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Amtlicher Theil.
In Gemäßheit des § 11 der Verordnung vom 20. September 1867, die Polizei-Verwaltung in den neu erworbenen Landestheilen betreffend, verordnen wir für den Umfang unseres Regierungsbezirks wie folgt:
§ 1. Diejenigen Gewerbetreibenden, welche zur Errichtung oder zur Veränderung einer der im § 16 der Gewerbeordnung und in den zu seiner Ergänzung er- lassenen oder noch zu erlassenden Vorschriften erwähnten gewerblichen Anlagen, zur Anlegung eines Dampfkessels ober aus Grund des § 27 der Gewerbeordnung eine Conzession erhalten haben, oder im Besitze einer solchen conzessionirten Anlage sich befinden, sind verpflichtet, den revidirenden Beaniten jeder Zeit und unverzüglich die ertheilte Conzession bei der Anlage selbst auf Erfordern zur Einsicht vorzulegen ober vorlegen zu lassen.
Die gleiche Verpflichtung haben Unternehmer von Privat-Kranken-, Privat-EntbindungS- und Privat-Jrren- anstalten, Schauspiel-Unternehmer, Gastwirthe, Schenk- wirthe und Kleinhändler mit Branntwein und Spiritus für die Räumlichkeiten, in denen das betreffende Gewerbe betrieben wird.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschrift des § 1 werden mit Geldstrafen bis zu 30 Mark oder im Falle des Unvermögens mit verhältnißmäßiger Haft bestraft.
Cassel, den 19. Februar 1876.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. * *
Die vorstehend abgedruckte Polizei-Verordnung bringe ich hiermit den Interessenten in Erinnerung und bemerke, daß jede Zuwiderhandlung mit Strafe geahndet wird. Hersfeld, den 23. November 1897.
I- 3254. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 24. November 1897.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung meiner Verfügung vom 12. d. MtS., I. I. Nr. 5894, Kreisblatt Nr. 135, den Bedarf an Quittung« - karten-Formulare betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis z n m 1. Dezember d. I S. hieran erinnert.
I I. Nr. 5894. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Nath.
Nichtamtlicher Theil.
Adventsgedanken.
Die christliche Gemeinde rüstet sich wieder, den Advent des Herrn zu feiern. Der Herr, der, als die Zeit erfüllet war, aus des Vaters Schoß zu uns ins Elend herabgestiegen ist, will wieder seine Einkehr bei uns halten, und wir wollen uns seiner beseligenden Nähe ver
sichern. Dem irdischen Sinn ist das Wunder der Menschwerdung unglaublich, diese größte That des göttlichen Erbarmens unverständlich. Einen Erlöser, der als frommer, weiser Mann über die Erde gegangen, gelehrt und ein vorbildliches Leben geführt hat, den läßt man sich wohl gefallen, auch daß er für seine Ueberzeugung und für die Verbesserung der herrschenden Religionsform den Tod erlitten. Aber daß Gott die Welt also geliebt hat, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit die Welt durch seinen Kreuzestod erlöst werde, das als Wahrheit gelten zu lassen, sträubt man sich aus allen Kräften, gerade wie dereinst die Juden oder Griechen.
Allerdings, das Geheimniß Christi messen wir nicht aus mit irdischen Maßstäben und durchdringen es nicht mit dem Lichte des natürlichen Verstandes. Dazu bedarf es des lebendigen Glaubens, wie er allein aus den Erfahrungen des sittlichen Lebens erwächst. Das Gefühl der Sündhaftigkeit, das uns in den Staub darnieder- wirft, und die Erkenntniß der göttlichen Gnade, die uns aus dem Staube emporhebt zur Gewißheit der Erlösung, das allein kann unser Herz bereiten und unsern Verstand erleuchten, daß wir sehen und zeugen, daß der Vater den Sohn gesandt hat zum Heiland der Welt.
Dem Christen, den der Ausgan^ aus der Höhe heimgesucht hat in menschlicher Form,'ist die ganze Natur verklärt als die Stätte der höchsten Gottesoffenbarung. Unserer Seelen Rettung war Gottes Plan von je an. Dazu sind Himmel und Erde geschaffen, damit wir selig werden könnten. Die Sternenheere sind dazu heraufge- sührt, und der unaussprechliche Reichthum des Lebens auf dieser Erde, die Welt der Pflanzen und Thiere hat darin ihre Bestimmung. Gottes Heilswille durchdringt das alles. Dieser irdische Leib, das Gefäß und die Hütte für unsere Menschlichkeit, hat ihren Adel erlangt wie ein Tempel Gottes; denn in solchem Leibe ist unser Herr aus Erden gewandelt. Mit Brot und Wein nährt uns unser Gott zu irdischem und vergänglichem Leben; im Brot und Wein reicht er uns ein überirdisches und himmlisches Leben, sich selber, seinen Leib und sein Blut, zum seligsten Genuß.
Und wie die Natur draußen, so erlangt die Geschichte des menschlichen Geschlechts auf Erden ihre Deutung und Verklärung durch das Wunder der Menschwerdung. Als die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn. Dazu mußten die Völker des Ostens ihre Wege gehen, die ihnen selber dunkel und verschlossen waren; dazu die Griechen ihre Künste und Wissenschaften entfalte», damit gesagt werden könnte in menschlichen Worten und Begriffen, was Gott vollbracht hatte und welches Leben er durch seinen Sohn in den Menschen entfachen wollte. Dazu mußte das römische Volk die stolzeste Verfassung ausbauen und das mächtigste Reich über die ganze Kulturwelt des Westens ausbreiten, damit das Evangelium von Christo allen Völkern gepredigt werden könnte. Vor allem aber mußte dazu im jüdischen Volke das Gesetz als Gottesoffenbarung zwischeneinkommen, damit Gottes Sohn, vom Weibe geboren und unter das Gesetz gethan, uns vom Joche des äußern Gesetzes befreien und den Weg zur Gotteskindschaft uns eröffnen könnte. Nun dienen wir nicht mehr den stummen Götzen, sondern haben im Glauben an Christi Verdienst den freien Zugang zum Vater.
