig ausreichende und unzweideutige Erklärungen abgegeben worden.
Und Meister Joachim war noch an Land.
Doch dagegen war nun nichts zu machen. Knud weckte die Leute und ergriff das Steuer, indem er den Platz des Bootsmanns einnahm und sich auf eine paffende Entschuldigung für dessen Ausbleiben vorbereitete. Aber niemand fragte nach dem Bootsmann.
Die Offiziere des Ostindienfahrers nahmen schweigend ihre Plätze in der Schaluppe ein, worauf der Kapitän in kurzem Ton abzufahren befahl. Daß Knud auf dem Platz des Bootsmanns saß, schien nicht bemerkt zu werden.
Gerade vor Knud saß der frühere Steuermann des Ostindienfahrers, der im Geleite der übrigen Offiziere gewesen war. Es entging Knud nicht, daß sich sein Gesicht seltsam verändert hatte.
„Ich zweifle nicht daran, daß Sie als ein Mann von Ehre gehandelt haben," sagte der Kapitän, als sie auf dem Deck standen. Der Obersteuermann nahm mit einem achtungsvollen Gruß seinen Hut ab zum Dank für die Anerkennung, die ihm in Gegenwart der Offiziere zu Theil geworden war.
Er blieb allein an Deck zurück und begann in lebhafter Erregung auf und abzugehen.
Auch Knud war zurückgeblieben. Nach allem, was er aus dem verworrenen Gespräch in der englischen Schaluppe gehört, hatte er auch seine eigene Meinung über das Vorgefallene. Es war ja ganz klar, daß der Obersteuermann aus Nothwehr gehandelt hatte. Knud meinte, daß ein Mann das Recht habe, sich seines Lebens zu wehren, selbst wenn der Ausgang ein so trauriger würde wie hier.
Eine solche Betrachtung war jedoch offenbar sehr wenig befriedigend für den jungen Ossizier, der seinen Gang auf dem stillen Deck fortsetzte, während er immer wieder über die traurigen Begebenheiten des Abends nachdachte, die um so trauriger waren, als der Mann, der von seiner Hand gefallen, sein früherer Freund von
Aus Prelliiiz 11118 WblügMt.
* 40 Ehren-Posthörner und 83 Ehren- Peitschen sind im letzten Jahre von feiten der 40 Kaiserlichen Ober-Postdirektionen der Reichspost an Postillone verliehen worden.
* Während 1872 noch 14 000 Landorte des regelmäßigen täglichen Begangs durch den Landbrief - träger entbehrten und keine einzige Ortschaft eine mehr als wochentäglich einmalige Bestellung hatte, sind jetzt im Genuß einer zweimaligen Bestellung und mindestens zweimaligen Einsammlung im Reichspostgebiete 7000 Orte und einer dreimaligen Einsammlung 10 000 Ortschaften. Der bezügliche Kostenaufwand ist in den letzten 30 Jahren von 4 auf 17 Millionen Mark gestiegen.
* Der Minister für Landwirlhschaft hat unter Hinweis auf die im Reichsanzeiger vom 4. d. Mts. enthaltene Bekanntmachung über den Schädling sowie auf die zur Verhütung der Einschlepung desselben unterm 5. d. Mts ergangene Kaiserliche Verordnung das Augenmerk der Behörden, Landwirthschaftskammern und landwirth- schaftlichen Vereine auf die von der San Josä- Schildlaus dem heimischen Obstbau rc. drohende Gefahr hingelenkt und zugleich ersucht, die betheiligten Kreise auf diese Gefahr aufmerksam zu machen. Zur Verbreitung der Kenntniß über das Insekt, über welches auch die Deutsche Landwirthschaftsgesellschaft schon Einiges veröffentlicht hat, sind in Bälde geeignete Flugschriften rc. zu erwarten; auch wird feiner Zeit für Vertheilung von Wandtafeln mit Darstellungen des Insekts Sorge getragen werden. Bei Zweifeln über die Anwesenheit des Schädlings in Pflanzungen sind u. A. das Kaiserliche Gesundheitsamt, die Herren Professor Frank an der landwirthschaftlichen Hochschule in Berlin, Dr. Hollrung zu Halle a. S., Oekonomierath Goethe in Geisenheim, Garteninspektor Ritter zu Engers, ferner das pomologische Institut Proskau Auskunft zu geben in der Lage.
*DieDurchschuittspreisederwichtig- sten Lebensmittel betrugen in der preußischen Monarchie im Januar 1898 : für 1000 KZ Weizen 179 (im Dezember. 1897 : 180) M, Roggen 137 (139) M., Gerste 145 (145) M., Hafer 141 (140) M., Kocherbsen 218 (218) M., Speisebohnen 266 (265) M, Linsen 414 (412) M-, Eßkartoffeln 48 (47,1) M, Rrchtstroh 41,7 (42,1) M, Heu 54,6 (54,3) M, Rindfleisch im Großhandel 1044 (1050) M ; für 1 kg Rindfleisch von der Keule im Kleinhandel 134 (136) Pf, vom Bauch 116 (115) Pf., Schweinefleisch 138 (139) Pf., Kalbfleisch 130 (131) Pf, Hammelfleisch 125 (125) Pf., inländischer geräucherter Speck 156 (157) Pf, Eßbutter 217 (227) Pf., inländisches Schweineschmalz 157 (158) Pf., Weizenmehl 33 (33) Pf., Raagenmehl 26 (26) Pf.; für 1 Schock Eier 407 (446) Pf.
