y 1 ■ -- -- - 7------.- ---^
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
AbonnementSpreis
vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg,
excl. Postaufschlag.
\---^^......7- ...^-^------ ■ .
* ........ ~~ .......... |
Die Jnsertionsgebühren
betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.
Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. ........
HersselKr teM.
Gratisbeilagen: „Jllnftrirtes SsnnLagsblatt" n. „Illuftrirte lanvwirthschaftliche Beilage", «r. 13. Csiliiiibeiih öt» 29. Zmm 1898.
Erstes Statt.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" „Wustrirte landivirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Wiesbaden, den 6. Januar 1898.
In Weidenhausen, Kreis Biedenkopf, hat sich im Jahre 1894 unter dem Voisitze des dortigen Bürgermeisters ein Verein gebildet, welcher die Erweiterung der dortigen evangelischen Kirche oezweckte und durch Vertrag dem Carl Poths zu Wiesbaden, Moritzstraße wohnhaft, gegen Zahlung von 100 Mark pro Monat den Alleinverkauf von Bildern zwecks Erweiterung seines Kirchenbaufonds übertrug.
Es ist mir nun wiederholt berichtet worden, daß durch Vertreter des Poths Bilder verkauft werden, welche den Stempel evangelische Kirchengemeinde Weidenhausen, Kreis Biedenkopf, trugen, ohne daß die Kirchengemeinde Weidenhausen dieses erlaubt hätte. Ferner sollen die Vertreter des Poths bei dem Feilbieten der Bilder den Käufern vorgeschmindelt haben, daß der Verkauf der Bilder für Rechnung der evangelischen Kirchengemeinde Weidenhausen zum Besten ihres Kirchenbaufonds erfolge, während thatsächlich der Verkauf für Rechnung des Poths erfolgte. Auch sollen die Vertreter des Poths, vermuthlich auf seine Veranlassung, für den Kirchenbau in Weidenhausen Kollekten veran- staltet haben, obgleich ihm niemals eine Erlaubniß zum kollektieren ertheilt worden ist.
Durch Ausbeutung der Wohlthätigkeit in vocge-
Großtante Helene.
Von H. Keller-Jordan.
(Fortsetzung.)
Ich war am Kamine mit dem Kaffee beschäftigt, den ich erst dann aufgießen wollte, wenn das Brautpaar sichtbar war. Da hörte ich Pferdegetrappel. „Kommen sie, Karl?" fragte ich.
Der Knabe antwortete nicht. Er starrte regungslos hinab in den Hof. Ich trat hinter ihn. Unten stand Hermann, der sich eben leicht vom Pferde geschwungen hatte, und hob eine Dame aus dem Sattel, die mich in jeder Beziehung frappirle.
Eine Brünette mit schwarzen Gluthaugen, dunklem Teint und regelmäßigen Zügen; die Haare waren in einem Knoten verschlungen und lagen tief im Nacken. Dieser schöne Kops wurde von einer vollen, hochgewachsenen, tadellosen Gestalt getragen.
Als sie an seinem Arme hing, warf sie einen prüfenden Blick über das Schloß, das malerisch zwischen den blühenden Kirschbäumen lag. Als sie in das Portal getreten waren, berührte ich Karls Schulter, der noch immer regungslos sein Gesichtchen gegen die Scheiben gedrückt hielt.
„Komm, Karl, wir wollen dem Papa entgegen gehn!" Von Constanze schwieg ich, denn mein Gefühl sträubte sich dagegen, diese Dame jetzt schon seine Mutter zu nennen.
„Aber die Frau ist nicht meine Mama, Tante Helene, nicht wahr?" Das Gesicht des Knaben war bleich, als
schilderter Art werden die ordnungsmäßigen Kollekten überall erheblich geschädigt, weshalb ich Euer Hochwohl- geboren hiervon zur eventuellen weiteren Veranlassung und mit dem Ersuchen in Kenntniß setze, die Ertheilung etwa beantragter Wandergewerbescheine den Vertretern des rc. Poths möglichst zu versagen, auch die polizeilichen Organe entsprechend zu verständigen und sie anzuweisen, bei bezüglichen zu ihrer Kenntniß kommenden Fällen von strafbaren Handlungen unverzüglich der Staatsanwalt- fchast Nachricht zu geben.
