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Amtlicher ®ljeii.
Hersfeld, den 27. November 1897.
Der Photograph August Altenburg dahier ist heute als Ortsschätzer-Stellvertreter für die hiesige Stadt eidlich verpflichtet worden.
J. I. Nr. 6248. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Negierungs-Rath.
Die in hiesiger Gemeinde ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.
Heenes, den 26. November 1897.
Becker, Bürgermeister.
Gefunden: 1 Mütze und 1 Handschuh. — Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Reckerode.
Nichtamtlicher Theil.
Der Reichstag
’H Dienstag Mittag 12 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses von Seiner Majestät dem Kaiser mit folgender Thronrede eröffnet worden:
„Geehrte Herren!
Bei Beginn der letzten Tagung der neunten Legislaturperiode des Reichstages entbiete Ich Ihnen namens der verbündeten Regierungen Gruß und Willkommen.
Die Vorlagen, welche Ihre Thätigkeit in Anspruch nehmen werden, stehen zwar dem Umfange nack hinter
Müllers Leni.
Erzählung van Emanuel Hirsch.
(Fortsetzung.)
Scharff ging. In des Müllers Gehirn blieb nur ein Gedanke, ein Wort haften, die Flucht. Ja, fliehen wollte kv. Lieber arm und elend sein, als ins Gefängniß wandern und erst nach Jahren vielleicht als Bestrafter ^imzukehren. Fliehen! Aber wohin? Und wie dem Gerichte entkommen? Wie denn, wenn der zukünftige Schwiegersohn, der Graf--Leni hatte ja erzählt, daß Löwen ihr Rettung und Hülfe versprochen hatte.
Und siehe da, als es finster geworden war, erschien Amen, in einen langen Mantel gehüllt, mit einer kleinen Blendlaterne in der Hand, die er unter jenem verborgen ^alte und sprach eilig: „Folgen Sie mir!"
„Wohin?" fragten Vater und Tochter überrascht.
„Zur Freiheit!" antwortete er. „Still, um alles in der Welt still, daß uns Scharff nicht hört noch sieht! Sie, Vater, schleichen diese Treppe hinab. Halten Sie sich nur an der Mauer, und mache» Sie nur ja kein Geräusch. Sie, Helene, halten sich hier links1"
Sie wollte etwas sprechen. Er legte ihr die Hand aus den Mund. „Bleiben Sie einen Augenblick stehen. Kommt nicht jemand?"
„Es war eine Täuschung!" flüsterte er, sichtlich erleichtert. „Vor dem Thore hält ein Wagen. Sie, Helene, gehen in abgemessenen Abständen ihm nach. Auf dein Brunnenplatze steigen Sie ein, der Wagen fährt "üt Ihnen bis in die Kreuzgasse. Beim Postkreuze
Sonnt* Den 2. IezeBer
dem Arbeitsstoffe der letzten ausgedehnten Tagung zurück, sind aber zum Theil von weittragender Bedeutung.
Die Entwickelung unserer Kriegsflotte entspricht nicht den Aufgaben, welche Deutschland an seine Wehrkraft zur See zu stellen gezwungen ist. Sie genügt nicht, bei kriegerischen Verwickelungen die heimischen Häfen und Küsten gegen eine Blockade und weitergehende Unternehmungen des Feindes sicherzustellen. Sie hat auch nicht Schritt gehalten mit dem lebhaften Wachsthum unserer überseeischen Jntereffen. Während der deutsche Handel an dem Güteraustausche der Welt in steigendem Maße theilnimmt, reicht die Zahl unserer Kriegsschiffe nicht hin, unseren im Auslande thätigen Landsleuten das der Stellung Deutschlands entsprechende Maß von Schutz und hiermit den Rückhalt zu bieten, den nur die Entfaltung von Macht zu gewähren vermag.
