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Weiler Neisblatt
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Wägern von und der Expedition angenommen.
Cassel, den 5. November 1896. Bekanntmachung.
Durch einen Erweiterungsbau ist die Königliche Frauenklinik zu Marburg in den Stand gesetzt worden, eine erheblich größere Zahl Kranker als früher aufzu- nehmen.
Die Aufnahmebedingungen der Frauenklinik sind sehr günstige. Unbemittelten unterleibskranken und schwangeren Frauen des Bezirks wird freie Ausnahme (ärztliche Behandlung und Verköstigung) geboten. Auch kann bei sehr bedürftigen Kranken das Reisegeld nach Marburg non Seiten der Direktion der Anstalt wieder erstattet H werben, wozu es genügt, wenn durch die Herren Bürger- meifter, die Herren Aerzte oder auch von der Hevamme Orts die Bedürftigkeit bestätigt wird. Armenattest M nicht nothwendig.
Der Regierungs-Präsident.
-Lirkl. Geh. Ober-Reg.-Rath. Haussonville.
II. Nr. 9538.
Hersfeld, den 20. Oktober 1897.
®ie Wählerlisten für den Vollzug der Ergänzungs- «°hlen für den Kreistag im I., V., VII., VIII. und XI. Elstbezirke der Landgemeinden und im Verbände der wßgrundbesitzer sind aufgestellt und liegen in meinem ^Ureau zu Jedermanns Einsicht offen.
‘ ■ 2948. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
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Müllers £eni
Erzählung von Einanuel Hirsch.
(Fortsetzung.)
«r. ®’e Nichten» entschuldigte sich mit vielen süßen orten, sie sei nur bei der Nachbarin gewesen, die Nanni iuholen, die es eben nicht geahnt habe, daß so ein / er Gast f0 unverhofft noch kommen werde. Trotz geläufigen Zunge der Richterbäuerin träufelte der e bet Unterhaltung sehr sparsam. Hannes hatte i seroiffeg Heimweh. Wenn er so in Großdorf mit sich ^en* hätte tanzen können, statt hier in Silberbach r ^ langweilen. Die Nanni dagegen verglich den Mnes mit dem Hiesel. Trotz ihrer langen Bekannt- Mit mit letzter», hätte sie sich vielleicht doch für den ..„"" entscheiden können, aber der war gar so lahm u, laut im Reden. Da machte die Bäuerin den Vor- n(i, auf ein Stündchen oder zwei ins Wirthshaus zu ”' Hannsen war es nicht angenehm, er wußte selbst bis Jartum- und Nanni empfand Furcht und zwar wegen rofinn cl8‘ ®° schritt man denn nicht gerade in der
Kimmung dahin. Man mußte gestehen, daß Au» le$ ttine üble Figur machte. Zwar nicht groß, aber hggp achsen, breitschultrig und mit hochgewülbter Brust, A„. "' ein wohlgeformtes Gesicht mit guten blauen “ eu'en hübschen Mund mit schwellenden Lippen,
Dienstag iitn 26. Moder
Nichtamtlicher Theil
Börgerrecht null BiirgtrBicht.
Keine Aufgabe erscheint in unsern Tagen dringlicher als die Kräftigung und Neubelebung des Staatsgedankens, und zwar nach doppelter Richtung hin. Die Bürger müssen wieder einsehen lernen, welch unschätzbares Gut sie an der Zugehörigkeit zu einem geordneten Staatswesen haben, und sie müssen anderseits sich bewußt werden, daß diese Zugehörigkeit auch Pflichten auferlegt und Opfer, starke Opfer des selbstverleugnenden Gemeinsinns verlangt. Rechte und Pflichten sind unzertrennlich mit einander verknüpft — dieser Grundsatz bedarf wie kein zweiter der eindringlichen Wiederholung. Seine kraftvolle Geltendmachung ist eine verdienstvolle That, und in diesem Sinne muß auch ein kleines, jüngst erschienenes Büchlein, das den Titel „Bürgerrecht und Bürgerpflicht" führt und den Geheimen Ober-Finanzrath Marcinowski zum Verfasser hat, freudigst begrüßt werden.
