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Herchlder meisblatt.

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Dienstag iltn 7. Iezmber

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auf das Hersfelder Kreisblatt

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Amtlicher Theil.

Cassel, den 21. November 1897.

Ein Vorsitzender von Schiedsgerichten der Arbeiter- versicherung hat darauf aufmerksam gemacht, daß seiner Erfahrung nach die Bürgermeister von Landgemeinden Anträge von Versicherten, welche auf Erstattung des Werthes von verwendeten Beitragsmarken zur Jn- validitäts- und Altersversicherung gerichtet waren und deren Eingang bei der Versicherungsanstalt nach dem Gesetz an eine Frist gebunden ist, nicht rechtzeitig weiter­gegeben haben. Insbesondere waren dies Anträge von weiblichen Personen auf Grund des § 30 des Jnvaliditäts- und AltersversicherungügesetzeS.

Der erhobene Anspruch ist dann wegen Fristver. fäumniß von dem AnstaltSvorstand zurückgewiesen worden und auch in den Instanzen des schiedsrichterlichen Ver­fahrens konnten die Betheiligten keinen für sie günstigen Ausgang erzielen.

Sie wollen daher den Bürgermeistern die ungesäumte Jnstruirung und Weitergabe derartiger Anträge ein- Ichäifen, sowie auch im Kreisblatt gelegentlich darauf Hinweisen lassen, daß verheirathete Frauen ihren Anspruch aus Erstattung der halben Beiträge binnen drei Monaten nach der Eheschließung geltend machen müssen.

Der Negierungs-Präsident. I. V.: von Bremer. An sämmtliche Herren Landräthe des Bezirks.

* * *

Hersfeld, den 4. Dezember 1897.

Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur firengsten Nachachtung mitgetheilt.

Müllers ^ent

Erzählung von E m a n u c l H i r s ch.

(Fortsetzung.)

An keinem der Bahnhöfe in Mauerberg hatte er ein killet gelöst, also mußten die Flüchtigen sich mittelst Wagens entfernt haben. Nachforschungen ergaben, daß am vorhergehenden Tage eine gedeckte Kutsche nach Mittel- hütten genommen worden und leer zurückgekommen sei. Der Kutscher bestätigte auch, daß er eine Dame und iwei Herren gewesen seien, dte er dahin geführt habe, Wölfin sie aber weiter gefahren, könne er nicht angeben.

Zwei Geheimpolizisten wurden zu weiterer Nachforsch­ung beordert; Hannes, der dringend darum bat, mutbe ükflaltet, mit von der Partie zu sein.

Die drei fuhren zuerst mit der Bahn nach Mittel- hütten. Aber hier war es erst recht schwer, etwas Näheres in erfahren. Wer gab hier auf einem so belebten Kreuz- "ngspunkte auf die einzelnen Reisenden acht, woher sie amen, und wohin sie fuhren.

Dennoch hatte man Glück. Eine junge Person, die ükr Beschreibung Lenis entsprach, war nach Seßelderg üssahren, einer unbedeutenden Station einer kleine» Ver- ^ndungsbuhn. Man reiste also weiter nach Seßelbeeg.

Hier nun erfuhr man, daß eine solche Dame mit "km Frühzuge um acht Uhr gekommen und mit dem Nach- ""llagszuge nach Kreuz am Stein sich begeben habe.

fei fast der einzige Fahrgast nach dieser Richtung liefen.Sie war jung und schön, doch traurig und hatte verweinte Augen I" berichtete der Stationövorstand.

Nicht nur allein die Anträge auf Erstattung des Werthes von verwendeten Beitragsmarken, sondern auch alle Anträge auf Invaliden- oder Altersrente sind als E i l s a ch e n" zu behandeln und nach Möglichkeit zu beschleunigen.

I. 6340. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 4. Dezember 1897.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises mache ich hier­durch noch besonders darauf aufmerksam, daß nach dem Ausschreiben vom 22. Oktober d. Js. I. I. Nr. 5457, Kreisblatt Nr. 128, neben denReinschriften der Kontrollisten zwei Exemplare d erO rts liste mit dem Vieh-Zählungsmaterial bestimmt bis zum 9. Dezember d. I s. einzureichen sind.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 3. Dezember 1897.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 14. April 1893 I. I. Nr. 2205, Kreisblatt 46, die Revision der Maaße und Gewichte betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist b i s zum 1 2. d. M t s. hieran erinnert. I. 6355. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 6. Dezember 1897.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Zahlung des Betrages für geliefertes Formularpapier, betreffend Ausführung der Landgemeindeordnung, im Rück­stands sind, werden mit Frist bis spätestens den 1 5. d. M t s. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Der Reichstag

bat an diesem Montage die Berathung der Marine-Vor-

Ju Kreuz am Stein gesellte sich ein Weinhändler zu ihnen, und wie es so zur Rede kam, erfuhren sie, daß ein stattlicher, schöner Herr mit ihm von Mittelhütten nach Dreihausen gefahren sei. Dort sei er mit einer hübschen Dame, die aus der Richtung von Sesselberg über Kreuz ant Stein gekommen sei, zusammengetroffen. Auch ein älterer Herr, muthmaßlich ein Bekannter, habe sich in Dreihausen ihnen angeschlossen und sei mit ihnen bis zur Grenze gefahren. Dort hätten die drei sich die Hand gereicht und sich getrennt. Wohin sie etwa gereist seien, könne er nicht angeben, denn er sei noch am selben Tage zurückgefahren.

Es blieb also nichts übrig, als in der Greuzstation Nachforschungen zu halten.