Wenngleich es nicht unsere Ausgabe sein kann, den Seemächten ersten Ranges gleichzukommen, so muß Deutschland sich doch in den Stand gesetzt sehen, auch durch seine Rüstung zur See sein Ansehen unter den Völkern der Erde zu behaupten.
Hierzu ist eine Verstärkung der heimischen Schlachtflotte und eine Vermehrung der für den Auslandsdienst im Frieden bestimmten Schiffe erforderlich.
Um für diese dringenden und nicht länger hinaus- zuschiebenden Maßnahmen einen festen Boden zu gewinnen, erachten die verbündeten Regierungen es für geboten, die Stärke der Marine und den Zeitraum, in welchem diese Stärke erreicht werden soll, gesetzlich festzulegen. Zu diesem Zwecke wird Ihnen eine Vorlage behufs ver- fassunosmäßiger Beschlußnahme zugehen.
Zur Förderung unserer überseeischen Jntereffen ist auch der Ihnen schon in der letzten Tagung vorgelegte Gesetzentwurf bestimmt, welcher die Verbesserung der Postdampfschiffsverbindungen mit Ostasien bezweckt. Nachdem dieser Entwurf wiederholter Prüfung unterzogen worden ist, wird er Ihrer Beschlußfassung von Neuem unterbreitet werden.
Nach vieljährigem, ernstem Bemühen ist es den verbündeten Regierungen gelungen, für eine Reform des Militärstrasverfahrens eine Grundlage zu finden, welche unter möglichster Anlehnung an den bürgerlichen Strafprozeß den für die Erhaltung der Mannszucht unbedingt nothwendigen Forderungen Genüge leistet. Der hiernach aufgestellte Entwurf einer Militärstrasgerichtsordnung wird Ihnen unverzüglich vorgelegt werden. Ich hege
warten Sie, Vater. Der Wagen fährt nämlich erst um das ganze Kriminalgebäude. Die eine Thür ist für den Kerkermeister offen, bei der andern wurde Holz verladen, und da man mit dem Einräumen desselben noch nicht fertig ist, so können wir unbeachtet mit den Arbeitern hinaus kommen. Vorwärts denn! Ich erwarte euch beide am Waisenhausstadtthore!"
Mit Angst und Zagen thaten sie, wie der Graf gesagt hatte. Der Müller ging unbehelligt bei den Tagelöhnern hinaus, die richtig des alten Klosters Holz hackten und luden, während selbstredend den Grafen und seine Begleiterin auch niemand anhielt.
Leni ging dem Wagen nach, stieg auf dem bezeichneten Platze ein, der richtig ihren Vater am Postkreuze erwartete. Am Waisenhausthore stieg ein Mann zu dem Kutscher auf den Bock hinan, der Kutscher schnalzte mit der Zunge, die Pferde griffen aus, und der Wagen rollte mit seinen Insassen davon. Niemand hatte ihr Verschwinden bemerkt. Im Dunkel der Nacht flohen sie, einem düstern Geschicke entgegen, flüchtig wie wahre Verbrecher.
XV.
Am nächsten Morgen fam Scharff, um seine Komödie mit den beiden Gefangenen weiterzuspielen. Die Zimmer — waren leer. Auf dem Tische Löwens lag ein kleines Packetchen. Es enthielt eine hübsche Summe Geldes und war überschrieben: „An Franz Scharff." Die Handschrift war die Löwens.
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die Zuversicht, daß Sie, geehrte Herren, dem Bestreben, ein gleichmäßiges gerichtliches Verfahren für die gesammte bewaffnete Macht einzuführen, Ihre verständnißvolle Mitwirkung gewähren werden.