Der Verfasser hat sich in seinem „Volksbuche des Staatswesens" die Aufgabe gestellt, die preußischen Staatsbürger über die Grundlagen eines geordneten Staatswesens aufzuklären, sie insbesondere über oen Inhalt der Verfassung des preußischen Staates und des Deutschen Reiches zu belehren und ihnen auch diejenigen Pflichten vor Augen zu führen, von deren Erfüllung die Erhaltung des Staates abhängig ist. Zu diesen Pflichten gehört aber in erster Reihe die kraft- und mulhvolle Bekämpfung des Umsturzes, der auf den Trümmern des Staates und der Kultur seine Zukunftsphantome zu verwirklichen strebt. Rüstzeug zu solchem Kampfe bietet das Schlußkapitel des in Rede stehenden Büchleins dar, das hiermit der allgemeinen Aufmerksamkeit noch ganz besonders empfohlen sei.
Mit Schärfe werden die Thorheiten und Widersprüche gegeißelt, die dem Phantasiegebilde des sozialdemokratischen Zukunftsstaates anhaften. Die Sozialdemokraten führen bei jeder Gelegenheit -die „Freiheit" im Munde, und doch ist der von ihnen geplante Gesellschaftsbau nur bei vollkommener Ertödtung. der Freiheit auf der Grundlage absoluten Zwanges überhaupt denkbar. Das Prinzip der Zwangsarbeit, bei der freie Wahl und persönliche Neigung ausgeschlossen erscheinen, müßte zur Durchführung gelangen. Der gezwungene Arbeiter aber ist stets der Sklave des Arbeitgebers, mag dieser Arbeitgeber sich nun „Staat", „Gesellschaft" oder sonstwie nennen, und erzwungene Arbeit ist auch in dem Werthe ihrer Leistung immer nur halbe Arbeit. Die Sozialdemokraten predigen
die ein zierliches Schnurrbärtchen artig beschattete. Die Kleidung, blendend weiße Wäsche, stand ihm sehr gut zu Gesichte, und es war daher kein Wunder, wenn Mutter Richter ihn mit Wohlgefallen betrachtete und die Hälse der Mädchen sich sehr lang reckten, als er ins Gasthaus trat.
Das Bier für die Männer, der gezuckerte Wein für die Frauen war bestellt, und Hannes bot bei einem neu beginnenden Stücke der Nanni den Arm, um mit ihr zu tanzen. Es war das nur eine Pflicht des bäuerlichen Anstandes, die er hiermit erfüllte, und er dachte an weiter gar nichts, aber Nanni, und mit ihr alle andern Anwesenden im Saale, die Richterbäuerin etwa ausgenommen, fürchteten einen Riesenskandal mit dem Hiesl, dem die Mutter das Mädchen vom Tanze entführt hatte. In der That, kaum war Hannes in den Reigen eingetreten, da legte sich auch schon die breite Hand Hieöls schwer auf seine Schulter, und rief ihm der Riese ein donnerndes „Halt!" zu.
Hannes glaubte, es sei etwas Wichtiges vorgefallen, hielt inne und sprach: „Was giebt's?"
„Das Stück hab' ich bestellt," gab Hiesl zur Antwort, worauf Hannes sehr ruhig fragte: „Nun, und?"
Die Richterbäuerin aber war schier verzweifelt und schrie, daß es gellte: „Der Lump der, fängt er schon wieder an!"
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ferner fortwährend Gerechtigkeit, und doch ist der Standpunkt mechanischer Gleichheit, von dem aus sie die Menschheit behandelt wissen wollen, die größte Ungerechtigkeit, die sich denken läßt. So im einzelnen weißt unser Verfasser die Ungereimtheiten und Widersprüche der sozialdemokratischen Weltansicht nach und bietet damit dem staatserhaltend gesinnten Leser die Mittel dar, den Irrlehren des Umsturzes erfolgreichen Widerstand zu leisten.
