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Melller KMW.
Gkatirbettagen: „^llustrivtes Ssnntagsblatt^^ «. „Illu^rivte l«ndwirthschaftltche Beilage".
Sr. 16. SomiadkilS ta 22. Imar 1898.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 12. Januar 1898.
Nach Beschluß des BundeSraths vom 7. Juli 1892 findet auch für das Jahr 1897 eine Ermittelung des Ernteertroges der wichtigeren feldmäßig gebauten Frucht- arten statt und zwar in der Zeit vom 1. bis 1 0. Februar 1898.
Den Herren Ortsvorständen werden dieserhalb in den nächsten Tagen je
1. zwei ErhebungSformulare B mit den von dem statistischen Bureau handschriftlich eingetragenen Angaben des vorjährigen Ernteergebnisses und der Anbauflächen,
2. ein Merkblatt betreffend die Hagelstatistik zugehen.
Das Formular B ist in der Zeit vom 1. bis 1 0. Februar 1898 unter genauer Beachtung der demselben aufgedruckten Anleitung, nöthigen Falles unter Hinzuziehung von Sachverständigen sorgfältigst auözufüllen, auf Seite 3 desselben auch, falls im abgelaufenen Jahr Hagelwetter vorgekommen sind, in dem „Anhang" nach dem in der Repositur befindlichen Notizblatt der erforderliche Eintrag zu machen und hiernächst ein Exemplar des Erhebungsformulars bis s p ä t e st e n S zum 1 2. Februar b. I s. mir einzureichen.
Das zweite Exemplar verbleibt in der Repositur, woselbst auch das Merkblatt für die im Jahr 1898 vorkommenden Hagelwetter einstweilen auszubewahren ist.
Bemerkt wird noch, daß die in dem Erhebungssor- mular B befindlichen Spalten 7. und 8. unausgefüllt bleiben.
I. 165. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Herüseld, den 21. Januar 1898.
Die Herren Ortsvorstände zu: Allmershausen, Asbach, Ausbach, BeierShausen, Bengendorf, Biedebach, Conrode, Dünkelrode, Eitra, Friedlos, Frielingen, Gershausen, Harnrode, HedderSdorf, Heringen, Hillartshausen, Hilmes, Hilperhausen, Holzheim, Kleba, Kleinensee, Kohlhausen, LampertSfeld, Landershausen, Lengers, Malkomes, Meck- bach, Mengshausen, Obergeis, Oberhaun, Petersberg, Reckerode, RöhrigShöse, Rotlerterode, Sieglos, Sorga
Großtante Helene.
Von H. Keller-Jordan.
(Fortsetzung.)
Im Spätsommer hatten wir vollauf zu thun mit der Einrichtung der Wolmung für das junge Paar. Sie sollten drüben in den Flügel ziehen, in dem jetzt dein Vater sein Arbeitszimmer hat. Als nach und nach die Möbel, für deren geschmackvolle Auswahl die Tante Sorge trug, von Breslau eintrafen, da war Hermann in einem solchen Eifer, ihre Räume behaglich einrichten zu dürfen, daß er fast die Trennung vergaß.
ES war unser, oder vielmehr Arabellas anfänglicher Plan gewesen, daß wir alle zu ihrer Hochzeit nach Breslau kommen sollten. Aber als die Zeit heranrückle, da sprach der Vater ihr gegenüber den entschiedenen Wunsch aus, daß ich zu seiner Beruhigung zu Hause bleiben müsse. Ich habe ihm in meinem Herzen für diese zarte Fürsorge gedankt.
Für das junge Paar brach nun eine Zeit stillen, seligen Glückes an, das mit der Geburt eines Knaben seinen Gipfel erreichte. Es war dein Vater, Elisabeth.
Unser guter Vater lebte wieder neu aus. Der alte Ausdruck von Herzensfreudigkeit, wie wir ihn schon lange nicht mehr gesehen, verklärte sein theures Antlitz, und er strahlte im reinsten Glücke, so oft er sich über sein Enkelkind beugte.
