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15/2 Gramm zu dem Portosatze einfacher Briefe be­fördert würden, ist soeben von der Ober-Postdirektion BreSlau widerlegt worden. Dort hatte ein Kaufmann einen einfach frankirten Brief erhalten, auf welchem von der bestellenden Postbehörde der^Vermerk bezüglich Straf­porto von 20 Pfg. gemacht war. Er wog den Brief nach und ermittelte ein Gewicht von genau 15 */2 g. Nunmehr erhob er wegen des geforderten Strafportos Beschwerde und verwies auf eine angeblich existirende Verfügung, wonach Briefe bis zu 15'/, g Gewicht für das einfache Porto zu befördern seien. Die Ober-Post- direktion erwiderte hierauf, daß die angezogene Ver­fügung nicht existtre. Stillschweigend würden Briefe mit einem Uebergewicht von einschließlich 4/10 g zum einfachen Satze befördert. Für Briefe von 15*/^ g müsse jedoch Strafporto erhoben werden, wenn sie nur mit 10 Pfg. frankirt seien.

Treysa, 25. Januar. Gestern Abend brannten in Holzburg 3 Wohnhäuser und 2 Scheuern nieder. Das Feuer soll in einem Ziegenstall auSgebrochen sein. Bei der Stadtverordnetenwahl wählen in der ersten Klaffe 16, in der zweiten 48 und in der dritten Klaffe 272 Wähler.

Cafleb 25. Jan. Gestern Nachmittag verunglückte in der Heuschel'schen Fabrik der Eisendreher M. aus Wehlheiden, indem demselben bei seiner Thätigkeit ein Eisenstück abflog und derart in den Leib eindrang, daß er furchtbare Verletzungen davontrug. Der Verunglückte wurde alsbald nach dem Landkrankenhause überführt, sein Zustand soll bedenklich sein. (T.)

Hanau, 16. Januar. Ein tragischer Vorfall er­eignete sich in unserer Nachbargemarkung Großauheim. Am Sonnabend früh wurde nämlich daselbst auf dem Bahndamm die Leiche des Gerichtsschreiber-Aspiranten Cornelius Böttinger aus Seligenstadt von einem Bahn­wärter aufgefunden. Am Tage zuvor war der 25 Jahre alte Beamte in Amtsgeschäften in Mainflingen, gegen Abend verabschiedete er sich von dem ihn begleitenden Gerichtstaxator, fuhr nach Kahl und beabsichtigte sich nach Kleiu-Krotzenburg zu begeben, behufs Abstattung eines Besuche». Es wird nun angenommen, daß der mit einem Angenübel behaftete junge Mann in der stock­finsteren Nacht vom Wege abkam, auf den Bahnkörper gerieth und hier von dem Zuge überrascht, von der Ma­schine stark gestreift und zur Seite geschleudert wurde, sodaß der Tod eintrat. Die Annahme eines Selbstmor­de» erscheint vollständig ausgeschloffen.

Gensungen, 23. Januar. Herr Maurermeister Klöppe zu Mühlhausen (Kreis Homberg) hatte vor länge» rer Zeit am Heiligenberg Bohrungen nach Braunkohlen angestellt, welche sehr günstig ausgefallen sind, so daß nunmehr seit geraumer Frist did Braunkohle bergmän­nisch zu Tage gefördert wird. Die Kohlenlager sind von mächtiger Größe, auch die Kohle selbst soll von guter Beschaffenheit sein.

FrLttkeRau 22. Januar. Ein Tagelöhner von hier wollte kürzlich seine Frau abholen, welche sich im Bezirke Vöhl auf dem Tauschhandel befand. Bei Schmittlotheim wurden die Eheleute jedoch uneinig, so daß sich Sch. trotzig weigerte, mit seiner Frau die Heim­reise vorzunehmen und es vorzog, im Freien zu über­nachten. Gestern wurde er todt aufgefunden, er war erfroren.

Der Landsknecht.

Von G. v. R.

(Fortsetzung.)

Gewalt geht vor Recht?" erwiderte mit sonderbarem Lächeln Göbel,na, denn man zu! So ein Stück Ge­walt bin ich selbst auch noch." Er zog Stahl und Stein ane der Tasche und schlug Feuer an den beiden Lunten seiner Donnerbüchse. Dann stemmte er nachdrücklich den Kolben auf den Boden und rückte den Griff seines prachtvollen, leichtgekrümmten Schwerte» mehr nach vorn. Die Waffe war ein echter Damaszener, durch Schutz- bügel am Griff landtknechtmäßig zurechtgestutzt; sie stammte al» Beutestück von der Heerfahrt nach Tunis im Jahre des Heils 1535 und war einst eine» vornehmen tunesischen Baffen Eigenthum.

