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Iomrsiq Den 18. ROmder
189?.
Amtlicher Theil.
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Hersfeld, den 15. November 1897.
Die Herren Bürgermeister werben mit Bezugnahme auf k den Schlußsatz meiner Ihnen zugegangenen Verfügung vom [18. v. Mts. I. 5320 hierdurch benachrichtigt, daß die k Königliche Kreiskasse dahier die Anweisung zur Auszahlung herben Schulverbandsgemeinden bewilligten Staatsbeihülfen k erhalten hat.
s I. 5634. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Geßmdeu : eine Geldrolle. Meldung des Eigenthümers Bei dem Ortsvorstand zu Schenklengsfeld.
Nichtamtlicher Theil.
Bußtag.
Es giebt ein Gericht. Mag der Leichtsinn es leugnen und der tägliche Lauf der Dinge oft das Gegentheil zu beweisen scheinen, so lehrt es doch Geschichte und Erfahrung, daß tief in die Natur der Dinge die Strafe für das Böse und der Lohn für das Gute hineingelegt sind. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht, und eines Menschen Geschichte ist dieses Menschen Gericht. „Wer nicht glaubt an den Namen des Sohnes Gottes, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des Sohnes Gottes."
Aber es bleibt nicht bei diesem gegenwärtigen Gericht: es kommt ein Gericht. Die Geschichte eines Menschenlebens erhält ihren Abschluß nicht mit dem Tode, sondern nach dem Tode. Auf dem Erdenweg bleiben der Räthsel über Menschenführung und göttliche Gerechtigkeit viele ungelöst siegen; aber am Tage des ewigen Gerichts, da der Men- ichmsohn in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle heiligen Engel mit ihm, wird alles klar werben. Da fällt aller Schein, mit welchem wir auf Erden die Angen haben blenden können, da fallen alle Entschuldigungen unO Verdrehungen, mit denen wir uns gegen das zur Buße rufende «ort des Herrn gewappnet haben, von uns ab wie der Schatten der Nacht vor der aufgehenden Sonne;, dann vom Menschen nichts übrig bleiben als allein das Gewissen, und mit unausweichlicher Klarheit wird er sehen, ^ er durch sein Erdenleben aus sich gemacht hat.
Müllers £eni
Erzählung von Emanuel Hirsch.
„ . _ (Fortsetzung.)
ünd Hiesl erzählte mit gedämpfter Stimme, rote und « Leni gesunden, und daß er bereit sei, sie auszu- i'efetn.
Darauf wurde eine lange Berathung gehalten, bei Löwen oft widersprach: „Soll ich sie noch unglück- machen, als sie ist?" oder „Das hetzt uns bie auf den Hals!"
wurde aber überstimmt, denn auf alle seine Ein- sagte Scharff: „Laß nur mich machen!"
... Als sich dann Hiesl spät in der Nacht entfernte, ümperte er wohlgefällig in den Taschen: „Der Anfang „ M schlecht! Also die Zwei halten ganz Mauerberg Athem, und wegen denen ist die Polizei uns andern e ""? den Fersen! Die aber sitzen hier als große und kein Teufel kümmert sich um sie! „Ja,
e et als Stoßseufzer hinzu, „die kleinen Diebe hängt 'die großen läßt man laufen!"
Kn^^ähte um sich: „Niemand zu sehen? Kann die «och nit anfangen? Gott sei Dank, da ist der ^Wächter, es kann losgehn!"
npn sofort fetzte er sich in Trab und lief in einem Bogen die Mühle zu. Unterwegs aber ließ er einzelne ^r aus einem ziemlich großen Pakete Papier, das J^, fallen. Der Diener der Gerechtigkeit^ schrie: < guter Freund, ihr habt da was verloren!'
Wird uns das selige: Kommet her! oder das furchtbare: Gehet hin! gelten? In unsern eignen Händen liegt die Entscheidung. Welch drohender und welch verheißungsvoller Ruf: „Heute, dieweil ihr Gottes Stimme höret, so verstocket euer Herz nicht!" Noch ist es Zeit; kein Mensch hat mit seinem Leben abgeschlossen, so lange es noch heute heißt.
