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GratisbeiLagen:IUttftrirter SsnntaKsblatt^^ u.3Huftrirte lanSwirthschaftliche Beilage".

K. 119.

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Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Mustrirtes Sonntagsblatt"»»» Muftrirte landwirthschaftl. Beilage" für das vierte Quartal 1897 werden noch von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 7. Oktober 1897.

In Ergänzung meiner Verfügung vom 4. d. Mts. Hr, 2529 (Kreisblatt Nr. 117), bringe ich zur öffent- I lichen Kenntnis, daß nach Anhörung der betheiligten l Gemeinden und im Einvernehmen mit dem Bezirksaus- I schusse zu Cassel auf Anordnung der Königlichen Regier­ung zu Cassel die Einkornmensteuervoreittschätz- UNgs-Bezirike XVII imd XIX des Kreises Hersfeld i für die Zukunft von den Gemeinden Heringen- Werra, Widdershausen und Kleinensee, sowie dem Guts- ; bezirke Heringen bezw. von den Gemeinden L e n g e r s, Wölfershausen, Bengendorf und Leimbach gebildet werden. Die Zahl der Mitglieder der Voreinschätzungskommission des Bezirks XVII. ist auf 7, diejenige des Bezirks XIX. uuf 5 festgesetzt worden. Hiervon sind seitens der Ge­meinde Heringen 2, seitens des Gutsbezirks Heringen und der übrigen Gemeinden je 1 zu wählen.

Der Vorsitzende der Veranlagungskommission: Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

i III. Nro. 2540.______________________________

Hersfeld, den 30. September 1897.

} Die Nummerliste der verloosten und zum 1. Januar 1898 gekündigten Schuldverschreibungen der 3'/, °/o >gen Staatsschuldscheine von 1842 liegt in den Geschäsls- lotalen der Königlichen Kreiskasse dahier, sowie auch in : ^"lenigen des Unterzeichneten zur Einsicht für Jnteres- ienten offen.

Zugleich wird auf die, diese Nummerliste betreffende ; ^«anntmachung der Königlichen Hauptverwaltung vom September 1897, abgedruckt im Regierungsamtsblatt "s 1897, Seite 207, und auf die Einlösung der bereits gekündigten Staatsschuldscheine von 1842, der i8f^"schreibungen der Staatsanleihen von 1850, j 1853, 1862, 1868 A und der Staatsprämien-An- von 1855, der Kur- und Neumärkischen Schuldver- lajreibungen und einer Stammaktie der Münlter-Ham- ^^lenbahn hierbei noch besonders aufmerksam ge-

I. Nr. 5055. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, | Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 7. Oktober 1897.

m Die Protokolle mit den im laufende» Jahre gesam- I J "n Anmeldungen über die in landwirthschastlichen I «»^"^on vorgekommenen Veränderungen sind fortab in I ?"derung des Ausschreibens vom 7. September v. I. I 2082, Kreisblatt Nr. 107, bereits bis ZUM L I»bombet nicht 20. November jeden Jahres "Asenden.

. Die Herren Ortsvorstände haben den Terminkalender | "a$ zu berichtigen.

Der Sektionsvorstand

I y Freiherr von Schleinitz.

' 2845.

Nichtamtlicher Theil.

Die erste Einnahme von Orleans den 11. Oktober 1870.

Als die deutschen Heere im September Paris einge­schlossen hatten, begann, dank der unermüdlichen Thätig­keit Gambettas, in allen Theilen Frankreichs die Auf­bietung der wehrfähigen Mannschaft, um nach der Nie­derwerfung der kaiserlichen Armeen neue Heere zu schaffen: Mobilgarde, Nationalgarde, Franktireurs sollen miteinan­der wetteifern, um den Feind vomheiligen Boden des Vaterlandes" zu vertreiben. Im Norden, im Westen und im Süden sammelten sich Truppenmassen, die von Tag zu Tag anwuchsen, sodaß die deutsche Heeresleitung dafür sorgen mußte, die Einschließungsarmee gegen die Unternehmungen dieser gleichsam aus dem Boden ge­wachsenen Heerscharen zu sichern.

