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HerWer äM.
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Nr. 71.ÄmaKÄ St« 19. Km 1897.
Erstes Satt
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 14. Juni 1897.
Der Ackermann Heinrich Metz zu Ausbach ist heute als Bürgermeister dieser Gemeinde eidlich verpflichtet worden.
J. A. Nr. 1722. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Die Abhaltung des Bullenmarktes am 23. Juni l. I. und deS Vieh- und Schafmarktes in Fulda am 24. Juni l. I. ist unter nachfolgenden Bedingungen genehmigt worden.
Außer den in der landespolizeilichen Anordnung vom 20. November 1896 (Amtsblatt Seite 265) getroffenen Bestimmungen sind zur Durchführung der veterinärpoli- zeilichen Aussicht des Marktes folgende weitere Bestimmungen getroffen worden, deren Nichtbeachtung mit einer Strafe von nicht unter 10 Mk. event, entsprechender Hast geahndet wird.
1. Vieh aus verseuchten Nachbargebieten, nämlich 1. Preußen: Regierungsbezirke Magdeburg, Merseburg, Erfurt, Hannover, Hildesheim, Münster, Minden, Arnsberg, Wiesbaden; 2. Bayern: Sämmtliche Regierungsbezirke; 3. Württemberg: Sämmtliche Kreise; 4. Baden: Landeskommissariate Karlsruhe, Konstanz, Freiburg, Mannheim; 5. Hessen: Provinzen Starkenburg, Oberhessen, Rheinhessen; 6. Sachsen-Weimar; 7. Braunschweig; 8. Sach- sen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Koburg-Go- tha; 9. Anhalt; 10. Schwarzburg-Sondershausen; 11. Waldeck; 12. Reuß j. L.; 13. Fürstenthümer Lippe; 14. Elsaß-Lothringen muß spätestens am 17. Juni in Fulda eintreffen, wenn es auf dem Markte verkauft werden soll.
2. Am Tage vor dem Markte werden die Höfe der Gastwirthschaften, Ausspannungen u. s. w. thierärztlich beaufsichtigt werden.
3. Mit dem Auftrieb des Viehes auf den Marktplatz darf erst um 51/* Uhr früh begonnen werden und zwar nur durch die Schloßstraße. Auf einer anderen Straße darf Vieh auf den Marktplatz nicht aufgetrieben werden.
4. Durch den Eingang zum Viehmarktplatz muß jedes Thier einzeln geführt werden
5. Die Musterung von Vieh rc. im Zugang oder dicht davor ist verboten.
6. Am Markttage ist der Viehhandel in Gehöften, Gastställen rc. innerhalb der Stadt Fulda verboten.
7. Die Prüfung der Ursprungsalteste hinsichtlich des von Privaten aufgetriebenen Viehes und der Gesundheits- scheine über das von Händlern zu Markte gebrachten Viehes steht nur dem beamteten Thierarzt zu.
Fulda, den 14. Juni 1897.
Der Königliche Landrath Steffens.
Utchlamllicher Theil.
Hawaii.
Die von Cook 1738 entdeckten Sandwich-Inseln, deren Eingeborene der malayischen Rasse angehören und das Christenthum angenommen haben, sind bis 1893 von einem konstitutionellen Monarchen nach europäischem Muster regiert worden. Vor vier Jahren brach eine Revolution gegen die Königin Ciliuokalani, die Nachfolgerin des Königs Kalakana, aus, die zur Entthronung der Königin und zur Einsetzung einer provisorischen Regierung führte. Die Revolutionspartei hatte ihre Hauptstütze in Nordamerika, mit dem die gerade am Seewege zwischen Kalifornien und Ostasien gelegene Inselgruppe seit lange in regem Handelsverkehr gestanden hat. Die Revolution bezweckte am letzten Ende die Vereinigung des Königreichs Hawaii mit den Vereinigten
Staaten von Nordamerika. Unter dem Präsidenten Cleveland wurde jedoch die amerikanische Annexionspolitik zurückgedrängt, die hawaiische Republik blieb selbstständig.
