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Gratisbeilagen: „Illuftrirter Sonntagsblatt" *♦ „)llnftrirte landwirthschaftliche Beilage".

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Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen

„Jllustrirtes Sonntagsblatt" ™» „Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das vierte Quartal 1897 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Nach Artikel 40 I 2 der Ausführungsanweisung zum Einkommensteuergesetz vom 24. Juni 1891 scheiden jetzt die sämmtlichen Mitglieder und stellvertretenden Mitglie­der aus den Ei n k o m m e n st e u er v o r ei n s ch ä tz- ungskommissionen des Veranlagungsbezirks Hersfeld aus.

Die Herren Orts- (Guts-) Vorstände des Kreises haben daher sofort wegen der Wahlen das Erforder­liche zu veranlassen und mir die Wahlverhand- lungen in Abschrift bis spätestens zum 15. d. Mts. bei Meidung der Zusendung eine» W a r t e b o t e n vorzulegen.

Zugleich sind mir Vorschläge über die zu ernennen­den Mitglieder und Stellvertreter zu machen.

Im Uebrigen verweise ich auf meine Verfügung vom 23. Oktober 1894 J. III. Nr. 2974, Kreisblatt Nr. 126/1894.

Hersfeld, den 4. Oktober 1897.

Der Vorsitzende der Veranlagungskommission:

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

I. Hl. Nr. 2529.

Nachdruck verboten.

Treu bis in den Tod.

Novelle von J. Piorkowska.

(Fortsetzung.)

Gleich einer Vision tauchen die Züge ihrer Mutter " chrer ganzen, melancholischen Schönheit vor ihr auf. n er^nert sich der letzten flehenden Worte von den un lange verstummten, bebenden Lippen: „Arthur, ach, Uhur, versprich mir, keine Karte wieder anzurührenI" “innert sich, wie er darauf das Versprechen ihr R »m es, o, wie so bald, völlig zu vergessen und mmer wieder aufs Neue zu brechen, bis nun dies ge- wmnien war, — das letzte!

, »Warum schaust Du drein, als zweifeltst Du an Wort?" entfährt es ihm, der in ihren Zügen W schon wieder fast heftig. „Ueberlasse mir jetzt nur ^Antwort an Laurent!" setzt er nach kurzer Pause

«Nein, Vater, ich muß selbst schreiben," entgegnete schonungsvoll. m _

,, »Wie Du willst," achselzuckt ihr Vater. „Vorerst b uns aber zu Abend essen, ich habe Hunger!'

Eine stille, wortlose Mahlzeit ist es; beide sind mit eigenen Gedanken beschäftigt. Mr. Ferrand grübelt "gebens darüber nach, was May wohl so plötzlich i “cn Sinnes hat werden lassen, und sie, die Arme, u, an das Schwerste, was ihr noch bevorsteht: ihr Abschiedsgruß an Geoffroy. w demselben Abend, ehe sie zur Ruhe geht, ist der

Nichtamtlicher Theil.

Line Lebensfrage.

Der Widerstand, den die Mehrheit des Reichstages der Verstärkung unserer Flotte bisher entgegengesetzt hat, wird in letzter Linie nur dadurch verständlich, daß dem deutschen Volke die Bedeutung einer starken Marine für die Zukunft des Reiches noch nicht zum Bewußtsein gekommen ist. Man ist noch weit davon entfernt, zu be­greifen, daß die Vermehrung der Marine für die zu­künftige Machtstellung des deutschen Reiches ebenso sehr eine Lebensfrage ist, wie es die Reorganisation der preußischen Armee einst für die deutsche Einheit war. Die oft gehörte Ansicht, daß genug geschehe, um unsere Kriegsmarine auf dem Stande zu erhalten, der den Jn- tereffen Deutschlands entspreche, beruht auf einer ver- hängnißvollen Täuschung; denn die deutsche Kriegsmarine ist nicht nur keineswegs in demselben Verhältnisse ge­wachsen wie die Marinen anderer Seemächte, sie ist im Gegentheil in ihrer Entwicklung so weit zurückgeblieben, daß das deutsche Reich als Seemacht heute einen tiefern Rang einnimmt, als in den ersten Jahren nach seiner Begründung. u

