Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonneinentspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.

/.....-^ ........ .......M

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.

Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender

Rabatt.

... J

ersselkr Srei^latt

Gratisbettassn:3Utistritte» Konnragsblstt^^ «.3lMtrtrtt landwirthfehaftliche Beilage".

Sr. 18. Sonntriiüg Den 10. Februar 1808.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Somitagsblatt" -.-. Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 7. Februar 1898.

Am Donnerstag nach dem Sonntage Sexagesimae, dem sogenannten Vratentag, werden von einem Theil der Schulkinder den Lehrern Geldgeschenke gebracht. Ebenso werden von den Eltern schulpflichtiger Kinder sog. Re­ceptionsgelder beim Einfuhren der Kinder zur Schule an die Lehrer gezahlt

Die Königlichen Herren Ortsschulinspektoren ersuche ich um gefällige Mittheilung, ob und in welchen, Umfange derartige Geschenke an die Ihnen unterstellten Herren Lehrer etwa gezahlt werden, sowie welchen Ursprungs diese Geschenke sind, und ob die s. g. Bratengelder nicht etwa dem Lehrer in seiner Eigenschaft als Küster über­reicht werden

I. I. Nr. 647. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Hersfeld, den 7. Februar 1898.

Die Herren Ortsvorstände zu:

Eichhof, Holzheim, Meckbach, Meisebach, Oberhaun, Oberrode, Rohrbach, Sorga, Tann und Wilhelmshof werden hierin,t an die sofortige Einreichung der Rekru- lirungs-StammroUen mit Frist bis zum 12. b. MlS. erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Bekanntmachung.

Die Interessenten der Ludolph'schen Familienstiftung weiden auf die diesseits in dem Amtsblatie der König­

Unter der Kaperflagge.

Sce-Roman von GonfhnthK Flood.

(Fortsetzung.)

Es gingen zu jener Zeit eine Menge Steine hinüber nach Holland für die Deiche. Die Holländer holten sie in ihren eigenen Kausfahrern, während sie gleichzeitig die Gelegenheit benutzten, um große Mengen holländischen Branntweins einzuschmuggeln.

Drinnen im Hafen war es eine ständige Gepflogen­heit, den Branntwein in Wafsersäffern aus Land zu bringen, unter dem Vorwand des Wasserholens, bis der Zollbeamte eines Tages den Geneverdunst gerochen hatte und den Spitzbuben einen Dämpfer aufsetzen wollte.

Er war listig nach dem Holländer hinausgefahren, ohne Zollflagge oder irgend etwas anderem, nur mit seinem Mädchen im Boot. Dann legte er plötzlich an der Seite an, während eine große Wassertonne gerade am Krähn befestigt wurde, um in das Holländerboot hinabgelassen zu werden.

Veiblüfsung bemächtigte sich der Mannschaft an Bord des Schmugglers. Es galt, die Waffertonne wieder an Deck zu bringen; allein durch ein verkehrtes Manöver schwang der Krähn zur Seite und die schwere Waffer­tonne fiel in das Zollamttzboot hinab, das kenterte und den Boden nach oben wendete.

Knud hatte das ganze Manöver drinnen auf der Brücke gesehen. Das Fahrzeug lag nur etwa zehn Faden

lichen Regierung zu Süffel heute erlassene Bekanntmach­ung, betreffend Anmeldung der Ansprüche an den Zinsen­genuß der Stiftung, hierdurch aufmerksam gemacht.

Rotenburg, den 31. Januar 1898.

Der Königliche Landrath v. Trott.

Gefunden: zwei Säcke. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Allmershausen.

Gesunden: ein Hammer. Meldung des Eigenthümers bei den, Ortsvorstand zu Sorga.

Nichtamtlicher Theil.

IeiltschlliilS und der Weltmarkt.

