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Pr. II. Iienstiz den 25. Zliilliar IM.
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Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 24. Januar 1898.
Im Anschluß an meine Verfügung vom 5. b. Mts. I. 45, Kreisblatt Nr. 5, mache ich die Herren Ortsvorstände des Kreises darauf aufmerksam, daß die auf Grund der früher ausgestellten Hebelisten bereits an die Kgl. Kreiskasse gezahlten Beiträge für die Landwirthschafts- kammer selbstverständlich auf die in der anderweit ausgestellten Ihnen -zuletzt zu gegangenen Hebeliste aufgeführten Geldbeträge anzurechuen sind, so daß nur deretwaige Differenzbetrag noch zu zahlen ist. I. 444. Der Königliche Landrath
I. V.: H e e g.
Hersfeld, den 22. Januar 1898.
Der Bürgermeister Faulhaber zu Gershausen ist heute als Ortsschätzer für die dasige Gemeinde eidlich verpflichtet worden.
I. I. Nr. 423. Der Königliche Landrath.
I V.: H e e g.
Nichtamtlicher Theil.
Die pokn.
Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, daß sich das Deulschthum in der Ostmark im Rückgänge befindet; das Polenthum schiebt die Deutschen
Großtante Helene.
Von H. Keller-Jordan.
(Fortsetzung.)
Je mehr er sein Kind vernachlässigte nnd in einsamen Waldgängen sein Leid vergrub, je inniger und herzlicher nahm ich mich des armen Verwaisten an, den Arabella mir sterbend ans Herz gelegt hatte.
Ich dachte selbstverständlich nicht mehr an eine Rückkehr nach Breslau, ich hatte stillschweigend Hermanns Haushalt mit der Sorge um fein Kind übernommen.
Ich durfte also doch Mutter sein, Elisabeth! Ich sollte wenigstens den heiligen Beruf ahnen, mit dem Gott das Leben des Weibes gesegnet hat und für den er ihm eine Fülle von Liebe und Opferfreudigkeit ins Herz gepflanzt. In ihrem Kinde liebte ich meine Schwester, in der Fürsorge für ihr Kind vergrub ich den Kummer um ihren Verlust.
Hermann blieb sich in seinem Schnrerze gleich. Er war eine von jenen Naturen, die dem Schmerze trotzen, die er herber und rauher macht und die sich nicht beugen wollen unter der Wucht, die das Schicksal über sie verhängt hat. Aber beugen müssen wir uns alle lernen, Elisabeth. Das hat auch dein Großvater gemußt, nur erst viel später, nachdem ganz andere Schläge ihn mürbe zu Boden warfen.
Je mehr sich Hermann von Hause loslöste, je inniger schloffen der kleine Karl und ich uns aneinander an. Es that sich mir eine Welt voll Glück auf in dieser Kinderliebe. Er gedieh unter meiner Pflege körperlich und
hinaus. Das bedenkliche ist, daß, während die polnische Bewegung noch vor 30 Jahren ihre Hauptstütze in der polnischen Geistlichkeit und dem polnischen Adel hatte, sie sich neuerdings immer mehr auch in dem Mittelstände findet. Von den ländlichen Kleinbetrieben nehmen die Polen in stetig wachsendem Umfange Besitz. In dem städtischen Mittelstände nehmen sie gleichfalls überhand. Diese Verschiebung zu Ungunsten des Deutschthums ist umso ernster, als die Polen die Deutschen nicht als Landsleute behandeln, sondern als Feind e. Die Polen lehnen jede Gemeinschaft mit den Deutschen ab, auch da, wo es sich um Angelegenheiten handelt, an denen beide Nationalitäten interessirt sind; sie unterstützen nur die polnischen Gewerbetreibenden, Aerzte, Apotheker rc. und boykottiren die deutschen. Kurz, die Polen bilden einen Staat im Staate und gehen darauf aus, das polnische Reich wiederherzustellen.
