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Sr. 12. I-mOz ütn 27. Iamr 1888.
^ Dein Kaiser. ^.
Zum 27. Januar 1898.
Zum zehnten Male schenkt der Wintermond Dem deutschen Reich ein wonnevolles Fest: Dem Kaiser, der so mild und mächtig thront, Tönt Preis in Nord und öüd, in Ost und West.
Und wo auch nur die deutsche Zunge klingt, Wo nur ein deutsches Herz schlägt warm und wahr, Aus jeder Brust der Zubelruf sich ringt: „Heil dir, o Kaiser, heut und immerdar!"
Durch Mannesthaten und durch Manneswort
Ein felsenstarker, edler Friedenshort, Schaffst du mit stolzer Freude fort und fort Europas Völkern goldner Ruhe Port.
Und deines eignen Volkes treuer Freund, Des Staates erster Diener, wie dein Ahn, Brickst du des Bösen Kraft, die stets verneint, Machst allem Guten kühn und sieghaft Bahn.
Jüngst sandest du den eignen Bruder aus Zum Schutze deutscher Art aus fernem Meer; Wie strahlt das tapfre hohenzollerichaus hell als des Vaterlandes beste Wehr!
O möge reifen heut' die Dankessaat Zu voller Frucht, der schönsten Ernte gleich; Die tosung werde zum Gebet, zur That: „Mit Gott für unsern Kaiser, unser Reich!" I. Klewe.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 21. Januar 1898.
Am 1. April b. J. tritt das Gesetz vom 19. August 1897 (Ges. S. S. 393), betreffend die Verpflichtung der Gemeinden zur Bullenhaltung in Kraft.
Um die zur Ausführung dieses Gesetzes erforderlichen Unterlagen zu erhalten, haben die Herren Orlsvorstäude des Kreises alsbald festzustellen, wieviel Kühe und deck- sähige Rinder sowie sprungfähige Bullen in jeder Gemeinde vorhanden sind.
Die festgesetzte Zahl der Kühe, einschl. der deck - fähigen Rinder sowie der sprungfähigen (d. h. gekörten) Bullen ist mir sodann bis spätestens zum 15. Februar d. I. einzuberichten.
Welche Rinder als deckfähig anzusehen und daher mit zu berechnen sind, ergibt sich aus den Verhältniffen
Großtante Helene.
Bon H. Keller-Jordan.
(Fortsetzung.)
Ich hatte wohl bemerkt, daß dein Großvater damals aiifing, großen Werth auf seine Erscheinung zu legen, sich elegant zu kleiden, wie er es niemals selbst in seiner frühern Jugend gethan hatte, und so gedankenlos zu wirthschaften, daß ich mich oft erstaunt fragte, was mit ihm geschehen sei.
Eines Tages trat er, zum vollendeten Stutzer um= gewandelt, in das Zimmer. Die Jäger-Uniform vom feinsten Tuche lag so knapp an seinem Körper, daß ich in der That nicht begreifen konnte, wie es möglich ge-- wesen war, überhaupt in diese Kleider zu kommen. In seiner fein behandschuhten Hand hielt er eine Reitgerte.
Ich sah, daß der Diener, der seine Jäger-Uniform mit einer Livree umgetauscht hatte, unten sein Pferd bereit hielt.
Wenn ich nun auch teilweise die neue Eleganz auf die Verbesserung seiner Verhältnisse schieben konnte, da Tante Anna gestorben war und er für Karl das Vermögen bekommen hatte, dessen Erbin Arabella gewesen war, so stand das doch alles so mit seiner frühern Person und seinen Ansichten in Widerspruch, daß es auf mich einen unsäglich traurigen Eindruck machte. Er
des einzelnen Falles (Race und Körperbau der Thiere rc.) wobei auf ein bestimmtes Lebensalter keine Rücksicht zu nehmen ist.
