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SmabM Ki 18. Iezember
1897
erstes Blatt
KaiserWilhelm hat am Mittwoch in Kiel das [ stehenden Mehrkosten auf die Reichskaffe übernommen
Amtlicher ®l|eil
die dasige Gemeinde eidlich ver-
Politische Nachrichlcu.
wahrhaftig Und dieS-
als Orlsschätzer für Mchlet worden.
I. I.Nr. 6591.
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz Geheimer Regierungs-Rath.
Hersseld, den 15. Dezember 1897.
Der Bürgermeister Dippel zu Willingshain ist heute
Geschwader inspiziert, welches am Donnerstage nach Kiautschau in See gegangen ist. Der Kaiser redete den
Gratisbeilagen: „JUnftrirtes Sonnragsblatt" «. „Illnftrirte lan-Wirthschaftliche Beilage
werden. Ferner sollen, um dem wachsenden Bedürfniß nach silbernen Scheidemünzen nachzukommen, etwa 16 Millionen Mark in silbernen Fünfmarkstücken, etwa 8 Mill. in Zweimarkstücken und etwa 4</2 Millionen in Einmarkstücken geprägt werden.
Novelle von M. v. Esche n. (Fortsetzung.
„Ja, überlege, wähle, Liebling, es ist ja wcht so schwer, als Lady Steyne zu lebenI"
Florimel konnte nicht umhin, zu lächeln. „Aber ich kann auch das nicht!"
Inland.
Berlin, 16. Dezember.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Wenn heute der Bruder Sr. Majestät des Kaisers, Se. königliche Hoheit der Kontreadmiral Prinz Heinrich von Preußen, vom Kriegshafen an der Ostsee die Fahrt noch dem Osten Asiens antritt, so begleiten ihn und die von ihm geführte Expedition unserer Marine die wärmsten Wünsche aller deutschen Herzen im Vaterlande und in der weiten Welt! Für ein glückliches Gelingen sind in der Person des prinzlichen Admirals und in der Tüchtigkeit unserer zwar nur kleinen Marine die besten Garantieen gegeben. Wenn Kaiser Wilhelm II. nicht gezögert hat, für die Erhaltung der Ehre des Reiches nach Außen seinen einzigen Bruder einzusetzen, wenn es gilt, in Ost- “fien der Kultur und der Menschheit Dienste zu leisten, das Kreuz des Christenthums, welches deutsche Priester dort aufgepflanzt haben, und den Handel deutscher Kaufleute dort zu schützen, wenn die dem Prinzen und seiner Heeresmacht gestellte Aufgabe die eines Schutzes und nicht des Trutzes ist, und wenn Prinz Heinrich selbst seine wichtige Mission in dem hohen Sinne auffaßt, wie e® seine gestern beim Abschiedsmahl in Kiel gehaltene Rede zum Ausdruck bringt, dann sind in alle Dem Ver- deißung und Bürgschaft des guten Erfolges gegeben. W seinem Kaiser ruft das deutsche Volk dem Prinz- Admiral bei feinem Scheiden zu: G u t e A u s r i ch t u n g und fröhliche Heimkehr!
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mal war Mylord von dem, was er sagte, überzeugt
Florimel war allein im Zimmer. Man hatte ihr Zeit gegeben, zu überlegen und zu wählen, man Halle ihr ernstlich eingeschärft, gehorsam zu sein. Mit schwerem Herzen und trüben Augen saß sie in der tiefen Nrsche des mächtigen Fensters und schaute hinaus durch die glänzenden Scheiben aus die sich bunt tummelnde Menge Ju ihren Füßen, aus die allen Bäume drüben in St. 3anies-Park, hinaus in das warme Sonnenlicht, in dem ein jedes Gesicht, das vorüberging, ob noch so alt, ob Hort) so faltig, in einem Schimmer von Freude zu leuchten i^ien, in dem die Blätter, von köstlichem Frühlingöhauche ^roegt, so glänzend flüsterten und kosten, in dem die Falter so leicht beschwingt von Blüthe zu Blüthe gaukelten
Wonne und Liebeslust; das Leben war so schön, das Glück so köstlich! Immer klarer wurden die dunkeln Augen, immer fester preßten sich die Lipppen auf einander : „Kampf um Leben, um Glück bis zum Tode!"
