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Jllustrirtes Sonntagsblatt"«"» Jllnstrirtc landwirthschaftl. Beilage" für das 1. Quartal 1898 werden von allen Kai­serlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

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Amtlicher Theil

Bckanntmachung.

Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vorn 22. d. Mts., durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie auf den 11. Januar k. Js. in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benachrich­tigung über den Ort mit) die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Büreau des Herrenhauses und in dem Bürean des Hauses der Abgeordneten am 10. Januar k. Js. in den Stunden von 8 Uhr früh bis 8 Uhr Abends und am 11. Januar k. Js. in den Morgenstunden von 8 Uhr früh ab offen liegen wird. In diesen Büreaus werden auch die Legitimationskarten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen in Bezug auf dieselbe gemacht werden.

Berlin, den 23. Dezember 1897.

Der Minister des Innern, (gez.) von der Recke.

Hersfeld, den 30. Dezember 1897.

Unter dem Rindvieh des Gutsbesitzers Eduard Z i m

Großtante Helene.

Von H. Keller-Jordan.

(Fortsetzung.)

Später, als ich zur Schule mußte, wurde ich auf dem kleinen Jagdwagen nach Wagen gefahren. Ost wirbelten im Winter die Schneeflocken um mein Gesicht, und ich beobachtete unermüdlich, wie sich drese feinen Sternchen in ein Nichts auflösten oder sich am Wege zu Schnee­haufen austhürmten. Dann sah ich wohl hinauf und suchte durch die graue Lust den blauen Himmel zu ent­decke», in dem der liebe Vater wohnte, der alles so fct öii und so g> heimnißvoll geschaffen hatte, und fing an, mir auszumalen, wie herrlich es ivohl erst da oben sein muffe, wo auch die Großmutter wohnte, um welche meine Mama noch oft Thränen vergoß Kam ich Abends heim, dann staub die Gute schon mit glückstrahlendem Gesichte am Fenster und nickte mir zu und hatte warme Milch für mich und schöne weiche Schuhe und so viel, viel Liebe! Und dann die Freuden auf dem Hofe, die Tauben und die Hühner, die graue Katze, die Plutos treue Freundin war, sie alle kannten mich und hatten mich lieb !

Eines Tages es war kurz vor Weihnachten und ein häßlicher, trüber Tag wurde ich, als ich aus der Schule kam und der Wagen in den Hof einfuhr, feierlich empfangen. Ich sah zwar nicht meiner Mutter gutes Gesicht hinter den Scheiben, aber mein Vater staub in der Thüre, hob mich zärtlich vom Wagen und sagte mit

m erma n u zu Hof Kühnbach ist die Maul- und Klauen­seuche ausgebrochen.

I. I. Nr. 6845. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

ßlichtamtlichrr Theil.

3«r Politik -er SamlW.

Die Parole zur Sammlung ist vielfach Gegenstand von Anfeindungen und Mißverständnissen. Uebelwollende Kritiker bemühen sich, aus dein Programm der Sammlung Dinge herauszulesen, die darin nicht enthalten sind. So wird neuerdings das Schreckgespenst der Ausnahme-Gesetz­gebung an die Wand gemalt. Das Programm zur Samm­lung aber faßt bestimmte Gesetzes-Vorlagen überhaupt nicht : ins Auge, sondern verkündet einfach, daß die Regierung entschlossen ist, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln einen gerechten Ausgleich zwischen den verschiedenartigen Ansprüchen unseres Erwerbslebens herbeizuführen, und er­bittet sich hierzu die Beihülse aller erwerbsthätigen Kreise unseres Vaterlandes. Diese Beihülse setzt den Zusammen­

schluß der produktiven Stände voraus. Ein solcher Zu­sammenschluß aber ist undenkbar ohne die gemeinsame Ab­wehr derjenigen Richtungen unseres Volkslebens, die wie Anarchismus unb Socialdemokratie die geschworenen Feinde des Schutzes der nationalen Arbeit, ja der bestehenden Wirthschaftsordnuna überhaupt sind.

Weil von gewisser Seite diese gemeinsame Abwehr über alles gefürchtet wird, weil die Socialdemokratie und ihre zahlreichen Gönner genau wissen, daß mit dem Augenblicke, wo das Bürgerthum zum vollen Bewußtsein seiner In­teressengemeinschaft gelangt, der Niedergang des Umsturzes besiegelt ist, deshalb sucht man mit dem WorteAusnah­megesetz" zu schrecken. Als wenn es überhaupt möglich wäre, von Ausnahmegesetzen denen gegenüber zu sprechen, die sich selber eine Ausnahmestellung zuerkennen, die mit Bewußtsein ihren Stand außerhalb des Vaterlandes und der Nation nehmen.

Zu den unlauteren Hinderungsversuchen gehört auch die Darstellung, als seien die bösenAgrarier" ihrerseits auf dem Plane, eine Sammlung gegen die Regierung in die Wege zu leiten, um Souderzwecke in einer die Lebeus- ,Interessen der übrigen Stände gefährdenden Weise durch-

vor Freude bebender Stimme:Helene, denke, du hast ein Schwesterchen bekommen!"

Eine Schwester! Wie oft hatte ich sehnsüchtig dem Geschwisterpaare unsers Jägers nachgeschaut, wenn es Arm in Arm durch die Hecken lief und mir das Glück ausgemalt, welches ich empfinden würde an ihrer Stelle. Mein Vater zog mich in das verhangene Gemach, in welchem die Mutter bleich im Bett lag und in ihrem Arm meine Schwester hielt. Die- Eltern schauten be­troffen in mein Gesicht, über das jetzt Thräne um Thräne rollte.Helene, Herz," sagte meine gute Mutter, indem sie versuchte, den Arm um meinen Hals zu legen,freust du dich denn nicht über dein Schwesterchen und wirst du es nicht lieb haben, so wie wir?"