Wenn in einer Gemeinde die Anzahl der zur Deckung gehaltenen Bullen eine ungenügende ist (nach § 1 Abs. 2 des cit. Ges. soll auf jedes volle oder angefangene H u n d e r t von Kühen oder deckfähigen Rindern mindestens e i n Bulle vorhanden sein) ist sodann zugleich ein Beschluß der Gemeindebehörden darüber herbeizuführen, wie den Bestimmungen des erwähnten Gesetzes entsprochen werden soll.
Hierbei weise ich zugleich besonders darauf hin, daß es nach § 2 ferner nicht mehr gestattet ist, wie es bisher vielfach üblich war, die Unterhaltung der Gemeinde- Bullen an den Mindestfordernden im öffentlichen Ausgebot zu vergeben, ebenso wie das Reiheumhalten dieser Bullen fortab untersagt ist.
Soweit also Bullen noch zu beschaffen sind, hat die Gemeinde, als hierzu gesetzlich verpflichtet, für die Anschaffung und Unterhaltung zu sorgen, wobei es jedoch mit Genehmigung des Kreisausschuffes erlaubt ist, daß kleinere benachbarten Gemeinden sich zu einem Bullenhaltungsverbande (§ 3) vereinigen, doch muß hierbei die Ausbringung der Kosten sowie die Art der Ausstellung der Bullen gleich mitgeregelt werden. Die Kostendeckung regelt sich nach den Bestimmungen des Kommunal-Abgaben-Gesetzes (§ 4 2lbf. 2, 3 und § 8, 77) vom 14. Juli 1893.
Eine Abschrift des evtl. hiernach zu fassenden Beschlusses ist mit dem oben geforderten Bericht gleichzeitig einzureichen.
I. A. Nr. 97. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Caffel, den 11. Januar 1898
Auf Antrag des Herrn Direktors der Hessischen Brandversicherungsanstalt ordne ich hiermit an, daß die Ortsbrandmeister von jedem in ihrem Bezirke vorkommenden Brande, der nicht auf seinen Heerd beschränkt geblieben ist, dem Feuerlöschinspektor für den Regierungsbezirk Caffel Herrn Langer hierselbst, eine kurze Mittheilung alsbald nach dem Brande zu erstatten haben. Sie wollen das hiernach Erforderliche veranlaffen.
Der Regierungs-Präsident. H a u s s o n v i l l e.
An die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 11 529.
* *
*
Hersfeld, den 19. Januar 1898.
Vorstehend abgedruckte Verfügung haben die Herren
ging ein paar Mal im Zimmer hin und her, blieb dann vor mir stehen und sagte verlegen: „Helene, das Allein- leben hier in der Einöde hat seine tiefen Schattenseiten. Ich — ich werde mich wieder verheirathen — ich —"
Er mochte doch wohl an meinen weil aufgerissenen Augen, die verständmßlos an seinem Antlitze hingen, bemerken, daß ich das nicht erwartet hatte.
Nicht, daß ich gegen eine Wiederverheirathung Hermanns überhaupt gewesen wäre ! Aber ich glaube doch, daß er mit mir in einer andern Weise hätte sprechen müssen, und daß eö doch auch nicht so bald geschehen würde.
Er machte das wohl in meinem Gesichte lesen, und vielleicht noch viel mehr, was ich nicht dachte, denn er änderte den Ton und setzte mit einer rauhen, fast gebieterischen Stimme hinzu: „Ja, ich werde mich wieder vermählen, Helene, und zwar bald, und möchte mit dir über Karl sprechen, den ich deiner Erziehung nicht entziehen will!"
Ein freudiges, dankbares Gefühl durchzog mein Herz. „Aber kannst du auch frei über Karl verfügen?" wandte ich schüchtern ein. „Wird deine zukünftige Frau nicht mit der Zeit auch ihre Rechte geltend machen?"
„Meine Braut ist die Richte des Baron v. Thieme," sagte er mit einem Anflug von Stolz, „und liebt mich viel zu sehr, als daß sie diese Liebe noch mit einem
Ortsvorstände des Kreises den Ortsbrandmeistern zur Nachachtung alsbald mitzutheilen.
