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Gratisbeilagen:Illustrirter Ksnntagrblatt" n.)llnftrirte landwirthschaftliche Beilage".

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Donnerstag teil 16. Iezmber

189?.

Amtlicher Theil.

Hersseld, den 15. Dezember 1897.

Auf Antrag des hiesigen Detaillisten-VereinS werden die Verkaussstunden für die hiesigen Ladenbesitzer am nächsten Sonntage, dem 19. d. MtL., bis Abends acht Uhr verlängert.

I. 6680. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Der Beginn des nächsten Kursus zur Ausbildung von Lehrschmiedemeistern an der Lehrschmiede zu Char- lottenburg ist auf Montag den 28. Februar 1898 festgesetzt.

Anmeldungen sind an den Direktor des Instituts, Oberroßarzt a. D. B r a n d zu Charloltenburg, Spree- straße 42, zu richten. (A. II. 12037.)

Cassel, am 3. Dezember 1897.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Bremer.

Gefunden: Eine Peitsche und eine Laterne. Mel­dung des Eigenthümer« bei dem Ortsvorstand zu Obergeis.

Nichtamtlicher Theil.

% W^Wlinnt im Rtichstiige.

Die erste Lesung des Reichshaushalts gab dem neuen Staatssekretär des Reichsschatzamts von Thielmann Ge­legenheit, sich im Reichstage als Finanzminister eiiizu- sühren. Man wird ihm nachrühmen dürfen, daß er den Erwartungen entsprochen hat. Sehr zu statten kam ihm freilich, daß er dem Hause überwiegend Angenehmes vorzutragen hatte. Die drei Jahre, welche er seiner Betrachtung unterzog, das vergangene, das gegenwärtig laufende und das kommende, bieten in der That das Bild einer erfreulichen Finanzlage, so daß ein auf diese gestützter Minister eines gewissen Wohlwollens seitens der Volkspertreter im voraus sicher sein kann. Das Reich kann allen seinen Bedürfnissen ohne neue Steuern genügen, auch denen der Flotte. Diese günstige Position halte sich Herr v. Thielmann noch dadurch verstärkt, daß er eine Vorlage über Verwendung von Ueberschüssen zur Schuldentilgung, wie sie in den letzten zwei Jab en aas

Die Wette.

Novelle von M. v. Eschen.

(Fortsetzung.

Aber William!" Mylady war beinahe aufgeregt geworden.Bin ich denn deine erste Liebe, oder du die meine? Sind wir etwa nicht glücklich?"

Die erste Frage hatte es Mylord gedrängt zu beant­worten ; bei der letzten halte er gezögert. Und doch, er bewohnte eines der schönsten Häuser in Belgravia, er hielt die theuersten Pferde, eine Loge in der Royal Opera und im Playhouse; er besuchte Konzerte, noch mehr, er hatte einen Sitz im Parlament, er war in allen vornehmen Gesellschaften; sein Haus war ein Juwel an Eleganz; seine Frau, wie sie da saß, trotz bes aufregenden Gegenstandes der Unterhaltung, bei dem " es nicht leicht fand, ruhig zu bleiben eine tadellose Lady; seine Tochter eine Schönheit lind Erbin fein Liebling.Ja," hatte er am Schlaffe seiner Betrach­tungen gesagt jedes Bedenken war überwunden, du hast recht, meine Liebe, und Florimel wird Lady Steyne!"

In diesem Augenblicke, gerade zur günstigen Stunde, war Mylord gekommen. Er hatte des Hausherrn Wort erhalten undEin Edelmann hält stets sein Wort!

Und nun kehrte auch Florimel von ihrem Ritt im Park zurück. Es war spät geworden; die Frühstücks­glocke durchtöute das Haus; kaum hatte die junge Dame noch Zeit, sich umzukleiden und mit etwas Puder die glühheißeu Wange», die Verräther des Herzens, zu

der Anregung des Hauses hervorgegangen war, sofort mit dem Etat vorlegte. Er sicherte sich dadurch den be­sondern Dank der Centrumspartei, ebenso wie er die Zustimmung der Freisinnigen fand, als er, nicht ohne aus die Uebereinstimmung mit dem freisinnigen Finanz­politiker hinzuweisen, die Verwendung aller eigenen Überschüsse des Reiches, statt sie als Einnahme in den übernächsten Etat einzustell^n, zur Schuldentilgung als sein Ideal bezeichnete.

