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Gkatisbeilagen:IllnstrikteS SonntagrblaLL" «.^ttufirtrte iandwirthschaftttche Beilage".

Nr. 15. ZoNerstlis Um 1 Februar 1198.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Austrittes Sonntagsblatt" ^ Illustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersseld, den 31. Januar 1898.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 30. Mai 1879, I. Nr. 6474 (Kreisblatt Nr. 44), das Einbinden der Kreisblät­ter betreffend, im Rückstände sind, werden hierdurch, m i t Frist bis zum 6. Februar d. I s. b e i M e i - dung von 3 Mark Strafe, hieran erinnert.

I. 563. Der Königliche Landrath

Freiherr von S chl e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den l. Februar 1898.

Den Herren Ortsvorständen der in Betracht kommenden Gemeinden wird hierdurch mitgetheilt, daß die Liquidationen über die von dem Forst-Fiskus zu zahlenden Ge- meindeumlagen nicht mehr dahier, sondern bei dem be­treffenden Revierverwalter (Oberförster) direkt einzureichen sind. Dagegen sind die Liquidationen über die von dem Domainen-, Eisenbahn-, Justiz- rc Fiskus zu zahlenden Gemeinde-Umlagen nach wie vor bei mir einzureichen und wird alsdann das Erforderliche von hier aus ver­anlaßt werden.

Schließlich wird noch darauf aufmertfam gemacht, daß sämmtliche Liquidationen spätestens vor Ablauf des Elalsjahres eingereicht werden müssen.

1. 279. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Ralh.

Hersfeld, den 28. Januar 1898.

Die unter dem Rindvieh des Gutsbesitzers Eduard

(Großtante Helene.

Von H. Keller-Jordan.

(Fortsetzung.)

Ich erwiderte nichts, und da er wußte, daß ich keine gehässigen Bemerkungen gegen seine Stiefmutter duldete, so schwieg auch er. Gegen Abend hörte ich das bekannte Heulen Plutos, mit dem er seinen Herrn begrüßte, und bald nachher die laute, ärgerliche Stimme Hermanns. Ich ging hinunter, um zu hören, was ihn, der immer dre Güte selbst war, bewegen könnte, sich so seinem Zorne zu überlassen. Ich fürchtete, da Constanze nicht zu Hause war, man habe ihm vielleicht seine Zimmer nicht gewärmt ober den Kaffee vergessen, den er nach Jägerart stets vor jeder Mahlzeit trank, wenn er aus dem Walde kam.

Er befand sich, als ich hinunterkam, in dem eleganten mit tropischen Gewächsen ausgeschmückten Zimmer, welches das Entree zu den Gesellschafts-Räumen Constanzes bildete. Seine Stiefel waren bis hoch hinauf beschmutzt, und sein Rock triefte von dem stundenlangen Regen, den er aus­gehalten hatte. Sein Gesicht war bleich, und er hatte sich schmutzig und naß, wie er war, auf die himmelblaue Sammet-Chaiselongue geworfen, die hinter zwei hohen Orangenbäumen stand.

Aber, Hermann, was ist dir?* rief ich.Warum wechselt du nicht die Kleider in deinem durchwärmten Zimmer und erquickst dich mit einer Tasse marinen Kaffees?"

Er lachte bitter.

Zimmermann zu Hof Kühnbach ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.

I. I. Nr. 526. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

UichlamMcher Theil.

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Landwirthschaft, Industrie und Handel stellen die drei größten und wichtigsten Erwerbsgruppen dar. Das Heil der Zukunft beruht auf ihrer Verständigung und Einigkeit. Dazu aber ist es erforderlich, daß ein Stand die Lebens-Bedingungen des andern achtet, und daß über die gegenseitigen Äbhängigkeits-Verhältnisse, über das wechselseitige Stützen und Getragensein völlige Klarheit herrscht. Während es nun erfreulicherweise den An­schein hat, als ob die Erkenntniß von der Jnteressen- Harmonie zwischen Landwirthschaft und Industrie bei den betheiligten Kreisen in täglich wachsendem Maße zunähme, macht sich zwischen Landwirthschaft und Handel leider noch vielfach eine weit sehende Entfremdung be­merkbar. Daß hieraus nur den Interessen der Gesammt­heit Schaden erwachsen kann, liegt auf der Hand, und Pflicht jedes Vaterlandsfreundes ist es daher, an seinem Theile auf Besserung dieses Verhältnisses htnzuarbeiten.