Gott sei Dank, daß er dem guten Vater diese Freude noch zu theil werden ließ, und daß er sterben durfte, ehe das herbste Leid über uns hereinbrach.
Untergeis, Widdershausen, Wüstfeld werden an die Erledigung meiner Verfügung vom 6 d. Mls. A 51 (Kreisblatt 4), berichtliche Anzeige über die Offen l e g u n g derWählerlisten betr. binnen 48 Stunden bei 3 Mark Strafe wiederholt erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 21. Januar 1898.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügungen:
1. vom 5. Juli 1882, Nr. 8773 (Kreisblatt Nr. 53), die Führung des Verzeichniffes über die Pflichtfeuermehr betreffend,
2. vom 9. Februar 1884, Nr. 1721, Kreisblatt Nr. 20, die Revision der Feuerstätten betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 26. d. M t s. bei M e i d u n g von 3 Mark Strafe hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regiecungs-Nath.
Nach Beschluß des BundesrathS findet, wie in den letzten Jahren, in der 2ten Hälfte des Monats Februar 1898 eine Ermittelung des Ernteertrages für 1897 statt, welche den Zweck verfolgt, durch direkte Umfragen möglichst zuverlässige Angaben über die im Jahre 1897 wirklich geerntete Menge an Bodenprodukten zu gewinnen. Die bei den gleichen Aufnahmen in den jüngst verfloffenen Jahren ausgesprochene Hoffnung, daß sachkundige Männer, namentlich Mitglieder der landwirth- schastlichen Vereine, sich bereit finden würden, durch ihre Erfahrungen und Ortskenntnisse die angeordneten Er- mittelungen nach Kräften zu fördern und auf einen möglichst hohen Grad der Zuverlässigkeit zu erheben, ist erfreulicherweise nicht getäuscht worden. Dies berechtigt zu der Erwartung, daß auch bei den Ermittelungen der diesjährigen Ernteergebnisse sowohl Mitglieder der gedachten Vereine, als auch sonstige sachkundige und erfahrene Männer ihre thatkräftige Mitwirkung in den Schätzungs Kommissionen nicht versagen werden. (A. IV. 9551.) Cassel am 7. Januar 1898. Der Negierungs-Präsident. I. V.: v. Bremer.
Der kleine Karl, er hatte den Namen nach Hermanns früh verstorbenen Vater, war drei Jahre alt, als unser guter Vater sich auf der Jagd erkältete und aufs Krankenlager geworfen wurde. Ich habe mit ihm einen schweren Winter verlebt, aber ich lernte mich auch in dieser Zeit mit meinem Unglücke versöhnen.
Was hätte mein armer Vater an den schmerzensreichen Tagen und in den langen, schlaflosen Nächten begonnen ohne mich?
Arabella hatte Mann und Kind, war auch viel zarter veranlagt als ich und hätte diese langen Nachtwachen nicht ertragen können.
Zu dieser Zeit habe ich erst vollkommen die innere Ruhe wiedergefunden und die Liebe zu Hermann in jene lautere umzugestalten gelernt, die nichts für sich selbst will und doch bereit ist, alles zu geben. Und wenn mein Vater zuweilen zärtlich meine Hand ergriff und mir dankte für meine Liebe, dann konnte ich ihm aus vollem Herzen den Trost geben, daß diese Stunden an seinem Krankenlager mich im besten Sinne des Wortes bereichert und beglückt hatten.
Zuweilen wenn er keine zu großen Schmerzen fühlte, rief er mich an sein Lager, und dann haben wir über bis dahin von uns unberührte Lebensfragen gesprochen und sind uns näher und näher gerückt.
Es waren oft köstliche Stunden, weil sie mir das ganze edle Herz meines Vaters erschlossen, der einer von jenen herben Naturen war, die so selten aus sich herausgehen, vielleicht aus zu großer Selbstlosigkeit.
Als in dem kommenden Jahre die Osterglocken den
Nichtamtlicher Theil.
Der deutsche Welthandel in französischer Beleuchtung.
