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Ausreise des Expeditions-Geschwaders nach China.

Die KriegsschiffeDeutschland" undGefion" der neugebildeten zweiten, dem Befehl des Prinz-Admirals Heinrich unterstellten Division des Kreuzer-Geschwaders das dritte Kriegsschiff, dieKaiserin Augusta", schwimmt bereits im Indischen Ocean verlassen an diesem Mittwoch Morgen den Kieler Hafen zur Fahrt in die fernen Meere, denen die deutsche KriegSflagge die Macht und Herrlichkeit, aber auch die friedliche Kultur- Mission des deutschen Reiches verkünden soll. Zwei Tage später wird auf Dampfern des Norddeutschen Lloyd die zur Unterstützung der Landungs-Abtheilung des Kreuzer-Geschwaders aus Infanterie, Artillerie und Pionieren zusammengesetzte Truppen - Expedition den deutschen Boden verlassen, um, wie der Prinz-Admiral Heinrich beim Abschied den Offizieren der Altonaer Garnison zurief, im Namen des Kaisers, zu seiner Ehre und zur Ehre des Vaterlandes ihres Amtes zu walten.

Der Ruf des Kaisers nach Freiwilligen, der an alle Infanterie-Regimenter ergangen war, hat einen glänzen­den Erfolg gehabt; Meldungen gingen in großer Zahl ein, nur ein geringer Theil der Freiwilligen konnte ein­gestellt werden. Der Appell an die Waffenfreudigkeit findet noch immer ein Echo in den deutschen Herzen. Der Geist treuer Pflichterfüllung ist auch heute noch in unserm Heere in alter Kraft lebendig; derselbe Geist, der in den mörderischen Schlachten des deutsch-fran­zösischen Krieges so herrliche Großthaten verrichtete.

Prinz-Admiral Heinrich und die wackern deutschen Soldaten gehen ungleich schwereren Aufgaben entgegen, als sie das heimathliche Garnisonleben fordert. Sie alle haben Anspruch darauf, daß Heimath und Vaterland sie nicht ohne Segensspruch und Segenswunsch entlasten; es ist eine erlesene Schar blühender deutscher Jugend, es ist ein Stück Deutschland und nicht das schlechteste, das mit ihnen fernhin über die Meere zieht, um die Wacht zu halten für Deutschlands Ehre und Würde. Als Pioniere deutscher Macht ziehen sie aus; mögen sie alle aus friedlicher oder kriegerischer Pflichterfüllung der­einst ehrenvoll und fröhlich in die Heimath zurück­kehren !

Die Wette.

Novelle von M. v. Esche n.

(Fortsetzung.

Zwei gegen eines aus Quick!"Vierzehn gegen sieben auf Lovelace!"Neunzehn gegen zwölf auf Kilmare!" tönte es laut neben den Streitende».

Auch verschiedene Meinungen ? Wetten, wetten !' rief Baronet Simson vergnügt den Herren zu; er hatte eben mit seinem Freunde die Ansicht über den zum zweiten Male die Bahn durchlaufenden Favourite ge­wechselt und gegen jene behauptet.

Wetten" Mylord wiederholte das Wort^ ver­wundert. Dann, ganz in der Stimmung des Tages, rief er plötzlich entzückt:Welten, Colonel, Sie werden verlieren!"

Welten, Mylord!" auch der Colonel nahm es heißblütig auf.

Und der Preis?" rief der Baronet dazwischen, der nicht anders dachte, als die Wette gelte bem Renner._

Der Preis?" die Herren blickten etwas bestürzt ein­ander an.

Der Preis, Lord Steyne," der junge Mann sagte es weich,der Preis liegt nicht in unserer Hand.^ Wer gewinnt empfängt ihn; wer verliert," seine Stimme feilste sich tiefer,zahlt ihn, aber in einer Münze bte der andere nicht annehmen kann, weil geopfertes Herz- blut ein Werth ohne Prägung, wohl überall zu Hause, doch ohne Cours!"

Politische Nachrichteu.

Inland.

Berlin, 11. Dezember.

Heute Vormittag um ^9 Uhr empfing Seine M a j e st ä t der Kaiser den Baurath Schmücket und hörte danach den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, Generals v Hahnke. Um 10 Uhr Vormittags gedachte Se. Majestät sich nach dem Entenfang zur Fasanenjagd zu begeben.