Schuld an filier derartigen Sachlage trägt auch hier wie aus so vielen Gebieten unseres öffentlichen Lebens, vor allem die leidige Verallgemeinerungs-Sucht, die den Splitter im Auge des Nächsten zum Balken vergrößert und aus einzelnen Mißbräuchen und Auswüchsen als­bald ein tadelndes Gesammturtheil herleiten zu bürfen glaubt. Daher aus der einen Seite die ewigen Schlag- morte vonBörsenjobbern" undSpekulanten", auf der andern diejenigen vonagrarischen Beutepolitikern" und ähnliche. Nichts erscheint unrichtiger, hüben wie drüben. Man fasse statt dessen doch lieber einmal die realen Zusammenhänge zwischen Landwirthschaft und Handel ine Auge, man mache sich die Vortheile klar, die der Landwirth vom Handeltreibenden und umgek-hrt hat, und man wird bald nicht mehr geneigt sein, in das fortdauernde Kriegs- und Kampsesgeschrei mit einzu- stimmen.

Zunächst das Verhältniß von Landwirthschaft und Klein- oder Binnenhandel. Je dichlmaschiger sich das

Kleider wechseln, Kaffee trinken und an was du nicht alles denkst! Die gnädige Frau kümmert das wenig, und sie scheint trotz meines Verbotes hinüber zu Thiemes gefahren zu sein, wo Herr von Seiten sie wohl erwarten wird. Wie kann man glauben, daß sie bei einer so angenehmen Aussicht daran denken könne, ihrem Manne ein Zimmer Heizen zu lassen, ein Mittagessen aufzubewahren oder gar für Kaffee zu sorgen, bleibt sich auch gleich! Einmal muß ja doch der Bogen springen, einerlei wann!"

Und wieder klang dieses schreckliche, hohle Lachen durch das Zimmer, daß ich von seinen Lippen noch nie gehört hatte. Bald darauf kam Karl eiligst mit ge­wärmten Pantoffeln, kniete vor seinem Vater hin, zog ihm, trotz seines Widerstrebens, die nassen Stiefeln von den Füßen und sagte energisch :Komm, Vater, in Tante Helenes Zimmer, ich habe Feuer angemacht. Da kannst du die Kleider wechseln, indessen sie den Kaffee bereitet; ich habe schon lange unten in der Halle am Fenster ge­sessen und dich erwartet!"

Hermann legte gerührt den Arm um seines Sohnes Hals und ließ sich hinauf in den Erker führen.

Als ich später hinauf kam, saß Hermann in trockenen Kleidern in der Sofaecke.

Weißt du, Helene," sagte er, nachdem er gegessen hatte,du haltest doch recht; ich glaube, das feuchte Zimmer drüben hat meiner Brust geschadet, und ich muß Constanze bitten, sich für den Winter mit den Ge- sellschaftS-Zimmern einzuschränken und mir mein früheres

Netz lokaler Verkehrs-Beziehungen gestaltet, um so besser für beide, den Landwirth sowohl wie den Kaufmann. Der Handeltreibende der zahlreichen Landstädte hat ein unmittelbares Interesse an der Kaufkraft der ländlichen Bevölkerung, und dem Landwirthe ist mit nichts mehr gedient, als wenn ihm für den Absatz seiner Produkte jeder Zeit die wirksame Vermittler-Thätigkeit eines leistungsfähigen Kaufmannsstandes zur Seite steht. Denn sein Beruf erfordert so sehr einen ganzen Mann, daß ihm jede Entlastung nach der Seite des Absatzes seiner Produkte, jede Befreiung von der Nothwendigkeit zeit­raubenden Aufsuchens günstiger Markt-Gelegenheit nur aufs höchste willkommen sein kann.

