toben können. Wo sich bei Aufstellung der Listen Schwierigkeiten ergeben sollten, ist mir sofort Anzeige „ machen, damit ich wegen Beseitigung derselben das Erforderliche schleunigst veranlassen kann. Außerdem hebe ich die Landräthe ersucht, namentlich den Bürger- meistern der kleineren Städte die erforderlichen Unterweisungen über ihre Obliegenheiten bei Einführung der neuen Städteordnung zu ertheilen und die Vorarbeiten dauernd zu überwachen, sowie von deren sachgemäßem Fortgange sich zu überzeugen, wie ich mir auch selbst Vorbehalte, hiervon durch örtliche Prüfungen der Listen „ f, w., die ich persönlich oder durch Commissare vornehmen werde, mich zu überzeugen. Am 1. Dezember d. g. ist mir zunächst zu berichten, wie weit die Vorbe- reitungsarbeiten vorgeschritten sind, und vom 2. Januar f.g. ferner, ob die Listen soweit fertig gestellt sind, daß die Auslegung der Liste mit dem 15. Januar erfolgen kann."
* (Postalisches.) An der Besprechung über Reformen im Posttarifwesen, die im Reichspostamt unter Leitung des Staatssekretärs v. Podbielski am 22. d. M. stattfand, haben Vertreter von 16 deutschen Handelskammern, des deutschen Handelstages, der Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin und des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller Theil genommen. Die geplanten Reformen betreffen: Die Erhöhung des einfachen Briesgewichts, die Ermäßigung des Briefportos für den Nahverkehr und die Gebühr für Postanweisungen über kleine Beträge. Neben diesen Fragen, die voraussichtlich eine allgemein zufriedenstellende Lösung finden werden, wurden vom Staatssekretär. Vorschläge gemacht, die eine Vereinfachung des technischen Betriebes bezwecken.
* In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer He- bell an der ev. Schule zu Ausbach, Kr. Hersfeld.
Hersfeld, 27. Oktober. Ein Ministerialerlaß vom 18. d. M. fordert die königl. Eisenbahndirektionen auf, die Bahnhofs Wirthe ihres Bezirks zu veranlassen, in den Warteräumen der dritten und vierten Wagenklasse neben dem Kaffee zu höherem Preise noch einen billigeren Kaffee zu führen, von dem eine große Tasse mit Milch und Zucker nicht mehr als zehn Pfennige kosten darf. Die Preisverzeichnisse der Bahnhofswirthschaften sollen dementsprechend ergänzt und in den Warteräumen dritter und vierter Klasse Anschläge ausgehängt werden. „Die Jnspektions- und Stationsvorstände," so schließt der Erlaß, „haben die Durchführung dieser Anordnung zu überwachen, auch darauf zu halten, daß das billigere Getränk ebenfalls stets in guter Beschaffenheit und ausreichender Menge, insbesondere zu den Frühzügen, vorräthig gehalten wird."
* Hersfeld, 27. Oktober. Nächsten Sonntag den 31. b. Mts., Abends 8 Uhr, verunstaltet der hiesige „Evangelische Arbeiterverein" im Saale des Gasthofs „zum Stern" einen Familienaben d.
* Lengers, 27. Oktbr. Georg Winkelhardt von hier hatte abermals das Glück, in der Zeit vom 19. bis 27. Oktober d. J. zwei Fischottern zu fangen.
Ziegenhain, 24. Oktober. In Neukirchen trat eine Frau beim Aufstehen aus dem Bette in einen Nagel. In Folge dessen entstand Blutvergiftung und nach einem Tage trat der Tod ein.
Treysa. Die allgemeinen Vorarbeiten für den BahnbauHersfeld-Tre y.s a werden dieser Tage in Angriff genommen werden.
Casfel, 26. Oktbr. Vor der Prüfungs-Commission für die Vermessungsbeamten der landwirthschaftlichen Verwaltung beginnt am nächsten Montag, den 1. Novem- 3et, im Dienstgebäude der hiesigen Königlichen General- Commission die H e r b st - P r ü f u n g für L a n d m e s - ! e r und Zeichner der Generalkommission.
