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erWer Kreisblatt.

Gratisbeilagen:Illnftrirtes Sonntagsblatt" u.IÜnftrirte landwirthschaftliche Beilage".

K. IV.

Ismierslag den 18. 6t|Mtr

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 15. September 1897.

Die feiten Bürgermeister derjenigen Gemeinden, in | beten Bezirk im erstell Halbjahr 1897/98 Einkommen- und l Ergänzungssteuer-Zu- und Abgänge vorgekommen sind, 1 erhalten die hier aufgestellten Steuer-Zn- und Abgangs- listen zur Vergleichung mit der Steuerkontrole und Rück­sendung bis spätestens zum 20. d. Mts. Die Ab­gangslisten sind auf der Titelseite unterschriftlich zu voll­ziehen.

Etwaige Abweichungen von ben diesseiügen Notizen sind auf einer besonderen Anlage zu vermerken.

Der Vorsitzende der Veranlagungs-Kommission.

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.

I. III. Nr. 2441.

Hersfeld, den 13. September 1897.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit : Erledigung der Verfügung vom 14. August 1891 Nr. ' 8179, Kreisblatt Nr. 99, die Einreichung einer Nach- weisung über vorhandene gewerbliche Anlagen betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 25. d. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Die Herren Lokalschulinspektoren und die Herren Lehrer im Schulaufsichtsbezirk Hersfeld I benachrichtige daß die Herbsteonferenz am Montag den 20. September, Morgens 10 Uhr, in Asbach ge­halten wird.

Friedewald, den 13. September 1897.

Der Kreisschulinspektor: B ö t t e.

Nichtamtlicher Theil.

^iw unsere Flotte.

Die Gegner unserer Flotte sind rührig in der Er­findung von Schlagworten. Um die Nothwendigkeit der

Schlangeuliede.

Novelle von A. N i c o l a.

(Fortsetzung und Schluß.)

»Beruhigen Sie sich, es ist nicht das meine," tönte verächtlich zurück, indeß der Sprecher dicht an sie herautrat und mit kaltem, mitleidlosem Blick zu ihr nieder-

»Es ist nicht mein Blut," wiederholte er, ihr die r°tgbefletfte Hand so nahe vor die Augen haltend, daß ft sie damit berührt hätte, wäre sie nicht entsetzt davor Surlickgewichen.Dieses Blut entstammt einer viel vvr- uehmeren Ader, als welcher ein armer Maler sich rühmen fvnn! Aber wozu dieses Entsetzen? Beruhigen Sie sich! ckhr Galan ist nicht todt! Solch einen elenden Wurm bungt man nicht ums Leben. Man züchtigt ihn nur wie er es verdient!"

Die Entrüstung über diese Worte kam der Gräfin W Hilfe.

Gewaltsam raffte sie sich auf. Das Zimmer kreuzend, sie auf die Klingel drücken; Manconi aber kam zuvor, und wieder mußte sie vor ihm zurückweichen, wollt ^ ^i*16 ausgestreckte blutige Hand nicht berühren . »Sie werden Niemand zu Hilfe rufen!" gebot er <11 gedämpftem, aber festem Tone.Sie werden \ Gegentheil in das Unvermeidliche fügen, mich zu Ende anzuhören !" . .. _, Seiner stummen Aufforderung folgend, ließ sie sich auf ihren Sessel sinken, während er sich ihr ^Senüber setzte.

Flottenverstärkung zu widerlegen, ist von ihnen behauptet worden, die Flotte sei keinExistenzfaktor" des Reiches; das heißt mit andern Worten, das deutsche Reich könnte auch ohne Flotte bestehen. Da sind wir anderer Ansicht; für uns gilt für die kommenden Zeiten die Flotte als der Lebensnerv des Reiches! Von Deutschlands Seemacht hängt Deutschlands Zukunft ab, das ist das Ereigniß einer nüchternen, kaufmännisch rechnenden Beweisführung.