Der Sprecher von vorhin, der Hakenschütz Heinrich Bader, sah den ergrauten. Genossen zuerst verdutzt an, folgte dann aber seinem Beispiel und machte ebenfalls den Doppelhaken schußfertig.Holla, Hollebenl" stieß er kräftig den Erkennungsruf seiner bisherigen Com­pagnie au«,die alte Kameradschaft soll nicht wackeln, einer hilft dem andern in der Noth! Gut, ich verstecke mich auch nicht, Gewalt gegen Gewalt!" Die andern Fünf, einfache Partisanensöldner knurrten Beifall, alle nahmen ihre Waffen auf die Schulter und schritten des Weg» weiter, gemächlich, trotzig, ganz ohne Eile, lauter ansehnliche, kraftvolle Männer. Ihr seitheriger Com­pagnievater,bet lange Holleben" liebte es, mit den wuchtigen Gestalten seiner Kindet zu prunken und nahm selten einen Mann in Sold, der ihm unter dem wag- recht au«gestreckten Arm barhäuptig durchmarschieren konnte. Da» wollte schon etwa« heißen, dieweil der edle Herr seine vollen sieben Schuh hoch in den stählernen Reiterstieseln stand. Zeichnete sich indessen ein kleinerer Landsknecht durch besonder» starke Glieder, breite Schul­tern und daneben gute Waffen aus, so senkte der Haupt­mann ausnahmsweise auch einmal den Arm, sodaß der Anmusterungbegehrende mit der Stirn anstieß. Das hieß soviel:Ich nehme dich an, weil du sonst ein tüchtiger Kerl bist und schenke dir die paar Zoll."

Die sieben abgedankten KriegSleute sollten nicht

lange ungeschoren bleiben; im scharfen Trabe nahte von der Kröllwitzer Fähre her eine kleine Abtheilung geharnischter Reiter und holte sie ein. Beim Klang der Huftritte wendete sich Göbel um, und als er die Kürassire erkannee, musterte er mit raschem Blicke die Wegränder.

Hier stehen zwei starke Eichen dicht nebeneinander, da könnt ihr fünf Partisanenknappen gerade zwischen hinein. Du, Heinrich, postirst dich links davor mit ge­deckten Pfannen, ich rechts. Soll ich für euch Red' und Antwort stehen?"

Jawohl, Christoph!"

Na, dann rin ins Holz!"

Im Nu hielten die alten Hollebener den angewiesenen Platz besetzt und erwarteten mit blitzenden Augen die Ge­fahr. Denn die Gefahr war'S, die dort heranraffelte und klirrte, ohne Blut ging's sicher nicht ab. Kurz vor ihrem Standort hielten die Reiter auf Kommando an und schwenkten ein. Es waren zehn spanische Kürassiere unter einem durch die rothseidene Feldbinde und reichere Ausrüstung als Offizier gekennzeichneten Führer. Dieser drückte sein Pferd vor und sprach barsch in fremdartig klingendem, aber verständlichem Deutsch :Seine Majestät haben besohlen, daß die in den letzten drei Tagen ohne sein Vorwissen ertheilten Abschiedsbriefe nicht ausgedienter Landsknechte hinfällig zu erklären sein sollen und die Kapitulationen demgemäß bestehen bleiben. Ich habe euch deshalb zu fragen: Seid ihr ausgediente Leute oder habt ihr vor der Frist aufgekündigt?"

Vor der Frist gekündigt, Handgeld nach Zeit zurück­gezahlt, mit Dank und Hauptmanns Lob entlassen," erwiderte Christoph Göbel um noch einen Ton barscher.

(Fortsetzung folgt.)

8 e r 111 i s 4t1 §.

Berlin, 25, Januar. Das Landgericht ver- urtheilte heute den verantwortlichen Redacteur des Kladderadatsch", Johannes Trojan, wegen Majestäts- beleidigung, begangen in der Nummer vom 28. November vorigen Jahres, zu zwei Monaten Festung.