Se. Majestät der Kaiser wird am Dienstag Nach­mittag in Kiel erwartet. Am Dienstag Abend findet dort im königlichen Schlöffe aus Anlaß der Abreise Sr. königl. Hoheit des P r i n z e n H e i n r i ch ein Diner statt, an welchem das Gefolge Sr. Majestät, die in Kiel anwesenden Admirale, die Offiziere S. M. Schiffe Deutschland" undG e f i o n" sowie die nach China designirten Offiziere des Seebataillons theilnehmen. Am Mittwoch werden sich Se. Majestät der Kaiser, Se. kgl. Hoheit Prinz Heinrich und das kaiserliche Gefolge auf dem KreuzerDeutschland" einschiffen ; Se. Majestät wird Sr. königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich das Geleit bis Brunsbüttel oder Rendelsburg geben.

Die erste Lesung der Marine-Vorlage war von dem lebhaftesten Interesse der gesammten Bevölkerung ! begleitet; der Appell an die Vaterlandsliebe, der in der Marine-Vorlage enthalten ist, hat ein gutes Echo ge­funden. Denn unzweifelhaft hat in der letzten Zeit das Veruändniß für die Bedeutung der See-Interessen und die Wirkung der Seegeltung Deutschlands in weiten Schichten unseres Volkes zugenommen, und damit ist in gleichem Maße die Ueberzeugung vorgeschritten, daß wir, wie der Reichskanzler sagte,einer zwar nicht großen, aber leistungsfähigen und achtunggebietenden Kriegsflotte" unbedingt bedürfen. Ebenso ist die Erkenntniß gewachsen, daß die Kriegsmarine mit der Erfüllung ihrer Aufgaben dem ganzen Volke, allen Erwerbständen ohne Aus­nahme, der Landwirthschaft wie dem Handel und der Industrie, dem Arbeiter wie dem Unternehmer, dem Binnenlande wie den Seeufer-Staaten diene. In den Reden der Abgeordneten Hammacher, Graf Limburg und Graf Stolberg kam dies in beredter Weise zum Ausdruck. Die Waffen entscheide» über die Welt; und nicht die Ueberlegenheit der Kultur, sondern Streitbarkeit und

Unsinn!" murmelte Mylord.Seien Sie ver­nünftig, Mac Donald, lasten Sie uns wetten!"

Wohl denn, Mylord, wetten wir um der Wette Preis oder einen aufrichtigen Glückwunsch, wenn Sie wollen!"

Es sei!" Mylord konnte nicht umhin, dem jungen Mann, der die von ihm vorgeschlagene, gar eigenthüm­liche Wette in die ihr zukommenden Schranken gewiesen hatte, wenn auch noch so sehr von oben herab, doch freundlich zuzulächeln.

Und nun Kampf, Mylord, ein jeder sei des andern erklärter Gegner und sehe zu, wie er seinen Preis ge­winnt!" und übermüthig, kampfeslustig, siegeSgewiß blitzten die blauen Augen Mac Donalds.

Hoh, ob er Lovelace geschlagen!" rief jetzt Borenet Simson, und Trommeln und Trompeten verkündeten den Sieg des prächtigen Grauschimmels, der eben sein Ziel erreichte.Wer von Ihnen hat gewonnen, Lord Steyne?" Aber ohne eine Antwort des Gefragten zu erwarten, wurde der Baronet von seinen Partnern und Gegnern umdrängt.

Das Rennen war zu Ende. Florimel wandte sich, als sähen ihre schönen Augen den Lord nicht, wie er selbstverständlich auf sie wartend dastand, zu dem Colonel. Führen Sie mich ^um Wagen, Mac Donald!" sagte sie und legte, als könne es gar nicht anders fein, ihren Arm in den des jungen Mannes.