Der Organismus der deutschen Volkswirthschaft hat seit der Mitte dieses Jahrhunderts bedeutende Verände­rungen erfahren. Die Bevölkerung ist außerordentlich ge­wachsen, Industrie und Handel haben ein zahlenmäßiges Uebergewicht über die Landwirthschaft gewonnen, und die deutsche Urproduktion vermag kaum noch in einem ihrer Zweige die Bedürfnisse der gestiegenen Bevölkerung zu ; decken. Eine soeben erschienene, mit Geist und umfassen­der Sachkenntniß geschriebene Abhandlung von Dr. Paul Voigt legt im einzelnen dar, wie weitreichend und tief­gehend bereits die Beziehungen sind, welche die nationale Volkswirthschaft Deutschlands mit der Weltwirthschaft verknüpfen. Auf Grund sorgfältiger Berechnungen kommt er zu dem Ergebnisse, daß der gegenwärtige Fehlbetrag der land- und forstwirthschaftlichen Produktion in Deutsch­land mit seinen zwei Milliarden Mark an Werth schon ein Viertel des Bedarfs oder ein Drittel der nationalen Eigenproduktion darstellt. Die Ernährung von rund 13 Millionen Menschen beruht ausschließlich auf der Ein­fuhr.

Die Sachlage aber gewinnt ein noch ernsteres Ansehen, wenn man bedenkt, daß außer den 2 Milliarden für un­entbehrliche Lebensmittel weiter ein Import von Roh­stoffen und Halbfabrikaten in Höhe von rund l1/, Mil­liarden unerläßlich ist, um der Industrie Beschäftigung zu gewähren.Mehr als 10 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte unserer Industrie-Bevölkerung wäre ohne unsere Rohstoff-Einfuhr brotlos." Bezahlt wird dieser Einfuh,bedarf an Lebensmitteln und Rohstoffen mit Fabri­katen, den Erzeugnissen unserer Industrie. Bis jetzt hat sich der Austausch ohne Störungen vollzogen, aber uns fehlt jede Sicherheit dafür, daß dies auch in Zukunft

I weit draußen, und für Knud waren ein Sprung von der Brücke und einige Züge mit den Armen, um an die Seite des Holländers zu kommen, nur eine Kleinigkeit. Zehn Minuten später waren her Zollbeamte und Elisa l wohlbehalten auf trockenem Boden und drinnen in Frau Ellingsens Stube.

Es wäre zu weit gewesen, sie hinüber nach dem Zollhause zu bringen, und Knud schien Elisa nicht be­sonders ungerne nach Hause zu tragen, wo sie trockene Kleider anzog.

Alma Ellingsen war zwar ein gut Theil beleibter und größer, aber Elisa konnte doch zur Noth ihre Kleider gut gebrauchen, um darin heimzukehren.

Am folgenden Tage kam Elisa selbst mit den Kleidern herüber und hatte wahrscheinlich auch die Absicht, Knud für die Hilfe Dank zu sagen. Aber er war allzu stolz, sich sehen zu lassen und den Dank für seine That ent- gegenzunehmen. Er hatte sich in die Küche zurückgezogen, wo er pfeifend auf- und ab ging, während Elisa in der Stube war, bis sie auf einmal vor ihm stand.

Er hatte eine Empfindung, als wenn etwas Warmes in sein Gesicht stiege; aber es war jedenfalls diesmal nicht seine Sache, das Wort zu führen. Er konnte sich vollkommen abwartend verhalten, da es bei dieser Gelegenheit an ihr war, zu sprechen. Knud brauchte nur einige Pfiffe hören zu lassen, während sie davon sprach, wie stark er sei, wie wunderbar es wäre, daß er sie unter den, Wasser habe sehen und wiederfinden und

stets der Fall sein wird.Wir haben", sagt Voigt, nirgends ein unbedingt sicheres Absatzgebiet, das gleich­zeitig das Defizit unserer Urproduktion decken könnte. Wir haben uns ohne genügende Rüstung hinausgewagt auf das Meer, ohne im stände zu sein, die für uns un­entbehrliche Ausfuhr und Einsuhr vor Störungen zu sichern." Jede länger dauernde Unterbindung des Han­dels, der größtentheils auf dem Seewege unsere welt- wirthschaftlichen Beziehungen regelt, müßte Deutschland in die allerschwerste Bedrängniß stürzen.