Die Auslösung des zwischen dem Kirchenbauverein zu Weidenhausen und dem rc. Poths abgeschlossenen Vertrages wird schleunigst herbeigeführt werden.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: (Unterschrift).
An den Herrn Regierungs Präsidenten zu Cassel.
* * *
Cassel, den 14. Januar 1898.
Abschrift zur Kenntnißnahme.
Der Regierungs-Präsident. Haussonville.
An den Herrn Polizei - Präsidenten hier und sämmtliche Herren Landräthe des Bezirks A. II. 351.
* * *
Hersfeld, den 26. Januar 1898.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Gendarmerie des Kreises zur Nachachtung^nitgetheilt.
I 494. Der Königliche Landralh
Freiherr von Schleinitz, __________________________(geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 25. Januar 1898.
Die Herren Standesbeamten des diesseitigen Kreises werden an die Einreichung der Neben-Register pro 1897 hiermit erinnert mit F r i st b i s zum 3. Februar 1 8 9 8.
A. 230. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath
DlichtamMcher Theil.
Kaisers Geburtstag.
Wie alljährlich ertönten auch heute mit der Reveille der Schloßmache von der Rotunde der Schloßkuppel herab die Choräle: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" und „Allein Gott in der Höh sei Ehr",
er sich jetzt umwandte und vom Stuhle glitt. Noch ehe ich antworten konnte, öffnete ein Diener die Thüre, und ich stand der Dame gegenüber, die in Zukunft Arabellas Stelle entnehmen sollte.
Sie neigte kalt und vornehm ihr Haupt, als Hermann meinen Namen nannte. Karl, den ich in den Vordergrund drängen wollte, verbarg sich scheu hinter mir, und sein Vater mußte ihn mit Gewalt hervorholen.
„Sieh, mein Junge," sagte er vergnügt, indem er bald auf mich sah, bald auf das schöne Weib, das er die Seine nennen sollte, gleichsam als wolle er den Eindruck prüfen, den solche Schönheit auch auf mich hervorbringen müsse, „steh, das ist deine neue Mama! Gefällt sie dir nicht?"
Der arme Kleine legte widerstrebend seine Hand in die Constanzes, sah scheu in ihr Gesicht, und eine Thräne nach der andern fing an, über das Gesichtchen zu rollen, das sonst nur zu lächeln verstand.
„Gefällt dir deine Mama nicht, Karl?" wiederholte sein Vater.
Der Knabe wandle sich um, blickte auf das Bild Arabellas, das über Hermanns Schreibtisch hing und sagte schluchzend: „Die ist meine Mama, ich will keine andere!"
Das hatte Hermann wohl nicht erwartet. Er sah ängstlich in Constanzes Gesicht und sagte sanft, indem er ihre Hand ergriff: „Der Kleine wird sich schon daran gewöhnen. Du wirst ihm sein unartiges Benehmen nicht anrechnen, Constanze, nicht wahr?"