Cöln, 25. Januar. Amtlich wird gemeldet: Heute früh 9 Uhr 30 Min. stieß der Güterzug Nr. 957 (Niederlahnstein-Speldorf) in Folge Ueberfahrt des auf Halt" stehenden Einfahrt-Signals auf Bahnhof Hön- ningen auf eine Rangir-Abtheilung des Güterzuges Nr. 905. Ein Locomotivheizer vom Zuge Nr. 957 wurde getödtet, ein Locomotivheizer und ein Bremser desselben Zuges schwer verletzt. Zwei Locomotiven und zwei Packwagen des Güterzuges Nr. 957 entgleisten und wurden erheblich beschädigt. Außerdem wurden von beiden Güterzügen fünf Güterwagen erheblich und sechs unerheblich beschädigt. Beide Hauptgleise sind gesperrt. Der eingleisige Betrieb wurde 4 Uhr 30 Min. Nach­mittags wieder ausgenommen. Die Aufnahme des vollen Betriebes wird voraussichtlich gegen Abend erfolgen. Der O-Zug Nr. 116 wurde linksrheinisch über Coblenz (Mosel) geleitet.

Herne, 24. Jan. (Eisenbahnunglück b e i H e r n e.) Heule früh ist der Berlin-Cölner Schnell­zug bei der hiesigen Station entgleist. Mehrere Wagen wurden aus dem Geleise geworfen. Der Betrieb Essen- Herne ist unterbrochen. DemHeiner Tageblatt" zufolge wurden bei dem Eisenbahnunglück vier Personen getödtet und zwölf verwundet, darunter einige lebensgefährlich. Die Ursache des Unfalles ist dem genannten Blatte zufolge darauf zurückzuführen, daß bei dem Uebergang über eine Weiche die Locomotive, der Tender und der Postwagen auf ein falsches Geleise übersprangen, während der übrige Theil des Zuges sich losriß und auf dem richtigen Geleise weiterlief. Die Strecke ist gesperrt; der Personenverkehr wird durch Um- steigen aufrecht erhalten. Amtlich wird bekannt ge­macht : Der Schnellzug 20 Hannoyer-Cöln entgleiste auf Bahnhof Herme. Hierbei wurden 4 Personen : Oberlehrer Stefen-Bielefeld, Gasdirector Leililienfeld-Waune, Kauf­mann Güth-Gütersloh, Kaufmann Rosenberg-Münster getödtet, 11 Personen wurden schwer und 15 leicht ver­letzt. Die Schwerverletzten wurden in den Krankenhäusern Hernes untergebracht. Postwagen und drei Personen­wagen schwer beschädigt. Strecke Wanne-Dortmund bis 3 Uhr gesperrt, Verkehr wurde durch Umsteigen bewerk­stelligt. Die Untersuchung ist im Gange.

Aus Nürnberg berichtet derNürnberger Anzeiger":Vor einiger Zeit mußte sich ein hiesiger 80jähriger Kaufmann einer Operation bei einem Erlanger Professor unterziehen. Der Verlauf war sehr glücklich, so daß der Mann nach wie vor seine Abend­gesellschaften besuchen konnte. Wer beschreibt aber sein Erstaunen, als ihm in den ersten Tagen des neuen Jahres ein Brief mit der Ausschrift:An die Hinterbliebenen des Kaufmanns N. N." zugestellt wurde! Der Brief ent- hielt die Rechnung des Erlanger Profeffors. Die Ver­legenheit des letzteren, als ihm der Todtgeglaubte perfön- lich den Betrag der Rechnung überbrachte, läßt sich leicht denken.

Ein vielbelachter Zwischensall störte kürzlich die Aufführung vonLolas Kusin" im Theater in der Josefstadt in Wien. Ein Schauspieler, welcher die Rolle des dicken Gendarmen innehat, wird in der Pan- tommie an einem Haken in die Höhe gezogen Bei diesem Vorgang riß die Hose des Gendarmen, und zwischen Bühne und Schnürboden hing ein Mann ohne Bein­kleider ! Ein Lachsturm fegte durch den Saal. Der Darsteller konnte sich von dem Haken nicht losmachen, die Lage war für ihn höchst ungemüthlich. Die Theater­arbeiter hinter der Bühne, die von denEnthüllungen"

keine Ahnung hatten, zogen den Mann auf und nieder am Haken, und immer tiefer sanken die Hosen. Endlich bemerkte man den Unfall nnd gab ein Zeichen, worauf der Schauspieler Gelegenheit fand, sich loszulösen und hinter die Kulissen zu flüchten.

