Einzelbild herunterladen
 

y -------------'^

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag unb Sonnabend.

AbolmemetttSpreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg, exel. Postaufschlag.

h-..l-=============<

^--'--- --------^------M

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.

Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

A=--A

Melder meisblatt.

Gratisbrilasen:Illuftrirtes Sonntagsblatt" «.Illuftvirte landwirthschaftliche Veilage".

Nr. 72. AeOg den A. Imi M.

DüUeliieiits-Lilslldling.

Mit dem f. Juli beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"» Mustrirte landwirthschaftl. Beilage".

DasKreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Er­eignisse in der Politik, Berichte aus dem Areise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten In­halts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereig­nisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.

3MBT Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigen- falls durch Extrablätter verbreiten. '

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt" beträgt s Mark 40 pfg.

^tt5§i*^4^ finden durch das »Kreisblatt" zweckentsprechende Verbrei­

tung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum so Pfg

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein

die Expedition.

Amtlicher Theil.

Cassel, den 17. Juni 1897.

Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf Grund des

Preußischen Gesetzes vom

13. März 1878

23. Juni 1884

zur Zwangs­

erziehung überwiesene und von mir bei dem Schmiede­

Dcr Schwan von Hohenstein.

Roman von F. von Pückler.

(Fortsetzung.)

Nicht verachten," wehrte er bewegt ab,aber viel­leicht anders beurtheilen, als ich es heute thue. Mein Onkel hat in jedem Briefe mir eingehend und liebevoll geschildert, wie Sie ihn getröstet und aufgerichtet, wie Sie mit sanfter Hand ihn dem Frieden und der Ergebung zugeführt haben und von da an lernte ich Sie ver­ehren wie eine Heilige und mich bedauern."

Sie wechselte jäh die Farbe, dann nickte Sie ihm leise zu und sagte einfach:Ich thue nur meine Pflicht und Gott sei gelobt, der mir die Kraft dazu gibt."

Wie im Traum blickte Graf Albrecht der schlanken Gestalt nach, die jetzt dem Schlosse zuwandelte, still, ruhig, harmonisch.

@ott, mein Gott, weshalb muß ich so unglücklich werden, murmelte er vor sich hin und ging langsam dem Ausgang des Parkes zu.

Pferdegetrappel, Stimmengeräusch und Lachen störte ihn aus seinem Hinbrüten auf; er trat zurück ins Gebüsch und gleich darauf kamen zwei Reiter, von der nahen Chaussee abbiegend, an ihm vorbei. Es waren ein Herr und eine Dame; als er die letztere sah, hätte Albrecht fast aufgeschrieeu vor Staunen und Entsetzen.

War das seine Braut, die er vor zwei Jahren so hübsch und mädchenhaft und bescheiden verlassen halte? Dort vor ihm auf dem Pferde saß eine kokette, kühne Amazone, das Antlitz hochgeröthet, die Augen sprühend,

meister Carl Bug zu Niederröder-Höhe b/Fulda in Lehre I untergebrachte Ferdinand Georg Giezendorf von Eschwege, I geboren am 24. September 1880, ist am 15. Juni d. Js. aus seiner Lehrstelle durchgebrannt.

Königliches Landrathsamt ersuche ich ganz ergebenst, nach dem Zögling umgehend Nachforschungen gefälligst anstellen, im Betretungsfalle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civilperson, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachlung ein solches von 4 Mark gewähren werde, in seine Lehrstelle zurückführen lassen zu wollen.

Von dem Geschehenen bezw. dem Ergebniß der Nach­forschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst zu benach­richtigen.

Bekleidet ist der 2C. Giezendorf mit schwarzem Hut, grauem Rock, schwarzer Hose mit blauen Streifen und Schuhen.

Der Landes-Direktor. An Königliches Landrathsamt Hersfeld.

* *

Hersfeld, den 19. Juni 1897.

Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Fahndung rc. nach dem p. p. Giezendorf mitgetheilt.

1. 3441. Der Königliche Landrath.

I. V.: H e e g.

Nichtamtlicher Theil.

Die Ansprache des Kaisers.

Die Reden unsers Kaisers haben sich von jeher aus­gezeichnet durch Kraft der Anschauung, schwungvolle Sprache und Bilder, die das Gemüth ergreifen. Was aber den kaiserlichen Reden einen besonderen Werth ver­leiht, ist die landesväterliche Fürsorge, die sich darin immer wiederspielt. Wir sehen aus solchen Kundgeb­ungen, wie unser Kaiser darauf bedacht ist, das Wohl seiner Unterthanen zu fördern, wie er nicht müde wird, sein Fühlen und Denken und seine Kraft in den Dienst des Volkes und des Vaterlandes zu stellen. Auch die Rede, die der Kaiser am Freitage auf dem Sparenberge bei Bielefeld gehalten hat, ist in dieser Hinsicht hoch­bedeutsam. In ihr hat der Kaiser ein Programm nieder­

gefallsüchtig auf ihren Begleiter gerichtet, mit der zier­lichen Reitgerte ihm schelmisch drohend. Das dunkel­blaue Reitkleid wehte leicht hinter ihr vom Pferde, der blaue Schleier flatterte im Winde und lachend rief das schöne Mädchen:Halt, Herr Graf, nicht weiter! Eine Braut, wje ich, darf solche leidenschaftliche Sprache nicht anhören."

Fräulein Gertrud, ich beschwöre Sie, seien Sie barmherzig. Ziehen Sie den Ring vom Finger und lassen Sie mich einen neuen daran streifen! Ich kann mir ein Leben ohne Sie gar nicht vorstellen," sagte der russische Graf leidenschaftlich.

Wenn Sie nicht gleich einen anderen Ton anschlagen, Gras Orosseff, dann reite ich auf und davon und spreche nie wieder ein Wort mit Ihnen."