Diese Bestrebungen richten sich direkt gegen den Be- ! stand Preußens und Deutschlands; nur auf ihren Trümmern könnte ein Königreich Polen wieder erstehen. Im Jahre 1886 sagte der große Kanzler Fürst Bismarck, ohne bei den polnischen Abgeordneten auf Widerspruch zu stoßen: „Die Polen erkennen ihre Zugehörigkeit zu Preußen nur aus Kündigung an; wenn sie heute Gelegenheit hätten, gegen uns orzugehen und stark genug wären, so würden sie nicht einmal gegen 24stündige Kündigung, sondern sofort losschlagen!" Und als der Konservative v. Heydebrand jetzt im Abgeordnetenhause die Polen fragte: „Erkennen Sie den preußischen Staat in allen seinen staatsrechtlichen Voraussetzungen wirklich vorbehaltlos an?", da blieb die Antwort ebenfalls aus.
Es ist klar, daß der preußische Staat sich selbst schwächen würde, wollte er die Polen sich ungehindert in seinem Gebiete ausdehnen lassen. Ja, der Selbsterhaltungstrieb zwingt ihn, der Ausbreitung des Polen- thums entgegenzuwirken. Da wir keine gesetzlichen Mittel haben, die Zahl der Polen zu vermindern, so bleibt nichts anderes übrig, als die der Deutschen zu vermehren. Dies soll mit Hilfe des im Jahre 1886 gebildeten Ansiedlungssonds geschehe», durch den deutsche Bauern auf Gütern, die von Polen freiwillig verkauft und die dann parzellirt sind, angesiedelt werden. Seitdem sind bereits 2200 Ansiedler auf 44 000 Hektar seßhaft gemacht worden; außerdem werden 56000 Hektar von der Ansiedlungs-Kommission selbst bewirthschaftet und für die Ansiedlung hergerichtet. Es ist dies ohne
geistig, und hätte ich nicht die Sorge um seinen Vater gehabt, es wäre eine friedevolle Zeit gewesen.
Hermann hatte ein Jahr nach Arabellas Tod die Oberförsterstelle bekommen, die früher mein Vater gehabt, ein Posten, der ihn viel nach Nagon und die Residenz rief. Mir schien das anfänglich für seine Stimmung eine glückliche Fügung. Wirklich wurde er auch nach und nach heiterer. Wenn er von einer mehrtägigen, oft wöchentlichen Reise nach Hause kam, spielte er mit Karl, ließ sich von ihm vorplaudern und erzählte mir von den Einladungen, die er in der Residenz gehabt und die er nicht umhin gekonnt hatte, anzunehmen.
Ich wußte aus früherer Zeit, daß Hermann Gesellschaften liebte und daß er sie nur im Umgang mit mir und später mit Arabella vernachlässigt hatte. Jetzt fing diese alte Neigung wieder nach und nach an, sich in ihm zu regen.
Ich glaube, er machte mehr Reisen, wenn ich sie mit denen meines Vaters verglich, als unumgänglich nöthig gewesen märe. Seine Schmerzensausbrüche wurden seltener, und die Gänge zu Arabellas Grab unterließ er nach und nach fast ganz.
So nahte Arabellas 25jähriger Geburtstag. Hermann war verreist. Als er am andern Abende nach Hause kam, plauderte ihm sein Kind von den Rosen, die es seiner lieben Mutter zum Geburtstage gebracht hatte. Hermann erschrak, es war ihm offenbar schmerzlich. Der alte, finstere Zug legte sich um seine Stirn, er nahm seinen Mantel von der Wand und ging hinaus
Ich schaute ihm nach. Es war ein schneeheller
Frage die mildeste Form, in welcher der Staat seine Mittel zum Schutze des Deutschthums anwenden kann. Da der Ansiedlungsfonds nahezu erschöpft ist, so hatte die Staatsregierung vom Landtage eine Erhöhung desselben um 100 Millionen gefordert.