Das neue bürgerliche Recht kann nicht ins Leben treten, ohne daß auch das Verfahren in bürgerlichen Rechtssachen, soweit es schon auf gemeinsamem Rechte beruht, nach mehrfachen Beziehungen abgeändert und, soweit es noch nicht für das ganze Reich geregelt ist, neu gestaltet wird. Es wird daher zu dem Entwurf eines Gesetzes über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit sowie zu Entwürfen von Gesetzen, betreffend Aenderungen der Zivilprozeßordnung und der Konkursordnung, Ihre Zustimmung eingeholt werden. Mit der Verabschiedung dieser Gesetze und der zugehörigen Nebengesetze soll die Rechtseinheit auf dem Gebiete des bürgerlichen Rechtes zum Abschlüsse gelangen. Die verbündeten Regierungen geben sich der sicheren Hoffnung hin, daß in gemeinsamer Arbeit mit Ihnen noch im Laufe der gegenwärtigen Tagung dieses hohe, vom deutschen Volk so lange ersehnte Ziel endlich erreicht werden wird.
Nachdem die gesetzliche Regelung der Entschädigung unschuldig Verurtheilter in Verbindung mit der erstrebten Verbesserung des Strafverfahrens nicht zum Abschlüsse gelangt ist, wird jetzt ein Gesetzentwurf den Gegenstand Ihrer Berathung bilden, welcher lediglich die Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochenen Personen bezweckt.
Die allgemeine Finanzlage zeigt ein befriedigendes Bild. Auch für das nächste Rechnungsjahr sind in dem Haushaltsplans des Reichs Matrikularbeiträge nur in solcher Höhe vorgesehen, daß den Bundesstaaten eine materielle Belastung daraus nicht erwächst. Dabei ist nicht nur die vom Reichstage seit Jahren verlangte, wegen der Ungunst der Finanzlage bisher aber zurück- gestellte Verbesserung der Mannschaftskost für das Heer und die Kriegsmarine zur Durchführung gebracht, sondern es ist ferner der sehr erhebliche Aufwand für die zeitgemäße Umgestaltung des Artilleriematerials, welcher im laufenden Jahre noch der Anleihe zur Last gelegt werden mußte, auf die regelmäßigen Einnahmen übernommen worden.
Da die Voranschläge für die Reichssteuern mit gewohnter Vorsicht aufgestellt sind, lassen sich auch für die Folge Mehreinnahmen erwarten. Es wird Ihnen des-
Augenblicklich überkam den Präsidenten die Erkenntniß des Vorgefallenen.
„Sie sind entflohen!" rief er mit dem Ausdrucke höchsten Ingrimmes aus. Er durchsuchte die Zimmer, begann bei der Zelle des Müllers und Lenis und setzte sie bei der Wohnung seines Kameraden fort. Alles leer! Spinde und Schränke geöffnet, ihres Inhaltes beraubt! Da stampfte er wild mit dem Fuße und schrie: „Verrathen ! Betrogen! Er hat mich schmachvoll hinters Licht geführt, der Elende! Verruchte! Den größten Theil des Raubes hat er in Sicherheit gebracht, und ich soll mich mit dem Bettelpfennige begnügen!"
Der Wüthende hielt in seinem lauten Selbstgespräch erschrocken inne. Ob ihn wohl jemand gehört halte? Er wog das Packetchen in der flachen Hand. Der Bettelpfennige waren nicht zu wenig. Aber sollte er Löwen das so hingehen lassen? — Er sann nach. Eigentlich hatte Löwen ja Recht, wenn er sich den größer» Theil der Bezahlung rettete. Er hatte ja den größer« Theil der Arbeit, wenigstens im Anfang, geleistet. Das Beste wäre nun vielleicht gewesen, sich ebenfalls auö dem Staube zu machen. Aber — Frau Malzhuber! Mitten in seinem Grolle mußte er lächeln. Da hatte er ja seinen Rettungsanker. Er warf sich in einen Sessel und überlegte einen neuen Plan. Nach ungefähr einer Stunde schien er ihn gefunden zu haben.
Er nahm eine verstörte Miene an und stürzte nach den Zimmern der Bräuerin. Eben war sie vom Marktplätze heimgekehrt.
„Wo sind die Gefangenen?" rief Scharff.