! ^r der Anklage stand, am 15. September d. Js. im -tadtwalde bei Gießen seinen Duellgegner, den Gerichts- iCCifsiften Friedrich Jacobi, im Zweikampf gelobtet zu toben, wurde gestern, Donnerstag Abend 7 Uhr, nach »kitägiger, umfangreicher Verhandlung das Urtheil ge- jUt, wonach der Angeklagte Schmitz zu einer Festungs- ßiafe von zwei Jahren und 6 Monaten verurtheilt wurde, Ehrend die übrigen Angeklagten von der gegen sie et: Ebenen Anklage der Beihülse zum Zweikampf kostenlgz impesprochen wurden.__(C. T.)
Mcher, -er Marschall Vorwärts,
geboren den 16. Dezember 1742.
In demselben Jahre, das mit der siegreichen Beendigung des ersten schlesischen Krieges Schlesien an Preu- ^h brächte, wurde in Rostock in Mecklenburg der Held geboren, der mehr als 70 Jahre darnach berühmt werden sollte als Führer der schlesischen Armee, als Sieger über den korsischen Tyrannen. In Blüchers elterlichem Hause ging es knapp zu. Mit zehn Jahren kam der kleine «ederecht Blücher zum Schwager von Korlivitz nach der Insel Rügen. Dort tummelte er sich weidlich : Klettern, Seilen und Jagen war die Hauptsache, von Lernen war weniger die Rede. Aber heller Verstand und gewaltige Willenskraft zeichneten den wilden Knaben aus, der auf seine Gespielen bald einen beherrschenden Einfluß aus- übte.
Als beim Beginn des siebenjährigen Krieges — 1756 - ein schwedisches Husaren-Regiment Rügen durchzog, nm der 14jährige Leberecht so begeistert von den schmucken Reitern, daß er den Seinigen durchging und sich als Junker bei den Schweden anstellen ließ. Bald that er sich durch Muth und kecke Husarenstreiche hervor, gerieth aber bei solcher Gelegenheit in die Gefangenschaft der Preußischen Belling-Husaren. Oberst von Belling fand soviel Gefallen an dem verwegenen Junker, daß er ihn für den preußischen Dienst gewann, nachdem Blücher von seinen schwedischen Verpflichtungen entbunden war. So wurde er 1760 preußischer Körnet und gewann die Gunst seines Chefs mehr und mehr trotz mancher tollen Jugendstreiche. Im Gefecht bei Auersbach machte er mit seinem Zuge 500 Gefangene; zum Lohne dieser kühnen Waffen- that wurde er schon im Juli 1761 Premier-Lieutenant. Nach dem Frieden schlug der flotte Husarenoffizier gar ju ost über die Stränge; und als er, inzwischen zum Stabsrittmeister befördert, den General v. Loffow zum Chef bekam, wurden seine Ausschreitungen nicht mehr so wilde beurtheilt, sodaß er, als im Regiment eine Eskadron frei wurde, einen unwillkommenen Einschub erhielt. Ta schrieb Blücher sofort an den König: „Da der Herr von Jägersfeld (der Einschub) weiter keine Verdienste hat, als daß er der Sohn des Markgrafen von Schwebt ist, so bitte ich Eurer Majestät um meinen Abschied." Friedrich der Große verfügte: „Der Rittmeister von Wucher hat solange Arrest, bis er sich eines andern besinnt." Blücher saß 9 Monate fest, beharrte aber starrköpfig auf seinem Abschiedsgesuch. Nun war die Geduld des Königs ebenfalls zu Ende und er dekretierte: „Der Rittmeister von Blücher ist hiermit entlassen und kann sich zum Teufel scheren."
Frohgemuth fand sich Blücher in die selbstverschuldete
Lage, wurde^Landwirth, heirathete und kaufte das Gut Beelitz bei Stargardt. Friedrich der Große lernte den trotzigen Rittmeister als tüchtigen Oekonom schätzen, bewilligte ihm sogar ein Darlehn zur Verbesserung seines Besitzes, war aber nicht zu bewegen, ihn wieder anzu- stellen. Erst König Friedrich Wilhelm II. nahm Blücher zu Gnaden an ; im März 1780 wurde er Major in seinem frühern Regiment mit einem Patent vor jenem Herrn von Jägersfeld, der der Stein des Anstoßes gewesen war. So war er wieder auf dem Posten, als es 1792 gegen die Franzosen ging. Nach dem Treffen von Kaiserslautern — 1794 — schlug Blücher durch eine kühne Attacke die Franzosen zurück, als sie gegen das Hardtgebirge vorzudringen versuchten.
Auch im Unglücksjahre 1806 zeichnete sich Blücher, jetzt General-Lieutenant, durch Kaltblütigkeit, Entschlossenheit und Kühnheit aus. Mustergiltig deckte er nach der Niederlage von Jena den Rückzug der Hohenlohischen Armee. Als Hohenlohe bei Pcenzlau kapitulierte, hatte Blücher gerade durch kühnen Vorstoß drei französische Kavallerie-Regimenter über den Haufen geworfen und 150 Gefangene gemacht. Nun warf er sich, um der französischen Uebermacht auszuweichen, ins Mecklenburgische und gelangte, in täglichen Gefechten sich muthig Bahn brechend, über Waren und Schwerin nach Lübeck. Hunger und Strapazen lichteten die Reihen seiner Streiter. Tapfer vertheidigte er sich in Lübeck gegen feindliche Uebermacht, mußte aber endlich die Stadt räumen. Trotzdem versuchte er noch einmal mit seiner todtesmatten, kleinen Schar einen Sturm auf die Stadt. Der Angriff wird abgeschlagen, und endlich, abgehetzt und halbverhungert, rings von französischen Massen umgeben, mußte sich Blüchers heldenmüthiges Häuflein ergeben. Das war die rühmlichste Kapitulation von Katkau, am 7. November 1806.