Der Nachfolger Clevelands, Mac Kinley, dagegen tritt für die Einverleibung ein, es ist bereits ein dahin gehender Vertrag zwischen den Vertretern heider Staaten in Washington unterzeichnet worden. Dabei mögen auf der einen Seite Besorgnisse der hawaiischen Republik vor den zollpolitischen Plänen der Vereinigten Staaten, auf der andern die Interessen des amerikanischen Zuckertrustes mitgewirkt haben. Die Sandwich-Inseln produzieren Rohrzucker in bedeutenden Mengen, der bisher zollfrei in den Vereinigten Staaten eingehen konnte. Nach der Einverleibung würde der amerikanische Zuckerring erst recht den Kampf gegen den europäischen Rübenzucker fortsetzen können.
Abgesehen hiervon haben wir wegen unserer Stellung in Samoa ein gewisses Interesse an einer immerhin so wichtigen politischen Veränderung in der Südsee, wie es die Angliederung der Sandwich-Inseln an die Vereinigten Staaten sein würde. Ungleich stärker aber ist ein solches politisches Interesse fj^r die Japaner vorhanden, von denen auch viele La>^r>leuU,nach Honolulu eingewandert sind. Auf Grund obres zwischen Japan und Hawaii bestehenden Vertrages hat der japanische Vertreter in Washington bereits förmlichen Protest gegen den Einverleibungsvertrag mit den Vereinigten Staaten erhoben. Dieser könnte kaum in Kraft treten, ohne eine ernste Feindschaft mit Japan zur Folge zu haben. Einstweilen bedarf er zu seiner Giltigkeit noch der Zustimmung des amerikanischen Kongresses, und es fragt sich, ob diese für die neue Annexionspolitik Mac Kinleys zu haben sein wird.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin 17. Juni.
S e. Majestät der Kaiser kehrte gestern Abend 11 Uhr 25 Min., von Liegnitz kommend, nach dem Neuen Palais zurück.
Heute Morgen 71/» Uhr unternahmen der Kaiser und die Kaiserin einen Spazierritt. In das Neue Palais zurückgekehrt, empfing der Kaiser den zur Dienstleistung beim Auswärtigen Amt kommandierten Lieutenant Dominik ä la suite des 4. Regiments, und nahm darauf aus den Händen des Oberstlieutenat» a. D. v. Rauch die Orden des verstorbenen Schwiegervaters desselben, Generals v. Albedyll, entgegen. Demnächst hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militairkabinets, Generals v. Hahnke. Um 12j/i Uhr empfing der Kaiser den Staatsminister Dr. v. Boetticher und gedachte darauf den Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten des Herzog- thums Braunschweig, und die nach England gehenden Herren zur Meldung zu empfangen.
Der Kaiser hat am Mittwoch der 100jährigen Jubelfeier des Königs-Grenadier-Regiments N r. 7 und der an demselben Tage stattfindenden Ent- hüllungsfeier des Kaiser Wilhelm-Denkmals in Liegnitz beigewohnt. Dem Regiment wurden vom Kaiser die Säkular-Fahnenbänder mit der Jahreszahl 1897 verliehen.
Das Kaiserpaar ist heute Abend ll*/a Uhr nach den Rheinlanden abgereist.
Der B u n d e s r a t h hat die Vorlage über den Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen dem Reiche und dem Oranje-Freistaat den zuständigen Ausschüssen überwiesen.
Der elfte ordentliche Berufsgenosse n- schastStag, dem 46 gewerbliche BerufSgenossenschaften angehören, hat in Berlin getagt. ES wurde beschlossen, den ständigen Ausschuß zu beauftragen, nach Abschluß der Berathungen der Kommission und Bekanntgabe der Novelle zum Unfallversicherungsgesetz einen außerordentlichen BerufsgenossenschaftStag einzuberufen.
In Bezug auf die A n st e l l u n g von Trichinen
schau e r n ist von den Ministern der Landwirthschaft, der Medizinal-Angelegenheiten, des Innern und des Handels an die Regierungspräsidenten ein Erlaß ergangen. Es wird darin bestimmt, daß in Zukunft Haus- und Bankschlächter nicht mehr als Trichinenschauer angestellt werden dürfen, weil die Gefahr vorliege, daß diese Schlächter die Untersuchungen nicht mit der erforderlichen Sorgfalt ausführen.
