4 Markstücke im Umlauf. Ein solches falsches Geldstück nbi wurde bei der Steuerkasse am Königsplatz in Zahlung 101 gegeben, welche es der Polizeidirektion zusandte.
|ei Cafsel, 9. Juli. Wie unglaublich groß der An- Z» drang von Stellesuchendeu tit allen Branchen ist, beweist an wieder einmal Folgendes: Ein hiestger Herr, welcher sich Ä ein größeres Gut käuflich erworben, hatte die Stelle en eines Verwalters in den Zeitungen ausgeschrieben, welcher 4 verheirathet sein und das Gut selbstständig verwalten 6t sollte. In wenigen Tagen trafen hier nicht weniger eit denn dreihundert und zwölf briefliche Offerten mit Photo- fet graphie, Lebenslauf rc. ein, die der neugebackene Herr nt Gutsbesitzer noch nicht einmal alle geöffnet und gelesen U! hatte, als sich der Klingelzug fast fortwährend in Bett wegung setzte und in den ersten drei Tagen nicht weniger ui als dreißig persönliche Vorstellungen von Stellesuchenden « sich ablösten, welch' letztere zum Theil aus sehr weiter n Ferne eigens zu dem Zwecke nach Caffel gereist waren, ei Cassel, 9. Juli. Gutem Vernehmen nach wird die w Ankunft Ihrer Majestät der K a i s e r i n und der kaiser- il lichen Kinder auf Wilhelmshöhe zwischen dem 15. und gi 18. August erwartet.
nj Rengershausen, 8. Juli. Am Sonntag Morgen n ereignete sich in unserem Orte ein recht bedauerlicher « Unglücks fall. Der 26 Jahre alte Sohn Werner b des Landmannes Heinemann dahier wurde beim n Putzen des Pferdes von diesem so unglücklich gegen den ii Leib geschlagen, daß er, schwer verletzt, besinnungslos zusammenbrach. Nach Einholung der Erlaubniß der ü Eltern, wurde am Dienstag die Operation des verletzten i einzigen Sohnes vorgenommn, aber schon Abends ver- ^: schied derselbe. Der plötzliche Todesfall ruft hier allgemeine Theilnahme hervor. (C. T.)
i Hanau, 8. Juli. In vergangener Nacht, kurz vor 12 Uhr, brach im Hause Bebraer Bahnhofstraße 15 im j Hinterbau des Möbelhändlers G. Schnarr Feuer aus, durch welches der Dachstuhl und der oberste Stock zer- z stört wurden. Jm Nebligen wurde das Feuer auf seinen i Herd besckränkt.
l Fritzlar, 6. Juli. Die 17 jährige Tochter eines hiesigen Bäckermeisters wurde gestern Morgen gegen : * Ii/, Uhr, als sie die Wecke nach einer außerhalb ge- U legenen Villa brächte, von einem Kanonier angefallen.
!; Das Mädchen wehrte sich verzweifelt, und auf ihre Hülfe- tz! rufe kamen Spaziergänger herbei, worauf der Angreifer entfloh. Er wurde aber bald ausfindig gemacht, denn auf erfolgte Anzeige hatte das Abtheilungskommando so- fort einen Appell angeordnet, bei dem der Schuldige " fehlte; das führte zu seiner Entdeckung, da auch die Aussage des Mädchens sich bestätigt fand, daß es den Angreifer, als er ihm den Mund zuhalten wollte, in die Hand gebissen habe. (C. T.)
I Perwischtes.
— Zu häufigen Heiterkeitsausbrüchen gab eine Verhandlung Veranlassung, welche in Berlin vor der 4. Straf- Z kammer des Landgerichts I gegen den schon im reiferen Alter stehenden Kaufmann Hermann Barth stattfand, der des H e i r a t h s s ch w i n d e l s beschuldigt war. Es ; war die alte Geschichte, welche der Anklage zu Grunde | lag. Eine Heirathslustige Wittwe hatte durch die Zeitung ; einen Mann gesucht. Da sie offenbarte, daß sie von ihren Zinsen leben könne, so war an Bewerbern kein Mangel. Auch Barth gehörte zu diesen. Er schrieb einen so vertrauenerweckenden Brief, daß die Dame ihm antwortete. Nun wiederholte sich das alte Spiel: der Bewerber erklärte, daß er vermögend sei, ein gutes Geschäft habe u. s. w., und dann fand die Verlobung statt. Dass rauf versuchte B., die üblichen Darlehne zu erhalten.