Kriegsgefangen geht der tapfere General durch die Straßen von Lübeck, ein paar Franzosen schlagen ihm übermüthig auf die Achsel. „Schlagt ihr nur," sagt Blücher, „ich schlage euch doch einmal wieder!" Im Mai 1807 wurde Blücher gegen den von den Preußen gefangenen Marschall Viktor ausgewechselt und begab sich nach Königsberg. Durch seine freimüthigen Aeußerungen über den „Tiehrannen", wie er Nrpoleon nannte, machte sich Blücher bei den französischen Machthabern so mißliebig, daß der König ihn 1812 entlassen mußte.
1813 schlug des 70jährigen Heldenjünglings Stunde. Die Befreiung des geknechteten Vaterlandes brauchte gewaltige Männer, die mit klarem Blick, festem Willen und starkem Arm Gott fürchteten und sonst nichts in der Welt, die rücksichtslos drunterfuhren und wuchtig zuschlu- gen. Gewaltige, eiserne Gestalten sind es, die preußischen Generale der Befreiungskriege, fest, markig und knorrig, wie Deutschlands Eichen, alle eins in der Liebe zum Vaterland und im Vorwärts gegen den verhaßten Feind, wenn sie sich auch manchmal nicht mit einander vertragen können. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen im Gespräch und im Streit; aber wie wissen sie nun ihren Leuten, ihren „Kindern", zuznreden. sie aufzurichten im Ungemach, sie zu begeistern im Kampf.
V^n Blüchers weltgeschichtlichen Großthaten im Befreiungskämpfe ein anderes Mal. Heute haben wir
kurze Rückschau gehalten auf die „ersten siebzig Jahre" des alten Helden, haben gesehen, wie aus einem wilden Knaben, einem stürmischen Jüngling, einem gar zu trotzigen Mann der preußische, der deutsche Heros wurde, dem nächst Gott in erster Linie die Niederwerfung des Tyrannen und die Befreiung des Vaterlandes zu danken war.
8 e r m i f d) I e I.
— Elbing, 14. Dezember. Die hiesige Strafkammer verurtheilte den Besitzer einer großen Exportdampfmühle wegen Nahrungsmittelverfälschung zu vierzehn Tagen Gefängniß und 1000 Mk. Geldstrafe. Er hatte als Primaroggenmehl, hauptsächlich nach Finnland, Schweden rc, ein Fabrikat geliefert, das mit zweitem Weizenmehl und aus dem Fußboden und den Maschinen- balken zusammengesegtem Kehrmehl versetzt war.
— Würzburg, 14. Dezember. Der 19jährige Bahnwärterssohn Sebald, der am 14. November Nacht« den Wien-Ostender Expreßzug bei Lohr durch Schienen- lösung gefährdet hatte, wurde zu 5 Jahren Zuchthaus verurtheilt.
— Die amtliche Untersuchung über den letzten großen Brand in der City zu London hat am Mittwoch begonnen. Es wurden mehrere Zeugen verhört, welche aussagten, daß das Feuer gleichzeitig an 2 Orten in den Geschäftsräumen des Hauses Waller and Brown ausbrach und daß die Flammen ganz weiß waren. Die Aussagen der Sachverständigen lauteten dahin, daß unbestreitbar der Brand nicht auf einen Zufall zurückzuführen ist.
— (Ursache und Wirkung.) Er: „Wir hatten gestern im Gewerbeverein einige sehr interessante Experimente mit elektrischen Strömen." — Sie: „D'rum kamst Du so stark geladen nach Hause!"
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Kirchliche Nachrichten.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag den 19. Dezember (IV. Advent).
Vormittags: Herr Pfarrer H o s b a ch.
Nachmittags: Herr Pfarrer Feyerabend.
Der Mittwoch-Abendgottesdienst in der Hospitalskapelle fällt für die nächsten beiden Festwochen aus.
Gottesdienst in der Baptisten-Kapelle.
Sonntag den 19. Dezember. Morgens 9'/, Uhr: Predigt von M. Gute. Mittags 12l/a Uhr: Kinder-GotteSdienst. Nachmittags 3 Uhr: Trauung. Abends 8 Uhr: Predigt von M. Gute. Mittwoch Abend 8'/, Uhr Betstunde.
Die Anstalt $etl|d bei Kielefeld erinnnert auch in diesem Jahre wiederum alle alten Freunde, daß lief) hier eine sehr große Schaar epileptischer Kranker und vieler anderer Leidender befindet, namentlich eine große Schaar kranker und verwaister Kindlein, deren Niemand in Weihnachten gedenkt ! Wir müssen, unser gesamtes Pflegepersonal mit eingerechnet, für fimlich 4000 Personen unter weit über 100 Weihnachtsbäumen sorgen!
Für die kleinste Gabe in baar oder natura wird darum von Herzen dankbar sein
F. von Bodelschwingh, Pastor.
Bethel b. Bielefeld, im Dezember 1897.
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