Nun waren in der Niederung, während im Gebirge Schneefälle niedergingen, große Regengüsse herabgeströmt, hatten die Bahnstrecke unterwaschen und den Verkehr nach allen vier Richtungen für den Augenblick unmöglich ge­macht, so daß man von hier aus überall nach den nächsten Stationen nur zu Fuß oder zu Wagen, letzteres nur mit großen Schiwerigkeiten, gelangen konnte. Nur diesem Umstände, daß die drei Flüchtlinge bei ihrer Weiterfahrt solche Hindernisse fanden und, um nur fortkommen zu können, doch einen und denselben Weg nehmen mußten, wiewohl sie augenscheinlich beabsichtigten, sich hier aber­mals zu trennen, um etwaige Verfolger irreführe» zu können, war es zu danke», daß man ihre Spur fa tb. Die Richtung, die sie eingeschlagen hatten, ließ mit Sicherheit darauf schließen, daß sie sich einem M'ttel- meerhafen zugewandt hatten. Ein Wagenbesitzer bei be­

lüge begonnen. Die Bedenken, die bisher in der Presse gegen den Entwurf geltend gemacht worden sind, haben sich weniger gegen die Höhe der Forderungen all gegen die Form gewandt, in der sie an den Reichstag heran­treten. Von den grundsätzlichen Gegnern der Flotte ab­gesehen, wird allgemein anerkannt, daß die verbündeten Regierungen die richtige Mitte getroffen haben, und daß die Finanzlage des Reiches die erforderlichen Aufwen­dungen für die Flotte ohne neue Steuern sehr wohl gestattet. Nur die Festlegung des Flottenplane» hat Widerspruch erfahren. Der Abg. Richter hat sich sogar der Mühe unterzogen, in seinerFreisinnigen Zeitung" eine Reihe von ministeriellen Aussprüchen vom Jahre 1867 an zusammenzustellen, um schließlich triumphierend auszürufen:Bis zu Herrn Ttrpitz hat niemals eine Regierung daran gedacht, durch Gesetz einen Soll-Bestand der Flotte festzulegen!"

Mit solchen Aussprüchen aus früherer Zeit ist nicht» bewiesen. Wenn der bisherige Weg in der Flottenfrage verlassen worden ist, so ist das lediglich deshalb ge­schehen, weil er nicht zum Ziele führt! Was wir auf diesem Wege erreicht haben, ist, daß wir mit unserer Flotte immer mehr zurückgekommen sind. Flottea- gründungsplan und Denkschriften haben den deutsche» Interessen eine genügende Flotte nicht zu schaffen ver­mocht. Erst im Jahre 1894 war diejenige Zahl von Linienschiffen erreicht, die 1873 im Gründung-plan vor­gesehen war, und heute sind gar nur sieben kriegsbrauch- bare Linienschiffe vorhanden, weil inzwischen die regel­mäßigen Ersatzbauten mit dem natürlichen Absterbe» de» Schiffsbestandes nicht gleichen Schritt gehalten habe». Wir sind von der dritten auf die siebente Stell» in der Schiffszahl gelangt und sind selbst von Staate» überholt, die bei weitem nicht so ausgedehnte See* Jntereßen haben, wie wir.

Mit solchen Zuständen mögen zwar die grundsätzliche» Gegner der Flotte einverstanden sein; diejenigen eher, welche wissen, daß eine st a r k e F l o t t e eine Lebens» b e d i n g u n g für Deutschland ist, sehen in dem Schiffs­mangel eine Gefährdung der Sicherheit des Vaterlandes und feiner Interessen und wünschen, daß der SoS* Bestand der Flotte ebenso gesetzlich festgelegt werde, wie alle großen Einrichtungen im Reiche und im Staate. Die Rechtsprechung, das Bildungswesen, die Verwaltung, die Arbeiter-Versicherung, das Steuer- und Zollwese», die Wehrmacht zu Landesie alle sind an Bestimmung-»

treffenden Endstation, der die Flüchtlinge zur nächsten Station geführt hatte und die Freigebigkeit bei Grase» nicht genug loben konnte, führte auf den richtigen Weg. Es waren daselbst drei direkte Billets bis Trieft gelöst morden, und einer der Packer erinnerte sich genau bet eleganten Figur Löwens und des auffallend schönen Mädchens an seiner Seite, sogar des Alten, der mit ihnen gefahren war. Man telegraphierte also nach Trieft, die Betreffenden bei ihrer Ankunft oder vor ihrer Ahfahrt anhalten zu wollen. Auch die Behörden auberet Hafen­städte in Jstrien waren telegraphisch verständigt worden. So fuhr man denn mit einem der nächsten Züge «ach Trieft. Hannes war fast krank vor Aufregung. Wi- leicht konnten die drei die Stadt schon verlassen habt,., und dann war Leni rettungslos für ihn verloren. Je mehr die Südbahn sich bem Karste näherte, je mehr he ins Gebirge kam, desto höher stieg auch Hannfen« Sngf, zu spät zu tommen. Als die Höhe endlich überquert war und der Felsenmall plötzlich auteinanderriß unb Trieft zu Füßen der Reifenden lag, umgürtet vom blauen Meere, stieß Hannes einen Schrei aus, aber ei war ket» Schrei des Entzückens über das wunderbare, bezaubernd« Bild zu feinen Füßen, es war ein Schrei der Angst und Verzweiflung. Eines jener Schiffe, die von dieser Höhe aus gesehen, wie weiße Flocken auf den Wellen tanzte« könnte ihm sein Liebstes entführt haben auf immerdar'

Man kam im Bahnhöfe an. Unter den Leuten herrschte große Aufregung. Gestern hatte ein Sturm furchtbar ge­wüthet und ungemein viel Schaden angerichtet. Dächer waren abgedeckt, Häuser zertrümmert, Schiffe von den