Zum ersten Male im Leben hatte mich das gute Mutterherz nicht verstanden unb nicht gefüllt, daß das Glück so groß und heilig in mir war, daß ich es mit Thränen besiegeln mußte. Ich beugte mich, ohne zum Sprechen fähig zu sein, über beide und küßte bald die Hand meiner Mutter, bald die zarten, seinen Fingerchen der Neugeborenen, die ich nicht aushören konnte zu be­wundern.

Wenn man in der Einsamkeit lebt, abgesondert von den sich jagenden Abwechselungen der Städte, dann wird schon jede Blüthe, die sich im Garten entwickelt, jede Freundlichkeit, mit der sich ein Mensch uns nähert, jede Kleinigkeit zu einem Ereigniß, das uns erfreut und seine Spuren zurückläßt Wie viel mehr mußte ein derartiges j Empfinden mit der Verwirklichung eines Traumes in mir aufleben, an die selbst meine kühnsten Wünsche nie zu

zusetzen. Das ganze Gerede dient nur dem alterprobten Grundsätze: Theile und herrsche! Es soll ein Keil der Zwietracht zwischen Regierung und Landwirthschaft, gleich- zeitig aber auch zwischen Landwirthschaft und Industrie nebst Handel getrieben werden.

Dann vermögen der unentwegte Freihandel, an dem die Lehren der Geschichte spurlos vorübergegangen sind und die internationale Revolutionspartei die Rolle der lachenden Dritten nach Herzenslust zu spielen. In Wirklichkeit ist gerade seitens der führenden Kreise der Landwirthschaft dem Sammelrufe der Regierung vollstes Verständniß und wärmste Sympathie entgegengebracht worden. Und es zeugt auch wahrlich nicht von der Verfolgung einseitiger Sonderzwecke, daß die weitaus überwiegende Mehrheit der Vertreter land- wirthschaftlicher Interessen sich von vornherein für die Marine-Forderungen erklärt hat, die doch gewiß an erster Stelle der Industrie und bem Handel zu dienen geeignet sind. Unsere Landwirthschaft weiß ebenso gut wie jeder andere Stand, daß sie sich zu Gunsten des Gesammtwohls Opser und Beschränkungen aufzuerlegen hat, und sie wird dementsprechend handeln. Sie in Widerspruch zu den übrigen Kreisen nationaler Arbeit zu setzen, dürfte vergeb­liches Bemühen sein.

Der Sammelruf der Regierung hat gezündet, aber auch die Zahl seiner Widersacher ist groß und äusserst rührig. Nur der gleiche Eifer auf Seiten der Freunde des Einigungs­weckes wird zum Ziele führen.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 1. Januar.

Heute fand im königlichen Schlöffe zu Berlin der übliche Neujahrsempsang statt, zu welchem die komman- direuden Generale sowie die Kommandeure der Leib- regimenter eingetroffen waren. Um 12*/+ Uhr begab sich der Kaiser zu Fuß im grauen Mantel, darüber das Band des Schwarzen Adlers, gefolgt von den General- adjutanten von Hahnke und von Pleffen und den Flügel- adjutanten, zur Ausgabe der Parole in's Zeughaus, lebhaft begrüßt von dem überaus zahlreichen Publikum. Vor dem Zeughause war als Ehrenwache eine Compagnie des Garde-Fusilier-Regiments mit Fahne und RegimentS- musik aufgettellt. Der Kaiser begrüßte die direkten Vor­gesetzten, schritt die Front ab und begab sich darauf in

glauben gewagt hatten. Es begann jetzt für mich eine Reihe von neuen Freuden, und da die gute Mutter seit der Geburt dieses Kindes nie wieder ganz gesund wurde, so überließ sie mir gern einen Theil der Pflege unseres Lieblings, den sie bei kräftigerer Gesundheit nicht ab­getreten haben würde.

Als sie sich nach langen Wochen etwas erholt hatte, wurde das Schwesterchen zur heiligen Taufe gebracht.

Es war die erste kirchliche Familienfeierlichkeit, der ich beiwohnte. Sie hat einen unauslöschlichen Eindruck auf mich gemacht.

Außer der uns eng befreundeten Familie des Pfarrers war der Bruder meines Vaters mit seiner Frau da, die beide das Kind über die Taufe hoben und ihm den NamenArabella" gaben, einen Namen, gegen den sich anfänglich der einfache Sinn der Mutter sträubte, aber mit dem die Palhen doch schließlich durchdrangen. Sie hatten gerade am Geburtstage meiner Schwester ein Buch gelesen, dessen Heldin Arabella hieß und die mit allen seelischen und körperlichen Reizen ausgestattet war, die sie selbst diesem Kurde wünschten. Sie sahen es als ein glückliches Vorzeichen an, und da sie selbst nie Kinder gehabt hatten, so beschlossen sie auch zugleich, was ich erst später erfuhr, Arabella zu ihrer Erbin einzusetzen. Ich selbst befand mich an dem Tage in einer nicht zu beschreibenden Stimmung.

Es war mir, als stäuben wir während der heiligen Handlung unmittelbar vor dem Antlitze Gottes, und als fordere er dermaleinst Rechenschaft von jedem Gedanken, den wir heute in Bezug auf diesen Täufling gehabt.