Er liebte das Schriftliche, aber wie wußte er auch zu
schreiben! „Soeben bin ich aufgestanden, mein süßes Mädchen, während Du wohl noch in Deinem Kämmer- lein dem Schlafe huldigst." So begann der Brief, und dann folgte die Bitte um ein Darlehn von 400 Mark. „Ich verpfände Dir dafür mein liebeglühendes, treues Herz", erklärte der Bittsteller. „Das Kaffeewasser kocht, ich muß schließen" — und nun folgte — ein süßer Schluß. — Die Braut opferte die 400 Mark, die sie natürlich verlor, denn es zeigte sich bald, daß Barth mit allerlei falschen Vorspiegelungen umgegangen war. Er hatte angegeben, daß er die 400 Mark gebrauche, um seinen „Kompagnon" abzulösen. Es war dies aber — eine Frau, der er ebenfalls die Ehe versprochen, dann aber 400 Mark abgeborgt hatte, und von der er sich nun trennen wollte. Dann hatte der Angeklagte noch einen dritten ähnlichen Schwindel begangen. Der Gerichtshof verurtheilte ihn zu einer Gefängnißstrafe von 6 Monaten.
— Ein heit erer Zwischenfall trug sich in einer Bromberger Volksschule am Sonnabend zu. Ein Schüler deklamirte „Das Lied vom braven Mann". Als er gerade die Stelle vortrug: „Schon naht das Verderben sich fürchterlich", öffnete sich die Thür des Klassenzimmers und herein trat der Pedell mit einem Packet — Rohrstöcke. Natürlich darob allgemeine Heiterkeit.
— Pirna, 8. Juli. Der „Pirnaer Anzeiger" meldet unter dem 7. d. M.: Ein von der hiesigen Landsparkaffe gestern Abend auf dem hiesigen Kaiser!. Postamt« aufgegebener Geldbrief an die „Sächsische Bank" in Dresden mit 40000 Mark Inhalt ist verschwunden. Der Unterschlagung verdächtig ist der Postaffistent Vogel, welcher heute einen zweitägigen Urlaub antrat.
— Sobald der Roggen in Aehren steht, geht nach littauischem Volksglauben die Kornmutter darin um. Ihre Erscheinungszeit sind in der Regel die heißen Mittagsstunden. Als Schützerin und Hüterin der reifenden Saaten schreitet sie durch dieselben in langem weißen Gewände und mit flatterndem Haar. Nach dem Volksglauben lockt sie Kinder, welche beim Kornblumensuchen oder sonst freventlich die Saat beschädigen, weit in das Feld hinein, so daß sie sich nicht mehr zurückfinden und elendiglich umkommen müssen. Dem nachlässigen Bauer, der nicht auf seine Wirthschaft achtet, streut sie Unkraut in den Acker und läßt Unwetter über denselben kommen Glücklicherweise tritt sie da als Rächerin auf, wo Gesinde und Arbeitsleute nicht gut gehalten und bei kurzer Kost über die Maßen angestrengt werden. Trotz der vorgeschrittenen Aufklärung ist in vielen Volksschichten der Glaube an das Walten der Kornmutter oder Roggenmuhme noch häufig anzutreffen, und noch vor einiger Zeit wurde eine Besitzerfamilie zu U. durch das Erscheinen derselben in Angst und Schrecken gesetzt. Daß eine findige Magd den Aberglauben der Leute benutzt und fich und ihren Arbeitsgenoffen durch die Erscheinung die Stellung erleichtert, kam freilich erst nachher heraus.
— Sömmerda. Bei einer Uebung der hiesigen Feuerwehr am Freitag überschlug sich die mechanische Schiebleiter, wobei 2 Steiger so erhebliche Verletzungen erlitten, daß ihr Leben in Gefahr schwebt.
— Von Ameisen in die Flucht getrieben wurden die Bewohner eines Hauses in E i ch i g t (Sachsen), welches hundert Jahre steht und plötzlich von Ameisen in ungeheuren Mengen besetzt wurde. Die Thierchen, sogenannte Roßameisen, von denen die Weibchen 17, die Männchen und Arbeiterinnen 9—11 Millimeter lang sind, verschafften sich durch Löcher, welche sie in Dielen und Fensterrahmen fraßen, Zugang in die Wohnstuben, bedeckten dort zu Tausenden den Fußboden, krochen die Wänden hinan, liefen im Webstuhl umher, saßen an den Stubengeräthen und wanderten schließlich in Töpfe, Schüffeln und Teller. Den Einwohern, welche zur Vertreibung der ungebetenen Gäste die verschiedensten Mittel
ohne Erfolg anwandten, blieb daher weiter nichts übrig, als mit Kind und Kegel das Haus zu räumen.