Oho, ich hole Sie ein, ich erobere Sie für mich und jener Andere hat Sie dann auf ewig verloren!"

Da lachte plötzlich der verborgene Lauscher laut auf, die Zweige knackten und rauschten und das Paar sah sich erstaunt an.Wer mag das gewesen sein?" frug endlich Gertrud zitternd,man hat uns belauscht, Herr Graf, und ich bin compromittirt."

Das wird wohl irgend Jemand aus dem Dorfe gewesen sein," beruhigte sie der Graf Orosseff, aber er war gleichfalls sehr beunruhigt. Lassen Sie sich das nicht kümmern, gnädiges Fräulein. Wer könnte denn ein Interesse haben an dem, was wir sprechen?"

Ich reite jetzt heim und Sie bleiben zurück," ent­schied Fräulein von Reimar in einem Tone, der keinen Widerspruch aufkommen ließ.

gelegt, den Leitstern für die innere Politik:Schutz der nationalen Arbeit, Zurückweisung jeder Umsturzbestrebung und schwerste Strafen demjenigen, der seinen Nachbar an freiwilliger Arbeit hindert!"

Schutz der nationalen Arbeit! So lautet der erste Punkt des Programms. In welchem Sinne der Kaiser diese Worte meint, hat er in derselben Rede ausgeführt, indem er sagte:Ich habe hier von neuem Muth geschöpft zu dem Kampfe, den bereits seit dem Bestreben des Hohen- zollernhauses meine Vorfahren geführt haben, dafür, für jeden Unterthan Saum cuique für seine Arbeit und seinen Verdienst zu sorgen!" Daß der Kaiser ernst­lich gewillt ist, jede ehrliche Nahrung und Gewerbe zu schützen, hat er wiederholt gezeigt, nach außen wie nach innen. Gegen die Uebergriffe der nordamerikanischen Zollpolitik ist in entschiedener Weise protestirt worden; im Innern sind durch Gesetze, wie das gegen den unlautern Wettbewerb und das Börsengesetz, Industrie, Handel und Landwirthschaft wirksam geschützt worden, indem die dem ehrlichen Erwerbe entgegenstehenden Hindernisie beseitigt wurden. Auch für den Mittelstand und die Arbeiter hat die Gesetzgebung werthvolle Schutzbestimmungen getroffen.

Zurückweisung jeder Umsturzbestrebung! Das ist der zweite Punkt des Programms. Diesem Gedanken ist vom Kaiser wiederholt Ausdruck verliehen worden. Mit scharfem Blick hat der Kaiser erkannt, daß die Sozial- demokratie der innere Feind ist, der, wenn er nicht be­kämpft wird, schwere Gefahren heraufbeschwört. Die Umsturzbestrebungen richten sich gegen Thron und Altar, gegen Kaiser und Reich, gegen die gegenwärtige StaatS- und Gesellschaftsordnung, gegen jeden von uns, der ein Interesse hat, in einem geordneten Staatswesen unter dem Schutze eines fürsorglichen Monarchen friedlich seinem Erwerbe nachzugehen. Trotzdem sind bisher die Maß­regeln, die zur Bekämpfung der Umsturzbestrebungen ge­plant waren, an dem Widerstände der Volksvertretung gescheitert. Andernfalls wäre der Boden bereits geebnet für die Durchführung des dritten vom Kaiser angeführten Punktes:schwerste Strafe demjenigen, der seinen Nach­bar an freiwilliger Arbeit hindert!"

Gerade solche Vergehen haben sich stets da gezeigt, wo infolge der sozialdemokratischen Agitation der Friede zwischen Arbeitgebern und Arbeitern gestört war. Miß­handlungen vonStreikbrechern" und rechtswidrige Ab­haltung von der Arbeit gehören zu den ständigen Be- gleit-Erscheinungen der Ausstände. Die Akten über den

Nun denn auf Wiedersehen, schöne Freundin!" meinte der Graf, glühend vor Erregung,Sie sind mein und zwar mehr als je."

Sie ritt schnell davon, ohne seinen letzten Worten Beachtung zu schenken. Der Graf Orosseff aber brummte vor sich hin:Da wird ohne Zweifel der Herr Bräu­tigam heim gekommen und wenig erbaut sein, die schöne Braut neben einem Nebenbuhler zu sehen."

Ohne umzusehen, jagte Gertrud dahin, dem Schlosse zu; sie ahnte gleichfalls, wer der fremde Lauscher ge­wesen, und ein böser Trotz regte sich in ihr. Wenn sie nun nach zweijähriger Trennung einsehen gelernt, daß sie den kühlen Verlobten, der so lange in der Fremde umherschweifte, nun doch nicht lieben könne, wer wollte es ihr verdenken? Besser der erste Aerger wie der letzte Schmerz, dachte sie. Ihr winkte ja in nächster Nähe eine schimmernde andere Grafenkrone und das liebe- glühendste Männerherz, das jemals geschlagen hatte.

Und in der That! Der Reitknecht, welcher herbei- eilte, ihr Pferd in Empfang zu nehmen, berichtete in respektvollem Tone:Sr. Gnaden, Herr Graf Albrecht von Hohenstein sind zurückgekommen und soeben zu Er­laucht dem Herrn Grafen gegangen."

Gertrud nickte stumm, biß sich aber auf die Lippen, schlug die Schleppe ihres Reitkleides über den Arm und schritt langsam nach ihrem eigenen Zimmer. Wenn Albrecht, ihr Verlobter, es nicht für nöthig fand, sie zu­erst auf zusuchen, so fühlte auch sie keine Nothwendigkeit, ihn zuerst zu erwarten und sie begab sich sofort daran, neue Toilette zu machen, um für Mittag fertig zu sein.