Manchen wird es in Erstaunen setzen, zu hören, daß an Kreuzern und Kanonenbooten das deutsche Reich im Jahre 1897 nicht mehr hat, als im Jahre 1871, und daß es zur Wahrung seiner überseeischen Jntereffen nur über zwei Fahrzeuge mehr verfügt als der Norddeutsche Bund im Jahre 1869. Dieser zählte an Kreuzern 1. und 2. Klasse 9 Schiffe, wogegen das Reich jetzt deren nur 6 besitzt. Von diesen sind drei ausrangierte Panzer­schiffe, während vor 1870 die vorhandenen Schiffe in jeder Beziehung als vollwerthig gelten konnten.

Eine Uebersicht über die Entwicklung der Flotten der Seemächte seit dem Jahre 1880 zeigt ein fortgesetztes Herabsteigen der deutschen Marine von ihrer frühern Höhe. Die deutsche Panzerflotte, die 1880 die dritte der Welt war, stand 1885 an vierter Stelle, 1897 an fünfter und wird 1898 an sechster Stelle stehen. Die so außerordentlich wichtige Kreuzerflotte nahm 1880 noch den dritten, 1885 noch den vierten Rang ein und wird 1898 die fünfte in der Reihe sein, aber auch nur, wenn alle, auch die veralteten Schiffe gezählt werden. Berück­sichtigt man dagegen nur die modernen, den neuzeitlichen

Brief geschrieben, aber noch kann sie sich nicht entschließen, ihn abzusenden. Was wird er von ihr denken, wenn er den Brief empfängt? Wird er sie für falsch, für treulos halten? Nein, das kann er nicht. Zu Anfang des Schreibens hat sie ihm in ruhigem, fast kaltem Tone, um ihn durch ihren eigenen Gram nicht noch mehr zu bekümmern, auseinandergesetzt, was geschehen ist und was sie thun muß, um ihren Vater vom völligen Untergang, vielleicht gar von einem frühzeitigen Tode zu retten. Dann aber hat der letzte Rest von Kraft sie verlassen und mit einem wilden Ausbruch ihrer leidenschaftlichen Liebe hat sie ihm ihr ganzes Herz erschlossen.

„Bevor dieser Brief Dich erre icht, bin ich verheirathet. Das beste, was Du thun kannst, ist, mich zu vergessen. Nur um eins bitte ich Dich: halte mich nicht für treu­los I Ich liebe Dich heute noch so heiß und innig, wie in der Stunde, da ich gelobte, Dir ewig anzugehören, und nie wird die Liebe zu einem anderen in meinem Herzen Raum finden; bis zu meinem letzten Athemzug schlägt es nur für Dich, für Dich allein! Ade, Du einzig heißgeliebter Mann, bis wir uns einst in einer besseren Welt wiedersehen!"

Unter Thränen schließt sie den Brief. Dann greift sie nach einem zweiten Bogen. —

„Ich nehme Ihren Antrag an. Bestimmen Sie den Tag der Hochzeit, — je eher, desto besser.

May Ferrand."

Ein Lächeln gleitet über Laurent's Gesicht als er tags darauf diese Zeilen empfängt.

Anforderungen entsprechenden Fahrzeuge, so folgt die deutsche Kreuzerflotte erst als achte in der Reihe, hinter den Vereinigten Staaten und Japan.