Ueber die „deutsche Konkurrenz" hat dieser Tage in Lyon Herr Jules Roche auf Veranlassung der dortigen nationalökonomischen Gesellschaft einen auch von der Pariser Preffe vielfach beachteten Vortrag gehalten. Es dürfte sich verlohnen, dessen wesentlichen Inhalt auch hier wiederzugeben.
Der Redner stellte zunächst ziffermäßig den Rückgang des auswärtigen Handels Frankreichs fest, sowie das stetige Anwachsen des deutschen Weltverkehrs. Die Ursachen dieses für Frankreich bedauerlichen Unterschiedes, meint Herr Roche, wären unschwer zu erkennen. Sie liegen theils im Verhalten des Einzelnen, theils in dem i des Staates.
Wie greifen es die Deutschen an? Sie gehen von Hause weg. Sie reisen. Man begegnet ihnen überall, in Schweden, in Rußland, in Persien, in Afrika wie in Amerika und China. Sie breiten sich nach allen Seiten hin aus. Sie reisen aber nicht als Touristen. Sie , begnügen sich nicht damit, eine oberflächliche Wißbegierde zu befriedigen. Wenn ^ie hinausgehen, so wollen sie draußen Geschäfte machen, die Welt mit ihren Schundwaaren überschwemmen.
Und der Franzose, was thut der inzwischen? Er bleibt zu Hause sitzen.
„Wir Franzosen," führte Herr Roche aus, „stellen bewundernswerthe Waaren her, Alles künstlerisch, dauerhaft. Aber wir behalten die Sachen für uns, denn wir haben keine Lust, uns ins Ausland zu bemühen, um sie dort anzubieten. Der Deutsche sucht den Käufer an Ort und Stelle auf, wo er wohnt, und läßt nicht nach, bis er ihm seine geringwerthigen und verfälschten Erzeugnisse aufgedrängt hat.
Eine andere Ursache der Ueberlegenheit der Deutschen besteht in der Einrichtung ihrer Komptoire, ihrer Bankhäuser, ihrer Verkehrsanstalten.
Dazu kommt drittens das wirksame Eingreifen des Staates. Ein deutscher Kaufmann ruft niemals vergeblich die staatliche Hülfe an. Bei uns trifft so ziemlich das Gegentheil zu.
Endlich ist noch die Thatsache in Betracht zu ziehen,
Frühling einläuteten, begruben wir den geliebten Vater.
Der Onkel in Breslau war während Vaters Krankheit gestorben. In ihrem Schmerze erkrankte die Tante und wurde der Pflege bedürftig.
Arabellas wegen konnte ich ruhig abreisen, sie war in bester Hut. Hermann liebte sie, wenn das möglich war, noch heißer als in der ersten Zeit, und ihr Kind schuf ihre Tage so sonnenhell, daß es wohl keine Wolke gab, die ihren Himmel trübte.
Sie bedurfte mich nicht zu ihrem Glücke!
Der Abschied war für mich nicht leicht. Meine ganze Vergangenheit, alle Erinnerungen und Kinderfreuden, jedes Glück und jeder Schmerz knüpfte sich an diese Stätte, die ich noch nie, selbst nicht für eine einzige Nacht, verlassen hatte. Ich war eine Fremde in der Welt und fürchtete mich wie ein Kind, das, von der Mutter fortgedrängt, in ein fremdes, ungewohntes Menschengewühl kommt.
Als der Wagen über den Hof raffelte, legte ich mich zurück und weinte bitterlich. Oben auf der Landstraße, bei den großen Eichen, bog ich noch einmal den Kopf aus dem Wagen. Arabella stand, vom Arme Hermanns umschlungen, auf der Veranda über dem Portal, und ihre Locken flatterten, von der goldenen Maisonne über; gössen, um sein dunkles Haupt.
„Gott segne dich, theures Schwesterherz!" — und ich breitete meine Arme sehnend hinüber zu den Gräbern der Eltern.
Ich war beinahe zwei Jahre in Breslau und hatte mich mühselig und heimwehkrank in das Leben dort ein-