Und: „Lord Steyne I" meldete der Diener.
„Lady Florimel, ich erlaube mir, Sie als meine Braut zu begrüßen!" Lord Steyne trat ein, ehe er abgewiesen werden konnte, so fein, so elegant, so glatt rasiert wie nur je in seinem Leben, mit seiner stolzen Haltung, seinem selbstbewußten Ausdruck in den kühle», hellen
Mannschaften mit markigen Worten ins Gewissen, daß sie dazu berufen sind, die deutsche Manneszucht und Tapferkeit, die auf dem Felde der Ehre schon so oft und so glänzend erprobt ist, von neuem zu bewähren, den deutschen Namen, der durch die Ausbrüche der chinesischen Volksleidenschaft beleidigt worden ist, in kraftvoller Weise zur Geltung zu bringen und unsere Landsleute im fernen Osten gegen weitere Vergewaltigung zu schützen. — Die Kaiserlichen Prinzen hatten sich am Donnerstag Morgen nach Kiel zur Begrüßung des Kaisers begeben. Die Abreise der Prinzen in die Weihnachtsferien nach Potsdam erfolgt am 21. Dezember. Die Rückkehr nach Plön ist auf den 4. Januar festgesetzt.
Friedrich sruh, 16. Dezember. Um 73/4 Uhr Abends ist Se. Majestät der Kaiser in Begleitung Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Adalbert mittels Sonderzuges hier eingetroffen. Gras Rantzau begrüßte Se. Majestät den Kaiser Namens des Fürsten Bismarck, da diesem sein Gesundheitszustand nicht erlaubte, persönlich zum Empfange Sr. Majestät am Bahnhof zu erscheinen. Unter den Hurrahrufen des Publikums begaben sich sodann Se. Majestät der Kaiser und Se. Königl. Hoheit Prinz Adalbert, Beide in Marineuniform, in Begleitung des Gefolges nach dem Schlosse. Fackeltragende Bahnbedienstete und Feuerwehrmänner bildeten längs des Weges Spalier. — Als der Kaiser das Schloß betrat, erwartete ihn Fürst Bismarck, im Rollstuhle sitzend, im ersten Salon. Die Herrschaften begaben sich alsbald in das Speisezimmer zum Diner. Gegen 9 Uhr begleitete der Graf und die Gräfin Rantzau den Kaiser unter fortwährenden Hurrahrufen des Publikums zum Zuge. Der Kaiser verabschiedete sich freundlichst, bis der Zug die Station verließ.
Ihre Majestät die 6 a i s e r i n , welche seit ineh ceren Tagen stark erkältet war, befindet sich auf dem Wege der Besserung.
Einem heutigen Beschlusse des Bundesrathes zufolge, sollen, um dem in neuerer Zeit sühlbar gewordenen Mangel an Kronen (Zehnmarkstücken) abzu- helfen, bei der nächsten für Rechnung der Reichsbank stattfindenden Goldausprägungen bis zur Höhe von 20 Millionen Mark unter Verteilung auf sämmtliche deutsche Münzstätten Kronen ausgeprägt und die hierdurch ent-
Augen um den scharf geschnittenen Mund, in dem langgestreckten Kinn.
Das schöne Mädchen blickte auf.
„Habe ich Ihnen hierzu schon die Erlaubniß gegeben ?" fragte sie scharf, neigte den Kopf und wandle ihn zur Seite.
„Noch nicht, aber Mylord und Mylady, und Sie werden es thun!" Mit ehrfurchtsvoller Verbeugung, sicher im Gefühl seines Werthes, trat er ihr näher.
„Mylord und Carl von Steyne," faßte sich Florimel, ihm das volle Gesicht entschlossen zuwendend, „hören Sie mich an. — Nein, legen Sie Ihre Blumen dorthin," bedeutete sie ihn, das ihr gebotene Bouguel von Orangen und Veilchen abweisend, «setzen Sie sich hierher, hören Sie mich 1"
„Ich höre," versicherte der Earl gehorsam, und in ruhiger Erwartung ließ sich Seine Herrlichkeit auf den ihm gebotenen Stuhl nieder.
„Mylord, ich itebe Sie nicht!"