Dieser Rückgang der deutschen Marine steht im schroffsten Gegensatze zu der kraftvollen Entwicklung auf den andern Gebieten. Denn in derselben Zeit, wo die Kriegsflotte von ihrer einstigen Höhe herabstieg, hat das deutsche Reich, dessen Bevölkerung jährlich um 600 000 Köpfe zunimmt, seine Einwohnerzahl um viele Millionen vermehrt; der Werth der deutschen Ausfuhr hat sich von 56,6 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre 1870 auf 65,4 Mk. im Jahre 1896 gehoben, während in der­selben Zeit der der englischen von 147,2 Mk. auf 126,3 Mark, der der französischen von 75 Mk. auf 71,6 Mk. zurückging; die deutsche Handelsflotte endlich ist zur zweiten der Welt herangewachsen, die mit ihrem Gehalt von 1,887 Millionen Tonnen nicht nur der französischen mit 1,095 Millionen Tonnen weit voransteht, sondern sogar diese und die russische zusammengenommen über- trifft. Und zum Schutze dieser gewichtigen Interessen hat Deutschland an vollwerthigen Kreuzern nur 7 mit zusammen 37 000 Tonnen zur Verfügung, während Frankreich 35 mit 145 000 Tonnen und Spanien 10 mit 48 000 Tonnen zu demselben Zwecke verwenden kann.

Um hier Wandel zu schaffen, ist e» unerläßlich, die Nation in allen ihren Schichten von der gewaltigen wirthschaftlichen und politischen Bedeutung der Marine zu überzeugen.

Politistzr Nachrichten.

Inland.

Berlin, 6. Oktober.

Se. Majestät der Kaiser hörte am Sonntag Vormittag den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. v. Lucanus.

Se. Majestät derKaiserist gestern Vormittag 9 Uhr von Rominten nach Danzig abgereist.

Se. Majestät der K a i s e r hat der 50. Hauptver­sammlung des Gesammtvereins der Evangelischen Gustav Adolf-Stiftung z. H. ihres Leiters, Geheimen Kirchenraths D. Pank in Leipzig, folgendes Telegramm zugehen lassen:

Rominten, den 4. Oktober 1897.

Ich habe die treuen Segenswünsche, welche Mir der

In drei Wochen soll die Hochzeit sein; so bestimmt er. Hat sie nicht selber gesagt: „je eher, desto besser?"

Mr. Ferrand schwelgt in Entzücken über die frohe, sorglose Zukunft, die sich ihm erschließt. Regt sich beim Anblick von May'S umwölkter Stirn und der Theilnam- losigkeit, die sie für alle zur Hochzeit stattfindenden Vor­kehrungen zeigt, auch wirklich einmal sein Gewissen, so beruhigt er dasselbe doch schnell wieder durch den Ge­danken : „Sie wird mir es einst noch Dank wissen, wenn sie erst gelernt hat, das Geld nach seinem wahren Werth zu schätzen!"

War May schon in ihrem Glücke wenig mittheilsam, so trägt sie ihr Unglück jetzt völlig schweigend. Geoffroy'S Name kommt nie mehr über ihre Lippen. Von Gram und Bitterkeit erfüllt, hegt sie nur noch einen Wunsch: daß ihre irdische Laufbahn bald zu Ende sei.

Der zur Trauung bestimmte Tag ist ein kalter, nebeliger Februartag. Die Ceremonie soll in der kleinen, nahegelegenen Kirche stattfinden und zwar in aller Stille. Ferrands haben keine Freunde, und Monsieur Laurent, der sich erst seit kurzem in Boulogne ansässig gemacht hat, ist ein zu eifriger Geschäftsmann, um viel Gesellig­keit zu pflegen.

Am Morgen ihres Hochzeitstages liest May zum letzten Mal die Briefe des Geliebten; dann umschlingt sie die­selben mit einem rothseidenen Band, legt sie mit dem Ring, den er ihr damals gegeben, als er sie sein Herz, blatt genannt, in ein Kästchen von Sandelholz ein An­denken an ihre Mutter. Und während sie das Kästchen verschließt, dreht sie auch den Schlüssel ab über das