Lord Steyne tröstete sich einstweilen mit Myladys Gunst; Lord Harrington machte den Schluß:Es war ein prächtiger Spaß, nicht wahr, wie Ihr Fuchs den

Sinneseinheit erhalten die Völker. Möge aus unsern Berathungen eine streitbare Flotte und ein sinneseiniger Reichstag hervorgehen!" Dies Wort, mit dem der Abg. Lieber seine Rede schloß, bildet eine wirkungsvolle Er­gänzung zu der Erklärung, mit der der Reichskanzler die Berathungen einleitete, und in der es u. a. hieß: Die Vorlage zeigt Ihnen, daß wir nicht daran denken, mit den großen Seemächten zu rivalisieren, und für den, der Augen hat zu sehen, zeigt sie, daß uns der Gedanke einer Politik der Abenteuer fern liegt. Gerade aber zur Führung einer friedlichen Politik, wie wir sie wollen, muß unsere Flotte einen Machtfaktor bilden, der in den Augen von Freund und Feind ausreichendes Gewicht besitzt!" Es wird eine That in der deutschen Ge­schichte sein, die unserm Volke zur Ehre und zum Nutzen gereicht und im Auslande einen starken Eindruck hervor- bringt, wenn in der Flottenfrage die Regierungen und die Volksvertretung sich zu baldiger Entscheidung in voller Einigkeit die Hände reichen. Diese Hoffnung ist um so mehr berechtigt, als in den Grundfragen eine weitgehende Uebereinstimmung der Ansichten und Ziele besteht. Die noch vorhandenen Bedenken zu beseitigen und die entgegenstehenden Hindernisse aus dem Wege zu räumen, fällt der Budget-Kommission zu, an die der Gesetzentwurf verwiesen ist.

Nach der vom Marine-Oberkommando festgesetzten Reiseroute der 2. Division des Kreuzergeschwaders wird Prinz-Admiral Heinrich bei seiner Ausreise nach Ostasien 58 Tage in See sein, ehe sein Flaggschiff in einem chinesischen Hafen vor Anker gehen wird. In der Kiaut- schau-Bucht kann der Prinz-Admiral erst innerhalb der zweiten Hälfte des Februar einlaufen.

Laut Umfrage-Ergebniß der statistischen Ver­einigung derRübenzucker-Jndustrie vom 10. Dezember bezüglich der Ernte der drei Hauptzucker­länder Europas im Vergleich zum Vorjahr wird dieselbe geschätzt in Deutschland auf 1805 000 Tonnen gegen 1 821 000 Tonnen des Vorjahres, in Oesterreich-Ungarn auf 830 000 Tonnen gegen 929 900 Tonnen des Vor­jahres und in Frankreich auf 749 000 gegen 703 300 Tonnen des Vorjahres.

Die Handelskammern sind von den Oberpräsidenten ersucht worden, sich gutachtlich über Vorschläge wegen der Preisnotirung für Getreide zu äußern.

Der sozialdemokratischeVorwärts" hatte das Vorgehen des Deutschen Reiches in China

Rappen überholte!" Freundlich klopfte er dem jungen Mann auf die Schulter.Wie? Florimel!" nickte er der Tochter zärtlich zu.

Die Herren geleiteten ihre Damen zum Wagen und empfahlen sich für einen Augenblick, um nach ihren Rennern zu sehen. Mit ihren Pferden hatten sie dann bald den Wagen eingeholt. Florimel rief Mac Donald au ihre Seite, die ver Beglückte auch nicht mehr bis zur Ankunft in der Stadt verließ.

Nun, Mylord?" fragte der Colonel fast übermüthig, als sich die Herren in Belgravia von den Harringtons verabschiedet hatten, um ihr Quartier aufzusuchen.

Bah" Lord Steyne senkte verächtlich lächelnd die Wuiibminfel noch tiefer, als es Mutter Natur und leidige Gewohnheit schon gethan hatten.

Wir werden ja jehen!" war die fröhlich gegebene Antwort Mac Donalds.Adieu, Mylord!" Seit heute glaubte er an Florimelö Liebe und an sein Glück.

Am liebsten hätte er in seiner siegreichen Hoffnung, die die Kraft der Liebe giebt und geben muß, wenn sie jung und wenn sie echt ist, laut aufgejauchzt hätte er sich nicht zur rechten Zeit besonnen, daß er in den Straßen von London und noch dazu in denen des aristokratischen Viertels war. In süße Träume ver­sunken, hatte er mehr seinem trefflich geschulten Pferde als sich selbst zu danken, daß er wohlbehalten zu Hause anlangte.

ES war noch früh am andern Morgen In der City freilich raffelten schon lange die Wagens wurde