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trÄr Aeisblatt.

Gratisbeilagen:Illnftrirtes Sonntagsblatt" «.Allnftrirte landwirthschaftliche Beilage".

Iomchg Ki 25. Rovemder

1897.

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auf das

lIustrirtes Sonntagsblatt" «m Nnftrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat Dezember werden von allen Aai- Prlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 22. November 1897.

Diejenigen Herren Ortrvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 23. März 1880, Nr. 3135, Äreisblott Nr. 24, die Ausräumung der Fluthgräben, to und Bewässerungsanlagen betreffend, im Rückstände sind, werden mit F r i st bis zum 4. Dezember d. I. s hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Caffel, den 11. November 1897.

Königliches Landrathsamt beehre ich mich unter Danksagung für die bisherigen Bemühungen ergebenst in benachrichtigen, daß der Zwangszögling Johannes Blum aus Schlüchtern inzwischen der Rettungsanstalt Beiserhaus" zu Rengshausen wieder zugeführt ist, wes­halb ich mein Ersuchen vom 27. Oktober d. I., IL Nr. 4514, erledigt hierdurch zurückziehe.

Der Landes-Direktor.

An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.

* * *

Hersfeld, den 23. November 1897.

Wird den Herren Ortsvorständen und der Gendarmerie des Kreises mit Bezug auf das Ausschreiben vom 29. Ok­tober d. I., I. I. Nr. 5628, zur Kenntnißnahme mitgetheilt. J.l.Nr. 5947. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rath.

Müllers Leni.

Erzählung von E m a n u e l Hirsch.

(Fortsetzung.) . .

»Und mein Vater? Soll er all die Zeit in dem Mauken leben, ich sei todt? Jst's nicht eine Sünd', rhn so zu täuschen?"

»Quäl dich nit mit so unnützen Sorgen, Leni!" bat «lies weich.Wenn der sogenannte Graf jetzt das leer findet, wird er die Gcschicht' doch satt kriegen und abfahren. In dem Augenblick, wo der Spitzbub ver- Ichwind't, erfährt dein Vater von den Meinen alles, und ann bist wenigstens vor dem Menschen sicher. Willst "»» zurückgeh'n, wird dich dein Vater mit Freuden auf- »ehmen, da er doch so hart 'prüft ist!"

Mit solchen und ähnlichen Trostgründen suchte er, das ? ^4«n zu beschwichtigen, wiewohl ihm selbst nicht allzu » *1 zu Muthe war. So schritten sie eine kleine Viertel­ende durch Koth und Schnee dahin, der Weg wurde

Md abschüssig, da plötzlich tönte ein donnerndes "Halt!" vor ihnen. n . .r

^s^ist der hiesige Vorsteher!" flüsterte Len, ihrem

»Halt!" rief noch einmal dieselbe Stimme. an ^^"" löschte die Laterne aus.Halt dich an mich "»' lispelte er. Sie that es, und er versuchte, rechts "Mbiegen. Allein auch rechts stand ein Mann, und L et ihnen waren Laternen zn sehen, und den Weg vor hatte man auch schon verlegt. Es war an kein Entkommen zu denken.

Nichtamtlicher Theil.

Rekrutenvereidigung.

Kaiser Wilhelm erscheint alljährlich persönlich bei der Vereidigung der Garde- und Marine-Rekruten, und die ernsten Worte, welche er dabei an sie zu richten pflegt, übertragen sich mit eindringender Gewalt auf die Sol­datenherzen und verfehlen auch niemals ihre zündende Wirkung auf das deutsche Volk. So hat unser Kaiser auch jetzt wieder die Rekruten der Gardetruppen ein­dringlich ermähnt, als Christen ihres Eides zu gedenken: wer kein braver Christ ist, der ist kein braver Mann und auch kein braver preußischer Soldat!"