Anfang Oktober standen unter General de la Mot­terouge 4050 000 Streiter bereit, um gegen die Deut­schen vor Paris vorzugehen, dieerste Loire-Armee". Freilich waren das nur bewaffnete Rekrutenhaufen, den deutschen, erprobten Truppen in keiner Weise ebenbürtig; aber immerhin konnten diese Massen, belebt von patrio­tischem Muth und unablässig angestachelt von dem un­ermüdlichen Gambetta, den Einschließungstruppen ge­fährlich werden. Täglich hatten die gegen die Loire streifenden Kavallerie-Abtheilungen Scharmützel mit dem immer kecker auftretenden Feinde zu bestehen. Daher wurde ein bewährter bayerischer Heerführer, General v. d. Tann, beauftragt, mit seinem 1. (bayerischen) Corps, der preußischen 22. Division und der 2. und 4. Kaval­lerie-Division auf Orleans vorzugehen. Schon bei Artenay, an der Straße nach Orleans, stießen am 10. Oktober die Bayern auf eine feindliche Division, warfen sie auf Orleans zurück und nahmen ihr 3 Geschütze und gegen 1000 Gefangene ab. Am folgenden Tage begann der umfassende Angriff auf die ausgedehnte und stark verschanzte Stellung, welche die Franzosen vor der Stadt und am Walde von Orleans eingenommen hatten.

Auf der großen Straße ParisOrleans und gegen den Wald gingen die Bayern, auf dem rechten Flügel im freien Gelände die 22. Division vor. Diese Divi­sion stieß auf die verschanzte Stellung von Ormes; in mühevollem Vorgehen mußte Gehöft nach Gehöft erstürmt werden. Nachhaltig und erfolgreich von preußischen und bayerischen Batterien beschossen, wurden vom Regiment 83 auch die tapfer vertheidigten Verschanzungen genom­men. Siegreich drang nun Die Division im Dorfe Ormes vor und erreichte nachmittags 3 Uhr die Vorstadt St. Jean. Bei Sarne waren die Bayern auf heftigen Wi­derstand gestoßen, und erst nach hartem Kampfe gelang es, dem Feinde eine Stellung nach der andern zu ent­reißen. 5 Uhr nachmittags zog sich der Feuerkreis um Orleans immer dichter zusammen, im heißen Wettkampf drangen Preußen und Bayern vor, und nur noch Der hohe Eisenbahndamm und die Vorstadt St. Jean wurden mit Zähigkeit vom Feinde gehalten; besonders brav schlugen sich die päpstlichen Zuaven. Weithin leuchtete als gemeinsamer Marsch-RichtungSpunkt die stolze Kathe­drale von Orleans mit ihrem spitzen Dachreiter, der die stumpfen Thürme überragte: drauf, Preußen und Bayern, heute Abend Stelldichein an der Kathedrale! Der Bahn­damm wird genommen, die Vorstadt St. 'Jean erstürmt, und im Abenddunkel, gegen 7 Uhr, öffnen sich den von allen Seiten heraneilenden Angreifern die Bollwerke von Orleans. Wie sie heranströmen, die hellblauen und die dunkelblauen Kameraden, sich ausbreiten auf dem weiten Gürtel von Alleen, der die Stadt umschließt tausend­stimmiges Hurra erschallt, und mächtigen Klanges tönt der deutsche Schlachtgesang hinein, die Wacht am Rhein, das Bundeslied, mit dem die Waffenbrüder einander be­grüßen.

Ja, hier bei Orleans kam wieder den Preußen und Bayern diejenige Waffenbrüderschaft zum lebhaften Be­wußtsein, die wie alle deutschen Stämme, so ganz be­sonders die 22. Division und das tapfere Corps Tann

verband; Bayern und Hessen-Thüringer lernten einander vertrauen, und stets gab es fortan eine besonders herz­liche Begrüßung, wenn einer vom Corps Tann einen Kameraden von derZweiundzwanzigsten" begegnete. Die Franzosen hatten die Stadt geräumt und sich auf das linke Ufer der Loire zurückgezogen.