Der diesjährige Parteitag der Sozial- demokratie soll Anfang September in Hamburg abgehalten werden. Die Hauptpunkte der Berathungen würden diesmal Stellungnahme zu den Landtagswahlen und die veränderte Taktik der Partei bei einer etwaigen Aenderung des Vereinsgesetzes bilden. Auch der Programmpunkt „Religion ist Privatsache", der schon innerhalb der Partei zu vielen Streitigkeiten Anlaß gegeben hat, soll gründlich durchberathen werden, Bebels Wunsch soll es besonders sein, zwischen Parteiangehörigkeit und der Religionsfrage endlich einmal Klarheit zu schaffen.
Eine neue Polizeiverordnung gegen die Singspiel- hallen und Chantants soll am 1. Oktober in Berlin in Kraft treten. Sämmtliche Inhaber derartiger Institute haben die Theaterkonzession ;.u erwerben; diejenigen EtalM.men:s, n-eM ftej bis zum 1. Oktober d. I. nicht im Besitze dieser Konzession befinden, werden geschlossen.
Eine in Wiesbaden abgehaltene sozialdemokratische Versammlung beschloß auf Empfehlung ihre« durchgefallenen Kandidaten Dr. Quarck einstimmig strengste Stimmenthaltung bei der Stichwahl zum Reichstage. Danach wäre die von einem Berliner Blatt verbreitete Meldung, die Sozialdemokraten würden für den Centrums- kandidaten stimmen, nicht zutreffend.
Dem Reichsanzeiger zufolge ist der Admiral Hollmann in Genehmigung seines Abschiedsgesuches von der Stellung als Staatssekretär des Reichs-Marineamts entbunden und der Contre-Admiral Tirpitz zum Staatssekretär de« Reichs-Marineamts ernannt.
Auslanv.
Auf der Place de la Concorde ist in Paris vor der Statue der Stadt Straßburg eine Bombe explodiert. Es wurde niemand verletzt, auch wurdekein Schade angerichtet. Der Polizeipräfekt hat die Untersuchung eröffnet.
Die vom Kongo her eingehenden Privatbriefe schildern die Lage viel ernster, als die Kongo-Regierung angegeben hatte. Die von dem Kommandanten Baron D'Hanis befehligte Nilarmee ist vollständig zersprengt. Die aufrührischen Soldaten haben nicht nur 21 belgische Offiziere und Unteroffiziere ermordet, sondern haben sich auch alles Gepäckes der Weißen bemächtigt. Sie haben 3000 Gewehre, 245 000 Patronen und alle Lebenemittel mitgenommen; die sieben Weißen, welche die Munition bewachten, wurden niedergemacht.
Der nordamerikanifche Senat hat einen Antrag, die Differenzialzölle auf Zucker herabzu- fetzen, abgelehnt und einen Antrag angenommen, wonach jede Klaffe Rohzucker von Java und den Philippinen </10 Cent auf das Pfund weniger Zollgebühren zahlen soll als Rohzucker anderer Länder.
Die Botschafter in Konstantinopel halten immer noch Besprechungen über die Festsetzung der Friedensbedingungen ab. Die Verhandlungen betreffen eine Berichtigung der thessalischen Grenze, die Kriegsentschädigung und die Frage der Kapitulationen. Neben diesen Konferenzen treten drei technische Kommissionen regelmäßig zusammen und werden von den Botschaftern über die jeweilig zur Berathung stehende Frage zu Rathe gezogen. Die Nachrichten von einer Vermehrung der türkischen Armee, einer Neuformation der Kavallerie und einer Neubestellung von Mausergewehren sind unbegründet. Aus den Mustahfis (Landsturm), welche aus Den Vilajets Monastir, Saloniki und Smyrna einberufen sind, werden keine Divisionen gebildet. Dieselben sind zur Besatzung für die von den Truppen entblößten Garnisonsorte und zur Ersatzreserve für die Operations- armee bestimmt.