Es ist erklärlich, daß solche Worte die demokratischen Zeitungen mit Unruhe erfüllen. Dieselben sind denn auch sofort darüber hergefallen und suchen mit Spitz­findigkeiten und aus den Lehren der Geschichte zu be- 1 weisen, daß die nicht zur christlichen Religionsgemeinschaft gehörenden Elemente genau ebenso gut für den Heeres­dienst befähigt sind, wie die Christen. Die deutsche Demokratie bewährt sich eben immer als Schildhalter des Unglaubens, schießt indessen auch hier wieder über das Ziel.

Richtig ist wohl, daß die Heere der Römer und Türken auch Großthaten vollführt haben, und daß mancher berühmte General ein schlechter Christ gewesen ist. Aber die Voraussetzungen für den Heeresdienst waren in früheren Zeiten wesentlich andere, wie in der Gegenwart, und als Kehrseite der Medaille stehen den Großthaten nicht christlicher Truppen überall die Greuel der Zügel- losigkeit und Unmenschlichkeit gegenüber.

In unserer Zeit wird nur ein von wahrhaft christ­lichem Geiste erfüllter Soldat auf der Höhe seines Be­rufes stehen; denn die Grundsäulen der Tüchtigkeit einer Armee und der Unabhängigkeit des Vaterlandes, die Gottesfurcht, Königstreue und Manneszucht, werden am wirksamsten gestützt durch die christliche Gesinnung und christlichen Gehorsam. Sie sind heute ungleich mehr ge­fährdet, wie in früheren Jahren, denn auf Schritt und Tritt steht sich gegenwärtig der junge Soldat umgeben von nachtheiligen Einflüssen und Versuchungen. Ueberall stellt sich ihm das Beispiel der Zuchtlosigkeit entgegen, überall sind die Elemente der Zersetzung beschäftigt, seine Liebe zum Vaterlande und seine Hingabe an den Heeres-

Durchgänger!" polterte die erste Stimme wieder, marsch zurück! Elendes Volk! Die Muhme wollt ihr heimsuchen, dieweil ihr eigentlich vor dem Eingesperrtsein davonlauft!"

Es nützt nichts," sagte Leni unter Thränen,wir müssen zurück!"

Zurück!" murrte Hannes ingrimmig.

Frau Kleinmichl empfing sie mit einer Fluth von Vorwürfen. .

Schlechtes, miserabliges Volk, ihr!" rief sie,machen mich altes Weib ganz dumm, erzählen mir von kranken Muhmen und allerhand Zeugs, und wenn der Bote von dem gnädigen Herrn nur eine Viertelstunde später kommt, so sind sie erwischt, und ich arme Haut könnt' nachher noch Scherereien haben, als ob ich solchem Lumpenpack hätt' forthelsen wollen 1"

Leins Angesicht glühte vor Scham. Wie eine Ver- brecherin wurde sie behandelt, wie eine Diebin, die man auf der Flucht ertappt.

Eine halbe Stunde später, nachdem man die beiden Gefangenen in einer kalten und finstern Kammer über ihr Schicksal hatte nachdenken lassen, wurden sie vor zwei Männer geführt, vor jene, denen Leni entflohen und von denen sie jetzt wie eine Diebin zurückgebracht werden sollte. Die Herren hatten Hiesl vorausgeschickt, hatten dann selbst den Wagen verlassen und den Fußweg benutzt. Sie waren also viel früher da, als sie Haunes erwartete. Sie sahen sehr beschmutzt unb angegriffen ans, nichts destoweniger schritten sie sofort zum Werke.

Helene Beer!" nahm Scharff das Wort,Ihr Vater

dienst zu mindern und ihn womöglich für ihre staatsver- derblichen Zwecke zu gewinnen.