Hersfeld, 14. Februar. Wenn auch Unfälle a u f W e g e n uud Reisen, die ein Arbeiter zu Betriebszwecken unternimmt, im Allgemeinen als Betriebsunfälle anzusehen sind, so erstreckt sich diese Auffassung doch nach einer RekurSentscheidung des Reichs-Verstche- rungsamts keineswegs ohne Ausnahme auf Unfälle, die eine versicherte Person während ihres Aufenthalts im Gasthause aus Anlaß einer solchen Reise erleidet; denn der Aufenthalt in den Gasthäusern gehört, weil er in erster Linie zur Befriedigung der allgemeinen menschlichen Bedürfnisse nach Ruhe und Nahrung dient, im Wesentlichen in das eigene persönliche Interessengebiet des Arbeiters und nicht in den Interessenbereich des Betriebes. Es liegt kein Anlaß vor, von dem sonst in der Recht-
der Akademie und Alice von Dylows Bruder war.
Es war ihm gegenüber Fähnrich von Dylow ein scharfes Wort entschlüpft.
Er hatte mit Unwillen bemerkt, daß sich zwischen diesem und Mr. Steffens, einem jungen britischen Offizier, ein Freundschaftsverhältniß anzubahnen begann. Mr. Steffens galt aber selbst unter seinen Kameraden nur als ein zweiselhaster Gentleman, dessen Beutel man zuweilen bedurfte. Als nun Alice von Dylow während des Festes gar am Arm des Mr. Steffens erschien, war Jngmar Steins Zorn zum Ausbruch gekommen. Am meisten erbitterte es ihn, daß dies Verhältniß von je- manbeni- gebilligt wurde, der der jungen Dame nahe stand, wie es offenbar vom Justizrath und seinem Sohne geschah. UeberdieS hatte ihn der letztere auf das schöne elegante Paar aufmerksam gemacht, das dort im Halbdunkel des Parkes wandelte, und Mr. Steffens seinen Freund genannt.
„Dein Freund? — wohl auch dein Banquier!" hatte Jngmar Stein zornig ausgerufen.
Kaum war es gesprochen, hatte er das Wort bereut. Aber der vom Wein erhitzte junge Offizier hatte keine Entschuldigung annehmen wollen.
Im nächsten Augenblick stand Jngmar Stein einem gezogenen Degen gegenüber.
Er hatte den Kampf zu vermeiden gesucht, indem er sich zurückzog, war aber von einer Hecke aufgehalten worden
Vor ihm funkelte im Halblicht Fähnrich von Dylows Degen und bedrohte seine Brust.
Da hatte ihm einer der jungen englischen Offiziere zugerufen, daß er sich vertheidigen solle. Es war der älteste Kadett der Fregatte, Hugh Williams, dem er früher einen Dienst zu leisten Gelegenheit gehabt hatte.
„Vertheidigen Sie sich, Sie müssen sich vertheidigen Mr. Stein — der betrunkene Bursche wäre im stände, Sie zu tobten !'
sprechung des Reichs-Versicherungsamts festgehaltenen Grundsatz, daß Unfälle, die bei einer eigenwirthschaftlichen Thätigkeit des Arbeiters eintreten, Betriebsunfälle im Sinne des Gesetzes nicht sind, zu Gunsten der außerhalb auf Montagen befindlichen Arbeiter in solchem Umfange Ausnahmen zuzulaffen. Jedenfalls läßt sich die Annahme nicht begründen, daß sich ein derartiger Arbeiter stets im Betriebe befindet, und daß jede eigenwirthschaftliche Thätigkeit für ihn ausgeschloffen ist, so lange er auf der Betriebsreise unterwegs ist.