Der Tag von Orleans kostete den Deutschen einen Verlust von etwa 900 Mann, während die Franzosen mehrere Tausend Mann einbüßten. Durch die Erober­ung und Besetzung von Orleans war die Loire-Armee vorläufig unschädlich gemacht, die Deutschen vor Paris waren gegen Süden gesichert. v. S.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 7. Oktober.

Se. Majestät der Kaiser ist gestern in Hubertusstock eingetroffen und gedachte heute den Vortrag des Generaladjutanten, General der Infanterie von Hahnke, entgegenzunehmen.

Der Bundesrath hat heute seine Sitzungen wieder ausgenommen und einem Ausschußantrage, betr. Ausnahmen vom Verbote der Sonntagsarbeit im Ge­werbebetriebe die Zustimmung ertheilt. Den zuständigen Ausschüssen überwiesen wurden ein Antrag Badens, betr. Abänderung der Bestimmungen über die Sammlung von Saatenstands- und vorläufigen Erntenachrichten, ein Nachtragsantrag Preußens, betr. die Ausführung des Börsengesetzes vom 22. Juli 1896, das Abkommen zur Regelung einiger Fragen des internationalen Privatrechts vom 14. November 1896, der Entwurf einer Verordnung über die Ausführung der am 9. September 1896 zu Bern abgeschlossenen Uebereinkunft wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werken der Litteratur und Kunst, der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen wegen Abänderung des Sparkassenge- setzes vom 14. Juli 1895 und die allgemeine Rechnung über den Landeshaushalt von Elsaß-Lothringen für das Etatsjahr 1893/94. Die Reichstagsbeschlüsse zu Peti­tionen, betr. Anrechnung von Militärdienstzeit auf das Besoldungsdienstalter und zu einer Petition wegen Be­kämpfung des Mädchenhandels wurden dem Reichskanzler überwiesen. Von der Uebersicht der Ergebnisse des Heeresergänzungsgeschäfts für das Jahr 1896 und der Vorlage betr. die Thronfolge im Fürstenthum Lippe wurde Kenntniß genommen.

Zu einem von Beleidigungen und Be­schimpfungen des Fürsten Bismarck strotz­enden Artikel desVorwärts" bemerken dieHamburger Nachrichten" :Das ist doch wieder einmal eine herzer­frischende Sprache, und zur Belohnung wünschten wir demGenossen", der dies geschrieben hat, er könnte das vergnügte Schmunzeln sehen, mit dem Fürsten Bismarck, wie wir ihn kennen, über diese Schmeicheleien, wenn er sie liest, quittieren wird. Er ist von derartigen Kundgeb­ungen immer sehr erbaut und erblickt in dem wüthenden Hasse, mit dem ihn die sozialdemokratischen Agitatoren noch jetzt auf Schritt und Tritt verfolgen, eine werth­volle Beurkundung der Thatsache, daß er mit seiner Behandlung der Herren auf dem richtigen Wege ge­wesen ist."

Die Sozia ldem o kra t ie ist bereits mit einer Heerschau über die Ihrigen in Hamburg beschäftigt. Auf ihrem Parteitage sind alle Größen versammelt, und in ihrer ganzen Haltung geben sie der Welt kund, daß sie sich bereits als Herren der Lage fühlen. Zu diesem Selbstbewußtsein paßt indes wenig die in ihren Reden hervortretende Zerfahrenheit und Unwahrheit der sozial- demokratischen Bewegung. Ueberall bekunden sie einen schroffen Gegensatz zwischen den weltbeglückenden Theorien und den Handlungen der Sozialdemokraten. Es wurde festgestellt, daß in den sozialdemokratischen Betrieben, namentlich in der Druckerei und Buchhandlung des Vorwärts" eine noch größere Ausbeutung der Arbeits­kräfte stattfindet, wie je in einem kapitalistischen Unter-