Da ist es eine dankenswerte That unsers Kaisers, daß er die Rekruten an ihren christlichen Glauben er­innert und damit auf eine Grundlage stellt, auf der sie sowohl während des strengen Heeresdienstes, als auch im spätern Leben einen festen Boden unter sich und einen sichern Halt haben. Das deutsche Heer ist die Hochschule für die breiten Volksmassen, und der in ihm herrschende christliche Geist bürgt dafür, daß die ruhm­reichen Ueberlieferungen der preußisch-deutschen Heeres­geschichte bei den deutschen Regimentern und ein gesunder vaterländischer Sinn im ganzen Volke immer lebendig bleiben werden.r.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 23. November.

Se. Majestät der Kaiser nahm gestern, wie aus Kiel berichtet wird, nach der Rekrutenvereidigung im Kasino der Marineoffiziere das Frühstück ein und begab sich alsdann mit dem Prinzen Heinrich in das königliche Schloß, von wo Allerhöchstderselbe gegen 34/2 Uhr in Begleitung des Chefs des Marinekabinets, Kontre- admirals Frhrn. v. Senden-Bibran, an Bord desKur­fürst Friedrich Wilhelm" zurückkehrte. Später besuchte Se. Majestät in russischer Admiralsuniform den russischen KreuzerWladimir Monomach". Abends fand an Bord desKurfürst Friedrich Wilhelm" eine Tafel statt, zu welcher zahlreiche Einladungen ergangen waren, ins­besondere auch an den Kommandanten desWladimir Monomach", Prinzen von Tomski.

Heute Vormittag besuchte Se. Majestät in Begleitung des Prinzen Heinrich, des kommandirenden Admirals, Admirals v. Knorr, des Staatssekretärs, Kontreadmirals Tirpitz, des Kontreadmirals Frhrn. v. Senden-Bibran und des Ober-Werftdirektors Kapitains zur See v. Ahle- seldt die kaiserliche Werft und besichtigte den neuen KreuzerFürst Bismarck" und die Baustälte für das neue Trockendock.

Ein Theilnehmer an dem Diner, welches neulich der Staatssekretär des Innern, Gras von Posadowski, zu Ehren des wirthschaftlichen Ausschusses veranstaltete, schildert den Eindruck der Persönlichkeit des

wegen nihilistischer Umtriebe in Haft genommen worden!"

Leni stieß einen dumpfen Ruf des Schreckens aus. Ihr Vater verhaftet, als Verbrecher und Hochverräther eingesperrt! Welches Schicksal wartete seiner? Scharff fuhr aber unbeirrt fort, und die Dorfleute horchten staunend zu:Alle Zeichen, und namentlich ein Zettel, der sich unter den beschlagnahmten Papieren befand, weisen darauf hin, daß er, und zwar hier, Mitwisser habe. Unsere Nachforschungen ergaben weiter, daß der Nihilist sich hier aufgehalten und mit Ihnen verkehrt habe. Eine Nachsuchung Ihrer Sachen, Helene Beer, ließ uns eine ganze Menge höchst wichtiger nihilistischer Papiere finden, woraus wir bedeutende Aufschlüsse er­halten haben und zugleich den uns schmerzlichen Beweis, daß Sie Mitschuldige des Verbrechers sind. Sie hier, Ihr Vater in der Schwarzholzmühle. Zu allem Ueber- flusse, um ja den Verdacht zu rechtfertigen, wollen Sie, weil die Beweise sich häufen, in dem Augenblicke, wo wir zur Untersuchung hier anlangen, unter dem nichtigsten Vorwande sich entfernen. Also bleibt uns nichts übrig, als zu Ihrer Verhaftung zu schreiten. Herr Vorsteher' hier ist der Haftbefehl. Walten Sie Ihres Amtes!" Dieser nahm sich gar nicht Zeit, das Papier durchzulesen. Als er nurIm Namen Sr. Majestät" gelesen hatte faltete er es voll Respekt wieder zusammen und sagte in wichtigem Tone zu Leni:Im Namen des Gesekes sind Sie verhaftet!"

Weder Leni noch der Vorsteher des weitentlegenen Dorfes kannten die Förmlichkeiten, welche das Gesetz bei