Unser Heer kann unsere Jntereffen nur gegen die beiden Nachbarn im Osten und Westen des Festlandes schützen. Die Gegensätze zu diesen Nachbarn haben sich ja stark abgeschwächt und werden sich voraussichtlich noch mehr abschwächen, in demselben Maße, wie sich die wirth- schaftlichen Jntereffen auf dem Festlande gegen den einen großen wirthschaftlichen Gegner zusammenschließen müssen. Deutschland ist nächst England am stärksten am Weltver­kehr, am Seehandel und an der Schifffahrt betheiligt; in Hamburg können die Flottengegner lernen, daß der i Handel Erzeugnisse des deutschen Gewerbesteißes nach allen Ländern des Erdballes führt. In Hamburg und Bremen kann aber auch jeder lernen, daß der wirth- schaftliche Wettkampf zwischen den Völkern der Erde täglich lebhafter wird.

Nur Macht schafft Recht in diesem Wettstreit, und die Streilkräfte großer Nationen gaben im wesentlichen den Beruf, ihren Völkern die wirthschaftliche Existenz zu sichern, auf der die politische Existenz beruht. Dieser Kampf unserer Landsleute um die wirthschaftliche Existenz ist in den dreiundeinhalb Jahrzehnten, seit das Heer geschaffen wurde, ungeheuer gewachsen, sowohl in der Höhe des Waarenumsatzes, als auch in seiner Ausdehnung über die Länder der Erde. Welchen Schaden die Hemmung dieser Entwicklung Deutschland bringen würde, hat der allbekannte Artikel der englischen Wochenschrift Spectator im vorigen Jahre drastisch geschildert.

Da es sich dabei fast nur um überseeische Handels­verbindungen handelt, so ist Deutschland ohne ausreichende Flotte unfähig, seine wirthschaftlichen Jntereffen genügend zu vertreten. Die Opfer an Gut und Blut, die Millionen und Milliarden, die für Deutschlands Einigung und Kultur-Entfaltung aufgewendet worden sind, wären ver­geudet, wenn es nicht gelänge, dem Reiche einen sichern Schutz in dem wirthschaftlichen Kampfe mit den übrigen Mächten zu schaffen. Diesen Schutz kann aber allein eine starke Flotte gewähren, weil ihre Kraft so weit reicht, wie unsere Handelsinteressen, während für das

Mit starrem, angsterfülltem Blick folgte sie einer jeden seiner Bewegungen. Die knechtische Furcht, unter welcher sie litt, machte ihr Gesicht alt und gab ihren Zügen einen unschönen Ausdruck.

Jeder Mensch hat seinen Preis," fuhr er spöttischen Tones fort, indem er sich ihr so nahe zuneigte, daß sie sich nicht bewegen konnte, 'ohne ihn zu berühren, und daß sie seinem festen gebieterischen Blick nicht auszu- weichen vermochte.Sie haben den ihren bereits ein- geheimst, jetzt ist die Reihe an mir. Sie haben ihren Spaß gehabt, Gräfin, einen lustigen Spaß. Sie haben einen armen Teufel von Maler zum Narren gehalten und sind zu diesem Zweck aus Ihrer gewohnten Sphäre getreten, ja, Sie haben sogar Ihren guten Ruf, wie die Welt es nennt, dabei aufs Spiel gesetzt. Das muß ich Ihnen lassen: Sie haben sich viel Mühe gegeben, mir den Kopf zu verdrehen, was, genau genommen, mir nur schmeicheln kann. Sie sahen mit Entrüstung, daß ich unempfänglich für Ihre Reize war; Sie ent­deckten zum Ueberfluß, daß mein Herz einer Andern ge-- hört, und das war es, was Sie erst recht aufreizte. Sie wußten aber aus Erfahrung, welch ein köstlicher Spaß es ist, einen Mann dahin zu bringen, daß er einem bisher treu geliebten Mädchen diese Treue bricht und zum Ehrlosen wird! Darum das ganze Spiel! Und als Sie dann Ihre Absicht erreicht hatten, da war für Sie der Zeitpunkt gekommen, den blöden Thor, der Ihnen richtig ins Netz gegangen war, wie einen Hund zu demüthigen. Zum Zeugen dieser Heldenthat wählten Sie einen Menschen, dessen Namen mit dem eines Ehren­

Landheer das Meer die Grenze des Machtbereiches bildet.