^Fulda, 24. Okt. Gestern hielt der Vorstand des „Sparkassenvsrbandes für den Regierungsbezirk Casfel" unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeister Dr. Gebeschue.-Hanau im hiesigen Rathhaus eine Sitzung ab, un welcher auch die Herren Oberbürgermeister Or. Anloni- Fulda, Stadtkassenrath Boedicker-Cassel, Bürgermeitter Kraiger-Fritzlar, Bürgermeister Salomon-Schlüchtn n und ^parkassen-Direktor Wichmann-Eschwege theilnahine». ®utem Vernehmen nach wurde beschlossen, die Haupt- uersaunnlung des Hessischen Sparkassenverbandes in diesem Jahre ausfallen zu lassen, solche vielmehr in der ersten Wie des nächsten Jahres in Cassel, event. aber in Eschwege abzuhalten. Auf dem am 20. November cr. ? Berlin stattfindenden „Allgemeinen Deutschen Spar- lasseutag" wird auch der Sparkassenverband für den Merungsbezirk Casfel vertreten sein.
. Sandershausen, 24. Okt. Ein nicht unbeträcht- uher Schaden ist dem hiesigen Schäfer vergangene Nacht «durch entstanden, daß demselben bis auf jetzt unauf- ^tlärte Weise sämmtliche Schafe aus den Hürden ent- Iprungen find; trotz eifriger Nachforschungen fehlen an Eingefangenen noch immer 30 Stück.
Spccle, 25. Okt. Gegenwärtig wird an unserer Mdaschieuse in dem Wasser eine Reparatur durch einen Sucher vorgenommen, es sollen dort im Flußbette an '” Brückenhaltern Cementplatten gelegt werden. Bei « er Gelegenheit ist dem Taucher heute Vormittag ein "uck Eisen auf die Hand gefallen, welches ihn nicht "»"heblich verletzte.
Marburg, 24. Oktober. Der Kaiser und König , in einer gestern bei dem Hessischen Jäger- - Ut a i l l o n Nr. 11 hierselbst eingetroffenen Cabinets- m re dem Bataillon die weitere Auszeichnung, den M»'enszug seines hohen Chefs, der K ö » i g i n A-ta h «rita von Italien, von jetzt an auf WUppen und Achselstücken zu tragen.
Schlötzenhausen, 25. Oktober. Der Königliche
Förster Gadzikowski wurde gestern früh von den Kirch- gängern etwa 200 Schritte von seiner Wohnung entfernt todt aufgefunden. Derselbe hatte noch die Laterne in der Hand und das Gewehr über der Schulter. Die Gerichtskommission von Großenlüder hat unter Hinzuziehung eines Arztes festgestellt, daß ein Verbrechen nicht vorliegt, sondern daß wahrscheinlich ein Schlaganfall die Ursache des Todes war.
Eisenach, 23. Oktober. In der Nähe von B e r k a a. d. Werra hat die K a l i - B o h r g e s e l l s ch a f t „Alexandershall" auf einem ihr von der grobherzoglich sächsischen Regierung verliehenen Felde ein Bohrloch von 378 Meter getrieben und mit demselben die erste Kalizone von 11 Meter Mächtigkeit durchbohrt. Ueber und unter diesem Kalilager, unter welchem sich noch eine 5,5 Meter starke Ablagerung von Kali befindet, liegen Schichten von kamitischen und sylvinitischen Hartsalzen, welche gleichfalls mit Kalischnüren durchzogen sind.
Hannover, 25. Oktober. Bei dem Versuch, 4000 Mark serbischer tilgbarer Anleihen dem hiesigen Bankhause Katz zu verkaufen, ward heute ein anscheinendes Mitglied einer internationalen Diebesbande verhaftet. Der Verbrecher führte weiter noch für etwa 100,000 Mark gestohlener Werthpapiere bei sich. Er weigert hartnäckig, seinen Namen anzugeben. Vor einigen Wochen war es ihm gelungen, bei einem anderen hiesigen Bankhause russische Nikolaibahn.Obligationen zu verkaufen. Spuren deuten nach Warschau.
Frankfurt, 23. Oktober. (Getreidelagerhäuser in Hessen.) Der „Klub der Landwirthe" will in diesem Winter die Frage der genossenschaftlichen Kornlagerhäuser in den Vordergrund seiner Berathungen stellen. Am 1. November spricht Fabrikant Weismüller-Bockenheim, der im Auftrag des preuß. Landwirthschaftsministers u. a. die bekannten pommerschen Kornhäuser baut, im Klub über die technischen Einrichtungen der Getreidelagerhäuser. Er wird die Verhältnisse der Frankfurter Umgegend besonders berücksichtigen, wo sich sowohl der hessische Landwirthschaftsrath und die landwirthschaftlichen Vereine in Oberhessen wie die Genossenschaftsverbände in Kurhessen und Nassau mit Projekten von Getreide-Verkaufs-Genossenschaften und Lagerhäusern tragen.
Vermischtes.
