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für das L Quartal 1898 werden von allen Aai- serlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und uon der Expedition angenommen.
Ier SonMii -er
wurde am Dienstag Mittag 12 Uhr durch den Reichskanzler
und Ministerpräsidenten Fürsten zu H o h e n l o h e mit folgender Rede eröffnet:
Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!
Seine Majestät der Kaiser und König haben mich beauftragt, den Landtag der Monarchie in Allerhöchstihrem Namen zu eröffnen.
Die Finanzlage des Staates ha.t sich seit der letzten Tagung, namentlich infolge der anhaltenden Steigerung der Erträgniffe aus den meisten Staatsbetrieben, fortgesetzt günstig gestaltet.
Das am 1. April v. Js. abgeschloffene Rechnungs- jahr hat einen höheren Ueberschuß als das Vorjahr ergeben.
Ebenso kann für das laufende Rechnungsjahr ein erheblicher Ueberschuß, wenn auch nach den bisherigen
Schätzungen nicht in gleicher Höhe, erwartet werden.
Der Staatshanshaltsetat für 1898/99 hält in Einnahme und Ausgabe das Gleichgewicht. Die gesteigerten Einnahmen haben es gestattet, für fast alle Zweige der Staatsverwaltung Mehraufwendungen in größerem Umfange in Aussicht zu nehmen. Bei reichlicher Bemessung der Mittel zur Deckung dauernder Ausgaben haben insbesondere die einmaligen und außerordentlichen öffent-
Großtante Helene.
Von H. Keller-Jordan.
(Fortsetzung.)
Vorn in der Thür, die Augen im wahren Sinne des Wortes trunken auf die Gruppe gerichtet, stand Hermann im knappen Jägerrock mit den hohen Reiterstiefeln und der Gerte in seiner Hand. Aus sein volles, dunkles Haar fiel Schnee auf Schnee, aber er schien es nicht zu bemerken.
Einen Augenblick lang rührte ich mich nicht, ich war wie geblendet. Dann hob meine Schwester ihr Haupt — ein freudiger Aufschrei, und wir hielten uns fest umschlungen. Als wir uns aus der Umarmung lösten, war Hermann verschwunden, und mein Vater an seine Stelle getreten.
Ich sehe noch immer, wie er stolz auf das schöne Mädchen hinsah, das er seine Tochter nannte.
Es wurde mir in der That schwer, sie nicht gleich an der Hand nehmen und hinauf an das Bett meiner Mutter führen zu dürfen.
Ich geleitete Arabella auf mein Zimmer und beredete sie, sich dort eine Stunde niederzulegen, indessen ich hinüber zur Mutter gehen wollte, um ihr beim Aufstehen behülflich zu sein."
Die Matrone hielt inne, sie preßte einen kurzen Augenblick ihre Hand auf ihr Herz und fuhr dann mit gedämpfter Stimme fort : „Als ich leise, auf den Fußspitzen schreitend, die Thüre zu der Mutter Schlafzimmer öffnete, lag mein Vater ausgestreckt über dem Bette,
1 lichen Bedürfnisse eine weitgehende Berücksichtigung finden können.
Der Ihnen alsbald zugehende Entwurf eines Gesetzes, betreffend den Staatshaushalt, wird die gesetzliche Feststellung von Grundsätzen für die Veranschlagung, Führung und Kontrole des Staatshaushalts vorschlagen. Der Entwurf steht überall auf dem Boden des verfassungS- mäßigen Rechtszustandes; er beabsichtigt im Wesentlichen, Grundsätze zusammenzufassen und auszugestalten, die schon seither bei der Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Staates theils im Anschluß an Verwal- tungsvorschriflen, theils in thatsächlicher Uebung befolgt, in einzelnen Fragen auch bereits mit dem Landtage vereinbart worden sind. Die gesetzliche Festlegung dieser Grundsätze wird dazu dienen, die Sicherheit und Gleichmäßigkeit ihrer Handhabung zu gewährleisten und mehrfach hervorgetretene Zweifel und Schwierigkeiten zu beseitigen.