Zur Herstellung der berühmten Brüsseler Spitzen sind so feine Fäden nothwendig, daß sie mit Maschinen weder gesponnen noch verarbeitet werden können. Die feinsten Fäden, die übrigens selbst in Belgien nur von ganz wenigen Leuten hergestellt werden können, sind sogar so zart, daß sie schon an der trockenen Luft zerreißen. Daher müssen sie in feuchten Kellern verar­beitet werden. Die Klöpplerinnen, die in diesen dunkeln unterirdischen Gewölben es etwa zehn Jahre aushalten, haben bei ihrem mühseligen Beruf in diesem Zeitraum in der Regel ihre beste Kraft und vor allem ihr Augen­licht nahezu eingebüßt, sodaß sie länger nicht imstande sind, das feine Gewebe herzustellen. Da begreift man allerdings, warum echte Brüsseler Spitzen so unbezahlbar sind. Neuerdings will übrigens ein belgischer Ingenieur eine Maschine konstruirt haben, die selbst für die fein­sten Spitzen die menschliche Hand zu ersetzen imstande sein soll.

Die Beobachtung der Sonnenfinsternis ist am Sonnabend, wie aus K a l k u t t a telegraphiert wird, auf allen Stationen unter günstigen Umständen und bei ausgezeichneten atmosphärischen Verhältnissen verlaufen. Obgleich über die erzielten Ergebnisse noch keine aus­reichende^ Feststellung möglich ist, so ist doch schon gewiß, daß dieselben sehr merthvoll sind. In Bukar währte die totale Verfinsterung der Sonnenscheibe 1 Minute und 30 Sekunden. Zahlreiche Gruppen von Europäern be- gaben sich in fünf Sonderzügen nach diesem günstigen Beobachtungspunkt. Von den Eingeborenen in ver­schiedenen Teilen Indiens wird das Himmelsereignis als eine Vorbedeutung des Sturzes der britischen Herr­schaft aufgefaßt; doch sind nirgends Ruhestörungen vor­gekommen. In Benares, Kalkutta und anderen Haupt­plätzen waren unabsehbare Menschenmengen nach den Ufern des Ganges gezogen und badeten während der Sonnenfinsternis in den Wassern des heiligen Stromes. Nach einem Telegramm aus Dumron sind die dort auS- geführten photographischen Aufnahmen mit ausgezeichnetem Ergebnis vor sich gegangen. Während der Totalitäts­periode wurden 7 gute Bilder der Sonnenkorona erzielt. Der ganze Vorgang wurde als ein herrliches Schauspiel, das in den Gemüthern der Zuschauer ein Gefühl bangen Schauers und Staunens hervorrief, betrachtet.

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Vom 1. bis 15. Januar 1898. Eheschließungen.

Am 8. Vüreaugehülfe Heinrich Schmelz von hier, mit Helene Möller aus Rotenburg a. d. F. Fabrikarbeiter Johannes Schott, mit Minna Rüger dahier. 15. Schuhmacher Wilhelm Engelhardt, n it Anna Weppler dahier. Dienstknecht Johannes Neuber, mit Anna Magdalena Jffland dahier.

Geburtsanzeigen.

Am 2. Heinrich, S. des Tagelöhners Heinrich Schütrumpf zu Heenes. Barbara, T. des Landwirths Georg Allendorf zu HceneS. 6. Johann Friedrich Ferdinand Arnold, S. des Tuchfabrikanten und Lieutenant der Reserve Ernst Friedrich Rechberg. Georg, S. des Metzgermeisters Ernst Hcrda. Helene, T. des WeißbinderS und Metzgers Adolph Otto. 10. Hermann Michael, S. deS GastwirthS Michael Johann Bieber. Dorothea, T. des Fabrikarbeiters Franz Jakob Schmidt. 12. August Heinrich, S. des Schuhmachers Jo­hannes Hermann Riedasch zu Kalkobes. Karoline, T. des Tuch» machergesellen Jakob (Steinberg. 13. Anna Josepha Elisabeth, T. deS Eisenbahn-Stationsgehülfcn Friedrich August Stehl. 14. Heinrich, S. des Kürschners Georg Most. 15. Otto Friedrich Ferdinand,

S. des Fabrikarbeiters Otto Friedrich Ferdinand Liebezeit.

S t e r b e f ä l l e.

Am 3. Apotheker Otto Wilhelm Jakob Dux. unverheirathet,

32 Jahre alt. 7. Former Heinrich Nenmann, 53 Jahre alt.

10. EisenbahnstationSassistent Johann Philipp Christian Hepp, 52 Jahre alt.

^W ZchOmschrtibiliW Her LMMMO:

Uerkaufskours 9811°|0

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Kirchliche Nachrichten.

Evangelischer Hottesdieust.

Am Geburtsfest Tr. Majestät des Kaisers und Königs

Vormittags V^IO Uhr Fesigoltesdienst: Herr Superintendent Dr. V i a l.