(:) Hersfeld, 14. Februar. Am 4. d. Mts. hielt der Verein gegen Verarmung und Bettelei seine diesjährige General-Versammlung im RathhauS- saale ab. Der Vorsitzende, Herr Superintendent Dr. Vial, eröffnete dieselbe und trug die vom Kassierer des Vereins, Herrn Fr. Demme, aufgestellte Rechnung vom vorigen Jahre vor. Aus derselben ist zu entnehmen, daß die Einnahmen (einschließlich des Kaffenbestandes vom Vorjahre) auf 1190,87 Mk., die Ausgaben auf 791,33 Mk. sich belaufen. Die ersteren setzen fich wie folgt zusammen: Mitgliederbeiträge 804 Mk., zurückgezahlte Darlehen 11 Mk., besondere Zuwendungen 56 M., Kassenbestand vom Vorjahre 319,87 Mk. — Verausgabt wurden an Unterstützungen an Ortsarme 464,15 Mark, an durchgereiste Arme 13 Mk. Für Bouillon und Sup- pentafeln 60,35 Mk. Ausgeliehen 11 Mk, zum Ankauf von Nessel und Garn sowie für Anfertigung von Hemden und Strümpfen wurden 138,33 Mk. verausgabt. Die sonstigen Ausgaben beliefen sich auf 104,50 Mark. — Zur Revision der Rechnung wurden die Herren Kaufmann Karl Zickendraht und Kaufmann Fr. Sauer gewählt. Nunmehr schritt man zur Neuwahl des Vorstandes. Mittelst geheimer Abstimmung wurde der seithe- . rige Vorstand, bestehend aus den Herren : Superintendent Dr. Vial, Gymnasialdirektor Dr. Duden, Bürgermeister a. D. Braun, Pfarrer Hoßbach, Pfarrer Feyerabend, Professor Hafner und Kaufmann Fr. Sauer wiedergewählt ; dieselben waren sämmtlich anwesend und nahmen die Wiederwahl an. Herr Superintendent Dr. Vral fand sich zur Uebernahme des Amtes als Vorsitzender und Herr Gymnasialdirektor Dr. Duden zur Uebernahme der Stellvertretung desselben bereit. Das abgelaufene Vereinsjahr steht den früheren Jahren würdig zur Seite. Die Helferschaft besteht aus den Herren Kaufmann K. Zickendraht und Kaufmann W Heß, sowie aus der Frau Gymnasialdirektor Dr. Duden, Frau Justiz- rath Craß, Frau Professor Derlei, Frau Professor Hafner, Frau Oberlehrer Berlit, Frau Kaufmann Sauer, Frau Sophie Kroll, Frau M. Gute, Fräulein E. Otto, Fräulein S. Grau und Gemeindeschwestern. Dieselbe hat es sich um das Weh und Wohl der hiesigen kranken und arbeitsunfähigen Armen sehr angelegen sein lassen. Sehr zu wünschen wäre es, .wenn im Laufe des Jahres diesem wohlthätigen Vereine noch recht viele Mitglieder beitreten würden, sodaß derselbe in die Lage versetzt wird, seine Wohl- und Mildthätigkeit immer mehr auszudehnen und wird die Hoffnung ausgesprochen, daß der Sammler des Vereins demnächst überall offenes Herz und offene Hand findet.
X Hersfeld, 14. Februar. Der Geschäftsbericht des Vaterländischen Frauenvereins zu Cassel nebst den Zweigvereinen liegt im Druck vor. Aus demselben ist zu ersehen, daß der Zweigverein H e r S f e l d (Vorsitzende Frau Geh. Rath Freifrau von Schleinitz, Schriftführer Herr Pfarrer Feyerabend) 262 Mitglieder hat und mit 5 Sektionen arbeitet. Der Verein wirkt im Einverständniß mit der städtischen Armen-Verwaltung wie auch mit dem „Verein gegen Verarmung und Bet-
So war der Degen auch in seine Hand gekommen.
Er wußte doch sicher, daß es nur seine Absicht war, sich zu vertheidigen oder zu versuchen, seinen Gegner zu entwaffnen, und doch war das Unglück geschehen.
Fähnrich von Dylow war zu Boden gestürzt, unb im nächsten Augenblick hatte er das todtenbleiche Gesicht der Schwester sich über ihn beugen sehen, während eine Schar von Gästen und mit ihnen der deutsche Chirurg der Garnison hinzugeeilt waren.
Er hatte nicht gewagt, Alice anzureden — oder sich zu vertheidigen. Das Unglück hatte ihn überwälligt — und nach einer kurzen Erklärung dem Gouverneur gegenüber hatte er die Gesellschaft verlassen. ----
Mr. Joachim, der an dem verhängnißvollen Abend unerlaubterweise an Land gegangen war, hatte sich auch am folgenden Morgen nicht an Bord des Ostindien- fahrers zurückgefunden. So erhielt der dritte Steuermann vom Kapitän den Befehl, den Vermißten aufzu- suchen.
Da Mr. Joachim an der Brücke des Forts die Schaluppe verlassen hatte, so mußte er sich wahrscheinlich in dem einen ober andern der Schenklokale befinden, die der Garnison wegen innerhalb des FortgebietS geduldet wurden. Der Steuermann legte an der erwähnten Brücke an und ging mit 4 Mann ans Land, um seine Nachforschungen anzustellen. Knud mußte als Jüngster bei dem Boote bleiben. Er hatte gerade mit Hilfe des Segels sich ein schützendes Dach gegen die tropische Sonne zurecht gemacht, als eine junge Dame auf der Brücke erschien, begleitet von einer ungewöhnlich schlanken Dienerin, die einen riesigen bunten Sonnenschirm aus kunstreichem Baumwollgewebe über ihre Herrin hielt. (Fortsetzung folgt.)
— (Gedankensplitter.) Die Zukunft manche« Menschen scheitert an seiner Vergangenheit. — Bei vielen Menschen ist der einzige Berührungspunkt die Abneigung.