— Paris, 6. Juli. Die Verheerungen, welche die Überschwemmungen in Süd-Frankreich angerichtet haben, sind weit größer, als man anfänglich geglaubt hatte. In Jsleen-Dodon, südwestlich von Toulouse, stürzten 293 Häuser ein.
- London, 7. Juli. Eine Lloyddepesche meldet: Der norwegische Dampfer „Enrique" berichtet von Bona, daß er ein französisches Schiff getroffen habe, welches signalisirte, daß es letzten Sonntag in 48° 41' nördlicher Breite und 20° 34' westlicher Länge mit dem norddeutschen Lloyddampfer „Spree" sprach. „Spree" hatte die Triebwelle zerbrochen.
— Die achtzehnjährige Tochter des Baritonisten Borelli in Bologna wurde von dem neunzehnjährigen Studenten Mazzoni, dessen Werbung sie zurückgewiesen, erschossen, worauf derselbe sich selbst tödtete.
— Nach einer Meldung der „Times" aus Buenos- Ayres sind wiederum große Heuschreckenschwärme in Santa Fö und den anderen nördlichen Provinzen Argentiniens aufgetreten.
— Ein Offizier des niederländischen Kriegsschiffes „Wilhelmina", der mit seinen Kameraden an einem echt chinesischen Diner in Batavia teilgenommen hatte, sandte einem Freunde den folgenden Speisezettel: Leber mit Bambus und Champignons. — Haifischflossen mit chinesischer Sauce. — Hachee von Garnelen, Erbsen, Bambus, Schinken und Mäuseohren. — Taubeneier mit Haifisch- flossen und Schinken. — Schwämme mit Bambus und Schinken. — Enten mit ausgedampften Pfannekuchen. — Kalbsmagen mit Bambus und Schwämmen. — Schinkensuppe mit Zucker und Bambus. — Melonen- und sonstige Kerne. Da fehlt, dünkt uns, eigentlich nur noch ein Stiefelknecht zum Nachtisch.
— (Doch etwas.) Reisender: „Gestatten Sie, daß ich Ihnen meine Muster zeige!" Kaufmann: „Gewiß, gern; ich werde Ihnen dann auch etwas zeigen." Reisender: „Was denn?" Kaufmann: „Die Thür!"
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Kirchliche Nachrichten.
Kvangelischer Hottesdienst.
Sonntag den 11. Juli 1897.
Vormittags : Herr Superintendent Dr. V i a l. Nachmittags: Herr Pfarrer Martin.
Gottesdienst in der Baptisten-Kapelle.
Sonntag den 11. Juli Morgens 9 Uhr: Predigt von M. Gute. Mittags >/,1 Uhr: Kinder-GotteSdienst. Nachmittags 3 Uhr: Bibelstunde. Abends 8 Uhr Predigt. Montag */a9 Uhr: Missionsstunde. Mittwoch Abends 1/29 Uhr: Betstunde,
Herzlichsten Tank sage ich allen denen, die mir so reichliche Gaben dargebracht haben. Ich erhielt von edeldenkenden Mitmenschen in der Zeit vom Mai bis jetzt nahe an 100 Mk., welche sehr zur Erleichterung meiner Lage gedient haben. Besonders sage ich meinem lieben Freund Herrn Jakob Strippel herzlichen Dank dafür, daß er die Gaben eingesammelt und einen Ausruf für mich erlassen hat. Möge Gott seine unermüdliche Thätigkeit reichlich segnen. Ferner habe ich noch dem Herrn Sanitätsrat Dr. Victor herzlich dafür zu danken, daß er meine liebe verstorbene Frau während ; ihrer Krankheit in kostenlose Behandlung genommen hatte. Meine Lage hat sich, Gott sei Dank, wieder gebessert: daher sage ich nochmals allen Gebern und Geberinnen herzlichsten Dank unb rufe ihnen ein „Vergelts Gott" zu.
Meiner werthen Kundschaft zur Nachricht, daß ich mein Geschäft in derselben Weise wie bisher sort- I führen werde.
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