Nach den bisherigen Erfahrungen stehen die durch die Stellung der Amtskautionen dem Staate erwachsenden Vortheile nicht im richtigen Verhältnisse zu den Kosten und Weiterungen ihrer Verwaltung und den wirthschaftlichen Lasten, die dadurch den Beamten auferlegt werden. Es soll daher die behufs Sicherung der Ansprüche des Staates besteh md^ Verpflichtung der Beamten zur Stellung von Kautionen im Wege des Gesetzes allgemein aufgehoben und damit eine erhebliche Erleichterung der betreffenden Beamtenklaffen herbeigeführt werden.
Ihre verfassungsmäßige Mitwirkung wird zu einer Neuregelung und Verbesserung des Diensteinkommens der Geistlichen beider Konfessionen in Anspruch genommen werden, welche nicht ohne Bereitstellung weiterer staatlicher Mittel zu erreichen ist.
Die Stellung der Privatdozenten an den Universitäten entbehrt zur Zeit der gleichmäßigen und zum Theil überhaupt einer ausreichenden rechtlichen Grundlage, so daß eine gesetzliche Regelung dieser Verhältnisse angezeigt erscheint.
Wegen Erweiterung des Staatseisenbahnnetzes, Förderung der Kleinbahnen und Verbesserung der Wohnungsverhältnisse ständiger Arbeiter und unterer Beamten wird Ihnen auch in dieser Tagung ein Gesetzentwurf vorgelegt werden.
Die erfreuliche, insbesondere seit Errichtung derZen- tralgenossenschaftskaffe in raschem Fortschreiten befindliche
mit verzerrten Zügen, die Hand der Mutter in der seinen haltend. Ich blieb auf der Schwelle stehen, eine große Angst erfaßte mich, ich starrte bald auf den Vater, der mich nicht bemerkt hatte, bald auf das seltsam veränderte Gesicht der Mutter — auf das der Tod seine kalte Hand 'gelegt hatte.
Mein Athem stockte, ich wollte sprechen — schreien, die Stimme versagte mir. Ich hatte dem Tode noch nie ins Antlitz geschaut — und sank bewußtlos zu Boden. Als ich wieder zu mir selbst kam, lag ich auf dem Sofa, das gegenüber dem Bette meiner Mutter stand. Mein Vater stand über mir gebeugt und hielt meine kalten Hände zärtlich zwischen den seinen. Ich wußte nicht, was geschehen war. Ich sah suchend im Zimmer umher. Meine Augen fielen auf das Antlitz meiner todten Mutter.
Ich konnte nicht meinen. Ich dachte auch nicht an mich, ich schlang meinen Arm fest um meines Vaters Hals, und mein Kopf sank an seine Brust.
Kein Laut kam über seine starren Lippen, aber er hielt mich an seinem Herzen, er wußte, daß ich mit ihm litt. Dann wandten wir uns gemeinschaftlich zu dem Lager der Todten. Der Mutter Züge waren sanft und milde, ein stilles Weh lag um die Lippen, in dem ich all die Sorge und die Sehnsucht las, die sie Arabellas wegen in der letzten Zeit so oft gequält hatte.
Ich verstand die stumme Mutterbitte, ich wollte in Zukunft meiner Schwester Mutter fein.
Armes Schwesterherz! Wie hatte sie sich gesehnt
Entwickelung des GenoffenschaftSwesens macht eine nochmalige Erhöhung des Grundkapitals der Sasse erforber« lich. Diese soll hierdurch in den Stand gesetzt werden, noch mehr als bisher den Ansprüchen der sich ununter- brochen vermehrenden wirthschaftlichen Organisation der Mittelklaffen in Stadt und Land zu genügen.
Zur Fortführung des Ansiedelungswerkes in den Provinzen Posen und Westpreußen wird eine Erhöhung der durch Gesetz vom 26. April 1886 bewilligten Mittel beabsichtigt. Ein darauf bezüglicher Gesetzentwurf wird Ihnen unverweilt zugehen.