Aus der knappen Charakterisirung der einzelnen Etats sei hervorgehoben, daß Herr v. Thielmann die Wiederaufnahme der internationalen Verhandlungen über die Abschaffung der Zuckerausfuhr-Prämien ankündigte, nicht ohne ausdrücklich der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß sie diesmal unter dem Drucke des amerikanischen Tarifs zu einem positiven Ergebniß führen würden. Bei den Zöllen machte er die erfreuliche Mittheilung, daß zwischen den Bundesregierungen eine Vereinbarung im Werke sei, welche den berechtigten Beschwerden über die Unsicherheit betreffs der Tarifirung der Waaren Ab­hilfe gewähren würde. Herr v. Thielmann schloß mit der Versicherung, daß ihm die Kritik willkommen sei. Sie wird ihm nicht fehlen. Bis zu einem gewiffen Grade aber hat er die Gegner durch sein schlichtes, offenes und festes Auftreten im voraus entwaffnet.

Von den Rednern des Hauses sprach der Abg. Fritzen im Namen des Centrums überaus entgegenkommend. Die Mehrforderungen in den verschiedenen Etats fanden an ihm einen milden Beurtheiler. Mit besonderer Freundlichkeit sprach er sich für die beträchtliche Er- höhu.ig des Repräsentationsgehaltes des Reichskanzlers aus. Auch Herrn Richter bereitete er wieder eine kleine Enttäuschung mit der Ankündigung, daß das Centrum die Kosten des in Südwest-Afrika ohne vorherige Ge­nehmigung des Reichstages vorgenommenen Bahnbaues anstandslos bewilligen werde. DieFreis. Ztg." hatte den Plan, aus dieserVerletzung des Etatsrechtes" eine besondere Waffe für den großen Feldzug gegen den Ab­solutismus zu schmieden. Damit ist es also wieder nichts. Sehr angenehm berührt zeigte sich Herr Fritzen natürlich durch die Anerkennung der Finanzpolitik des Centrums. Trotzdem erklärte er sich entschieden gegen jede Erhöhung der indirekten Steuern.

Den Löwenantheil der Verhandlungen nahm sich unter den übrigen Rednern Herr Bebel. Es wäre aber schwer zu sagen, wie sich seiner langen Rede irgend ein

bleichen. Als sie aus ihrem Zimmer trat, hinunter zu gehen, hörte sie Lord Steyne von den Eltern sich verab­schieden ; sie blieb zurück, sie mochte dem unliebsamen Freier nicht begegnen, und dieser zog es vor, jetzt zu gehe», um dann wiederzukommen, wenn die bei dem Vater, noch richtiger bei der Mutter begonnene Werbung, von beiden vollendet, ihm die Braut zum Willkommen entgegenführen würde.

Florimel, die oben auf dem Korridor verdeckt hinter einer Statue lehnte, verstand nichts von den Worte», die drunten gewechselt wnrden, instinktiv nur hörte sie aus dem freudigen, vertraulichen Klänge ein beängstigen­de Etwas. Ihre glückliche Stimmung, die schon bei dem Anblick Lord Steyne« wankend geworden war, mich immer mehr; es kam über sie wie ein trübes Ahnen, als sie nach wenigen Minuten den stolz leuchtenden Augen der Mutter, den nicht minder verklärten, beinahe feierlichen Mienen des Vaters gegenüber beim Frühstück saß.

Und als der Mylord mit dein Kopfe nickte, zum Zeichen, daß das wichtige Geschäft des Frühstücks vorüber sei, das er nicht gewillt gewesen war, durch irgend welche Gemüthsbewegungen zu stören, und sagte: Florimel, ich habe noch mit dir zu reden," wurde die junge Dame vielleicht um einen Schatten bleicher, zitterte vielleicht ihre kleine Hand, die eben das Glas auf den Tisch gesetzt hatte; aber schon, als sie kaum des Vaters Zimmer betreten hatte, war ihre Farbe eben so ruhig, wie ihr Wille fest, so fest wie der Wille Mylords, fest und zähe, wie der Wille und das Wesen der alten Angelsachsen.