— Wehlau (Ostpr.), 26. Okt. Der Königliche Förster Komm in Liplaken ist bei einem Patrouillen- gange durch den Tapiauer Forst von Wilddieben erschossen worden. Die Leiche des Unglücklichen, der eine Frau mit fünf Kindern hinterläßt, wurde mit zerschossenem Hinterkopf aufgefunden.
— B i e l o st o k, 25. Oktober. Ein Wagen mit zehn Personen, die von einer Hochzeit heimfuhren, wurde vorgestern Nacht unweit der Station Knysczyn bei unverschlossenen Schranken vom Schnellzuge erfaßt und zermalmt. Acht Insassen des Wagens wurden getödtet, zwei schwer verletzt.
— Nach den „Mb. Nchr." wurde in einer Schule des Kinzigthales folgender S ch ü l e r a u f s a tz eingereicht : „Die Frau und die Henne. Eine Frau hatte eine gute Henne und legte täglich ein Ei. Damit hatte ste keine Zufriedenheit. Sie wollte am Tage zwei Eier legen. Deshalb giebt ste ihr viel Gutes zum Fressen, wurde vom Fett und log gar nicht mehr."
— In Saarburg wurde nach einer Mittheilung der „Straßb. Post" am 22. d. M. die Leiche einer jungen Fabrikarbeiterin aus der Saar gezogen, ohne daß man weiß, ob Selbstmord oder Verbrechen vorliegt Es ist das schon der dritte Fall in diesem Jahre. Die jungen Mädchen verschwanden sämmtlich nach einer im Kreise ihrer Freunde durchschwelgten Nacht, und über ihren letzten Lebensstunden schwebt ein Dunkel, das bis jetzt noch nicht gelichtet werden konnte. Die Aufgefundene war kaum 15 Jahre alt.
— In Gegenwart des Zarenpaares ereignete sich, wie aus D a r m st a d t gemeldet wird, bei den Herbstrennen des hessischen Reitervereins ein schwerer Unfall. Im letzten Rennen machte Rittmeister v. K ö p p e n S Stute am Graben vor der Tribüne, auf welcher das Zarenpaar, der Großherzog von Hessen, seine Gemahlin und andere Fürstlichkeiten saßen, einen Fehler, kam zu Fall und brach das Genick. Der Reiter erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und wurde bewußtlos ins Hospital gebracht.
— Aus Italien liegen vom Montag über dre Ueberschwemmungen folgende Nachrichten vor: Nach den letzten Meldungen sind in Chiarvalle viele Häuser und Magazine fortgeschwemmt. Bei Ancona stürzte die Brücke über den Musone ein. Bei Loreto ist jede Kommunr- kation unterbrochen. In Gatteo in der Provinz Forlm kam ein Kind unter den Trümmern einstürzender Häuser um In Forli überschwemmte der Fluß Montone die Felder unb riß Bäume um. In der Nähe von Meldola stürzte ein Haus ein und begrub neun Menschen unter seinen Trümmern. In der Provinz Ravenna in der Nähe von Faenza durchbrach der Fluß Lamone den Deich in einer Breite von 80 Metern. In der Provinz Teramo stürzten drei Brücken ein. Man hält diese Ueberschwemm- ung für die größte seit dem Jahre 1842. Ueberall be= theiligten sich die Truppen mit bewunderungswürdiger Hingebung an den Rettungsarbeiten. — Aus Giulianova wird berichtet: In Folge molkenbruchartiger Regengüsse sind die Flüsse Salinello und Tordino aus den Usern getreten und haben das anliegende Gebiet in einer Ausdehnung von 8 Kilometern verwüstet. Die Eisenbahn
verbindung ist an mehreren Punkten unterbrochen; zahlreiche Landhäuser sind eingestürzt. Aus Ascoli wird gemeldet: Die Flüsse, namentlich der Tronto, find in Folge der Regengüsse stark angeschwollen; der Tronto, dessen Wasser sich nicht so schnell in das Meer ergießen konnte, hat die Ebene bis zum Hafen von Ascoli überschwemmt. Die Eisenbahnlinien Ascoli-San Benedetto und San Benedetto-Giulianova find unterbrochen. Der angerichtete Schaden ist bedeutend.
— Aus Brüssel liegt die Meldung von einem grauenhaften Raubmord vor. In einem Hause, welches an der durch den Wald von Villers bei Namur führenden Straße steht, fand man am Sonntag einen 89 Jahre alten Mann, dessen verwittwete 50 Jahre alte Tochter und die 24jährige Tochter der Letzteren ermordet.