MylordS Mienen sahen nicht gerade überrascht, aber doch, trotz des ihnen eigenen Charakters der Undurch- dringlichkeit, unangenehm berührt aus. „Das thut nur leid, Lady Florimel, aber es thut nichts 1"
„Es thut nichts?" fragte die Lady erstaunt.
„Ich liebe Sie, und wenn Sie nur meine Frau werden wollen!" Lord Steyne blickte sie an voll Entzücken ; er sah so ergeben aus und so entschlossen.
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Die Weihnachtspause des Reichstages soll morgen oder übermorgen beginnen und bis zum 11. Januar dauern. Der Seniorenkonvent hat gestern diese Disposition gutgeheißen. In der ersten Sitzung nach Neujahr soll die Novelle zur Civilprozeßordnung zur Berathung gelangen.
Die Budget-Kommisston des R e i ch s t a g e s hat beschlossen, zunächst in die Berathung des Etats einzutreten, sich aber vorbehalten, die Berathung der Flotten-Vorlage im Anschluß an den Marine Etat vorzunehmen.
In D ü r e n hat stch eine Versammlung von 55 Groß- industriellen und Kaufleuten einstimmig für eine Vermehrung der Flotte ausgesprochen; es wurde eine Kom- misston mit der Abfassung einer Resolution an den dortigen Reichstags-Abgeordneten Grafen Hompesch betraut, in welcher dieser ersucht werden soll, für die Flotten-Vorlage in ihrem vollen Umfange einzutreten.
«uSland.
Der Statthalter von Böhmen, Graf Coudenhove, ist von diesem Posten^alwerufen. Als er eine Deputation deutsch-böhmischer Abgeordneter empfing, die ihn um Schutz für die Deutschen baten, soll er ihnen geantwortet haben, die Deutschen in Prag seien fremd, sie hätten sich aller Demonstrationen zu enthalten. An seine Stelle kommt der bisherige Statthalter von Dalmatien, Feldzeugmeister Ritter ü. David.
Das Strafgericht in Prag verurtheilte wegen der in den letzten Tagen stattgehabten Ausschreitungen fünf Personen zu Strafen bis zu acht Monaten schweren Kerkers. Zwei Personen wurden freigesprochen.
Der zur zweiten Division des ostasiatischen Geschwaders gehörende Kreuzer „Kaiserin Augusta" ist am 14. Dezember in Singapore angenommen und ist am 16. Dezember nach Hongkonk in See gegangen.
Aus Kapstadt wird gemeldet, daß der erste Theil der deutschen Bahnlinie nach Windhoek im Damaralande eröffnet worden ist, und daß die deutschen Verwaltungsorgane die ihnen von den Behörden der KapKolonie geleistete Hilfe bei der Unterdrückung des Aufstandes an der Grenze sehr anerkennen.
„O doch r erklärte der zärtliche Freier in zuversichtlicher, selbstbewußter Ruhe.
„Nein, niemals!" kam es jetzt leidenschaftlich über Florimelö Lippen.
„Doch!" entschied noch einmal Mylord in unverwüstlichem Vertrauen ; dann hingerissen von dem durch die Erregung erhöhten Reiz ihrer Schönheit, von seinem durch die Weigerung erhöhten Verlangen nach ihrem Besitz und eingedenk seiner Wette — „Doch, Sie müssen!" Er schien ernstlich gewillt, nicht von seinem Vorhaben zu weichen.
„Wollen Sie mich zwingen?"
„Nein!" sagte Lord Steyne kühl und stolz, vielleicht sagten es für ihn die langen Reihen seiner Ahnen, die Grundsätze und Gewohnheiten eines langen Lebens, würdig der alten Herren in den lockigen Perrücken und gestickten Kleidern auf den Familienbildern in Steyne-Hall.
„Sie sind ein Edelmann, Mylord!"
„Ja, das bin ich!" war die Antwort von gleich stolzem Klang.
„So geben Sie mich frei, geben Sie meinem Vater fein Wort zurück!"
„Ein Edelmann bricht nie sein Wort. Ich würde meine Wette verlieren!" murmelte er leise. „Lady Flo- rimel, ich kann nicht!"
„Aber wenn ich nun Ihre Frau nicht werden kann?"
„So werd' ich warten, bis Sie können!" Mylord blieb unerschütterlich.
„Und wenn ich nun nicht will?"
„So werd ich warten, bis Sie wollen l"