Der boshafte Blick, der einen Augenblick den Augen
i geblasen von dem Trompeterkorps des Garde-Kürassier- regiments. Die Wachen und Posten hatten Paradeanzug mit Haarbusch angelegt und auf dem alten ehrwürdigen Bau des Hohenzollernschloffes stiegen die Standarten des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen und des Markgrafen von Brandenburg empor. Bei Tagesgrauen hatten sich die Linden schnell belebt; Alles drängte, um den Ausmarsch der Musik zum großen Wecken nicht zu versäumen. Im Schloßhofe hatte der Tambour vor der Wache den Wirbel geschlagen, als sich die Thore des Portals I unter den Wohnräumen des Kaiserpaares öffneten, aus dem in langsam feierlichem Schritt die Spielleute der 2. Garde - Jnfanteriebrigade mit den Hoboisten des Garde-Füsilierregiments unter Führung eines berittenen Adjutanten herauszogen. Die schrillen Töne der Pfeifen mischten sich mit dem Trommelwirbel, und nachdem die eintönige Melodie sich mehrmals wiederholt hatte, spielte die Musik das bekannte Lied: „Freut Euch des Lebens". Dies wechselte auf dem Wege bis zum Brandenburger Thor, wo Kehrt gemacht wurde. Als dies Schauspiel um 9 Uhr beendet war, bot sich dem Publikum ein anderes Bild. Königliche Wagen rollten über den Platz am Lustgarten und über die Schloßfreiheit, die Galawache der Gardes du Corps und die Leibwache der Kaiserin Maschinen ihr-m Bestimmungsorte zu, und in größeren uub kleineren Abtheilungen passirten die Kirchgänger der Regimenter. Inzwischen hatte sich der erste Akt der Geburtstagsfeier im Kreise der Kaiserlichen Familie vollzogen. Noch bevor die Glocken der Schloß- kapelle zum Gottesdienst zu läuten begannen, hatte die Gala-Auffahrt der Fürstlichkeiten, soweit sie nicht im königlichen Schlosse wohnen, ihren Anfang genommen. Eine große Zahl königlicher Gala-Equipagen kamen vom Palais der Kaiserin Friedrich, in dem deren nächste Verwandte sämmtlich abgestiegen sind. Spitzenreiter und Leibkutscher trugen die schwarzsammetne Jockeymütze über der gepuderten Perrücke, die Leibjäger auf der Lakeien- brücke den Dreimaster mit hohem weißen Busch, die Mähnen der feurigen Trakehner waren mit roth-weißer oder blau-weißer Chenille durchflochten, von blauem Tuch mit Franzen und dem darauf gestickten Wappen waren die Bockdecken und die Quasten an den Wagenecken. Ebenfalls in höchster Gala fuhren die Botschafter und die reichsständischen Fürsten auf. Nachdem Se. Majestät die Glückwünsche seiner Umgebung, des persönlichen Dienstes, der General- und Flügeladjutanten, seiner er-
des Knaben gefolgt war und auf Arabellas schönen Zügen geruht hatte, wich schnell dem alten, liebenswürdigen Ausdrucke, den sie anzunehmen verstand, sobald sie mit Hermann sprach. Aber mit einer Stimme, in deren Klang nichts von Güte und Weichheit lag, sagte sie, indem sie einen kühlen und verächtlichen Blick über meine Gestalt gleiten ließ: „Sprich nicht davon. Lieber! Wie sollte ich dem harmlosen Kinde nachtragen, wofür es selbst nicht verantwortlich ist. Diese Worte kamen sicher nicht aus seinem eignen Herzen!" Sie versuchte noch einmal, sich schmeichelnd dem Knaben zu nähern, der sie aber diesmal noch entschiedener zurückstieß und aus dem Zimmer lief. Ich schenkte den Kaffee ein, ordnete den Kuchen auf den Trsch und verließ dann, da mich niemand aufforderte zu bleiben, das Zimmer. Ich hörte von meinem Schlafzimmer aus, wo ich meinen kleinen Flüchtling fand und ihn zu beruhigen suchte, daß Hermann später mit Constanze durch alle Zimmer ging, Ich athmete auf, als sie wieder weggeritten waren.
Am andern Tage kamen die Arbeiter von Nagon und begannen, unsere Erkerwohnung umzubauen, so wie sie heute noch ist, und wie sie deinen Roderich entzückte, als er sie zum ersten Male als unser Gast bewohnte. Wir zogen hinauf, dein Vater und ich, und haben uns so wenig wie möglich um das Leben in den untern Räumen gekümmert, dessen Getöse oft noch mitten in der Nacht zu miß heraufdrang.
Vier Wochen nach dem oben erwähnten Tage war Hermanns Hochzeit mit Fräulein Constanze v. Thieme.
Die letzten Tage vor ihrer Ankunft hier im Schloß