Auf der andern Seite wird uns in überzeugender Weise gezeigt, wie in der Staatsordnung Preußensund des deutschen Reiches alle Voraussetzungen, alle Grundbedingungen gegeben sind, um sämmtlichen Bürgern, soweit hierzu Recht und Gesetz überhaupt fähig sind und das Erreichbare nicht an der irdischen Unvollkommenheit seine natürlichen Grenzen findet, ein glückliches und zufriedenes Leben zu ermöglichen. Unsere Gesetzgebung und Verwaltung zeigt sich von dem Streben geleitet, für alle Staatsunterthanen ein gleiches, möglichst hohes Maß staatlicher Fürsorge in Anwendung zu bringen, insbesondere auch den Besitzlosen ein menschenwürdiges Dasein zu sichern.
Wer sich aber von dem Widersinn der umstürzlerischen Lehren einer-, von den Vorzügen des bestehenden Staats- wesens, von seiner relativen Vollkommenheit anderseits überzeugt hat, dessen Pflicht ist es auch, sich staatserhaltend zu bethätigen. Es gilt, den Eigennutz zu Gunsten des Gemeinsinns zurückzudrängen. Nur derjenige Bürger zeigt sich der ihm durch die Staatseinrichtung gebotenen Rechte und Vortheile würdig, der diese Wohlthat durch Handlungen vergilt, welche der Erhaltung und Befestigung des Staates dienlich sind. Dem Bürgerrechte steht die Bürgerpflicht gegenüber.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 24. Oktober.
Ihre Kaiserlichen Majestäten unternahmen am Sonnabend Morgen mit den beiden ältesten Prinzen-Söhnen einen Spazierritt in die Umgebung des Neuen Palais, über das Bornstedter Feld, durch die Jäger-Allee und den nördlichen Theil von Potsdam und kehrten durch Sanssouci um 9 Uhr tn das Palais zurück. Se. Majestät der Kaiser hörte darauf um 91 /.2 Uhr den Vortrag des Unterstaatssekretairs des Auswärtigen Amtes, Wirkl. Geh. Raths Freiherrn v. Rotenhan, um 10 Uhr den Vortrag des Kriegsministers, Generallieutenants v. Goßler, und im Anschluß daran den Vor-
Drauf schrie der Hiesl: „Hab ich's bestellt, will ich's auch tanzen!"
„Tanzt zu", lachte Hannes, „was hindert euch daran?"
„Aber das Mädel ist mir verangaschiert!"
„Dann hätte das Mädel mir das sagen müssen! Jetzt tanz halt ich mit ihr!"
Da brüllte der Unhold: „Das Mädel ist mein! Läßt du sie los?"
„Nein!" war die bestimmte Antwort.
„Das wollen mir doch sehen!" Der Hiesl schrie das ganz außer sich und hob schon die Hand zum gewaltigen Streich. Aber Hannes bog fi^_ schnell zur Seite, und der zugedachte Hieb traf die Luft. Dann beugte er, gewandt wie ein Aal, sich zurück, fast bis auf den Boden nieder, schnellte dann plötzlich wie eine elastische Feder auf den Riesen los, traf ihn mit einem wuchtigen Schlage in die Magengegend, daß der Riese aufbrüllte vor Schmerz, machte ihm mit einem zweiten, schnell geführten Schlage von unten gegen das Kinn die Funken aus den Augen sprühen, ließ diesem zweiten gewaltigen Stoße blitzschnell einen dritten, vierten gegen die Nase folgen, daß Goliath der Zweite niederstürzte und sein Fall den Erdboden erdröhnen und die Gläser tanzen ließ. Mit seinem kräftigen Stocke, den er vom NagA herunterreißt, an dem er hängt, mißt er dem Betäubten rasch noch einige Hiebe, dann nimmt er seinen Hut unb sagt zur