Wenn wir eine starke Flotte fordern, so meinen wir nicht eine Flotte, wie die französische oder gar die eng­lische. Die französische und die englische Flotte sind im Laufe von Jahrhunderten zu der jetzigen Macht ange­wachsen, haben große Kolonialreiche und ausgedehnte Küsten zu schützen, müssen also auf allen Weltmeeren stark sein. Was für die deutsche Seemacht unerläßlich ist, die heute an sechster oder siebenter Stelle steht, ist nur, sie so stark zu machen daß wir Aussicht haben, wenigstens eine Blockade der deutschen Küste zu verhindern.

Als Schätzerin unserer wirthschaftlichen Existenz ist aber eine starke Flotte auch mit zur zweckmäßigen, also verständigen Lösung der sozialen Frage berufen; denn sie sichert und fördert die Stetigkeit der Gewerbthätigkeit schon in Friedenszeiten. Nur durch starke Ausfuhr und bei hinreichenden Absatzgebieten kann das leibliche und geistige Wohl unserer Arbeitermassen und damit auch ihre i Freude am Dasein und an der Entwicklung der Macht des Vaterlandes gehoben werden. Eine starke Flotte bringt den Arbeitern hohe Löhne; in England haben die Arbeiter das längst begriffen. Bei uns werden sie sich ohne Zweifel auch noch davon überzeugen lassen, denn die Wahrheit des Satzes liegt klar vor aller Augen.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 14. September.

Aus Totis wird vom 13. September gemeldet: Ihre Majestäten Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef begaben sich heute, vom engsten Gefolge begleitet, zunächst zu Wagen nach dem Manöverfelde. Die Monarchen wurden von der zahlreichen Menschenmenge, .die sich auf den Straßen angesammelt hatte, stürmisch begrüßt. Se. Majestät der Deutsche Kaiser trug die Uniform seines 7. Husarenregiments.

Prinz Heinrich tritt nach Auflösung der Herbst­flotte einen Urlaub an und begiebt sich mit seiner Ge­mahlin an den Darmstädter Hof, wo er mit dem russischen Kaiserpaar zusammentreffen wird, das bereits am 1. Oktober in Darmstadt ankommt.

Der Vorstand des deutschen Kriegerbundes veröffent­licht in derParole" bemerkenswerthe Auslassungen, die die Stellung der Kriegervereine zur Sozialdemokratie

mannes nichts überein hat. Doch genug davon. Damit war Ihre Rolle zu Ende; jetzt kommt die meine!"

Er rückte seinen Stuhl dem ihren um noch eine Spanne näher und schwieg einige Minuten, ehe er, einen möglichst leichten Ton anschlagend, mit dem er aber den sich steigernden Zorn und die zunehmende Bitterkeit seines Innern nicht zu verbergen vermochte, fortfuhr:

Soll ich Ihnen sagen, was heute in mir vorging, als Sie mich in meinem eigenen Hause verhöhnten und beschimpften? Mein erster Gedanke war, Sie beide zu erdrosseln, mein nächster schauen Sie her! Jedenfalls war es unbedacht von Ihnen gehandelt, dieses gefährliche kleine Spielzeug auf das Geld zu legen, mit dem Sie mich beschimpften!"

Und er ließ den kleinen Dolch dicht vor ihr auf seiner Hand balanciren, so daß der scharf geschliffene Stahl beim Lampenschein ihr grell in die Augen blitzte.

Ein Bündel feuchter Papiere, von einer verdächtig rothen Farbe, getränkt, saß nahe dem Griff, den er plötz­lich mit nerviger Hand umklammerte, indes er mit schier berückendem Blick auf sie weiter sprach:

So nahm ich den Dolch zur Hand, so durch­bohrte ich die Banknoten, mit denen Sie nicht ehrliche Arbeit lohnen, sondern den ehrlichen Namen Enrico Manconi mit Füßen treten wollten! Und dann" er erhob sich plötzlich, so daß er ganz dicht vor ihr stand und wild drohenden Auges schaute er zu ihr nieder* dann trat ich vor Ihr Bild, Gräfin, welches mir so wunderbar gelungen ist, daß es mir war, als ständen Sie in Fleisch und Blut vor mir. Und in den Ge-