So führt die Erkenntniß der Abhängigkeit Deutsch­lands vom Weltmärkte mit größter Folgerichtigkeit zu der Ueberzeugung von der Nothwendigkeit einer starken deut­schen Flotte. Die Ernährung unserer Bevölkerung ist zum guten Theil auf die überseeische Einfuhr angewiesen, die Rohstoffe für unsere Industrie kommen auf dem See­wege zu uns, unsere Ausfuhr von Fabrikaten, mit denen wir den Import bezahlen, geht den gleichen Weg, Mil­liarden deutschen Kapitals stecken in entlegenen Ländern, immer drohender gestaltet sich die Konkurrenz der übrigen Mächte, immer stärker und schärfer wird die Anspannung der Kräfte, welche der Wettbewerb auf dem Weltmärkte erfordert. Dazu treibt uns eine außerordentliche Volks­vermehrung mit eherner Nothwendigkeit über die Meere. Aus alledem ergiebt sich die Richtigkeit der Ansicht Voigts, der zufolge gegenwärtig die Aufrechterhaltung und Stär­kung unserer wirthschaftlichen Machtstellung in der Welt die erste und wichtigste Aufgabe aller deutschen Politik ist. Ihr dient aber als hervorragendes Mittel eine leistungsfähige Flotte, wie solche durch das Flottengesetz zum Heile unseres Vaterlandes in Aussicht genommen worden ist. w.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 8. Februar.

Ihre Majestäten der Kaiser und die K a i s e r i n fuhren heute Morgen bei Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich vor und unternahmen danach einen Spazier- gang im Thiergarten. Später hatte Se. Majestät der Kaiser Besprechungen mit dem Staatssekretair des Reichs­amts des Innern, Staatsminister Dr. Grafen v. Posa- dowsky, und, daran anschließend, mit dem Staatssekretair des Auswärtigen Amts, Staatsminister v. Bülow. Als­dann hörte Se. Majestät die Vorträge des Chefs des Militairkabinets, Generals v. Hahnke, und des Majors

dann bis nach Hause tragen können, nachdem er mit ihr ans Land geschwommen sei.

Knud stand mit überlegener Ruhe da und hörte sie an, mährend sie sich ganz roth redete.

Er stand offenbar in einer Heldenglorie vor ihr, die jede weitere Bemühung von seiner Seite, ihr Vertrauen zu gewinnen, unnötbig machte.

Seit jenem Mißerfolg im Zollhause hatte sich Knud keineswegs ganz wohl gefühlt, so oft er an des Zollbe­amten Elisa dachte, das bleiche kleine Ding, das aussah, als ob es weder Licht noch Luft gehabt hätte, i das aber Knud seit jenem Besuche gleichwohl fast jeden Tag zu sehen bestrebt war, mehr als irgend ein anderes , Ding in der Welt.

Er hatte sogar auf mancherlei Weise versucht, sie aus dem Zollhaus« zu locken.

Er war an einem der ärgsten Sturmtage mit einem der Lotsenfahrzeuge hinausgefahren, hatte als einziger Mann im Boot hin und her gekreuzt und war so nahe an das Zollhaus heran gestrichen, als das Fahrzeug nur schwimmen konnte. Eines andern Tages war er auf der Topsegelraa des Holländers hin und her spaziert und dann auf den Flügelknopf hinauf gestiegen; aber wer sich nicht sehen ließ, das war Elisa.

Nun hatte endlich ein glückliches Geschick ihm Genug­thuung für die dumme Geschichte verschafft.

Aber worauf er nicht gerechnet hatte, das war schließ-