— In C h e r b o u r g erregte am Montag Nachmittag eine Pulverexplosion auf einem Schiffe unweit der großen Mole große Panik. Das Schiff, auf dem die Explosion stattfand, war das ehemalige Küstenwacht- schiff „Belier". Es war vom Staate verkauft worden und sollte zerstört werden. Durch die Explosion wurde eine Person getödtet und drei verwundet. Der „Belier" hatte an Bord eine ziemlich große Menge Pulver, welches zur Demolirung des Schiffes dienen sollte.
— Der Brand der Naphthaquellen in R o m a n y bei Baku ist nunmehr gelöscht. Der Schaden wird unter Einrechnung der in Folge des Stillstandes der Naphtha- Raffinerieen entstandenen Verluste auf eine Million Rubel geschätzt. Neuerdings ist eine Naphthaquelle in dem Vororte Bibi-Eibat in Brand gerathen.
— Eine schreckliche Liebestragödie hat sich in Colorno bei Parma abgespielt. Rosa Silva, ein bildhübsches Mädchen, führte seit mehreren Jahren zwei Liebhaber, Perzo Mazza und einen gewissen Prada, am Gängelbande. Jedem von beiden versprach sie, daß sie „den Anderen" niemals heirathen werde. Vor kurzem hatte sie sich ein hübsches Häuschen bauen lassen, und nun entbrannte zwischen den beiden Liebhabern der Kampf um Herz und Hand und Haus der Schönen mit erneuter Heftigkeit. Rosa machte dem Liebesspiel ein Ende, indem sie sich heimlich mit Prada vermählte. Mazza erfuhr erst viele Tage später die Nachricht von einer guten Nachbarin. Ohne ein Wort zu sprechen, nahm er ein Gewehr von der Wand und schritt zum Hause der treulosen Geliebten. Die Neuvermählte stand im Hofe und wusch ihre Wäsche; Mazza trat ihr entgegen, sagte kein Wort und schoß sie nieder. Dann setzte er sich auf einen Steinhaufen und jagte sich, in Gegenwart des Gatten der Ermordeten, eine Kugel durch den Kopf.
— In einem Brüsseler Blatte wird darauf hinge- wiefen, daß in diesem Jahre die Steinkohle das 700jährige Jubiläum ihrer Entdeckung feiern könnte, indem ein Schmied aus Lütlich im Jahre 1197 dieselbe entdeckt und zum Heizen verwendet habe. Nach authentischen Dokumenten sollen denn auch in Belgien bereits 1288 Steinkohlenminen im vollen Betriebe gewesen sein. An der Saar scheint man den Charakter der Steinkohle aber noch viel früher erkannt zu haben, wurde doch hier bei Ausgrabungen der Trümmer einer römischen Villa ein mehrere Faust dickes Stück Steinkohle, das halb verbrannt war, aufgefunden. Diese Villa befand sich in der Nähe des heutigen Beckingen, Kreis Merzig. Etwa dreiviertel Stunde von dort entfernt, bei Düppenweiler, treten Ausläufer der Saarkohlenflöze zu Tage, und hier mögen wohl die Römer, die viele Wohnorte in diesem Bezirke hatten, Kohlen, die offen lagen, geholt und zum Brennen benutzt haben. In Düppenweiler selbst befand sich, der „Köln. Volksztg." zufolge, eine römische Töpferei. Die älteste noch vorhandene urkundliche Nachricht über die Kohlengewinnung im Saargebiet ist ein Richtungsbrief aus dem Jahre 1430. Friedrich Greiffenklau von VollratS überträgt darin der Gräfin Witwe Elisabeth von Saarbrücken seine „Menschmitten und Kohlengruben im Sinder Dal und darumb", d. i. bei Schiffweiler, heute Kreis Ottweiler. Die Kohlengewinnung bei Dudweiler und Sulzbach wird in Urkunden von 1549 und 1586 erwähnt. In letzterem Schriftstücke heißt es, daß schon damals die Kohlengrä- berei bei Dudweiler und Sulzbach ein „Gebrauch von Alters her" gewesen sei.
— (E n d l i ch.) Köchin : Aujust, heut' , bekommst Du einen Jänsebraten. Gefreiter: Endlich einmal ein jeflügeltes Wort!
— (Aus d e r guten a l t e n Z e i t.) Bürgergardist: „Hauptmann, könntscht mi heut' auf Wache schtell'n beim Ekschertschiele." „Hoscht wieder Dei Reiße?" „Das g'rad nit, aber schau: Da könnt i sein ausö Kinderwägle aufpasse — mei Alte hat d' Wäsch!"
— (Annonc e.) Hausknecht sucht seine Stelle zu verändern. NB. Handschuhnummer 9♦ /21"
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