Bei der Verhandlung im Abgeordnetenhause erkannten die meisten Redner die Bedeutung dieser eminent nationalen Frage an. Die Vorlage wurde einer Kommission überwiesen und wird zweifellos mit großer Mehrheit angenommen werden. Auf die Unterstützung der Freisinnigen Volkspartei ist dabei allerdings wieder nicht zu rechnen. Der Finanz-Minister v. Miguel hatte recht, als er die Freisinnigen für blind erklärte, für „blinder, als sie eigentlich als Deutsche sein sollten!" Dagegen dürfte das Centrum sich vielleicht durch die Ausführungen des Ministers überzeugen lassen. Wie Herr v. Miguel zutreffend bemerkte, hat die Polenfrage mit der Religion und dem Katholizismus nichts zu thun, sie hat vielmehr einen rein nationalen Charakter angenommen; das beweist auch das Wort eines Polen : „G e b o r e n bin ich als P o l e, erst später bin ich katholisch getauft!" Es handelt sich um zerstörende Bestrebungen, denen entgegenzutreten auch das Centrum Anlaß haben sollte. Jedenfalls ist sich die preußische Staatsregierung ihrer Pflicht ßeg^tO'.^ den auf Kosten des Deutschthums rücksichtslos vordringenden Polen bewußt. Wer noch daran gezweifelt haben sollte, der wird durch die Worte des Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe: „Wo die Interessen der Monarchie in Frage kommen, kenne ich keinen Kompromiß!" eines Bessern belehrt sein. **
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin 22. Januar.
Se. Majestät der Kaiser unternahm gestern Nachmittag um 3 Uhr einen Spazierritt. — Zur Früh- stückstafel bei Ihren Majestäten waren die Gesandten v. Eisendecher und Graf Wolff-Metternich, der frühere Hofmarschall v. Liebenau und der Chef des Marinekabinets, Kontreadmiral Frhr. v. Senden-Bibran, geladen.
Heute Morgen von 9 Uhr ab hörte Se. Majestät die Vorträge des Chefs des Generalstabes der Armee, Generaladjutanten, Generals der Kavallerie Grasen v.
Winterabend, und ich dachte, er gehe jetzt durch den schmalen Tannenweg, der zum Friedhof führt, zu ihrem Grabe. Ein tiefes Mitleid ergriff mich. Als er an die Tannen kam, blieb er einen Augenblick stehen. Ich sah, wie er den Kopf gegen den knorrigen Stamm der alten Eiche lehnte, die dort noch immer ihren Platz behauptet, und wie er weinte. Auf den Friedhof ging er nicht. Ich hatte mich schon lange zur Ruhe gelegt, da hörte ich ihn erst mit den großen Jagdstiefeln über den Gang gehen, der zu seinem Zimmer führte.
Am andern Morgen war er sanft und milde, wie ich ihn seit Arabellas Tod noch nicht gesehen hatte. Er dankte mir, als wir frühstückten, für alles, was ich für ihn und sein Kind gethan, nnd meinte, daß er mir das nie vergelten könne.
Einige Wochen lang nach diesem Abend war er still und häuslich, ging nachmittags in den Wald, und abends beschäftigte er sich mit Karl, über dessen Fortschritte im Lernen er sich nicht lobend genug äußern konnte.
Da kam eines Tages, als Hermann gerade auf der Jagd war, eine Einladung für ihn auf ein benachbartes Gut, mit dessen Bewohnern wir zu allen Zeiten den Umgang gemieden hatten, da der leichtfertige Ton, der dort herrschte, nicht mit unserm Geschmack übereinstimmte. Ich war nicht wenig überrascht und mußte selbstverständlich annehmen, daß Hermann den Verkehr ohne mein Wissen angeknüpft hatte. Was ging es mich auch an?
AIs ich ihm nach seiner Rückkehr das Billet übergab, war er seltsam zerstrent, aber keinen Augenblick überrascht.
„Ich habe versprochen, Antwort sagen zu lassen",