Aber auch Groß- oder Ausfuhrhandel und Landwirth­schaft sind auf einander angewiesen und bedingen sich gegenseitig. Es ist eine weitverbreitete falsche Ansicht, daß die heimische Landwirthschaft gegenwärtig nicht mehr an der Warenausfuhr betheiligt sei. Ganz das Gegen­theil ist der Fall. Nur in dem verhältnismässigen An­theil der einzelnen landwirthschaftlichen Produkte an der Gesammtausfuhr ist eine Verschiebung eingetreten; die landwirthschaftlichen Nebenprodukte, wie Zucker und Branntwein, nehmen heute gegenüber den Cerealien die entscheidende Stelle ein. Unsere landwirthschaftliche Gesammtausfuhr aver stellt noch immer einen Werth von über 360 Millionen Mark jährlich dar. Dieser Ausfuhr wollen doch die Wege geebnet und in dem er= bitterten Konkurrenzkämpfe auf dem Weltmärkte die alten Absatzgebiete erhalten und ständig neue erschlossen sein. Hier tritt die bahnbrechende Pionierarbeit des Groß- kaufmanns auch für die vaterländische Landwirthschaft in ihrer vollen segensreichen Wirksamkeit zu Tage. Anderseits aber sind die großen Produktions-Mengen des heimischen Ackerbaus auch für den Ausfuhrhandel wieder ein Mittel des Gewinns, ein Hebel des Gedeihens.

Wozu also die gegenseitige Befehdung? Landwirth­schaft und Handel sind beides nothwendige und wahl­berechtigte Glieder der nationalen Produktion. Ihr Verhältniß zu einander aber ist nicht dasjenige des ein­seitigen Gebens ober Nehmens, sondern das einer gegen­seitig befruchtenden und fördernden Wechselwirkung, w.

Politische Nachrichten.

Berlin, 1. Februar.

S e. Majestät der Kaiser nahm gestern, wie

wieder einzuräumen. Die Gesellschaften können ohnehin so nicht weiter gehen, wie bisher. Du glaubst nicht, Helene, wie viel Geld ich ausgegeben habe in den letzten Jahren. Und schließlich ist es ja nicht mein Geld, sondern Karls, das ich ausgebe!"

Er erhob sich und ging in Gedanken versunken mit großen Schritten im Zimmer hin und her.

Nach einer langen Weile blieb er vor dem Bilde Arabellas stehen, seine Züge wurden weicher.

Wenn ich noch sagen könnte, daß die unteren, ele- gantern Räume behaglicher wären, als diese hier, und daß uns das tolle Leben einen nachhaltigen Genuß ge­währte, aber dem ist nicht so, ganz und gar nicht, Helene! Und es soll auch anders werden, und zwar gleich! Ist eine von den Mägden da oder der Diener, damit man das untere Eckzimmer für mich einräumen könnte? Es ist das einzige, das einen besonderen Ein­gang vom Portal aus hat. Ich will nicht mehr in dem feuchten Neste arbeiten, und zwar werde ich die Sache in Ordnung bringen, bevor noch Constanze nach Hause kommt!"

Ich sagte nichts. Ich war froh, daß er überhaupt in ein gesundes Zimmer kam; daß es nicht ohne Scenen von feiten seiner Frau abginge, dessen blieb ich mir bewußt. War es aber einmal geschehen, so ließe sich nichts mehr ändern, das sah ich in den entschlossenen Zügen Hermanns, mit denen er jetzt mit eines Dieners und meiner Hilfe an die Arbeit ging.

Karl übernahm das Herübertragen und Ordnen der