Möge der Bußtag nn§ alle erinnern, welchen in Wahrheit unendlichen Werth unser Erdenleben hat, daß wir jeden Tag und jede Stunde für die Ewigkeit auskanfen; es weiß ja keiner, wann seine letzte Stunde für ihn schlägt. Möge Gott selber unserer Schwachheit durch seinen heiligen Geist zu Hilfe kommen, daß wir durch ehrliche Buße uns zu immer wachsendem Glauben und brüderlicher Liebe bringen lassen.
totgiingSfrtijtil zur See.
Weite Kreise unseres Volkes befinben sich in einer Selbsttäuschung. Sie halten Deutschland für übermächtig, weil seine Armee 1870 so unvergleichliche Großthaten erfocht und die französischen Operationen gut See von Anfang an ohne allen Einfluß auf den Gang des Krieges blieben. Es wird nun von denselben Stimmen, welche jede Verstärkung des Landheeres zu vereiteln suchen, behauptet, daß die Entscheidung auch in den zukünftigen Kriegen für Deutschland immer nur von seiner Wehrkraft zu Lande abhängig, eine mächtige Flotte also überflüssig sei. Das ist aber ein Irrthum, der der deutschen Nation dereinst verhängnißvoll werden kann.
Es ist von allen zuständigen Beurtheilen: der Verhältnisse, nicht zuletzt von den Franzosen selbst, anerkannt worden, daß der Krieg von 1870 nach der Vernichtung der französischen Armee nur deshalb noch monatelang fortgeführt werden konnte, weil Frankreich seine Küsten frei hatte und Deutschland außer stande war, ihm die Zufuhren zur Ernährung und Neubewaffnung seiner Truppen wirksam abzuschneiden; im anderen Falle hätte Frankreich sich schon nach dem Erscheinen der Preußen vor Paris auf Gnade und Ungnade ergeben müssen.
Dieses Beispiel lehrt. Die Frage der Ernährung wird in künftigen Kriegen bei der Größe der unter den Fahnen gehaltenen Truppenmassen noch ungleich schwerer ins Gewicht fallen, . wie 1870, und besonders für diejenigen Staaten von tiefeinschneidendem Einfluß sein, die wie Deutschland auf eine Zufuhr von Lebensrnitteln aus dem Auslande angewiesen sind. Unser Vaterland hat sich bei
Das Weiße des Blattes fiel ihm trotz Nacht und Dunkelheit in die Augen. Aber Hiesl, statt auf den Ruf zu hören, lief nur noch schneller davon, so daß dies dem Nachtwächter auffallen mußte, weswegen er sofort der verdächtigen Persönlichkeit nachjagte, die sich um ihr Eigenthum so wenig kümmerte und beim Anruf davonlief. Hiesl aber war der Schnellere und kam außer Athem in der Schwarzholzmühle an. Er drückte das kleine Thür- chen hastig auf, das in den Mahlraum führte und das die ganze Nacht offen stand, stierte die Gesellen wie außer sich an und mit dem Schrei: „Um Gotteswillen rettet mich, die Polizei ist mir auf den Fersen!" an den Erstaunten vorüber, die Treppe hinab in das Zimmer des Müllers mit dem jammernden Rufe: „Schwarzholzmüller, um aller Heiligen willen, rettet mich! Ich bin sonst ein Kind des Todes!"
Dabei hatte er wie toll vor Furcht um sich geschaut, hatte schnell einige Papiere in eine offenstehende Kommode gesteckt, ohne daß es der Müller, der im Begriff war, sich zu entkleiden bemerkte. Den Rest der Papiere aber hielt er hoch in der Hand, daß der erstaunte Müller sie sehen mußte imb bat in deu stehendsten Tönen; „Versteckt mir das, damit man's bei mir nit siud't! Da ist ja euer Schränk, bei euch wird's man nit suchen! Geschwind, geschwind!" schrie er. „Sie sind mir auf den Fersen!" Er drehte den Schlüssel am Schranke zurück, warf das Packet hinein, schloß die Thür zn, steckte dem Müller, der ganz überrascht dastand, den Schlüssel in die Hand, riß das Fenster auf nnd sprang mit seinen langen Beinen
jeden: spätern Kriege mindestens nach zwei Seiten zu vertheidigen und im besten Falle nur von Oesterreich her Zufuhren zu erwarten, wenn es feine Häfen blokieren läßt. Das genügt nicht, da Oesterreich auch an Italien und die Schrveiz sein Getreide abgiebt. Schwierigkeiten in der Ernährung können aber die Staaten zur bedingungslosen Waffenstreckung und selbst siegreiche Nationen zum Abschluß eines nachtheiligen Friedens zwingen. Die Nordamerikaner überwältigten in den sechziger Jahren die Südstaaten nach langem Ringen nur, weil sie die See beherrschten und ihren Gegnern alle Zufuhren von dort abzuschneiden vermochten.