I. I. Nr. 326. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Zu Kaisers Geburtstage.
Wieder hat unser Kaiser ein Jahr seiner Lebenslaufbahn vollendet. Millionen von Herzen senden an dem Tage der kaiserlichen Geburtstagsfeier ihre Wünsche zu den Stufen des Thrones empor, vieltausendstimmige Hochrufe durchhallen die Luft, und Festesfreude regt sich, soweit die deutsche Zunge klingt.
Mißt man das Erdenglück mit allgemein menschlichem Maßstabe, so erscheint Kaiser Wilhelm II. als der Gesegnetsten einer. Getragen von der Liebe und Hingebung seiner frommen, hochherzigen Gemahlin, deren Wesen und Walten allenthalben, wo sie sich naht, sonnigen Glanz verbreitet, umgeben von der blühenden, in Geistesfrische und Jugendschöne emporwachsenden Kinderschar, was könnte unser Herrscher anderes erflehen von der Gnade des Himmels, als daß ihm dieses Glück erhalten bliebe? Und unsere Gebete einen sich mit dem seinigen. Auch wir erbitten den Bestand des Segens, dessen der Kaiser theilhaftig geworden. In dem Wohlsein am häuslichen Herde, in den Gütern und Gaben eines begnadeten Familienlebens liegt ja die schönste und reinste Quelle irdischen Glückes beschlossen. Möge diese Quelle für unsern Kaiser niemals die leiseste Trübung erfahren, möge sie ihm erhalten bleiben wie bisher in kristallheller Klarheit und stetig sprudelnder Fülle und ein Labsal sein für und für in den Anfechtungen und Mühen seines schweren, dornenvollen Berufs.
Ja, dieser Beruf, der ist's, der an Kaisers Geburtstag die Blicke nicht haften läßt an dem persönlichen Schicksale des Gefeierten, der sie vielmehr darüber hin- auslenkt auf die Geschicke des Vaterlandes, auf das Wohl und Wehe einer ganzen Nation. Wir erinnern uns, bei einem unserer geist- und gemüthvollsten Schriftsteller einmal gelesen zu haben, am Lustgarten in Berlin, dort wo das alte Hohenzollernschloß seine machtvollen Mauern emporreckt, dort schlage das Herz von Preußen und heute natürlich das von Gesamtdeutschland. Diese Worte treffen den Kern der Sache. So ist es in der That. Monarchie und Vaterland sind bei uns eins, im Kaiser gipfeln die Geschicke des Volkes. Da erscheint es denn auch
Kinde theilen möchte, das du, die du allein stehst, mindestens ebenso gut, wenn nicht besser, erziehen könntest!"
„Hast du das schon mit ihr durchgesprochen, Hermann ?" Es schien mir ganz unmöglich, daß eine Frau so denken könne, und daß er, Hermann Feldner, der Vater von Arabellas Kind, dem beistimmen sollte.
„Es ist alles zwischen uns abgemacht, Helene," erwiderte er rasch, inbem er mit der Gerte gegen seine glänzenden Reitstiefel schlug und mit der andern Hand den stutzermäßig gepflegten Schnurrbart zwischen seinen Fingern drehte. „Da meine zukünftige Frau aus vornehmer Familie stammt und an manchen Komfort gewöhnt ist, den wir bis jetzt nicht gekannt haben, besonders auch an Gesellschaften, so denke ich, es wird am besten sein, du ziehst mit Karl oben in die drei schrägen Thurmzimmer, die ich restauriren lassen will. Ich habe schon mit den nöthigen Handwerkern in Nagon darüber gesprochen. Constanze bekommt diese Zimmer hier in der Etage alle für sich!"
„Und du?" wagte ich schüchtern einzuwenden. „Welche Zimmer beziehst du?"
„Ich? Nun, ich denke, ich ziehe in das Nebengebäude, in dem dein Vater seine Zimmer halte!"
„In das Nebengebäude? Du weißt ja aber, daß seit dem Aufwerfen des neuen Grabens die Zimmer unbewohnbar geworden sind, selbst die alten Bücher ver-