In großen Theilen der Provinz Westfalen und ei« niger angrenzender rheinischer Kreise entspricht die Einführung eines unmittelbaren gesetzlichen Anerbenrechts den Rechtsanschauungen, Erbgewohnheiten und wirthschaftlichen Bedürfniffen der Bevölkerung. Es ist deshalb eine Ausdehnung des gesetzlichen Anerbenrechts auf diese Gebiete in Aussicht genommen.
Die durch Hochwasser in verschiedenen Theilen bei Landes letzthin herbeigeführten beklagenswerthen Verheerungen haben das landesväterliche Herz Seiner Majestät des Kaisers und Königs tief bewegt. Die Staatsregierung hat die zur Linderung der ersten Noth und behufs Ausführung der unaufschiebbaren Herstellung», arbeiten nothwendigen Maßnahmen ungesäumt getroffen und die sogleich erforderlichen Mittel, in Voraussetzung der verfassungsmäßigen Zustimmung des Landtage», flüssig gemacht. Nachdem es hierdurch und mit Hülfe der aus allen Theilen Deutschlands eingegangenen, überaus dankenswerthen reichen Spenden gelungen ist, dem dringendsten Bedürfniß vorläufig abzuhelfen, bedarf ei nunmehr noch der Bereitstellung weiterer öffentlicher Mittel zur Beseitigung der Verheerungen und ihrer Folgen. Ein bezüglicher Gesetzentwurf wird Ihnen unterbreitet werden.
Zur dauernden Sicherung der betreffenden Landestheile gegen Ueberschwemmungsgefahren sind Erörterungen eingeleitet, welche die Regulirung der in Betracht kommenden Flußläuse, deren planmäßige Unterhaltung, sowie sonstige, eine geregelte Wasserabführung erleichternde Einrichtungen bezwecken.
Meine Herren! Wichtige Aufgaben harren der Lösung. Die Regierung Seiner Majestät rechnet dabei auf Ihre verständnißvolle, patriotische Unterstützung. Möge die gemeinsame Arbeit auch in dieser letzten
nach der Mutter, wie gefreut auf das Elternhaus! Und nun?
Ich ging zitternd hinüber in mein Zimmer, ich wollte Arabellas Schlaf nicht stören. Sie hatte sich aber nicht zur Ruhe gelegt, sie stand am Fenster. Das Wetter hatte sich geändert, der Schneewirbel einem glänzenden Sonnenscheine Platz gemacht, der die bereiften Bäume mit ihren langen, glitzernden Eiszapfen zu einem prachtvollen Weihnachtsbilde gestaltete.
Drüben auf der Landstraße erkannte ich Hermann auf seinem braunen Pferde, er ritt nach Nagon, um die letzten Einkäufe zum Weihnachtsabende zu machen. Das war ein Rahmen zu dem dunklen Bilde, bal ich in meinem Herzen trug.
Ich ließ mich zum Tode betrübt auf den nächsten Stuhl nieder. Als meine Schwester sich umfchaute, sah sie starr in mein von Thränen gebadetes Gesicht.--
Es waren traurige Weihnachtstage, die dann folgten. Zwischen den Fichtenkränzen, die ich mit Hermann in den letzten glücklichen Stunden geflochten hatte, stand der geschmückte Sarg der Mutter. Und doch wußte ich damals noch nicht, als sich der Zug langsam durch bal Portal des Schlosses bewegte und man die Gute fort» trug auf Nimmerwiederkehr, daß meine Jugend mit ihr zu Grabe ging, meine Jugend und meines Herzen» Glück!
Wie sich von selbst versteht, gaben wir uns alle nach diesem traurigen Verluste die größte Mühe, das alte gewohnte Leben im Schlosse weiter zu führen. Der Vater nahm öfter Theil an unsern abendlichen Unter-