Auch unser äußeres Leben ist, wie die Geschichte der gesammten Menschheit, wie alle Herrlichkeit der Natur draußen, eine Gnadenführnng Gottes, damit sein Sohn in unserm innern Leben eine Stätte der Offenbarung seiner Herrlichkeit vorfinde. Dazu sind wir von Kindheit an bereitet, dazu mit Gnadengaben gesegnet, mit Leid und Schmerz gezüchtigt worden. Und wie in unser Herz, so will der Herr in unsere Häuser einziehen, in unsere christlichen Gemeinden, in unser Vaterland und alles mit seinem Glorienscheine verklären, mit seiner Liebe und Zucht läutern. O daß unser gesummtes Volk dankbar und glaubensvoll dem einziehenden Herrn ent- gegenginge und den Friedefürsten bei sich aufnähme! O daß alle in den Ruf siendig einstimmten: „Gelobet sei, der da kommt in bem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe i"
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 25. November.
Se. Majestät der Kaiser ist gestern Nachmittag kurz vor 2 Uhr in Altona eingetroffen. Allerhöchst- berfelbe unterhielt sich lebhaft mit dem zum Empfang erschienenen Grafen Waldersee. Als der Wagen mit Sr. Majestät dem Kaiser und dem Grafen Waldersee den Bahnhof verließ und durch die vom Militair gebildeten Spaliere fuhr, wurde Se. Majestät von dem zahlreichen Publikum mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Nachdem Allerhöchstderselbe im Generalstabsgebäude das Frühstück eingenommen, erfolgte kurz vor 4 Uhr die Abreise nach Berlin. Abends 8 Uhr 42 Min. traf Se. Majestät auf der Wildparkstation ein.
Heute Morgen hörte Se. Majestät die Vorträge des Kriegsministers, Generallieutenants v. Goßler, des Chefs des Generalstabes, Generals Grafen v. Schlieffen, und des Chefs des Militairkabinets, Generals v. Hahnke. Nachmittags gedachte Se. Majestät den Vortrag des Staatssekretärs des Reichsamts des Innern, Staatsministers Dr. Grase von Posadowsky-Wehner, entgegen zu nehmen.
Durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 23. November ist der Kontreadmiral v. Diederichs unter Beförderung zum überzähligen Vizeadmiral zum Chef des K r e u - zergeschwaders, der Kontreadmiral Prinz H e in - r i ch von Preußen, königliche Hoheit, zum Chef der 2. Division des Kreuzergeschwaders und der Korvettenkapitän mit Oberstlieutenantsrang P l a ch t e, bisher Kommandant S. M. S. „Sachsen", zum Kommandanten S. M. Panzerkreuzers 1. Klasse „Deutschland" ernannt worden.
Der Bundesrath ist jetzt in den Kommissionen mit der Durchberathung des Specialetats beschäftigt.
Die Reichs Regierung hat einen Gesetzentwurf zumSchutze derBauhandwerker fertig gestellt und dürfte ihn auch in nächster Zeit veröffentlichen, damit allen Interessenten Gelegenheit gegeben wird, sich zu den einzelnen vorgeschlagenen Maßnahmen zu äußern. Bei der Auswahl derselben ist auch auf die Forderung Rücksicht genommen worden, daß der Bauthätigkeit und damit der Beschäftigung der Bauhandwerker selbst durch eine etwaige gleichzeitige Beeinträchtigung der Betheiligung des Kapitals an den Bauunternehmungen nicht Schaden zugefügt werde.
Es ist ganz begreiflich, daß in weiten Kreisen zuverlässige Nachrichten über die Aktion, welche unsere Kreuzer-Division in Ostasien zur Erzielung einer ausreichenden Sühne für chinesische Missethaten unternommen hat, mit Spannung erwartet werden. Indessen sollte dies nicht dazu führen, daß die Presse allerlei unbeglaubigte Nachrichten aufnimmt und sich mit ihnen in länger» Erörterungen beschäftigt. So hat man z. B. behauptet, es stehe eine Intervention der Vereinigten Staaten Nordamerikas zu Gunsten Chinas dagegen bevor, daß unsere Kreuzer-Division den Hasen von Kiantschau zur Sicherheit für die geforderte Sühne gegen die Wiederkehr ähnlicher Rechtsverletzungen in Pfand genommen hat. Die Nachricht ist gänzlich unbegründet. Es ist auch gar nicht abzusehen, mit welchem Recht und aus welchem eigenen Interesse Nordamerika irgend welchen Einspruch erheben könnte. Nicht viel besser steht es mit andern Angaben über diplomatische Verhandlungen, die ihrer Natur nach bis zu ihrem Abschlüsse geheim sind und geheim bleiben müssen. Wir erachten eö auch für durchaus verkehrt, wenn einzelne Blätter den Ruf erheben, die deutsche Regierung solle schleunigst Aufklärung geben. Was zu sagen war, insbesondere die Thatsache der vorläufigen Besetzung der Kiautschau-Bucht ist sofort mitgetheilt worden. Weitere Mittheilungen zu machen, muß der Regierung überlassen bleiben, die allein imstande ist, zu übersehen, wann sich der geeignete Zeitpunkt dafür eingestellt hat. Nichts is auch verfehlter, als die Berufung auf die Bismarckisch, Zeit; denn niemand hat mehr als der ehemalige gross