Nach diesen Erfahrungen darf man gewiß sein, daß unsere Gegner, Frankreich oder sonst wer, gleich beim Beginn des zukünftigen Krieges sich mit aller Macht auf unsere Küsten und Häfen stürzen werden, um Deutschland von der See abzuschneiden und die Flanken unseres Landheeres von dorther zu bedrohen. Sie wissen, was für uns die Bewegungsfreiheit zur See werth ist, und wie schwach wir zur Zeit in dieser Beziehung sind. Was könnten daraus für Verluste entstehen! Damm zwingt uns schon diese einfache Erwägung, unsere Flotte so stark zu machen, daß uns hier keine Verlegenheiten erwachsen. —r.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 15. November.
Se. Majestät der Kaiser kehrte am Sonnabend Nachmittag 5 Uhr von der Jagd nach dem Schlosse in Pleß zurück. Abends fand ein Gala-Diner statt.
Heute früh um 8 Uhr 5 Minuten traf Se. Majestät, aus Schlesien fommenb, auf der Wildparkstation ein und wurde daselbst von Ihrer Majestät der Kaiserin, die um 7 Uhr 45 Min. mittels Sonderzuges von Plön angelangt war, empfangen. Sodann fuhren beide Majestäten nach dem Neuen Palais. Im Laufe des Vormittags nahm Se. Majestät der Kaiser die Marinevorträge entgegen.
Nachmittags machte Se. Majestät der Kaiser dem Herrn Reichskanzler, Fürsten zu Hohenlohe, einen längeren Besuch.
Der Kaiser wohnte Abends dem vom Staatssekretär Grafen Posadowski zu Ehren des „wirthschaftlichen Ausschusses zur Berathung handelspolitischer Maßnahmen" gegebenen Diner bei. Der Kaiser beabsichtigt, den wichtigen Sitzungen beizuwohnen. An dem Diner nahmen der
rasch hinaus uud war im Dunkel der Nacht verschwunden.
Wenige Augenblicke später kam der Nachtwächter außer Athem angerannt und schrie: „Ein Spitzbub, da muß er sein! Halt's den Spitzbuben!"
Der Müller wußte nicht recht, was uns der Geschichte zu machen sei, und verlangte von dem Ankömmlinge Aufklärung, die dieser nicht zu geben vermochte.
Während dieses Wirrwarrs war dnrch die Dienstboten der Lärm schon ins Dorf getragen worden, durch das Hiesl übrigens auch im schärfsten Laufe gerannt war, um das nöthige Aussehen zu erregen. Fackeln leuchteten, Weiber kreischten, Männer riefen, Hunde bellten. Alles war auf der Suche nach dem Spitzbuben, dem Räuber, dem Todtschläger, dem Mordbrenner, während der schon lange jenseits des Dorfes war und mit anbrechendem Morgen auf wenig betretenen Pfaden nach Silberbach entkam.
Um die Verwirrung im Mühlhause zu krönen, erschienen kurz nach dem Eintritte des Nachtwächters anch Soweit und Scharff mit sehr ernsten Gesichtern beim Müller.
„Wo ist er?" fragten sie gleich beim Eintritt.
„Wer?" gegenfragte der Müller.
„Der Spitzbub', der Räuber?'" schrieen bie Dienstboten, die Gesellen.
„DummesZeug!" unterbrach sie Scharff rauh, „der Sozialdemokrat, der Nihilist!"
Zwanzig Stimmen schrieen durch einander, jeder wußte