1 bedeutender oder gar neuer Gesichtspunkt abgewinnen ließe. Er sang das alte Lied, daß durch den Militär« und Marine-Etat bei uns alles ruiniert wird. Sonst besorgt dies Herr Liebknecht, da derselbe diesmal ver­hindert ist, so sprang der Abg. Bebel ein. Man kann aber nicht sagen, daß er die alten Geschichten durch die Beigabe einer aus dem Zeilungsklatsch des letzten halben Jahres bereiteten Sauce schmackhafter gemacht hätte. So wurde es denn auch dem Grafen Posadowsky leicht, seine Angriffe, namentlich die auf die mangelnde Ar­beiterfreundlichkeit der Regierung, zurückzuweisen. Die Hervorhebung allein, daß die Regierung täglich eine Million für die Arbeiterwohlfahrt auf Grund ihrer Socialgesetzgebung ausgiebt, besagt mehr, als alle Reden Bebels und seiner Freunde.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 14. Dezember.

Se. Majestät der Kaiser unternahm gestern Nachmittag einen Spaziergang und verweilte darauf im Arbeitszimmer. Um 6 Uhr 2 Min. begab sich Se. Ma­jestät nach Berlin und nahm das Diner bei dem kom- mandirenden Admiral, Admiral v. Knorr, ein. Um 10 Uhr 30 Min. kehrte Allerhöchstderselbe nach dem Neuen Palais zurück. Heute Morgen hörte Se. Majestät um 9 Uhr den Vortrag des Chefs des Militairkabinets, Ge­nerals v. Hahnke, und empfing um 11 Uhr den Ober­quartiermeister, Generalmajor Frhrn. v. Gayl.

In der Preffe sind Angaben über Aeußerungen verbreitet worden, die Se. Majestät der Kaiser und König in einem Gespräch mit dem ungarischen Reichs - tags-Abgeocdneten Grafen Eugen Z i ch y gethan haben soll. Es werden dabei namentlich zwei Bemerk­ungen angeführt, Deren eine auf die Entsendung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich nach China, die andere auf die parlamentarische Lage in Ungarn Bezug hat. Diese Angaben sind unbegründet.

Der Generallieutenant von Bock und Polach, Kom­mandeur der 20. Division, ist unter Beförderung zum General der Infanterie zum kommandierenden General des Gardekorps ernannt worden. Der bisherige kommandierende General von Winterfeldt ist in Genehmigung feines Abschiedsgesuches unter Be-

Florimel," begann Mylord nach einigem Schweigen, ich habe heute Morgen Lord Steyne deine Hand zu- gesagt!"

Die junge Dame erschrak bis in das innerste Herz. Das wolle Gott nicht!"

Hm!" und wieder Schweigen.Doch, doch, Flo- rimel!"

Das thut mir leid mein Vater," sie sah bittend zu ihm auf,ich liebe ihn nicht!"

Lord Harringtons Gesicht wurde lang, länger noch als gewöhnlich ; seine Augen ruhten, um den, Blick seiner Tochter nicht zu begegnen, unverwandt auf dem Kamin- sims, als gelte es, Den Lauf der Zeit sekundeweise zu verfolgen.

Du wirst ihn lieben, Kind," meinte Mylord beruhi­gend,denn du du wirst ihn heirathen!" Seine Hano strich liebkosend das goldene Haar.

Unmöglich, nimmermehr!" Sie bog den schönen Kopf zurück.

Florimel, ich habe mein Wort gegeben!"

Warum hast du mich nicht gefragt?"

Mylord sah sehr unbehaglich aus.

Bin ich eine Sklavin, die man so ungefragt ver- giebt mit feinem Worte?" Die junge Dame hatte auch heißes Blut, wie ihr Geliebter, und stolzen, freien Sinn.

Florimel! Liebling!" Mylords Stimme zitterte

Seit wann fragen die Eltern ihre Kinder um das was sie thu» sollen, seit wann wissen thörichte Mädchen besser als die Eltern, was ihnen taugt?" Myladys